Kurze Zusammenfassung meiner Methode

Da ich derzeit an einem umfangreichen Buch über meine Methode arbeite, ist es nicht einfach, diese in wenigen Worten zusammenzufassen. Das folgende Diagramm zeigt den modularen Aufbau dieser Art zu musizieren und Klavier zu spielen:
Die modulare Klaviertechnik
Körperhaltung: Haltung des gesamten Spielapparates:

Der Körper wird als Stütze verwendet; man spielt sozusagen gegen und nicht mit dem Körper. Dieser muss allgegenwärtig sein d.h., dass seine Position ständig an die Anforderungen der Finger anpasst wird.

Elimination von Gewicht und Druck:

Die Konzentration richtet sich nicht auf den Tastengrund, wie es bei den Techniken, die auf Gewicht basieren, meistens der Fall ist (das Gewicht braucht dabei unbedingt eine Fläche, auf die man es legen kann), sondern auf den Tastenweg und auf die Geschwindigkeit, mit der dieser Weg "begangen" wird. Diese Voraussetzungen (der Körpereinsatz, sowie die Konzentration auf Tastenweg und Anschlagsgeschwindigkeit) erhöhen die Kontrolle über die Gestaltung der Entwicklung der Geschwindigkeit während des Tastenweges und erlauben somit eine große Anzahl von Anschlagsarten. Diese Art zu spielen macht erst die Benützung der "Halben Taste" (des Anschlags bis zur Hälfte des Tastenweges) und deren Vorteile für schnelle Repetitionen, pianissimo und begleitende Figuren möglich. Das Cantabile profitiert unter anderem auch von der Möglichkeit, den Hammer bis knapp vor die Saite zu begleiten und auf diesem Weg seine Bewegung beschleunigen zu können.

Impulse, Zwischenzeiten:

Die Technik der Impulse ist eine Anpassung an das Wesen des Klavieres als "Schlaginstrument mit Saiten" und führt zu einem binären Denken. Das Klavier ist, im Gegensatz zu den Streich- oder Blasinstrumenten, ein (was den Ton betrifft) diskontinuierliches Instrument; d. h. die Bewegungen erfolgen in zwei Phasen: dem Anschlag und der Zeit bis zum nächsten Anschlag. Jeder Anschlag wird mit einem Impuls (einem kurzen Energiestoß) durchgeführt, gefolgt von einer Zwischenphase (der Zwischenzeit), in welcher der Grundzustand (das Kontinuum) wiederhergestellt werden muss. Dieser Grundzustand ist auch immer wieder Ausgangspunkt für jeden neuen Impuls. Jeder neue Impuls muss grundsätzlich aus diesem Zustand entstehen.

Die Taste erlaubt nur eine senkrechte Bewegung, daher muss jede Fingerbewegung diese Richtung verfolgen, um mit der Klaviermechanik harmonieren zu können. Man kann zwar Töne, nicht aber senkrechte Bewegungen miteinander verbinden; daher bleiben die für die Erzeugung des Tones notwendigen Bewegungen einzeln und ohne Zusammenhang. Jeder Anschlag muss also die notwendigen Informationen beinhalten, um einen Ton zu erzeugen, der zu den vorhergehenden und nachfolgenden Tönen passt. Die Einbeziehung des binären Denkens schafft erst die Möglichkeit die große Linie (den großen Bogen) aufzubauen der schlussendlich das große Ziel in der Musik darstellt. Diese große Linie entsteht (genauso wie im Film) aus einer Reihe von einzelnen Elementen, die, nacheinander erscheinend, als optische beziehungsweise in diesem Fall akustische Täuschung, den Eindruck eines Ganzen hervorrufen. 

Um irgendeine Handlung durchführen zu können, muss man zuerst wissen, WAS man vorhat; dazu dient das Modul Kreis-Methode. Dabei wird ein Werk in kleine musikalische Abschnitte unterteilt, und diese werden dann einzeln nach einem genau detaillierten Plan auswendig gelernt. Dabei wird der gesamte Inhalt in einzelnen Gedächtniskomponenten (Schichten) gespeichert (also im fotographischen, akustischen usw.) wobei sich während des ganzen Lernprozesses diese einzelnen Gedächtniskomponenten überlagern und verschmelzen, um schließlich ein gesamtes Bild, nämlich die Summe aller Gedächtnisschichten, entstehen zu lassen. Diese Bilder müssen dynamisch im Kopf erscheinen, bevor man einen Ton oder eine Gruppe von Tönen spielt, um auf diese Weise das automatische (unkontrollierte) Spielen zu unterdrücken.

Gruppenordnung, Punkte in der Zeit:

Ist die Frage nach dem WAS geklärt, so ist die nächste große Frage, WANN dies geschehen soll - d.h. wann ein bestimmter Ton (Impuls) gesetzt werden soll (Punkte in der Zeit, siehe FAQ, Frage Nr.11). Die Impulse müssen zu vorgegebenen Zeitpunkten erzeugt werden; dabei spielt die Organisation des Rhythmus eine wesentliche Rolle. Als Erweiterung zu der allgemeinbekannten metrischen Betonung mit schweren und leichten Noten gibt es meine "Gruppenlehre". Die Trägheit der Bewegung bewirkt, dass angefangene Bewegungen leichter und neue Bewegungen schwerer zu erzeugen sind. Dieses Trägheitsprinzip verursacht eine Beschleunigung innerhalb einer Gruppe von Noten; die Gruppe zieht sich zusammen, sie schrumpft. Um die Beschleunigung sich nicht unkontrolliert ausweiten zu lassen (als das bekannte "Laufen" bezeichnet), muss die erste Note der nächsten Gruppe jenen Platz innerhalb des Taktes, der von den Noten der unmittelbar nächsthöheren Notenwertebene bestimmt wird, behalten. Dadurch wird der zeitliche Abstand zwischen den Notengruppen geringfügig erhöht. Man spricht von einer "zeitlichen Gruppentrennung". Diese Ordnung, die aus den oben beschriebenen Phänomenen entsteht, wird hier als Standardordnung bezeichnet. Diese Standardordnung wird dann an die musikalischen Gegebenheiten des Stückes angepasst. Daraus entsteht schließlich die definitive Ordnung und somit die Proportionen, welche die relativen Abstände zwischen den Tönen, unabhängig vom realen Tempo, bestimmen. Hat man so eine Ordnung hergestellt und ist diese Ordnung in Bewegung gesetzt worden, so weiß man den richtigen Zeitpunkt, also WANN jeder Ton (Impuls) kommen soll, ganz genau.

Yin-Yang-Prinzip:

Das nächste große "W" ist das WIE. Dafür ist die Art, in der sich die Bewegungen entwickeln, von größter Wichtigkeit. Bewegungen können mehr oder weniger Spannung haben, auf- oder absteigend, rund oder geradlinig verlaufen, sowie nach innen oder nach außen strebend, kurz gesagt, Yin oder Yang sein (Siehe FAQ, Frage Nr. 12).

Trägheit der Masse als bestimmendes Element:

Die Trägheit der Masse äußert sich praktisch in jeder durchgeführten Bewegung und beeinflusst diese; daher bildet sie auch die Grundlage für die meisten Vortragsregeln. Jede Richtungsänderung, zum Beispiel bei einem Wendepunkt, entwickelt eine zentrifugale Kraft und eine Kurve, in der (durch den Einsatz neuer Kräfte) die Bewegung zuerst abgebremst wird und erst im Anschluss daran wieder zunimmt, sobald sich die neue Richtung etabliert hat.

Ich verstehe meine Methode als einen Rahmen, innerhalb dessen wir uns frei bewegen und unsere musikalischen Intentionen ungehindert entfalten können.

Aktualisiert am 17.03.2002

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