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Die Prinzipien des Aikido
Copyright © 2001 Friedrich Kemler



Shisei



Shisei
Shisei Die beiden Zeichen bedeuten Gestalt, auch im ästhetischen Aspekt, und Vigor, Vehemenz. Die Bedeutung des Wortes Shisei ist die Körperhaltung aus der Kraft entspringt.

Einerseits ist die Struktur der Haltung verantwortlich für die Stabilität beim Ausführen der Technik. Andererseits wirkt die Körperhaltung auch immer auf die psychische Haltung zurück.

Die Körperhaltung ist aber nicht statisch fixiert. In der Schwertschule Ittôryû gibt es den Begriff der "Wolkenstellung" (Kumonokamae). Eine Wolke scheint eine Gestalt zu haben. Wenn sie jedoch auf einen Berg trifft, umschließt sie ihn, und es prasseln Regen, Hagel und Blitze auf ihn herab. Genau das gleiche passiert wenn ich auf meinen Gegner treffe.



Tanden



Tanden
Tanden Tanden bedeutet "Feld des Elixiers". Der Begriff kommt aus der klassischen Chinesischen Medizin, und bezeichnet drei Energiezentren im menschlichen Körper. Das untere Tanden liegt unterhalb des Nabels im Schwerpunkt des Körpers das mittlere Tanden liegt im Solarplexus und das obere Tanden liegt zwischen den Augen in der Mitte des Kopfes.

Die Bedeutung dieser Zentren für die Kampfkunst ist vielfältig. Achtet man zB. darauf, daß das obere Tanden immer senkrecht über dem unteren Tanden ausbalanciert ist, bringt das automatisch eine gute Haltung. Auch soll das Empfinden der Atmung in das untere Tanden gelegt werden. Die Fülle der Energie soll immer unten liegen. So wird im Iging, dem Buch der Wandlungen, dem Hexagramm mit Feuer unten und Wasser oben wesentlich mehr Potential zugeordnet, als dem Hexagramm mit Wasser unten und Feuer oben. Das Feuer erhitzt das Wasser, und der resultierende Dampf kann Arbeit vollbringen.

In der Technik verbindet man das untere Tanden mit dem Führungspunkt am Partner, zB. der Hand oder dem Kopf, und leitet damit die Bewegung.



Kokyû



Kokyû
Kokyû Die Zeichen bedeuten Ausatmen und Einatmen. Interessant ist die Reihenfolge. Das Ausatmen ist wichtig zur Vorbereitung des Einatmens. Die Aufmerksamkeit sollte daher eher auf dem Ausatmen liegen. In der Übung Jaki wo haku befreit man sich durch energisches Ausatmen von schlechtem Ki.

Die Atmung ist generell ein Mittel zur Verbindung. Sie Verbindet Körper und Geist. Sie verbindet meine Bewegung mit der des Partners. Nach archaischen Vorstellungen des Shintô verbindet sie das Ki des Menschen mit dem das Ki des Kosmos. Himmel und Erde werden durch das Ki des Kosmos verbunden, und durch die Atmung kann sich der Mensch in diese Verbindung einklinken.

Die (Bauch)Atmung wird auch verwendet um Energie im unteren Tanden zu erzeugen.

In der Technik sorgt die richtige Atmung für die Integration der Bewegung und ermöglicht fließendes Werfen des Partners.



Riai



Riai
Riai Riai ist die Logik in der Technik. Jede Kampfkunst baut ihre Techniken auf gewissen logischen Prinzipien auf.

Im Aikidô verbinde ich über das Gefühl (Ki) meine Bewegung mit der des Partners (Aiki), breche gleichzeitig seine Struktur (Shisei) und damit sein Gleichgewicht (Kuzushi) um schließlich eine Festhalte- oder Wurftechnik (Waza) anzuwenden. Das Ganze geschieht über eine Manipulation eines oder mehrerer Gelenke des Partners.

Die Effizienz der Technik basiert auf Riai, ist aber abhängig von einer korrekten Anwendung aller anderen Prinzipien.



Tegatana



Tegatana
Tegatana Tegatana ist die Schwerthand. Dieses Prinzip kommt aus rituellen Handhaltungen im tantrischen Buddhismus und im alten Shintô. Diese Übungen stärken das Energiezentrum im Handteller (Rôkyû) und wirken positiv auf den ganzen Körper. Die Grundlage dafür ist der Reichtum der Hand an Nervenenden. Das Ganze funktioniert ähnlich wie in der Reflexzonenmassage.

Die Form von Tegatana kommt von Kenin, einer Handhaltung in Chinkonhô, einer Meditationsform im Shintô. Dabei werden die Hände gefaltet, die Zeigefinger ausgestreckt und alle anderen Finger verschränkt. Trennt man die Hände, ergibt sich daraus Tôin, eine Handhaltung, bei der alle Finger gestreckt sind, Zeige- und Mittelfinger leicht gespreizt, Ring- und kleiner Finger leicht gespreizt und Daumen in drei verschiedenen Richtungen zeigen. Diese Form ist in der Daitôryû die Norm. Im Aikidô ist diese Form etwas abgeflacht, das Gefühl ist aber das gleiche.

In der Schwertkunst gibt es ein ähnliches Konzept. Es heißt dort Tenouchi - das Innere der Hand. Es wird dabei die Kraftverteilung auf die einzelnen Finger beim Halten des Schwertes beschrieben. Kraft und Gefühl liegen wieder in Rôkyû.



Metsuke



Metsuke
Metsuke Metsuke bedeutet "die Augen anheften". Das Beibehalten der Blickrichtung bewirkt eine Bündelung der Energie. Da der Blick nicht fokussiert ist, bleibt dabei die periphere Aufmerksamkeit erhalten.

Längeres Beibehalten der Blickrichtung oder die visuelle Konzentration (zB. auf eine Kerzenflamme) werden auch in vielen Meditationsformen eingesetzt.



Aiki



Aiki
Aiki Aiki ist das Grundprinzip der Daitôryû und aller daraus entstammenden Richtungen, zu denen auch Aikidô gehört. Man findet dieses Konzept aber auch in der Schwertkunst, zB. in der Ittôryû, die in Aizu immer schon mit der Daitôryû in Zusammenhang stand.

Auf technischer Ebene bedeutet Aiki das Einklinken in den Rhythmus des Angriffs. Das ist die Basis für die erfolgreiche Ausführung einer Technik. Grundlage dafür ist die Öffnung der Wahrnehmung (Munenmusô = frei von störenden Gedanken) sowie die Atmung (Kokyû) in Verbindung mit der Stimme (Kiai). Es wird gesagt, daß Aiki und Kiai der innere bzw. der äußere Aspekt der gleichen Sache sind.

Auf psychologischer Ebene bedeutet es Empathie, Empfänglichkeit für die Gefühle anderer Menschen. Über diesen Mechanismus bewirkt die Übung des Aikidô, daß sich der Charakter des Übenden zum friedvollen wandelt.

Auf spiritueller Ebene schließlich bedeutet Aiki oder Takemusuaiki die innere Verbindung mit allen Wesen, mit der Natur, dem Ursprung, mit dem ganzen Kosmos. Diese Verbindung ist das Ziel vieler östlicher Traditionen. Der Begriff Yoga bedeutet genau dasselbe.




Warum Aikido ?

Aus welcher Motivation heraus sollten Menschen des eingehenden 21. Jahrhunderts in Europa eine Kampfkunst üben, deren technische Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert Japans zurückgehen und die im beginnenden 20. Jahrhundert in Japan ausformuliert und um philosophische Inhalte aus Shinto und Buddhismus bereichert wurde ?

Aikido ist ein Ausflug in die echte Realität

Unser heutiges Leben wird in zunehmendem Maß durch virtuelle Realitäten geprägt. Aus der virtuellen Realität der Spreadsheets, Powerpoint Präsentationen und Webpräsenzen im Berufsleben wechseln viele Menschen in ihrer Freizeit in die virtuellen Realitäten der Chatrooms, Games und Videos.

Im Aikidotraining vollführt man echte Bewegungen, berührt echte Menschen, schwitzt echten Schweiß und fühlt echten Druck, echte Erschütterungen und manchmal auch ein wenig echten Schmerz. Viele Aikidotreibende empfinden das als wohltuenden Urlaub von den virtuellen Realitäten bei dem man sich so richtig lebendig fühlt.

Aikido gibt Energie und Konzentration

Im Aikido lernen wir hochkonzentriert, zielgerichtet und maßvoll zu handeln. Wir üben auch, diese Energie und Konzentration über längere Zeiträume aufrecht zu erhalten. Viele von uns haben die Erfahrung gemacht, dass ihnen der konzentrierte, effiziente und ausdauernde Energieeinsatz, wie sie ihn im Aikido üben, in Schule, Studium und Berufsleben wertvolle Dienste leistet.

Aikido trainiert Körper und Geist

Aikido basiert auf der Übung der Einheit von Körper, Geist und Atmung. Diese Art von Übung entwickelt einen gesunden Körper und einen ausgeglichenen Geist die harmonisch miteinander wechselwirken. Das stärkt die Gesundheit und die allgemeine Lebendigkeit.

Aikido schult Kommunikation

Die Auseinandersetzung mit einem Angreifer ist eine gute Metapher für Kommunikation in Konfliktsituationen. Wir lernen im Aikido die Konfrontation in Kooperation zu verwandeln. Wir lernen unser Gegenüber in seinen Bewegungen, Absichten und Emotionen zu fühlen. Das wiederum schult unsere generelle Empathie und Kommunikationsfähigkeit.

Aikido gibt Selbstsicherheit

Wenn ich in der Trainingssituation einem Angriff gegenüberstehe, dann kann ich am besten damit umgehen, wenn ich selbst hundertprozentig und authentisch dort stehe und agiere. Wenn ich nur das Bild, das ich gerade von mir habe dort hinstelle, funktioniert die Übung auch dann nicht so gut, wenn dieses Bild das eines sehr starken Menschen ist. Im Aikido lernt und übt man sein wahres, authentisches Selbst zu finden und auszudrücken.

Aikido ermöglicht effiziente Selbstverteidigung

Leider gibt es immer wieder Menschen, es als sinnvoll oder wohltuend empfinden, anderen Menschen Gewalt anzutun. Im Gegenzug kommt dann der Ruf nach mehr Überwachung und strengeren Strafen. Wenn jeder von uns ein wenig Verantwortung für seine eigene Selbstverteidigung übernimmt, steigt die Selbstsicherheit, sinkt die Angst und wir können mit der dadurch gewonnenen Zivilcourage dieser Entwicklung entgegensteuern.

Die Erfahrungen von einigen unserer Vereinsmitglieder zeigen, dass sich Aikido bei entsprechend ernsthaftem Training hervorragend zur Bewältigung von Gefahrensituationen eignet und zwar von der kompletten Vermeidung eines potentiellen Angriffs durch Aufmerksamkeit und umsichtiges Verhalten, über ruhiges Ausweichen und auf Distanz halten des Angreifers bis er die Sinnlosigkeit erkennt und ablässt bis hin zur aktiven körperlichen Kontrolle des Angreifers.

Aikido macht Spaß

Das ist wohl die wichtigste Motivation für alle Aktivitäten die wir in unserer Freizeit unternehmen. Im Aikido werden einige grundmenschliche Bedürfnisse angesprochen und erfüllt. Ob Aikido Spaß macht, muss aber jede oder jeder für sich selbst entscheiden, nachdem er es ausprobiert hat.



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