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Somatische Stimulation Validation

kaeferan1.gif (7550 Byte)   ASE = Atemstimulierende Einreibung     kaeferan1.gif (7550 Byte)

Allgemeines zur ASE Zielgruppe der ASE Kontraindikation
Ziel der ASE Grundvoraussetzung Ausführung der ASE

Die Atmung des Menschen bietet eine faszinierende Informationsquelle über seine Befindlichkeit. Eine veränderte Atmung signalisiert sowohl somatische, psychische, wie geistige Aktivitäten oder Einschränkungen.

Vielleicht haben Sie auch schon bei beatmeten Patienten, die bereits ihre Atmung selber steuern, beobachtet, daß sie sehr sensibel auf Reize reagieren. So kann es sein, daß ein Patient mit einer deutlichen Atemfrequenzerhöhung reagiert, wenn er von einem Angehörigen Besuch bekommt. Ebenso ist es möglich, daß ein Patient mit einer unruhigen, oberflächlichen Atmung durch seinen Angehörigen zu einer ruhigen und tiefen Atmung animiert wird.

Menschen, die eine hohe Unruhe, bzw. eine mangelnde Körperwahrnehmung haben, weisen eine hochfrequente, oberflächliche Atmung auf. Der Atem dringt nicht tief ein, sondern es findet nur ein Luftaustausch im oberen Lungenanteil statt.

Besonders deutlich wird diese Atmung bei Patienten, die sich selbst aufge-geben haben. Sie haben kein Interesse mehr an der Welt, daher sind sie nicht bemüht, die Luft tief in sich eindringen zu lassen. Wenig Luft zu haben, be-deutet auch gleichzeitig wenig Kraft zu haben.

Der Atemmangel führt dazu, daß der Patient nur noch die Kraft besitzt, sich wahrzunehmen. Aber auch diese Fähigkeit kann schon eingeschränkt sein. Das bedeutet, er hat keine Energie mehr, wahrzunehmen, was um ihn herum geschieht. Er zieht sich immer weiter in sich zurück. Ein aktiver Austausch mit seinem sozialen Umfeld findet kaum noch statt.

Besonders deutlich wird eine Atemreduktion bei depressiven Menschen.

 

Ziel der ASE ist es, dem Patienten zu einer gleichmäßigen, ruhigen und tiefen Atmung zu verhelfen. Damit soll bei dem Patienten die Körperwahrnehmung unterstützt sowie seine Konzentrationsfähigkeit und Bereitschaft für Außenreize gefördert werden.

Menschen, die eine ASE erhalten sollten, kennzeichnen sich primär durch eine oberflächliche, rasche und zum Teil auch unregelmäßige Atmung.

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Zielgruppe der ASE sind aus diesem Grunde Patienten mit

Schmerzen
Depressiven Zuständen
Einschlafstörungen
Wahrnehmungsverlusten des Körpers (z.B. Patienten mit Morbus Alzheimer oder demente Menschen)
Menschen vor schweren operativen oder diagnostischen Eingriffen
Nach malignen Diagnosemitteilungen
Beatmete Patienten zur Unterstützung des Abtrainierens vom Beatmungsgerät

Kontraindikation bei der ASE sind nicht bekannt. Liegt z.B. eine verlangsamte Atmung vor, wird mit der ASE versucht, die Atemfrequenz an die Normfrequenz zu adaptieren.

Grundvoraussetzung für eine ASE ist die Fähigkeit der Pflegenden, sich auf die Maßnahme in Ruhe einlassen zu können. Eine ASE benötigt ca. 5 Minuten Zeit. In dieser Zeit sollten Störungen unterbleiben. Oftmals ist es den Patienten nach der ASE möglich, Aktivitäten bewußt zu verfolgen, die an ihnen stattfinden oder sogar diese gezielt mit zu unterstützen.

Die Hand der Pflegenden kommt eine hohe Bedeutung zu. Gerade bei der ASE muß der/die Pflegende in der Lage sein, seine/ihre Hand dem Körper des Patienten anzupassen. Die Hand muß "fühlend denken" können!!! Die Wahrnehmungsfähigkeit der Hände der Pflegenden ist von hoher Bedeutung, um gezielt zu erfassen, welche Resonanz der zu pflegende Mensch auf die Körperliche Berührung zeigt.

Hand anlegen zu können ist eine der schwierigsten Pflegefähigkeiten. Neben der Möglichkeit, die Berührung eines Patienten konkret und fördernd durchzuführen zu können, müssen Pflegende über eine Art "sprechender Hände" verfügen, die sowohl Ruhe und Entspannung, wie Wachheit und Lebendigkeit vermitteln können. Es muß vor allem eine Eindeutigkeit der Information durch die Hände vorliegen.

Die Pflegenden sollen ihre eigenen Hände sehr schätzen und mögen. Eine Pflegende, die ihre Hand nicht mag, wird wenig Bewußtsein in dieser haben. Das heißt, sie wird wenig mit ihren Händen wahrnehmen können. Sie wird eher geneigt sein, einen Patienten härter oder zu flüchtig zu berühren.

Der Händedruck ist oftmals biographisch "erarbeitet". Es lohnt sich hier für jeden einzelnen nochmals nachzuvollziehen, ob die Stärke es Händedrucks ("Waschlappen" oder Bodybuilder) ihm eine Information auch darüber gibt, wie er sein Leben "anfaßt".

 

Die ASE wird ohne Handschuhe durchgeführt. An den Händen sollte kein Schmuck sowie keine Uhr sein. Die Hände sollten warm sein.

Die Hände des Pflegenden sollten bei der ASE in der Lage sein, gleichzeitig arbeiten zu können und in jeder Hand differenzierte Drücke in verschiedenen Handabschnitten aufbauen zu können.

Primär wird der Rücken des Patienten für die ASE ausgewählt, da der Rücken eine zumeist nicht gleich hohe Intimität hat wie der vordere Brustkorb. Eine Ausnahme bilden hierbei fast nur Beatmungspatienten, diese werden von vorne atemstimulierend eingerieben.

Ausführung:

Für die ASE wird eine möglichst unparfümierte Lotion verwendet. Die Lotion wird in den Handflächen gleichmäßig verteilt und auf den Körper aufgetragen, immer vom Nacken zum Steiß, der Körperbehaarung folgend. Dabei sollen besonders die Brustkorbseiten mitbedacht werden. Die Hände werden ab jetzt nie mehr gleichzeitig vom Körper genommen, der Handwechsel erfolgt versetzt.

Nun werden die Hände gleichzeitig mit kreisenden Bewegungen auf dem Rücken Richtung Steiß geführt. Dabei werden mit der Hand ganz spezifische Drücke ausgeübt. Neben der Wirbelsäule verlaufen die Austrittsstellen der Nerven.


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Mit den Händen werden rechts und links neben der Wirbelsäule mit dem Daumen/Zeigefinger und der dazugehörigen Handfläche ein starker Druck ausgeübt. Die Hände lassen dabei immer den Dornfortsatz frei und bewegen sich als ein geschlossenes Ganzes, d.h. der Daumen spreizt sich nicht ab, ebenso nicht die Finger. Die Hände werden nun nach außen gedreht und drücken ebenfalls den Brustkorb und schließen sich dann ohne Druck zu einem Kreis. Es folgt der nächste Kreis. Jeder Kreis sollte atemsynchron durchgeführt werden. Dabei ist der Atemrhythmus des Einreibenden von Bedeutung, nicht der des Patienten. Da der Patient eine veränderte Atmung hat, wäre es nicht günstig, ihn darin auch noch zu bestärken. Der Atem-rhythmus der Pflegenden sollte bei erwachsenen Patienten zwischen 17-20 Atemzüge pro Minute liegen. Das Verhältnis der Ein- und Ausatmung beträgt 1:2. Die Ausatmung wird durch den Druck links und rechts der Wirbelsäule provoziert, die Einatmung erfolgt bei den Schließen des Kreises mit den Händen ohne Druck.

Ist man am Rückenende angekommen, werden die Hände versetzt wieder zur Schulter gebracht, nachdem der erste Druck rechts und links neben der Wirbelsäule erfolgt ist.

Die gesamte Einreibung findet zwischen fünf- und achtmal, komplett den Rücken und die Seiten umfassend, statt. Die Einreibung endet mit deutlichen Abstrichen vom Nacken zum Steiß. Dabei werden die Hände ebenfalls nicht gleichzeitig vom Körper genommen.

 

Literaturliste:

    Bienstein, C./ Steinkamp, D./ Schürenberg, A.: Atmen
    AVA Film M. Schrader, Duisburg 1994

    Bienstein, C./A. Fröhlich: Basale Stimulation in der Pflege.
    Verlag selbstbestimmtes Leben Düsseldorf, 1991.

    Fuchs, M.: "Funktionelle Entspannung- Theorie u. Praxis einer organismischen Entspannung über den rhythmisierten Atem"
    Stuttgart 1974

    Hauschka, M.: Rhythmische Massage nach Dr. Ita Wegman.
    Verlag: Schule für künstlerische Therapie und Massage 1972.

    Lehmann, A.: Basale Stimulation in der pflege verwirrter Patienten am Beispiel der Atemstimulierenden Einreibung.
    In: Lehmann, A. et. al.: Berichte zur Pflege, Forschung und Entwicklung der Pflegepraxis. Bd. 9
    Zimmermann Verlag Dorsten 1994

    Lidell, L et. al.: "Massage - Anleitung zu östlichen und westlichen Techniken"
    Mosaik Verlag München 1986

    Mall, W.: Basale Kommunikation - ein Weg zum Anderenî.
    In: Geistige Behinderung. 23. Jahrg., 1984/ Heft 1, Inneneil

    Michel, F.B.: Der geraubte Atem.
    Kreuz Verlag Zürich, 1991.

    Middendorf, I.: Der erfahrbare Atem - Eine Atemlehre.
    Junfermann-Verlag Paderborn, 1984.

    Montagu, A.: Körperkontakt.
    Klett-Cotta Verlag Stuttgart 1987.

    Schürenberg, A.: Die ASE
    Pflege Bd. 6/1993 Huber Verlag

    Abbildungen aus: Bartoszek, G.; Nydahl, P.: Basale Stimulation - Grundlagen und
    Anwendung in der Pflege. Ullstein Medical, Wiesbaden 1998, mit freundlicher
    Genehmigung des Autoren.

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