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Forschungsfeindliche Ausleihbegrenzung der „Österreichischen Nationalbibliothek“ Seit zwei, drei Monaten dürfen Forschende an der „Österreichischen Nationalbibliothek“ täglich nur noch fünf Werke zur gleichzeitigen Benützung online bestellen. Nach der elektronischen Bestellung von fünf Büchern können sie weitere Bestellungen nur noch mit konventionellem Papierbestellschein durchführen, selbst wenn sie bereits alle am selben Tag online bestellten Bücher zurückgegeben haben. Zudem wird die Ausgabe all jener online bestellten Werke, die über dieses umstrittene Fünfer-Kontingent hinausgehen, für mindestens drei Tage gesperrt: Wer etwa sechs Werke online bestellt hat, kann das sechste, dessen Ausgabe verweigert wird, erst „frühestens“ nach „3 Werktagen“ erneut bestellen - siehe den Stempelvermerk auf dem nachfolgend abgelichteten Bestellschein:
Bestellschikanen statt Bestellservice Der Zwang zum Ausfüllung von Papierbestellscheinen, auf denen mehrmals händisch Benutzername, Benutzeradresse, Buchautor, Buchtitel, Signatur und Datum angeben werden müssen, ist eine Schikane, die umso unverständlicher ist, als in den vergangenen Jahren mit hohen Kosten die EDV-Bestellvariante geschaffen wurde, die nun den eifrig Forschenden, d.h. allen, die mehr als 5 Werke pro Tag online bestellen wollen, vorenthalten wird. Diese jüngste Service- und Angebotsverschlechterung der „Österreichischen Nationalbibliothek“ bedingt einen deutlich höheren Bestellaufwand, da die Forschenden wegen der Halbierung des Bestellkontingentes ihre Online-Bestellungen auf mehrere Tage verteilen müssen, wofür sie nun öfters eigens die „Österreichische Nationalbibliothek“ aufzusuchen haben, deren Benützung zunehmend auch durch fehlende freie Garderobekästchen erschwert wird. Mangelware: freie Garderobekästchen und Leseplätze Denn immer öfter werden Forschende, die die österreichische Nationalbibliothek als „zentrale wissenschaftliche Bibliothek der Republik Österreich“ nutzen wollen, als die sie sich in ihrem Leitbild definiert, vom Bibliotheks- und Lesebereich ausgesperrt, weil tagsüber nicht ausreichend freie Garderobekästchen und Leseplätze vorhanden sind, was aber nur zu einem geringen Teil davon herrührt, dass an der Nationalbibliothek so viel und eifrig geforscht wird. Vielmehr wird die „Österreichische Nationalbibliothek“, die sich in ihrem Leitbild stolz als „dienstleistungsorientiertes Informations- und Forschungszentrum, als herausragende Gedächtnisinstitution des Landes“ anpreist, von BesucherInnen, die nachweislich nicht die Bestände der Nationalbibliothek nutzen und somit auch keinen Bestellaufwand verursachen, vorwiegend als Gratis-Internetcafé zweckentfremdet, obwohl die Leseplätze der „Österreichischen Nationalbibliothek“, einer Präsenzbibliothek, zum Studium der bibliothekseigenen Medien, nicht für die ausschließliche Lektüre mitgebrachter Unterlagen bzw. als Internetcaféstammtische gedacht sind. Zweckentfremdung wegen Gratisinternetzugangs Zum Bedauern vieler Forschender wird die wissenschaftliche Nutzung der „Österreichischen Nationalbibliothek“ und ihrer Bestände seit längerem durch BesucherInnen erschwert bzw. behindert, die die Lesesäle allein deshalb frequentieren, weil sie dort stundenlang kostenfrei im Internet surfen, chatten und ihre E-Mail-Korrespondenzen erledigen können. Das alles könnte diese Klientel, die der Generaldirektorin der „Österreichischen Nationalbibliothek“ besonders zusagt, weil sie die Lesesäle füllen und die Besucherstatistik erhöhen, aber keinen eigenen Bestellaufwand verursachen, auch überall sonst erledigen, ohne dafür die zahlenmäßig und zeitlich beschränkten Leseplätze einer wichtigen Präsenzbibliothek in Beschlag zu nehmen. Die von Forschenden heftig beklagte Überzahl von BibliotheksbesucherInnen, die nachweislich nicht am Medienangebot der „Österreichischen Nationalbibliothek“, sondern bloß an deren kostenlosen Internetzugang interessiert sind, wäre kein Problem, wenn sie nicht zu Lasten jener Forschenden erfolgte, die auf die raren Leseplätze angewiesen sind, weil sie das Medienangebot der „Österreichischen Nationalbibliothek“ eben nur vor Ort nutzen können. Privatisierung von Spindschlüsseln Der Mangel an frei verfügbaren Garderoben rührt auch daher, dass viele BesucherInnen der „Österreichischen Nationalbibliothek“ die Garderobenschlüssel außer Haus mitnehmen, wenn sie die Nationalbibliothek mehrere Viertelstunden verlassen. Damit stellen sie auf Kosten anderer sicher, dass sie selbst bei ihrer Rückkehr sofort einen freien Garderobenschrank zur Verfügung haben. Durch diese Rücksichtslosigkeit ist zwar der jeweilige Garderobenschrank mehrere Viertelstunden leer, aber dennoch besetzt, was anderen BesucherInnen den Zugang zur Nutzung der „Österreichischen Nationalbibliothek“ deutlich erschwert. Behinderung der Forschung Tagtäglich sind viele Forschende verärgert, die eigens in die „Österreichische Nationalbibliothek“ fahren, um deren Medien zu nutzen, dort aber keinen freien Garderobenschrank erhalten, worauf sie weder den Bibliotheksbereich betreten, geschweige denn die eigens bestellten Medien nützen oder kopieren können. Immer öfter müssen Forschende trotz nennenswerten Zeitverlustes (wiederholte An- und Abfahrt, Wartezeiten auf freie Spinde) unverrichteter Dinge abziehen, weil der Großteil der Spinde und Leseplätze von Personen besetzt wird, die gar nicht am Medienangebot der „Österreichischen Nationalbibliothek“, einer Präsenzbibliothek, sondern bloß an einem zentral gelegenen, gemütlichen Sitzplatz mit Internetanschluß interessiert sind. Rasche Problemlösung erforderlich Die von den massiven Angebots-, Nutzungs- und Serviceverschlechterungen betroffenem Forschenden hoffen, dass die angesprochenen Probleme die Medien, die Öffentlichkeit, die ressortzuständigen Bildungs- und Wissenschaftsministerinnen sowie die Bildungs- und WissenschaftssprecherInnen der im Parlament vertretenen Parteien so interessiert, dass in der Folge die „Österreichische Nationalbibliothek“ wieder forschungsfreundlicher wird. Update: 16. Februar 2011 Nachdem ich am 10. Februar 2011 außer der Chefredakteurin des „Standard“, Dr. Alexandra Föderl-Schmid, ausgewählte WissenschaftsjournalistInnen sowie den Vorstand des „Klubs der Wissenschaftsjournalisten“, die Bildungs- und Wissenschaftsministerinnen sowie die Bildungs- und WissenschaftssprecherInnen von SPÖ, ÖVP und Grünen informiert hatte, hat sich die Generaldirektion der „Österreichischen Nationalbibliothek“ erfreulicherweise wieder eines Besseren besonnen:
Dabei hatte ich noch am 3. Dezember 2010 die folgende offizielle Antwort der Generaldirektion der „Österreichischen Nationalbibliothek“ erhalten, die mit einer anders lautenden - nachfolgend kursiv markierten - Begründung auf der umstrittenen Beschränkung beharrt hat:
Umso mehr freut es mich, dass ich im Anschluss an meine obige Aussendung dank der engagiert vermittelnden Chefredakteurin des „Standard“, Dr. Alexandra Föderl-Schmid, am 16. Februar 2011 die folgende Antwort der Generaldirektion der „Österreichischen Nationalbibliothek“ erhalten habe, die sogar mit einer besonders erfreulichen Ankündigung eines eigenen „ForscherInnenlesesaals“ aufwartet:
Ja, herzlichen Dank! - Auch an die Chefredakteurin des „Standard“, Dr. Alexandra Föderl-Schmid. |
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Andreas Weigels digitales Leseeckchen (© Impressum. Stand vom: 1. April 2013.) |