»DER PROPHET UND DER APOKALYPTISCHE REITER«.
KARL KRAUS UND DIE PSYCHOANALYSE (SIGMUND FREUDS)
(Seminararbeit vom Sommersemester 1985, Vortragsupdate von 1996)

»Es ist unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne hier einen Bart und dort ein Kopfzeug zu versengen, und verdrießliche Auslegung von Satyren muß man immer erwarten, so lange man die Gegenstände dazu nicht aus dem alten Testament nimmt« (Georg Christoph Lichtenberg).

REZEPTION DES KONFLIKTES IN DER SEKUNDÄRLITERATUR

»Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält«, lautet die polemische Definition mit der Karl Kraus 1913 seine entschiedene Abneigung gegen Freuds Lebenswerk zum Ausdruck brachte. Dieses Zitat bildet die Grundlage jener Behauptung, daß Kraus von Anfang an, erbitterter Gegner der Psychoanalyse war. Tatsächlich zeigte er aber anfangs reges Interesse für Freuds "neuere Psychologie", deren Verbreitung er in der »Fackel« sogar gefördert hat. Dem Wohlwollen folgte eine ambivalente Phase, die sich alsbald zur entschiedenen Ablehnung entwickelt hat.

Zwischen dem Satiriker Karl Kraus und dem 18 Jahre älteren Sigmund Freud gibt es zahlreiche Parallelen: Äußerlich und daher auffällig sind der gemeinsame Wirkungsort sowie der identische Entstehungszeitraum ihres Werkes: 1899 erscheint das erste Heft von Karl Kraus’ Zeitschrift Die »Fackel«, die er bis zu seinem Tod 1936 herausgibt. 1899 veröffentlicht Freud Die Traumdeutung mit der er die Psychoanalyse begründet. Drei Jahre nach Kraus’ Tod endet Freuds Lebensweg (im britischen Exil).

Der britische Literaturwissenschafter Edward Timms sieht in Kraus und Freud, deren Diagnosen sich ergänzten, die zwei größten Kritiker der herrschenden Kultur im habsburgischen Wien.

Parallelen registrierte auch die Mitwelt, bei der die beiden gemeinsam und einzeln als unbequeme Kritiker der Gesellschaft Unmut erregt haben. Nicht nur Wiener Spießer, sondern auch Intellektuelle haben an Kraus und Freud Anstoß genommen. In seinem Tagebuch hat Robert Musil 1931 den Untertitel einschlägiger Untersuchungen vorweggenommen: Es gibt zwei Dinge, gegen die man nicht kämpfen kann, weil sie zu lang, zu dick sind, keinen Kopf und Fuß haben: Kraus und die Psychoanalyse.

Zu lang und zu dick. Das erklärt die langwierige Geschichte der Rezeption des Verhältnisses von Kraus und Freud, deren Lebenswerke, nicht nur wegen ihres Umfangs nicht einfach in den Blick zu bekommen sind, weshalb wie bei allen anderen Querschnittsthemen (Kraus und Dreyfuß, Kraus und der Sozialismus, Kraus und die Frauen, Kraus und das Judentum …) viele Fragen nur schwer zu beantworten sind. War Kraus nun bloß Zeitgenosse Freuds, dessen Gegner, Freund oder Bekannter? War sein Urteil über die Psychoanalyse negativ, neutral oder positiv? War er nur gegen Freuds Lebenswerk oder auch gegen dessen Schöpfer? Das würde zumindest in Hans Weigels Augen die Bedeutung von Kraus’ Werk schmälern: »Denn es scheint seine ganze Negation zu entkräften und zu entwerten, daß sie auch Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Sigmund Freud einbezogen hat. Wäre dem so, könnte man Karl Kraus tatsächlich kritiklos, maßstabslos, einen Neinsager um jeden Preis nennen.«

Möglicherweise hat diese 1968 kategorisch vorgebrachte Bedingung jene Denkhemmung ausgelöst, die bei einzelnen Kraus-Interpreten noch heute andauert, indem sie seine Bedenken gegen Freud (und dessen Lehre nicht untersuchen, sondern) abschwächen. Diese Einstellung wird wohl durch die unterschiedlichen Rezeptionsbedingungen (und die daraus resultierenden Machtverhältnisse) bedingt: Denn während Karl Kraus’ Werk an die deutsche Sprache gebunden war, die wegen Hitler wie alles Deutsche verabscheut wurde, hatten Freuds Lehre und seine Schüler in der neuen Welt Fuß gefaßt und Boden gewonnen. Nach dem Krieg war Freud als anerkannte Geistesgröße eine Autorität, so daß Kritik an ihm nur von einem Kleingeist stammen konnte. Zudem war Kraus nach dem Krieg politisch umstritten, da er in den Dreißiger Jahren den Sozialdemokraten angekreidet hat, daß sie gegen Dollfuß opponieren, statt gemeinsam mit Dollfuß die drohende Greuelherrschaft des Nationalsozialismus abzuwehren.

Kraus hat die letzten Jahre seines Lebens der Frage gewidmet, wie man Hitler verhindern kann. Dennoch wird er bis heute mit der Behauptung verleumdet, daß ihm zu Hitler nichts eingefallen wäre, obwohl er diesen und seine Bewegung seit den frühen Zwanziger Jahren wiederholt mit dem Spottlight der »Fackel« beleuchtet hat und mit der - 1952 postum veröffentlichten - "Dritten Walpurgisnacht" ein maßstabsetzendes Porträt der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft verfaßt hat. Denn Kraus hat schon 1933 viele jener öffentlichen Greueltaten dokumentiert, die später niemand gesehen haben wollte, von denen niemand gewußt haben will und die nach dem Krieg (unverfroren) bestritten wurden.

Kraus’ Wiederentdeckung erfolgte durch Neuauflagen seiner Auswahlbände (denen die wechselnde Entwicklung in Sachen Psychoanalyse schwer abzulesen ist). Erst Ende der 60er Jahre wurde mit der Neuauflage der »Fackel« Kraus’ geistige Entwicklung vor dem Hintergrund der 37 »Fackel«-Jahrgänge deutlich.

Eigentlich hat schon Leopold Liegler in seiner Kraus-Monografie 1920 Kraus’ Haltung zur Psychoanalyse dargelegt: »Zu den unerfreulichen Adepten einer Scheinkultur, die aller geistigen Verantwortlichkeit entlaufen sind, rechnet Kraus auch die Psychoanalytiker. Es soll hier nicht versucht werden, das wissenschaftliche Verdienst Freuds leugnen zu wollen, aber die kritiklose Verallgemeinerung des sexuellen Motivs, seine Verwendung als heuristisches Moment in der gesamten Psychologie und der damit in Zusammenhang stehende grobe Unfug, dessen sich seine Schule zweifellos schuldig gemacht hat, hat den stärksten Widerspruch bei Karl Kraus herausgefordert. Ihn kümmerte die ganze wissenschaftliche Ableitung nicht, sondern er witterte im Augenblick, wo sich die Psychoanalyse unterfing, sich mit den metaphysischen Dingen in Beziehung zu setzen und sich über Kunst, Religion und Schönheit auf ihre Art zu verständigen, mit Recht eine Geisteslästerung und Naturschändung.«

Lieglers Begründung, wieso Kraus die Psychoanalyse abgelehnt hat, ging im Urteil der Nachwelt unter. Wilma Iggers mißbilligt in ihrer 1952 verfaßten, 1967 veröffentlichten Dissertation ohne jegliches Verständnis Kraus’ Kritik an der Psychoanalyse, wenn sie Kraus vorwirft, daß er es schaffte "den Umschwung dieser in Wien ansässigen Geisteswissenschaft, mitzuerleben, ohne die mindeste Ahnung ihrer Bedeutung und kulturgeschichtlichen Konsequenzen zu haben."

Günter Busch setzte 1955 neue Akzente, indem er das Verhältnis zwischen Kraus und der Psychoanalyse als Racheakt ausgelegt hat: »Man tat die Bedenken und Beschwörungen dieses großen Diagnostikers als Lappalie, als Ressentiment eines Außenseiters ab und hetzte die Psychoanalyse auf ihn.«

Werner Kraft unterstellt Kraus’ fälschlich eine immerwährende Abneigung gegen die Psychoanalyse und führt diese auf einen prinzipiellen Gegensatz, auf Kraus’ Persönlichkeit zurück (die sich gegen jegliche Erb-Sünde [Erb-Schuld] verwahrt): »Der Traum ist für Karl Kraus die stärkste Waffe gegen die Psychoanalyse, die ihn deuten will. Kein persönliches Schuldgefühl verbindet diesen starken Träumer mit einer schwachen Welt, die Sigmund Freud, den Schöpfer der Psychoanalyse hervorgebracht hat, damit er ihre Krankheit heile. Wo das Gefühl von Schuld in Karl Kraus vorhanden ist, da ist es die fremde Schuld, die zu büßen er bereit ist. In der gesunden Welt seines Geistes hat die Schuld keine Platz. Daher seine tödliche Feindschaft gegen die Psychoanalyse, die sein gesamtes Werk durchzieht und im »Traumstück« sich zu dem furchtbaren Hohnlied der »Psychoanalen« steigert, unter dem sich die Landschaft auflöst.«

Jahre später konzentriert sich Caroline Kohn auf den Konflikt, indem sie ohne konkrete Angaben erwähnt, daß Kraus wiederholt psychoanalytisch gedeutet wurde, was (aber in Vergessenheit geraten war und daher) lange bestritten wurde: »Die Methoden einer psychologischen, ja psychoanalytischen Deutung des Künstlers und des Menschen Karl Kraus sind schon bei seinen Lebzeiten oft angewendet worden. Die psychoanalytische Vivisektion kann wertvolle Resultate erbringen, Hintergründe des Werkes sichtbar machen; aber sie wurden nur von den Feindes des Herausgebers der »Fackel« versucht.«

Zur gleichen Zeit zieht Paul Schick in seiner besonders lesenswerten Kraus-Monographie (1965) einen deutlichen Trennstrich zwischen Kraus und Freud, indem er Freuds Leserbrieflob an Kraus als "typisches Mißverständnis" einstuft.

Hans Weigel erkennt 1968 im Couplet der Psychoanalen den "Ausdruck einer lebenslangen Gegnerschaft, weniger gegen Sigmund Freud als gegen die Psychologie und die Psychoanalyse". Weigel ist über Kraus’ Meinungsumschwung unterrichtet, den er allerdings falsch datiert: »Was bewirkte die Wendung um 1910? Wohl kaum nur der unbefugte Nachdruck von Aphorismen im "Zentralblatt". Eher das Verlangen, wieder einmal Ballast abzuwerfen und mit der "Sittlichkeits"-Thematik auch eine bis dahin durchaus willkommene parallellaufende Anschauung zu überwinden. Es ist die Wendung zu Gott, die dieses Opfer fordert, und die sehr tief wurzelnde (einer großen tiefenpsychologischen Deutung werte) Verbindung des Karl Kraus mit der Welt des Traums.«

Hans Wollschlägers streift 1975 mit seiner geistreichen Studie über "Die Instanz K.K. oder Unternehmungen gegen die Ewigkeit des wiederkehrenden Gleichen" nur kurz die heikle Thematik, indem er erwähnt, daß Freud Kraus vergeblich als Verbündeten gesucht hat. Laut Wollschläger könnte es Kraus’ einziger Irrtum von Rang sein, daß er die Psychoanalyse verneint habe. Wie Werner Kraft gibt er zu bedenken, daß Kraus’ Ablehnung dessen singulären Bewußtsein entspringt: Sein Widerspruch gegen den Primat des Unbewußten: die Psychoanalyse selbst müßte ihn als Bestandteil seiner Ich-Leistung erkennen, als Mit-Ausdruck der Bewußtheit, die sein ganzes Leben und Werk organisierte. Während Freud sonst als neutrales Objekt betrachtet wird, betont Wollschläger, daß Freud nicht gegen Kraus polemisiert hat, obwohl auch er, in weiterer Entfernung, zu den Gegnern gehörte.

Dieser differenzierten Darstellung folgen im gleichen Kraus-Sammelband Margarete Mitscherlich-Nielsen psychoanalytische Bemerkungen zu Karl Kraus. Sie mutmaßt in Unkenntnis von Kraus’ Leben und Werk, daß sein Konflikt mit der Psychoanalyse unbewußte Gründe habe, die durch Wittels’ »Fackel«-Neurose-Vortrag verschärft worden sind. Ihr folgt mit Thomas Stephen Szas ein amerikanischer Feind der Psychoanalyse, der zwar über die wechselnde Wertschätzung informiert ist, allerdings den Satiriker zum Bahnbrecher im ("heiligen") Kampf gegen die Psychoanalyse stilisiert.

So geht es dahin: Je nach Standpunkt wird Kraus als Erbfeind bzw. Schutzpatron, als belesen oder unbeleckt, als normal oder abnorm vereinnahmt oder verabscheut. Nur langsam, in groben Annäherungen, wird das umstrittene Verhältnis geklärt.

Manfred Schneider erwähnt, daß die Annäherung zwischen Kraus und Freud kein Mißverständnis war, sondern durch das gemeinsame Feindbild, die zeitgenössische, aber unzeitgemäße Psychiatrie gestiftet wurde. Er erkennt auch, daß Kraus’ Feindschaft gegen die Psychiatrie auf die Psychoanalyse abgefärbt hat als diese mit der Analyse verschiedener Künstler begann. Sein Einwand, daß Kraus’ intellektuelle Kritik vom Analytiker oder Interpreten bearbeitet werden muß, legt nahe, Kraus’ Kritik endlich auf ihre Berechtigung hin zu untersuchen.

Der verdiente Kraus-Fan Edwin Hartl korrigierte 1977 mit seiner Studie Karl Kraus und die Psychoanalyse. Versuch einer Klarstellung, die sich vor allem dem Beginn der Beziehung und der Chronologie des Konfliktes widmet, Mitscherlich-Nielsens verkehrte Äußerungen. Hartl gebührt das Verdienst Kraus’ Verhältnis zur Psychoanalyse aufgehellt und jenes Bild richtig gestellt zu haben, daß Kraus als geborenen Feind der Psychoanalyse gezeigt hat.

Allerdings hat Hartl, wegen seiner Verehrung für Freud und Kraus, das Verhältnis seiner Heroen geglättet, indem er (sich) nicht eingestehen will, daß Kraus Lehre und Lehrer verworfen hat: Bis zuletzt hat der Satiriker Kraus nie den Forscher Freud angegriffen. (Nur eine kleine Unachtsamkeit bringt die verdrängte Wahrheit zur Sprache): »Karl Kraus griff eigentlich die Psychoanalytiker an und nicht das Konzept der Lehre. An ihrer Richtigkeit zweifelte er kaum, aber an den Formen ihrer Anwendung. Von seiner Gegnerschaft nahm er so lange Freud expressis verbis aus, bis der Verdacht überhandnahm, der Schöpfer der Psychoanalyse habe gegen die inkriminierte Praxis seiner Schüler nichts einzuwenden.« Leider ist Hartls gelungene Klarstellung trotz ihrer Bedeutung lediglich in einer Nummer der Zeitschrift Merkur erschienen, weshalb sie in der Folge nur von einem sehr kleinen Leserkreis wahrgenommen wurde.

Der verborgene Publikationsort hat Hartl um jenes Lob gebracht, das dem englischen Literaturwissenschafter Edward Timms für seine Darstellung des Konfliktes gezollt wurde. Seine 1986 auf Englisch, 1995 auf Deutsch veröffentlichte Kraus-Monografie wiederholt im Kapitel "Zauberer und Lehrlinge. Die Begegnung mit Freud" im wesentlichen Hartls aufschlußreiche Studie. Timms kommt daher nicht überraschend mit seiner Aktualisierung zum Schluß, daß Kraus Freud nie angegriffen habe: »Seine Wertschätzung für Freud blieb jedoch unwiderrufen. In der Fackel läßt sich kein einziger feindseliger oder verächtlicher Verweis auf Freud als Person finden. Das ist mit um so größerem Nachdruck festzuhalten, als Ernest Jones in seiner berühmten dreibändigen Freud-Biographie meint, Kraus sei einer von Freuds erbittertsten Gegnern gewesen, und Thomas Szasz sogar behauptet, nach anfänglich freundschaftlichen Kontakten hätte der Konflikt zwischen Freud und Kraus schärfer gar nicht sein können. Einen persönlichen Konflikt zwischen Kraus und Freud hat es aber nie gegeben. In seiner Kritik an der Psychoanalyse unterscheidet der Satiriker durchgängig zwischen Freud und seinen Anhängern, zwischen einer brillianten Theorie und deren problematischen Anwendungen.« Was wiederum Hartl in seiner Besprechung von Timms’ Monografie hervorhebt: "Gewichtig sind vor allem die Richtigstellungen, etwa die, daß sich Kraus zwar über die Psychoanalyse lustig machte, nie aber über Freud selber."

»Kraus’ übliches polemisches Verfahren bestand darin, sich eine herausragende Gestalt zur Zielscheibe zu nehmen und den Urheber einer Idee für alle späteren Verdrehungen verantwortlich zu machen […]. Wieso wendet er einzig und allein in seiner Polemik gegen die Psychoanalyse dieses Verfahren nicht an? Wieso macht er nicht Freud persönlich für die verqueren Anwendungen seiner Theorien verantwortlich? […] Die Belege legen alle denselben Schluß nahe: Kraus’ Achtung vor Freud scheint sogar die Zeit seiner größten Feindschaft gegenüber der Psychoanalyse überdauert zu haben. Sosehr er sich auch provoziert fühlen mochte, er sah stets davon ab, Freud persönlich anzugreifen. Die Lehrlinge nimmt er sich zwischen 1908 und 1936 immer wieder vor. Der alte Hexenmeister selbst bleibt aber von jedem Schimpf verschont.«

Es läßt sich darüber streiten, ob sich Kraus über die Psychoanalyse nur lustig gemacht hat und ob seine scharfe Kritik an der Psychoanalyse, die nichts Geringeres als Freuds Lebenswerk ist, deren Schöpfer tatsächlich ausschließt. Es ist aber unbestreitbar, daß sich Kraus wiederholt abfällig über Freud geäußert hat: Was fängt man doch mit dieser Jugend an? Sie ist mißgestalt und reagiert nur psychisch. Nichts als Freudknaben.. Was hat denn diese neue Jugend für einen Lehrmeister der Liebe? Sie lebt hemmungslos. Es scheint, daß sie den Sigi Ernst mit dem Sigi Freud überwunden hat.

Zweifellos ist es eine Schar von Geistesgrößen in die Kraus Freud einreiht, doch geschieht dies allein in der unverkennbaren Absicht, die Runde zu schmähen: »Denn was sich solche Tölpel immer »vorstellen« mögen: unvorstellbar wäre, daß einem, der sich nun als gemeinschaftswidrig erweist, der Reihe nach das Ultimatum gestellt würde, wie Marx auch Wagner, Nietzsche, Freud, womöglich noch Heine mit den Folgen nachzuholen und überhaupt alle Kinderkrankheiten, denen er, geistig (wie den physischen) durch ein Wunder entgangen ist - offenbar doch, weil er den Schuß »Jean Jacques Offenbach« bekommen hatte.«

Karl Kraus hat die Psychoanalyse lange in geduldete Theorie und bekämpfte Praxis getrennt, dadurch entsteht der unberechtigte Eindruck, daß er Freuds Lehre akzeptierte und lediglich den Berufsstand des praktizierenden Analytikers verworfen hat. Eine eingehende Untersuchung der höchst ambivalenten Beziehung führt allerdings zu dem Ergebnis, daß Kraus’ positive Einstellung von falschen Erwartungen ausging, die zwangsläufig in einem grundsätzlichen Konflikt enden mußten.

Bei seiner Auseinandersetzung hat Kraus nicht wissenschaftlich, sondern mit dem Hausverstand argumentiert. Eine gründliche und systematische Beschäftigung mit der Psychoanalyse hat nie stattgefunden. Nachdem sein ursprüngliches Interesse abgeflaut war, hat er hat sich nicht mehr durch einschlägige Lektüre am Laufenden gehalten, sondern erfuhr durch den gemeinsamen Wohn- und Wirkungsort vieles zufällig im Gespräch durch Freunde und Bekannte, sowie aus Zeitungsberichten und Zeitschriften, was zu einer Art "atmosphärischen Wissensaneignung" führte.

CHRONOLOGISCHER ABRISS DES KONFLIKTES

Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält, lautet die polemische Definition mit der Karl Kraus 1913 seine entschiedene Abneigung gegen Freuds Lebenswerk zum Ausdruck brachte. Dieses Bonmot bildet die Basis jener Behauptung, daß Kraus ein geborener Gegner der Psychoanalyse war. Tatsächlich zeigte er aber anfangs reges Interesse für Freuds "neuere Psychologie", deren Verbreitung er in der »Fackel« sogar gefördert hat. Dem Wohlwollen folgte eine zwiespältige Phase, die sich alsbald zur entschiedenen Ablehnung gemausert hat.

Die neue Seelenkunde erweckt Kraus’ Aufmerksamkeit durch den 48jährigen Sigmund Freud, der am 2. Oktober 1904 dem 30jährigen Karl Kraus mit einem Leserbrief seine Anerkennung mitteilt: »Ein Leser, der nicht sehr oft Ihr Anhänger sein kann, beglückwünscht Sie zu der Einsicht, zu dem Mute und zur Fähigkeit, im Kleinen das Große zu erkennen, die Ihr Artikel über Hervay kundgibt.«

Mit der Einschränkung, daß er "nicht sehr oft" Anhänger von Kraus sein könne, hat Freud seine Huldigung mit einem Hintertürchen versehen. Obwohl sich Kraus dieser reservierten Annäherung gegenüber gewohnt zurückhaltend zeigt, bemüht sich Freud, der nach eigenen Worten die Idee hatte, daß in Kraus der Sache ein wirklicher Helfer erstehen könnte, weiter um die Achtung des gefürchteten Satirikers.

Freud versucht Kraus’ Augenmerk auf die Psychoanalyse zu lenken, indem er in sein 1905 erscheinendes Werk Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten ein amüsantes Wortspiel von Karl Kraus aufnimmt. Allerdings relativiert er diese Reverenz, indem er auch einen Witz mitteilt, der auf Kosten des umworbenen Schriftstellers geht. (Kraus erweist sich der anonymen Nennung gegenüber so nachsichtig, daß sein beginnendes Interesse für die Psychoanalyse keinen Abbruch erleidet.)

Am 26. Oktober 1905 zitiert der »Fackel«-Mitarbeiter Otto Soyka in einem Artikel über die Psychiatrie die Schlußworte aus Freuds Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, welche dem Leser zu bedenken geben, daß wir von den biologischen Vorgängen, in denen das Wesen der Sexualität besteht, lange nicht genug wissen, um aus unseren vereinzelten Einsichten, eine zum Verständnis des Normalen wie Pathologischen genügende Theorie zu gestalten. Die Psychoanalyse wird damit als lebensnahe Wissenschaft gegen die weltfremde Psychiatrie gesetzt, die ein normiertes Sexualverhalten gesetzlich vorschreiben wollte und überhaupt eine Hauptstütze der von Kraus kritisierten Sexualjustiz war.

Kraus sah in Freud vor allem einen kompetenten Verbündeten im Kampf gegen die verhaßte Psychiatrie und die heuchlerische Sexualmoral jener Tröpfe, die sich den Geschlechtsverkehr bloß auf ethischer Grundlage und nicht auf einem Divan vorstellen können.

In diesem Sinn beruft er sich in der nächsten Ausgabe der »Fackel« selbst zweimal auf Freud, wodurch er die eigenen Ansichten wissenschaftlich untermauert, Freud als Wissenschafter würdigt. Dabei faßt Kraus sein Lob in eben jene Worte, mit denen ihm zuvor Freud die Reverenz erwiesen hat: »Mit Professor Sigmund Freud habe man die Einsicht und den Mut, zu bekennen, daß der Homosexuelle weder ins Zuchthaus noch in den Narrenturm gehört. […] Mit Professor Freud muß man der Ansicht sein, daß die Tat, deren Herr Dr. Beer bezichtigt wird, nicht unter dem Gesichtspunkt der Homosexualität zu beurteilen ist und daß die Verurteilung in solchem Falle aus demselben Grunde erfolgen müßte, wie wenn ein Mädchen unter vierzehn Jahren geschlechtlich mißbraucht worden wäre.«

Die Toleranz in sexuellen Belangen und der Ekel gegen die Sexualheuchelei ist im wesentlichen das Band, welches Kraus und Freud für einige Zeit verbinden soll, - obwohl es weitere Berührungspunkte gibt. Die äußerlichsten und daher auffälligsten Gemeinsamkeiten sind Ort und Zeit ihres Wirkens. Der Literaturwissenschafter Edward Timms sieht in Freud und Kraus, deren Diagnosen sich ergänzten, die zwei größten Kritiker der herrschenden Kultur im habsburgischen Wien.

»Beide betrachteten das erotische Erlebnis als etwas von den Fortpflanzungsmechanismen völlig Getrenntes. Diese Abtrennung der Sexualpsychologie vom biologischen Zweck führt Kraus und Freud auch dazu, Homosexualität zu verteidigen und sich für die erotische Emanzipation der Frauen einzusetzen.«

Außer der Ablehnung der heuchlerischen Sexualmoral verband die beiden ihre besondere Wertschätzung für die Sprache und das geschriebene Wort. Darin entdeckt Timms als weitere Verwandtschaft »einen Nachklang des jüdischen Erbes […], das beiden gemeinsam war und das beide, jeder auf seine Weise, ablehnten. Die Sprache wird als Quelle der tiefgründigsten Offenbarung gesehen.«

Es ist merkwürdig, daß Kraus, der die Gewohnheit hatte, Druckfehler für den authentischen Text zu halten, diese essentielle Übereinstimmung mit Freud übersehen konnte. Denn obwohl einige »Fackel«-Stellen nahelegen, daß Kraus Freuds 1901 publizierte Studie Zur Psychopathologie des Alltagslebens kenne, war ihm deren Inhalt zumindest bis 1916 völlig fremd. Offenbar hat er diese leicht verständliche und hoch interessante Schrift wegen des medizinischen Titels von der Lektüre ausgespart. Dabei gelingt es gerade der Psychopathologie das Phänomen des Unbewußten leicht faßlich darzulegen, indem scheinbar belanglose Fehlleistungen als unbewußt motivierte Handlungen gedeutet werden.

Die Studie enthält durch die Interpretation diverser Fehlleistungen wie Vergessen, Versprechen, Verschreiben, Irren und Verlesen frappante Ähnlichkeit mit Kraus’ Interesse, Druckfehler auf ihre Sinnhaftigkeit zu prüfen. Denn wie Freud faßte Kraus Fehlleistungen nicht als zufällige Willkürakte einer widrigen Natur, sondern als authentische Botschaften des Innenlebens auf.

Allgemein wurden Freuds Schriften von seinen Zeitgenossen lieber verhöhnt als gelesen. Es ist daher ein deutliches Signal, daß Kraus Freuds Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie in der »Fackel« durch einen Mitarbeiter besprechen läßt, der von der Bedeutung des Werkes überzeugt, Freud respektvolles Lob angedeihen läßt.

Als Antwort auf diese publizistische Unterstützung und die wiederholte Namensnennung wendet sich Freud am 12. Januar 1906 abermals schriftlich an Kraus. Er betont die teilweise Übereinstimmung zwischen seinen und Kraus’ Anschauungen und kommt anschließend auf Wilhelm Fließ’ berechtigte Anschuldigung zu sprechen, Freud habe Fließ’ Theorie der Bisexualität über seinen Schüler / Patienten Hermann Swoboda an Otto Weininger weiter erzählt, der diese in seinem Werk »Geschlecht und Charakter« plagiiert habe.

Zur gleichen Zeit erhält Kraus einen Leserbrief, der Jahre später seine Einstellung zur Psychoanalyse maßgeblich beeinflussen wird, obwohl er ihn am 19. Februar 1906 nur unter anderen »Schätzen der Dummheit« in einer »Irrenwärter« überschriebenen Rubrik (der »Antworten des Herausgebers«) erledigt: »Da berührt es fast als wohltuende Abwechslung, daß mir eine sexuelle Deutung des Goethe’schen Zauberlehrlings angeboten wird, die sensationelle Enthüllung, daß Goethe in diesem Gedichte nichts anderes als den Fluch der entfesselten masturbatorischen Triebe habe darstellen wollen …«

Nach über acht Monaten, am 25. September 1906, wendet sich Freud erneut brieflich an Kraus, da er die berechtigte Hoffnung hegt, daß sich Kraus endlich der Fließ-Affäre annehmen werde. Tatsächlich erscheint am 31. Oktober 1906 unter den Antworten des Herausgebers eine Collage aus Zitaten zu dem lächerlichen wissenschaftlichen Markenschutzstreit, den die Herren Dr. Fließ und Pfennig in Berlin vom Zaun gebrochen haben und in dem der tote Otto Weininger und der Wiener Privatdozent Dr. Swoboda als Entwender der Bisexualität, beziehungsweise der Periodicität, Professor Freud als Zubringer dieser Beute »entlarvt« werden. Abschließend zitiert Kraus zwei Briefe Freuds, in welchem dieser seine Unschuld beteuert und zu verstehen gibt, daß er keinesfalls die Absicht habe, sich mit einem seiner einstmals engsten Vertrauten öffentlich zu streiten (Freud war allerdings die klärende Konfrontation mit Fließ nicht erspart geblieben, die mit dem Einbekenntnis seiner Schuld geendet hat: Es half schließlich kein Ausweichen mehr, Freud gab zu, daß er es getan hatte. Ein dunkles Verlangen, Fließ seiner Originalität zu berauben, hatte ihn dazu getrieben.).

Nachdem Kraus im Vertrauen auf Freuds Redlichkeit in obiger Angelegenheit für diesen Partei ergriffen hat, bietet Freud Kraus am 18. November 1906 ein prinzipielles Bündnis an: »Ich danke Ihnen herzlich für die Übersendung des Separatabdruckes. In der »Fackel« hatte ich den Prozeß »Riehl« natürlich schon gelesen. Einiges ist wirklich »zum Schreien schön«. Die Leute werden wieder einmal Ihren Stil loben und Ihren Witz bewundern, aber schämen werden sie sich nicht, was Sie doch eigentlich erreichen wollen. Dazu sind es zu viele und fühlen sich zu sicher in ihrer Solidarität. Wir wenige sollten darum auch zusammenhalten.«

Die Tatsache, daß sich Kraus auf Freuds eindringliche Bitten hin in der Fließ-Affaire engagiert, und Freud einen Separatabdruck der »Fackel« zugesandt hat, belegt, daß Kraus für Freud und seine Lehre anfangs große Sympathie empfand.

Beachtlich ist Kraus’ Entschluß, die Vorlesungen des in Wien verpönten Sigmund Freud zu besuchen, den er seiner geliebten Freundin, der Schauspielerin Berthe Maria Denk mitteilt: Da werden stundenlang Träume gedeutet (meist in erotischem Sinne) - das würde Dich gewiß interessieren.

Diese Vorlesungsbesuche sind der Anfang einer intensiven Beschäftigung des »Fackel«-Herausgebers und seiner Mitarbeiter Karl Hauer, Otto Soyka und Fritz Wittels mit der Psychoanalyse. Im Gegensatz zu diesen Mitarbeitern, die in der »Fackel« deutlich Freuds Spuren folgen, kokettiert Kraus ein wenig mit dem psychoanalytischen Vokabular und den psychoanalytischen Ideen.

So begründet er die fehlerhafte Übersetzung des französischen Wortes "Totentanz" in der Neuen Freien Presse durch Makkabäertanz mit psychoanalytischen Kenntnissen: In ihrem Unbewußten lügt sie nicht, und ihre Irrtümer sind die Wahrheiten des Blutes.

Ein andermal analysiert Kraus unter Berufung auf Freud einen Text der Emilie Bardach, die ihrer kurze Begegnung mit Ibsen als einschneidendes Erlebnis in dessen Leben bewertet hat:

»Wäre dieses Gespräch ein Traum, Professor Freud, der die Wünschelrute des Geschlechts an die verschütteten Quellen der Hysterie führt, wüßte ihn zu deuten. Und bei der Neigung des Traumes, schlechte Wortwitze zu machen, würde der Neurologe die Häufung eines bestimmten Wortes in den Bekenntnissen des Fräuleins Bardach, »ganz Anfang Mai« habe sie Herr Brandes besucht, im Sommer sei sie »in einem Schloß ganz im schottischen Hochland« gewesen, die sensationelle Wirkung der Publikation sei »ganz gegen ihr Gefühl« gegangen und Frau Ibsen sei ihr »mit ganz besonderer Liebenswürdigkeit entgegengekommen«, verdächtig finden. Und er käme vielleicht auch hinter die wahre Meinung Ibsens, der die Bekanntschaft mit dem Fräulein Bardach jenem Konzert verdankte, nach dem sich alles an ihn herangedrängt hat; er brauchte bloß das schlechte Deutsch der Dame als eine jener versunkenen Glocken zu deuten, die aus dem Unterbewußtsein herauftönen, und auf den Satz zu verweisen: »Auf einem unserer Spaziergänge bückte er (Ibsen) sich plötzlich in seiner ganzen Schwerfälligkeit, und als ich ihn nach der Ursache fragte, - meinte er -, er hätte nur einen Stein vom Boden entfernt, denn er könnte mich verletzen.««

In seinem Kampf gegen die verlogene Sexualmoral und die weltfremde Sexualjustiz seiner Zeit weist Kraus die Verantwortlichen eindringlich auf Freuds neue Erkenntnisse hin.

Immer häufiger erscheinen in der »Fackel« Begriffe aus dem Vokabular der Psychoanalyse. Allerdings belegen die Beispiele seine etwas krause Vorstellung des Unbewußten.

Die »Fackel« vom 2. Juli 1907 verrät Kraus’ Lektüre von Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. Dabei verwechselt er das Werk scheinbar mit einer Art Lesebuch, da er an der Auswahl der Beispiele Anstoß nimmt, da unter den Schätzen, die Freud aus dem Unbewußten zutage gefördert hat, sich hin und wieder ein Saphir befindet.

Ein halbes Jahr später beschäftigt sich Kraus mit der Traumdeutung, die sein Mißfallen erregt: Würde ich davon träumen, daß die Traumdeutung F.’s Umschweife macht, wie wäre das erst zu deuten! Tatsächlich sind die Umschweife deutungsdürftig, da sie sich auf die Methode oder den langatmigen Beginn der Traumdeutung beziehen können. Diese Mehrdeutigkeit fehlt glücklicherweise der zweiten, vorgebrachten Kritik, in der Kraus seinen Vorbehalt gegen die sogenannten Kalauer des Unbewußten anmeldet, dem er lebenslang treu bleibt:

»Traumdeutung: Das Unbewußte macht schlechte Witze. Aber erklärt werden sie durch das bewußte Denken F.’s. Das ist verdächtig. Ich werde erst dran glauben, wenn das Unbewußte F.’s die Kalauer erklärt, die das Unbewußte seiner Patienten macht.«

Langsam zeichnet sich ab, daß Kraus Freuds Definition des Unbewußten mißverstanden hat. Zwar übernimmt er den Begriff, interpretiert ihn jedoch landläufig als Synonym für "unabsichtlich", "ungewollt", "versehentlich" …. Das Unbewußte ist für ihn eine Art Giftschrank jener Regungen, die ein (gut erzogener) Mensch seiner Mitwelt vorenthält. Seines Erachtens obliegt es (allein) der Willenskraft das Unbewußte in den Griff zu kriegen, weshalb sich Kraus als Herr über das Unbewußte sieht: Ich weiß ganz genau, welche ungebetenen Gedanken ich nicht über die Schwelle meines Bewußtseins lasse.

Die Kenntnis von Freuds Psychopathologie hätte ihm jene folgenschwere Fehlinterpretation des Unbewußten erspart, die es ihm versagte, Grundlagen und Ziele der Psychoanalyse wahrzunehmen. Kraus’ Vorstellung deckt sich nur peripher mit dem Freudschen Begriff des Unbewußten. Freuds Erkenntnis, daß das Unbewußte durch die Technik der Psychoanalyse "zugänglich gemacht" werden kann, verwarf Kraus (als unglaubwürdig).

Diese Verkennung bedingt, daß Kraus in der weiteren Entwicklung der Psychoanalyse Auswüchse der psychoanalytischen Praxis sieht. Lange blieb er im Glauben befangen, daß zwischen Theorie und Praxis ein Widerspruch bestehe, weshalb er die Theorie (anscheinend) von seiner Kritik ausklammert.

So kommt es, daß er trotz seiner Vorbehalte gegen die Kalauer des Unbewußten Freud weiterhin öffentlich als bedeutenden Forscher würdigt, dem bloß beschränkte Kollegen die verdiente Anerkennung versagen.

Ansonsten führt Kraus’ Koketterie mit psychoanalytischen Erkenntnissen zu halblustigen Aphorismen, denen gewöhnlich die bessere Hälfte fehlt: Wohltätige Frauen stellen eine besonders gefährliche Form übertragener Sexualität dar: die Samaritiasis.

Dieses alberne Witzeln erlebt am 15. Januar 1908 eine Störung als Kraus’ anläßlich der psychoanalytischen Interpretation von Kunstwerken "die Empörung geschmackvoller Menschen gegen den immer erneuten Versuch bekundet, dem Genie die Zwangsjacke anzulegen":

»Ich unterschätze den Wert der wissenschaftlichen Erforschung des Geschlechtslebens gewiß nicht. Sie bleibt immerhin eine schöne Aufgabe. Und wenn ihre Resultate von den Schlüssen künstlerischer Phantasie bestätigt werden, so ist das schmeichelhaft für die Wissenschaft und sie hat nicht umsonst gelebt.«

Nach diesem Wink mit dem Zaunpfahl veröffentlicht er Freuds Antwort auf seine vorgebrachten Bedenken gegen die Kalauer des Unbewußten:

»Das Unbewußte macht aber wirklich schlechte Witze, erwiderte der Traumdeuter. Das Unbewußte ist nun einmal so. Was kann denn die ernste Wissenschaft dafür? Gewiß, sie behält in jedem Falle Recht. Auch wenn sich - und bei manchen jungen Traumdeutern mag’s gelingen - am Ende nachweisen ließe, daß die schlechten Witze nicht aus dem Unbewußten des Träumers, sondern aus dem Unbewußten des Deuters kommen, gleichsam als eine Schuld, die er überwälzt. Nun, das Unbewußte macht also doch schlechte Witze.«

Freuds umgehende Antwort hat Kraus’ Zweifel nicht ausgeräumt. Er sieht als versierter Menschenkenner die Gefahr, daß (unerfahrene) Psychoanalytiker unter Umständen eigene Konflikte auf die Patienten übertragen. (Eine Konsequenz daraus kann eigentlich nur die Garantie der psychischen Unversehrtheit angehender Analytiker sein. Indirekt streift Kraus damit ein Problem, das die Psychoanalyse durch Einführung einer verpflichtenden Lehranalyse zu beseitigen versucht hat.)

Kraus’ weiteres Verständnis scheitert am Begriff des Unbewußten, auf dem bekanntlich die gesamte Psychoanalyse aufbaut, weshalb Kraus alle davon abhängigen Phänomene verfehlt: so bleibt ihm der Begriff des Verdrängten unvorstellbar, wodurch ihm zwangsläufig entgeht, welche Auswirkungen psychische Konflikte verursachen können. In der Folge befremdet ihn die Vorstellung, daß man seelische Störungen heilen könne, indem man unbewußte Konflikte bewußt macht, was das Ziel der psychoanalytischen Behandlung ist.

Durch seine Fehlinterpretation bleibt es Kraus unmöglich, der psychoanalytischen Behandlung irgendeinen Nutzen abzugewinnen: Nervenpathologie: Wenn einem nichts fehlt, so heilt man ihn am besten von diesem Zustand, indem man ihm sagt, welche Krankheiten er hat.

Kraus bleiben unbewußte Konflikte und verdrängte Eindrücke fremd, weshalb er die psychoanalytische Behandlung als nutzlos verwirft, die er allenfalls mit der billigeren Beichte vergleicht: Das höchste Vertrauensamt: Ein Beichtvater unterlassener Sünden.

Sein Mißtrauen wird durch die lange Dauer der Behandlungen, die selten mit deutlichen Erfolgen enden, bestärkt und bestätigt. Er sieht in der psychoanalytischen Praxis lediglich ein Arrangement zwischen geldgierigen Ärzten und müßigen Patienten, die mit eingebildeten Leiden Langeweile vertreiben wollen: In Lourdes kann man geheilt werden. Welcher Zauber sollte aber von einem Nervenspezialisten ausgehen?

Wenngleich Kraus die psychoanalytische Theorie mißverstand, erkannte er aufgrund seiner Menschenkenntnis früh die Gefahr, daß ungeheilte Patienten dank ihres psychoanalytischen Halbwissens selbst Analysen an anderen vornehmen. Diese Erfahrung sollte den Psychoanalytikern und dem Ruf der Psychoanalyse bald schaden.

In dieser Zeit seiner wachsenden Skepsis gegen die Freudsche Lehre, trennt er sich von Fritz Wittels. Zwischen Kraus und Wittels, der seit 1907 Mitarbeiter des »Fackel« und Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung war, entwickelte sich (aus undurchsichtigen Gründen) ein heftiger Konflikt, bei dessen Austragung Kraus jedoch die Psychoanalyse ausspart.

Nach wie vor bleibt er Freud verbunden, obwohl er sich mit dessen Traumdeutung weiterhin nicht anfreunden kann, was er mit einem charmanter Vergleich umschreibt: Freud gebührt das Verdienst, in die Anarchie des Traums eine Verfassung eingeführt zu haben. Aber es geht darin zu, wie in Österreich.

Schon in der nächsten »Fackel« legt Kraus unter Anspielung auf Freuds Witz und seine Beziehung zum Unbewußten erneut ein Veto gegen die Psychoanalyse ein:

»Es gibt eine medizinische Richtung, welche die Fachausdrücke der Chirurgie auf Seelisches anwendet. Sie ist wie jede gedankliche Verähnlichung scheinbar entlegener Sphären ein Witz und wahrscheinlich der beste, dessen der Materialismus fähig ist. Wenn jetzt der Arzt das Unterbewußtsein einer Patientin auskratzen will oder wenn Gefühlsabszesse ausgeschnitten werden, so basieren solche Versuche auf einem höchst witzigen Einfall, und auf einem, der seiner Unwiderstehlichkeit umso sicherer sein muß, als die operativen Eingriffe des Seelenarztes ohne die Narkose der Suggestion erfolgen. Ich denke indeß, daß es besser wäre, den echten Wert jener ingeniösen Erkenntnis der Ursachen seelischer Erkrankungen, die ihrem Finder zum Ruhme gereicht, nicht durch eine schrullenhafte Methode der Behandlung zu mindern.«

Mit dieser Kritik gegen die psychoanalytische Behandlung hat Kraus Freud in der Hoffnung ausgespart, daß dieser die praktizierenden Schüler zur Ordnung rufe. Nach seinen Vorstellungen besteht der Zweck der Psychoanalyse vermutlich darin, bei Kranken Erlebnisse und Eindrücke auszumachen, die Störungen im Seelenleben verursachen, um diese künftig vermeiden zu helfen. Langsam wird offenbar, daß Kraus den Sinn der analytischen Behandlung nicht versteht, was ihn nicht abhält, im Detail Recht zu behalten:

»Der Ehrgeiz eines Meteorologen, schönes Wetter zu machen, gehört nicht zum Fach. Wäre eine seelische Analyse ähnlich ohne die Mitwirkung des Patienten durchführbar wie die seines Harns, der Versuch könnte nicht schaden, wenn er nicht nützte. Das Verfahren jedoch, bei dem der Kranke zum Konsiliarius wird, schafft ihm ein Selbstbewußtsein des Unbewußtseins, das zwar erhebend, aber nicht eben aussichtsvoll ist. Statt ihn vom Herd seines Übels zu jagen, wird er verhalten, sich daran zu rösten, statt Ablenkung wird eine Vertraulichkeit mit seinen Leiden, eine Art Symptomenstolz erzeugt, der den Kranken schließlich in den Stand setzt, an Anderen seelische Analysen vorzunehmen, der aber ihm selbst noch nicht geholfen hat. Alles in allem eine Methode, die augenscheinlich schneller einen Laien zum Sachverständigen, als einen Kranken gesund macht. Auch eine Mechanisierung der seelischen Vorgänge verträgt den Versuch nicht, als Heilfaktor die Selbstbeobachtung der Symptome einer Krankheit zu setzen, zu deren Symptomen die Selbstbeobachtung gehört.«

Kraus legte besonderen Wert auf die unversehrte Privatsphäre. Folglich störte es ihn, daß die psychoanalytische Behandlung hinter Krankheiten und Handlungen sexuelle Motivationen vermutete, wodurch die Intimsphäre der Patienten verletzt wurde. Kraus verlangte, daß die Privatsphäre Verstorbener auch von Psychoanalytikern respektiert wird. Die Interpretation von Künstlern und künstlerischen Arbeiten durch Nervenärzte im allgemeinen und Psychoanalytiker im besonderen hat er stets vehement attackiert. Um so erbitterter wird Kraus gewesen sein, als er erfahren mußte, daß Fritz Wittels vor seiner Zeit als »Fackel«-Mitarbeiter Autor jenes Leserbriefes war, der Goethes »Zauberlehrling« als "handgreiflichen Beweis für die masturbatorischen Neigungen seines Schöpfers" gedeutet hat:

»Ich war sittlich entrüstet, nicht wegen des Inhalts, aber wegen der unsäglichen Ärmlichkeit der Zumutung. Ich fühlte, wie sich zum legitimen Schwachsinn der literarhistorischen Kommentatoren allmählich ein neuer Wahnsinn geselle. Die wissenschaftlich fundierte Stimmung eines Herrenabends reklamiert den Besen des Zauberlehrlings - »oben sei ein Kopf« - für ihre besonderen Zwecke, aber sie würde gegebenenfalls auch nicht davor zurückschrecken, uns den »Mond« ebenso zu deuten, von dem es in dem wundervollen Gedicht doch heißt, daß er »wieder Busch und Tal füllt«. »Was fällt Ihnen dazu ein?« lautet die Frage des psychischen Analytikers. Aber wir haben ein Recht, sie in empörtem Ton zurückzugeben: Was Ihnen nicht einfällt! … Man beruhigte mich mit der Versicherung, daß hier bloß eine Mitwirkung des »Unbewußten« bei Goethe angenommen werde. Dieses Unbewußte eines Dichters ist nun freilich ein Gebiet, in dem das Bewußtsein eines Mediziners volle Bewegungsfreiheit hat. Das ist tief bedauerlich. Denn die psychischen Analysen, die an einem Privatpatienten vorgenommen werden, sind eine Privatsache zwischen den beiden vertragschließenden Teilen, aber Kunstwerke sollten dem Untersucher schon wegen ihrer Wehrlosigkeit Respekt einflößen. Goethe - irrsinnig? In Gottes Namen, daraus können wir uns noch etwas herausfetzen! Vielleicht sinkt die Menschheit auf die Knie und fleht, vor ihrer Gesundheit bang, den Schöpfer um mehr Irrsinn! Aber die Verurteilung zur Masturbation läßt ein Gefühl der Leere zurück; verzweifelnd empfängt man die Erkenntnis, daß selbst wenn alle Welt masturbierte, dennoch kein »Zauberlehrling« entstehen müßte. Und trostlos auch der Gedanke, daß er, Goethe, es nicht gewußt, nicht einmal nachträglich bemerkt hat. Er schrieb den Zauberlehrling und wußte nicht, was er bedeute. Und man hatte doch geglaubt, daß das Unbewußte eines Goethe noch immer bewußter sei als das Bewußteste eines Sexualpsychologen!«

Das Beispiel legt nahe, daß Kraus unter dem Begriff des "Unbewußten" eine Art Substandard-Bewußtsein versteht, obwohl der Begriff wertfrei gedacht ist. Bekanntlich war die zu Mehrdeutigkeiten einladende Bezeichnung "Unterbewußtsein" Freuds Motivation sich für das wertneutrale "Unbewußte" zu entscheiden.

Der Verwahrung gegen die postume "Behandlung" verschiedener Künstler folgt Kraus’ Auslegung des "Zauberlehrlings" als Schilderung eines psychoanalytischen Draufgängers, der im jugendlichen Überschwang seine analytischen Fähigkeiten überschätzt:

»Der Professor sieht, wie die Schüler die Lehre kompromittieren, und beschließt, dem groben Unfug eine [sic!] Ende zu machen. Es war die höchste Zeit. In die Ecke mit allem, was wie ein Besen aussah und etwas anderes bedeuten sollte!«

Noch hat Kraus Freud von der Schelte ausgenommen, weil er sich von diesem Unterstützung im Kampf gegen die psychoanalytische Deutung von künstlerischen Arbeiten erhofft. Die Berechtigung der Psychoanalyse liegt seines Erachtens allenfalls in der Behandlung und Heilung von Kranken. Sie überschreitet ihr Mandat, wenn sie Künstler in die Ordinationen verschleppt, da diese dabei mit dem Stigma des Krankhaften versehen werden.

Ein konkreter Anhaltspunkt, wann und wie Kraus von Wittels’ Autorschaft erfahren hat, wäre sehr aufschlußreich. Schließlich macht es einen Unterschied, ob Kraus 1907 wissentlich einen Mitarbeiter für die »Fackel« engagiert hat, dessen Leserbrief ihm 1906 den Eindruck vermittelt hat, ein »Irrenwärter« zu sein. Seit jeher weckte die Heftigkeit mit der Kraus zur Zeit seines Konfliktes mit Wittels die sexuelle Deutung des »Zauberlehrlings« attackiert hat, den Verdacht, daß Wittels deren Autor war. Dem widersprach allerdings der erwähnte Leserbrief von 1906. War es doch unwahrscheinlich, daß Kraus ausgerechnet dessen Autor als Mitarbeiter der Fackel akzeptiert. Edward Timms, der sich nicht nur in seiner Kraus-Monografie intensiv mit Wittels beschäftigt, hat Wittels autobiographisches Eingeständnis entdeckt, daß er Autor der sexuellen Deutung des Zauberlehrlings war. Dadurch hat sich das Unwahrscheinliche als Tatsache erwiesen: Wittels, der Autor des geschmähten Leserbriefes von 1906 wurde 1907 Mitarbeiter der »Fackel«. (Vermutlich hat er anläßlich seines Konfliktes mit Kraus diesen durch Lüftung des Geheimnisses gedemütigt. Schließlich kann die Affäre auch unter der "Grubenhund"-Perspektive betrachtet werden: Kraus ist es gelungen, idiotische Leserbriefe, sogenannte "Grubenhunde", in die "Neue Freie Presse" einzuschleusen. Aber Wittels ist es geglückt, sich als "idiotischen" Mitarbeiter in der Fackel einzuschmuggeln.)

1908 erscheint Freuds Aufsatz Die »kulturelle« Sexualmoral und die moderne Nervosität, der nochmals Gemeinsamkeiten zwischen den künftigen Antipoden hervorhebt und ein Kraus-Zitat enthält, das belegt, daß Kraus’ Ablehnung der sexuellen Deutung des »Zauberlehrlings« nicht aus Prüderie geschah:

»Konnte doch ein geistreicher Schriftsteller (Karl Kraus in der Wiener »Fackel«), den Spieß umdrehend, die Wahrheit in dem Zynismus aussprechen: Der Koitus ist nur ein ungenügendes Surrogat für die Onanie!«

Zur gleichen Zeit erwähnt Kraus anläßlich seiner Auseinandersetzung mit Maximilian Harden, in welcher Der Fall Hervay eine wesentliche Rolle spielt, die breite Anerkennung, die ihm seine publizistische Kampagne gebracht hat, indem er Freuds Zustimmung zu jenem Artikel mit dem Vermerk abdruckt, daß er Professor Freud nicht gekannt hat.

In den nächsten Ausgaben der »Fackel« distanziert er sich wiederholt von der angewandten Psychoanalyse, da sie sich seines Erachtens zu stark dem Sexuellen widmet:

»Die neuen Seelenforscher sagen, daß alles und jedes auf geschlechtliche Ursachen zurückzuführen sei. Zum Beispiel könnte man ihre Methode als Beichtvater-Erotik erklären.«

In den »Fackel«-Heften vom 30. November 1908 und vom 13. Mai 1909 attackiert Kraus seinen ehemaligen Mitarbeiter Fritz Wittels durch besonders witzige Aphorismen, ohne diesen beim Namen zu nennen: Einer sagte, ich hätte versucht, ihn an die Wand zu drücken. Das ist nicht wahr. Es ist mir bloß gelungen.

Wittels rächte sich für den Rauswurf und die bissigen Aphorismen vorerst mit einem Die »Fackel«-Neurose betitelten Vortrag, den er am 12. Jänner 1910 vor der legendären Mittwochgesellschaft der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung zum Besten gab. Im Anschluß erfolgte die übliche Diskussion, bei der Freuds kritische Wortmeldung zweifellos den qualitativen Unterschied zwischen ihm und seiner Bande verdeutlicht. Dennoch ist Timms’ Resümee - Einzig Freud hebt das »außerordentliche Talent« und die unverminderten »Leistungen« des Satirikers hervor - eine tendenziöse Aufwertung Freuds, da sich auch Viktor Tausk und Carl Furtmüller durch besonnene Beiträge ausgezeichnet haben. Tatsächlich hat Freud selbst Untergriffe nicht gescheut, indem er dem 36jährigen Kraus einen "wenig hoch entwickelten Charakter" unterstellt hat: "Es fehlt ihm jede Spur von Selbstüberlegenheit und er scheint seinen Trieben ohne jeden Halt preisgegeben."

Obwohl die Mittwochgesellschaft über Wittels’ Vortrag Stillschweigen bewahren wollte und Stekel ausnahmsweise nicht in der Sonntagsausgabe des ›Neuen Wiener Tagblatts‹ über diese Diskussion berichtet hat, sahen die Teilnehmer in den kritischen Aphorismen der »Fackel« von Ende März 1910 eine Reaktion auf ihr (geselliges) Beisammensein.

Das verdeutlicht die mangelnde Sensibilität der Psychoanalytiker, da Kraus bei Kenntnis des »Fackel«-Neurose-Vortrages gewiß rechtliche Schritte wegen übler Nachrede unternommen hätte. Der moderate Ton sämtlicher Kommentare widerlegt die Annahme, daß Kraus etwas von Wittels’ Vortrag zu Gehör bekommen hat. Ein simpler Vergleich, wie der folgende, wäre nicht mehr möglich gewesen:

»Der Unterschied zwischen der alten und der neuen Seelenkunde ist der, daß die alte über jede Abweichung von der Norm sittlich entrüstet war und die neue der Minderwertigkeit zu einem Standesbewußtsein verholfen hat.«

»Die neue Seelenkunde hat es gewagt, in das Mysterium des Genies zu spucken. Wenn es bei Kleist und Lenau nicht sein Bewenden haben sollte, so werde ich Torwache halten und die medizinischen Hausierer, die neuestens überall ihr "Nichts zu behandeln?" vernehmen lassen, in die Niederungen weisen. Ihre Lehre möchte die Persönlichkeit verengen, nachdem sie die Grenzen der Unverantwortlichkeit erweitert hat. Solange das Geschäft private Praxis bleibt, mögen sich die Betroffenen wehren. Aber Kleist und Lenau werden wir aus der Ordination zurückziehen!«

Daß Kraus mit Verzögerung über die Entwicklung der Psychoanalyse informiert wird, beweist neben der Kenntnis der Kleist- und Lenaustudien aus dem Jahr 1909, auch die folgende Anspielung auf Freuds Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben, wo ein Vater seinen Sohn unter anderem fragt: Hast du schon einmal ein Pferd Lumpf machen gesehen?

»Kinder psychoanalytischer Eltern welken früh. Als Säugling muß es zugeben, daß es beim Stuhlgang Wollustempfindungen habe. Später wird es gefragt, was ihm dazu einfällt, wenn es auf dem Weg zur Schule der Defäkation eines Pferdes beigewohnt hat. Man kann von Glück sagen, wenn so eins noch das Alter erreicht, wo der Jüngling einen Traum beichten kann, in dem er seine Mutter geschändet hat.«

Lange galt Wittels’ Vortrag als eigentlicher Anlaß von Kraus polemischer Abneigung gegen die Psychoanalyse. Tatsächlich hat Kraus, der zur Zeit von Wittels’ Vortrag in Berlin erstmals aus eigenen Schriften vorgelesen hat, jahrelang nichts davon erfahren.

Viktor Tausks kritischen Hinweis zu Wittels’ »Fackel«-Neurose-Vortrag - »Wissenschaftlichkeit sei nicht immer das beste Mittel, um eine Persönlichkeit zu beleuchten; die Kunst taugt oft besser dazu« - hat Wittels insofern mißverstanden, daß er sich zum Schlüsselroman »Ezechiel der Zugereiste« hinreißen ließ, in dem er Personen aus dem Kraus-Umkreis karikiert und Kraus als »Benjamin Eckelhaft« verhöhnt, der »Das Riesenmaul« herausgibt, das »fünf bis sechs regelmäßige Leser« hat, die Eckelhaft »durch seine übermäßigen Reklameanstrengungen zusammenbrachte.« Im Gespräch mit Ezechiel verrät Eckelhafts Anhänger sein Idol: »Er ist völlig ausgeschrieben und impotent … Totschlagen soll man den Saujuden«.

Timms referiert, daß Kraus und Freud aus unterschiedlichen Motiven die Veröffentlichung des Schlüssel(loch)romans verhindern wollten. Deshalb habe Kraus

»Freud über eine Mittelsperson Einblick in kompromittierende Briefe gewährt, die er von Wittels erhalten hatte. Aufgrund der Erkenntnisse daraus verurteilte Freud Wittels’ ambivalente Haltung gegenüber einem ehemaligen Freund auf das Schärfste. Denn die Verbitterung, die Wittels dazu brachte, Kraus in seinem Roman zu verhöhnen, hatte nicht verhindert, daß er ihm zur gleichen Zeit Briefe schickte, die von Freud als »zärtlich werbende Briefe«, ja sogar als »Liebesbriefe« bezeichnet werden.«

Über Kraus’ aktuelles Verhältnis zu Freud gibt die Tatsache Aufschluß, daß er mit diesem nicht direkt, sondern über Mittelsmänner verkehrt. Dieses Detail belegt sowohl das distanzierte Verhältnis, als auch Kraus’ Unkenntnis des »Fackel«-Neurose-Vortrages, da er ansonsten den Kontakt mit Freud abgebrochen hätte.

Kraus sah in Freud lange Zeit einen faustischen Forscher, der durch aufrichtige, wissenschaftliche Erörterung der herrschenden Sexualmoral sich in offenem Gegensatz zur heuchlerischen Intoleranz seiner Zeit befand. Freud suchte in dem gefürchteten Schriftsteller einen Weggefährten, der aber bald wieder eigene Wege ging, da ihm die Psychoanalyse (bei seiner Selbstverwirklichung) hinderlich war. Schließlich wollte sich Kraus, der zeitlebens die Befreiung des Menschen vorlebte, von (nichts und) niemanden unter Kuratel stellen lassen: "Aber ich muß ja über mich nicht informiert sein, kenne auch mein Unterbewußtsein zu wenig, um für mich einstehen zu können. Vielleicht erlebe ich Überraschungen."

Die Anschauung, daß die (willensstarke) Persönlichkeit Herr im eigenen Oberstübchen ist, kommt in der nächsten »Fackel« durch Samuel Lublinskis Aufsatz über den "tragischen Menschen in der modernen Literatur" zum Ausdruck, der wohl als deutlicher Protest gegen Freud und dessen Thesen zu lesen ist:

»Nach der alten Sage war Ödipus zum Vatermord und zur Mutterehe einfach verurteilt, weil es einem Gott so gefiel. Bei dem modernen Dichter aber befindet sich Ödipus im Stadium der Pubertät, und da kann man freilich nicht wissen, was noch passieren kann, zumal er von schlimmen Vorfahren allerlei böse Gelüste geerbt hat. Da haben wir es: die Vererbungstheorie und die Psychologie! […]. Also nimmt er schleunigst Reißaus, und ich beneide keinen, der nicht den fürchterlichen Rationalismus durchschaut, mit dem hier das Geschlechtsleben zum Apparat einer Mausefalle herabgewürdigt wird. Wer spürt nicht den Professor Freud?«

Das Vokabular der Psychoanalyse hält Einzug in die Sprache der Kinder bzw. Redaktionen, wodurch sie als Modeerscheinung die Aufmerksamkeit der »Fackel« erregt. Doch deren Kritik beschränkt sich meist auf die Wiederholung und Variation bekannter Einwände:

»Andere prahlten, wer einen schöneren Komplex hätte, und spielten Träume - Erraten. Es waren chemische Produkte von Loeb. Sie wußten, wie sie zur Welt kommen, und spotteten jener, die da noch glaubten, daß der Döderlein die Kinder bringt. Die Mütter hatten sie ach unter Scherzen geboren.«

»»Das is von Freud. Bißl Qual ist sicher dabei, wenn auch verdrängt.« »Also Freud und Qual, wie -« »Es handelt sich um den Lustgewinn, der je nachdem ein Komplex vorhanden ist, zu Gunsten oder zu Lasten - Sie müssen nämlich wissen, das Unbewußte -« […] »Was ihr wollts, versteh ich. Ihr seids Idealisten. Nix weiter. Ihr wollts das Unbewußte bewußt machen, besonders, was das Bewußte betrifft.««

Zu November 1912 beginnt sich Kraus von Freud zu distanzieren. Er hat erkannt, daß die Förderung der sexuellen Toleranz und der Kampf gegen die Psychiatrie nur Nebenaspekte der Psychoanalyse waren.

»Man sagt mir oft, daß manches, was ich gefunden habe, ohne es zu suchen, wahr sein müsse, weil es auch F. gesucht und gefunden habe. Solche Wahrheit wäre wohl ein trostloses Wertmaß. Denn nur dem, der sucht, ist das Ziel wichtig. Dem, der findet, aber der Weg. Die beiden treffen sich nicht. Der eine geht schneller, als der andere zum Ziel kommt. Irgendetwas ist ihnen gemeinsam. Aber der Prophet ist immer schon da und verkündet den apokalyptischen Reiter.«

Mit der Deutung von Kunstwerken und Künstlern hat die Psychoanalyse eine Grenze verletzt, deren Überschreitung alle Gemeinsamkeiten unbedeutend erscheinen läßt. In Kraus’ Augen macht sich die Psychoanalyse dadurch mit der Psychiatrie gemein, womit sie zum erbittert bekämpften Gegner wird. Kraus mißbilligt, daß verschiedene Künstler als "Krankenmaterial" herangezogen werden, dennoch kann er diese Praxis nicht unterbinden, so daß er resigniert den Schluß zieht, daß die unfreiwillig behandelten Künstler insofern für ihre Erniedrigung mitverantwortlich sind, als sie tatsächlich nicht imstande waren, die Menschheit auf einen Stand zu bringen, der die Entstehung von Nervenärzten ausschließt.

Die Vorstellung, daß dichterische Arbeiten das Ergebnis sexueller Regungen darstellen, weshalb sich Psychoanalytiker veranlaßt sehen dürfen, über intime Angelegenheiten der Künstler zu spekulieren, hielt Kraus für den Versuch, die Bedeutung des Künstlers und des Kunstwerks zu schmälern. Er befürchtet, daß Künstler von Psychoanalyse und Psychiatrie als pathologische Phänomene denunziert werden. Die Vorstellung, daß Künstler als abnorm eingestuft werden, weil sie sich künstlerisch äußern, ekelt Kraus an. In seinen Augen raubt man dem Künstler damit jenes Besondere, das ihn als verehrungswürdig auszeichnet. Er gibt die Unbill zurück, indem er die Vorgangsweise des Analytikers mit dieser Einstellung beleuchtet:

»Psychoanalyse ist ein Racheakt, durch den die Inferiorität sich Haltung, wenn nicht Überlegenheit verschafft und die Disharmonie aufs gleiche zu kommen sucht. Arzt sein ist mehr als Patient sein und darum sucht heute jeder Flachkopf jedes Genie zu behandeln. Die Krankheit ist hier das, was dem Arzte fehlt. Wie er sich immer anstelle, er wird zur Erklärung des Genies nichts weiter vorbringen, als den Beweis, daß er es nicht hat. Da aber das Genie eine Erklärung nicht braucht und eine, die die Mittelmäßigkeit gegen das Genie verteidigt, von übel ist, so bleibt der Psychoanalyse nur eine einzige Rechtfertigung ihres Daseins: sie läßt sich mit genauer Not zur Entlarvung der Psychoanalyse anwenden.«

Kraus mußte erkennen, daß Freud den Versuch seiner Schüler, seine Ideen auf den verschiedenen Arbeitsgebieten zu erproben, nicht nur toleriert, sondern sie sogar anregt und herausgibt: Was fängt man doch mit dieser Jugend an? Sie ist mißgestalt und reagiert nur psychisch. Nicht als Freudknaben.

Einer dieser Freudknaben, der Musikkritiker Max Graf, der als Vater des kleinen Hans von sich reden machte, veröffentlicht 1911 eine Monographie über "Richard Wagner im ›Fliegenden Holländer‹. Ein Beitrag zur Psychologie des künstlerischen Schaffens". Obwohl sich Graf im Vorwort auf die höchste Autorität beruft, indem er erklärt, daß sein Buch "in ununterbrochenem Meinungsaustausch mit Professor Freud" und unter "der Führung durch Professor Freud" entstanden ist, sieht Kraus im Ergebnis bloß einen indiskreten Zirkelschluß, der die wesentliche Frage nicht beantworten kann:

»Ein Psycholog weiß um die Entstehung des »Fliegenden Holländers« Bescheid: »aus einer Kinderphantasie Richard Wagners, die dem Größenwunsch des Knaben entsprang, es seinem Vater gleich zu tun, sich an Stelle des Vaters zu setzen, groß zu sein wie er ….« Da aber nach den Versicherungen der Psychologen dies der seelische Habitus aller Knaben ist - ganz abgesehen von der erotischen Eifersucht und den Inzestgedanken, die das Kind mit der Muttermilch einsaugt und die nur bei Soxhlet nicht die Oberhand behalten -, so müßte die Psychologie bloß noch die eine Frage beantworten: welche spezifischen Anlagen oder Eindrücke bei Wagner die Entstehung des »Fliegenden Holländers« vorbereitet haben. Denn Wagner ist von allen Geschlechtsgenossen der einzige, dem die Autorschaft des »Fliegenden Holländers« zugeschrieben werden kann, während die meisten andern dem Größenwunsch, es dem Vater gleich zu tun, eine Karriere als Börseaner, Advokaten, Tramwaykondukteure oder Musikkritiker verdanken, und nur die, die davon geträumt haben, Heroen zu werden, Psychologen geworden sind.«

Mit dieser Kritik hat Karl Kraus in Unkenntnis von Wittels’ Vortrag viele Aspekte des »Fackel«-Neurose-Abends als Belanglosigkeiten entlarvt.

Auf die Pathologisierung der Künstler durch die Analytiker reagiert Kraus, indem er sich deren Methode aneignet und die Analytiker postwendend als pathologische Fälle klassifiziert: Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält.

Die Schärfe der Kritik läßt erkennen, daß er die prinzipiellen Unterschiede zwischen seinen Ansichten und den Zielen der Psychoanalyse erkannt hat. Gewißheit hatte er darin, daß die Psychoanalytiker nicht gegen Freuds Intentionen handelten, so daß er sich öffentlich, aber ungewohnt diskret von dem vormals geschätzten Forscher zurückzieht: Den Weg zurück ins Kinderland möchte ich, nach reiflicher Überlegung, doch lieber mit Jean Paul als mit S. Freud machen. Der zurückhaltende Ton dieser Abschiedsworte legt nahe, daß Kraus noch nichts über Wittels’ Vortrag erfahren hat, da er sonst für den Veranstalter jenes Racheaktes, andere Abschiedsworte gefunden hätte.

Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, daß die Benachrichtigung über Wittels’ Vortrag den großen Konflikt zwischen der »Fackel« und der Psychoanalyse entfacht. Aber wider Erwarten wird dieser durch Wilhelm Stekel ausgelöst, der Ende 1912 aus der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen wurde, und als Herausgeber des Zentralblattes für Psychoanalyse vermutlich einen Streit zwischen Kraus und Freud anzetteln wollte.

Stekel hat im Septemberheft 1913 des ›Zentralblattes für Psychoanalyse‹ und sonstigen Unfug widerrechtlich anderthalb Seiten Aphorismen aus der »Fackel« nachgedruckt, die großteils gegen die Psychoanalyse gerichtet waren. Das provozierte Kraus, der die Psychoanalyse bislang vor allem aphoristisch gestreift hatte, sich einmal gründlich mit der »Unbefugten Psychologie« auseinanderzusetzen.

Eingangs fordert er von Stekel eine finanzielle Entschädigung für die geschehene Urheberrechtsverletzung und verwendet das Honorar signalhaft für die mittellose Dichterin Else Lasker-Schüler, da diese mit ihren eigenen Träumen auch nicht annähernd so viel verdient als ein Psychoanalytiker mit fremden. Im Anschluß daran, erfüllt Kraus Stekels Bitte, dessen Studie zu lesen, da er (schon) im fehlerhaften Begleitschreiben "eine freudige Entdeckung macht": Zugleich erlaube ich mir Ihnen eine Arbeit einzusenden. Eine flüchtige Einsicht wird Sie überzeugen, daß ich mich gegen die großen Gefahren und Fehler der Psychoanalyse nicht verschließe. Von diesem unabsichtlichem Eingeständnisses verlockt, liest Kraus die eingesandte Arbeit mit der Absicht alle Vorbehalte gegen die Psychoanalyse unter einen Hut zu bringen, um die psychoanalytische Praxis durch polemische Behandlung der Lächerlichkeit preiszugeben. Natürlich bezweifelt Kraus die Sexualbestimmtheit des Unbewußten, wobei diese Zweifel bei Stekels Arbeiten besonders verständlich sind, da dieser für seine fingierten Fallstudien berüchtigt war.

Kraus ist überzeugt, daß das Sexuelle von den Traumdeutern auf die Patienten übertragen werde. Weiters kritisiert er

bullet

die Symboldeutung, weil sie nur der Sexualisierung diene,

bullet

Kosten, Dauer und Wirkungslosigkeit der analytischen Behandlung,

bullet

die Verletzung der Privatsphäre durch die mehr oder minder öffentlich stattfindende Diskussion der Krankengeschichten,

bullet

die Analyse von (verschiedenen) Künstlern, da dies deren Privatsphäre verletze und doch nur damit ende, daß dieselben, allgemein vorkommenden Konflikte zur Erklärung der besonderen Fähigkeiten herangezogen werden, womit die Psychoanalyse zwar nicht das Besondere des Künstlers zu erhellen vermag, diesen aber pathologisiert,

bullet

die Deutung von Kunstwerken als Ergebnis sublimierter Sexualkonflikte (der Kindheit),

bullet

die Kinderanalyse, weil sie die kindliche Privatsphäre und Unbefangenheit verletzt,

bullet

den Ödipuskomplex (Inzestwunsch, der das Ableben des Vaters wünschenswert macht),

bullet

die Interpretation der Religion, religiöser Riten und Bräuche als neuroseähnliche Zwangshandlungen, die dem unbewußten Schuldgefühl (des Ödipuskonfliktes) entspringen,

bullet

und den Begriff des Widerstandes, der den Patienten entmündige, da dieser die Mutmaßungen der Psychoanalytiker bejahen, ignorieren oder verneinen könne, was aber von den Zwangshandlungsgehilfen in jedem Fall als Bestätigung ihres Verdachtes bewertet werde.

Mit seinen Einwänden hat Kraus von der theoretischen Psychoanalyse, die er angeblich von der Kritik ausspart, wenig übrig gelassen, vielmehr die tragenden Pfeiler entfernt.

Im Sommer 1914 verhöhnt Kraus einen Nachahmer, der sein Schaffen aus dem Inzestmotiv erklären wollte. Kraus läßt seiner Empörung, Opfer einer psychoanalytischen Deutung geworden zu sein, freien Lauf, indem er "Psychoanalytiker mit Einführung der Leibeigenschaft regalieren möchte" und mit einer einschneidenden Behandlung droht:

Sollte die Rache der zufälligen Hosenträger mir zu nahe an die Nerven gehen, so wird, wenn wir uns wiedersehen, mit einer an die Genitalien greifenden Rücksichtslosigkeit, die aber die Namen der Unglücklichen schont, eingeschritten werden.

Im Oktober 1915 verrät Kraus, daß er von der Psychoanalyse und ihrem Gründer keine hohe Meinung hat: Was hat denn diese neue Jugend für einen Lehrmeister der Liebe? Sie lebt hemmungslos. Es scheint, daß sie den Sigi Ernst mit dem Sigi Freud überwunden hat.

»Eine Wissenschaft, die vom Geschlecht so wenig weiß wie von der Kunst, verbreitet das Gerücht, daß im Kunstwerk die Sexualität des Künstlers »sublimiert« werde. Eine saubere Bestimmung der Kunst, das Bordell zu ersparen! Da ist es doch eine viel feinere Bestimmung des Bordells, die Sublimierung durch ein Kunstwerk zu ersparen. Wie bedenklich das von den Künstlern geübte Verfahren, abgesehen von seiner Weitschweifigkeit, in seiner Wirkung auf die Empfangenden bleibt, beweist gerade der Fall des bedeutenden Tonkünstlers, der von jener Wissenschaft gerne als Beispiel gelungener Sublimierung herangezogen wird. Die Hörer seiner Musik fühlen sich von der darin sublimieren Sexualität dermaßen angeregt, daß ihnen oft kein anderer Ausweg als jener bleibt, den der Künstler gemieden hat, es wäre denn, daß sie selber imstande sind, rechtzeitig eine Sublimierung vorzunehmen. Hätte der Künstler den einfacheren Weg gewählt, so wäre diese Wirkung den Hörern erspart geblieben. So geschieht es, daß durch die üble Gewohnheit der Künstler, die Sexualität zu sublimieren, diese erst frei wird und daß eine Angelegenheit, die so recht eine Privatangelegenheit des Künstlers zu bleiben hätte, zu einem öffentlichen Skandal ausartet.«

Am 31. Oktober 1916 verrät der Artikel Das Unterbewußtsein im Kriege Kraus’ Unkenntnis der Psychopathologie des Alltagslebens. Er kommentiert eine Zuschrift eines Politikers, der verfügt, daß man ihm die »Fackel«-Ausgaben vom Kriegsgewinn bis ausschließlich April 16 nachsenden möge und dabei die Verschreibung Kriegsgewinn statt Kriegsbeginn übersehen hat. Kraus ergänzt, daß die Psychoanalyse soweit sein Wissen davon reicht, bisher bloß die Erscheinung des »Versprechens« beobachtet habe, Dies stellt 1916 einen beachtlichen Informationsmangel dar, zumindest für einen, der die Grundlagen der Psychoanalyse akzeptiert hat (was inkludiert, daß man damit vertraut ist).

Weniger erstaunlich ist die Tatsache, daß Kraus dieser Fehlleistung große Bedeutung beimißt und den oben erwähnten Brief als eines der stärksten Dokumente zur Natur dieses Krieges betrachtet. (Kraus hat dieses von ihm anfangs hoch veranschlagte Dokument nicht in seine dramatische Weltkriegsdokumentation Die letzten Tage der Menschheit aufgenommen.)

Falsch ist Hartls Ansicht, daß Karl Kraus auf den Wittels-Vortrag […] nie publizistisch zu sprechen gekommen ist. Erst seit dem Erscheinen der »Briefe an Sidonie Nádherný« (1974) sei überhaupt evident, daß Kraus von jener Veranstaltung und ihrem Inhalt etwas erfahren habe. Schließlich erwähnt Kraus im März 1921 anläßlich einer neuen Analyse unter Anspielung auf Wittels’ Vortragsthema, daß sich mit den Generationen auch die Ferndiagnosen ändern:

»es ist eines jener Tinterl an der Tour, die seit Jahr und Tag davon leben, mir meinen Stil zum Scheuel und Greuel zu machen; plötzlich, es nicht länger tragend, rächst es sich dafür, daß es keinen hat und »faßt« mich »auf«. Psychoanalytisch natürlich, »Selbsthaß des Juden«, »Vaterleugnung« und so Ingredienzen aus der Sudelküche des neuen Literatentums, das den eigenen Defekt für einen Rebbach hält und ihn an dem durchschaut, der ihn nicht hat, im Kompensationsverfahren, zu dem eine Wissenschaft Mut macht, beobachterisch und mit allen Finten und Tinten versorgt, aus sich selbst das Schmalz und von mir die Antithese, gottwietalentvoll, mit allen dreimal gewendeten Gemeinheiten einer Milieukonstruktion, zu der das psychologische Schlieferltum berechtigt, wie sich eben so etwas nicht vorstellen kann, daß ich anders als aus seinem Schleim erschaffen sein könne […]. Aber wenn sie mich auch durch und durch erkennen, besonders natürlich darin, daß all mein Wüten nur der bekannte jüdische Selbsthaß ist - die Väter führten’s auf die Neue Freie Presse zurück -, so werden sie doch alte Expressionisten werden, wenn sie glauben, daß mich eine Ballung sämtlicher Chuzpen von Berlin, München, Dresden, Prag, Brünn und Wien einschüchtern könnte.«

Auch in seiner Anfang 1921 entstandenen magischen Operette "Literatur oder Man wird doch da sehn" spielt Kraus mit diversen Rufen unmißverständlich auf Wittels’ Vortrag und Roman an: »Das ist sein Vaterkomplex!« »Selbsthaß des Judentums!« »Ich halt bei Freud einen Vortrag gegen ihn!« »Ich schreib einen Roman gegen ihn!« »Ich bin ein Dreck gegen ihn!«

Unmißverständlich formuliert Kraus im November 1922 seine deutliche Ablehnung der Freudschen Lehre, indem er eigens betont, daß Franz Blei "seine Aversion gegen die Freud’sche Theorie" übernommen hat.

Die in den Jahren 1913 bis 1922 gemachte Erfahrung als unfreiwilliges Objekt der Psychoanalyse veranlaßte Kraus seine Polemik Unbefugte Psychologie für den Sammelband Untergang der Welt durch schwarze Magie mittels folgenden Vorspann zu verschärfen:

»Die Psychoanalytiker, der Auswurf selbst dieser Menschheit, ein Beruf, in dessen Namen schon die Psyche mit dem Anus verbündet erscheint, sind in Gruppen geteilt, die jede zur Vertretung ihrer Sonderart, Gott zu lästern, die Natur zu schänden und die Kunst zu erklären, ihre eigene Zeitschrift unterhält.«

Zu Weihnachten 1922 verfaßt er das Traumstück, dessen Attraktion der Auftritt der drei Psychoanalen bildet, in dem Kraus knapp und bündig seine Einwände gegen die Psychoanalyse benennt, von denen sich viele als berechtigt erwiesen haben.

Eigentlich wollte Kraus den Einakter seiner Geliebten, Sidonie Nádherný, widmen, wovon er im letzten Moment Abstand genommen hat. Denn Kraus befürchtet, »daß in der immerhin zu erwartenden Reaktion der Betroffenen, so schmutzige und vor keiner Beschmutzung zurückschreckende Kreise dieses Moment, wenn auch nur als begrinste Darbietung solcher Stofflichkeit an die weibliche Adresse, kurz irgendwie, gestreift würde, und das könnte ich nicht ertragen.«

Es folgt der konkrete Hinweis, daß Kraus über Wittels’ Vortrag und dessen Inhalt erfahren hat:

»Das Gesindel hat jetzt auch ein Tagesblatt für seine Debatten zur Verfügung und ein Symptomjäger, dem ich den Laufpaß gegeben, führt dort das große Wort, ein Kerl, der einmal meine Verabscheuung der Neuen Freien Presse auf meinen "Vaterkomplex" zurückgeführt hat, - öffentlich! Da wäre also das Wahnwitzigste möglich, was, weiß ich nicht, aber es liegt mir schwer auf den Nerven, daß teure Namen durch meine Schuld an diese Peripherie gelangen könnten.«

Der modisch bedingte Einzug der Populärpsychoanalyse in die Redaktion bringt es mit sich, daß Kraus 1923 erneut analysiert wird. Dieser ist die Ferndiagnosen inzwischen so gewohnt, daß er ohne Emotion, aber mit lakonischem Witz Paroli bietet:

»Mehr kann man vom Neuen Wiener Journal schon nicht verlangen, wenn man bedenkt, daß ich dort noch ein paar Wochen zuvor ein Läusesucher hieß und ein paar Tage nachher von einem Psychoanalen in einer Studie über den »Satiriker« als der Fuchs unter den Trauben entlarvt wurde: "[…] Satiriker sein heißt, an der Welt Rache dafür nehmen, was man ist. Eine Wortrache ist es, Blut kann sie nicht fließen lassen. Höchstens macht sie die Satire »blutig«."

Diese entstammt dem Bewußtsein der eigenen Minderwertigkeit: es ist klar, daß die »Letzte Nacht« aus dem Gefühl heraus geschrieben ist, den Weltkrieg nicht so gut führen zu können wie Conrad v. Hötzendorf .«

Meist mußte Kraus erleben, daß die Wirklichkeit sämtliche Grenzen überschreitet, die ihr die Satire zieht. Daß diese Erfahrung auch zu Kraus’ Freude gereichte, demonstriert 1924 die Glosse Aufs Wort. In einem Artikel berichtet Stekel von der unbewußten Liebe eines Beamten zu einer Bürokollegin: Das Problem wird dadurch kompliziert, daß der sogenannte Nervöse nicht weiß, wo ihn der Schuh drückt. Kraus glossiert diese Stelle, indem er darauf hinweist, daß er das alles schon bei der Niederschrift des Traumstücks gewußt hat, als er im Lied der Psychoanalen den Namen Stekel für ein be(d)rückendes Wortspiel genützt hat:

»Er muß sich darum in die Behandlung des Mannes begeben, der da im »Traumstück« den Erfolg garantiert:

Er hat seine Beklemmungen / und hauptsächlich Hemmungen, / das gehört doch dazu. / Hat er eh einen Ekel, / so drückt ihn der Stekel / und nicht mehr der Schuh.«

Das Eintreffen einer anderen Vorahnung des Herausgeber des »Fackel« bereitet den Zauberlehrlingen 1924 (zu dessen Freude) Schwierigkeiten. Sie müssen feststellen, daß ungeheilt entlassene Patienten ihre psychoanalytischen Erfahrungen nützen, um selbst Patienten in Behandlung zu nehmen. Da die Mehrzahl der Psychoanalytiker die Behörden anruft, dem erwähnten Kurpfuscherwesen Einhalt zu gebieten, unterstützt Kraus dieses Anliegen publizistisch, indem er den Wunsch nach Reglementierung in dem Sinne mißversteht, daß man die gesamte psychoanalytische Praxis unterbinden solle. Dabei legt die Formulierung, daß die Psychoanalyse "keinen Meister hat und nur fortzeugend Lehrlinge muß gebären", die Interpretation nahe, daß er Freud von seiner Kritik nicht mehr ausspart.

Im Oktober 1926 kommt es zu Störungen im Fremdenverkehr als ein amerikanischer Konsul gegen einen Psychoanalytiker Anzeige erstattet, weil der Heilerfolg, in keinem vertretbaren Verhältnis zum geforderten Honorar stehe. Kraus räumt der Psychoanalyse eine Funktion als Fremdenverkehrsattraktion ein, zeigt aber auch Verständnis dafür, daß die werten Gäste dem Höllerhansl den Vorzug vor der Psychoanalyse geben.

»Diese Entschließung des Maharadscha könnte natürlich nicht das Geringste gegen den wissenschaftlichen Wert der Psychoanalyse besagen, die, soweit sie nicht schon früher existiert hat, gewiß eine Errungenschaft bedeutet. Was aber die psychoanalytische Praxis anlangt, so wäre der Streit, ob vazierende Literaten oder dergleichen hervorragende Forscher zu ihrer Ausübung zuzulassen sind, am einfachsten und behufs Vermeidung jedwedes zünftlerischen Vorurteils so zu entscheiden, daß man graduierte Ärzte, die sie ausüben, wegen Kurpfuscherei anklagt.«

Indessen tritt Freud gegen die Mehrzahl seiner Schüler für die Laienanalyse, das heißt die Analyse durch speziell ausgebildete Nichtmediziner, ein und äußert sich nicht nur deshalb am 2. Dezember 1927 in einem Brief an Arnold Zweig sehr abwertend über seinen Widersacher: Ich war sehr stolz auf die Stelle, die Sie mir gewidmet haben, und dann wieder geärgert darüber, daß Sie eine Verbeugung vor Karl Kraus machen können, der auf der Skala meiner Hochachtung eine unterste Stelle einnimmt.

Im Oktober 1929 weist Kraus die Psychologen des Unbewußten eigens auf einzelne sinngebende Druckfehler hin, die den Zeitungstext, dem sie entstammen, zur Satire umgeformt haben: So enthält das Neue Wiener Journal die Nachricht, daß sich der Polizeipräfekt während seiner langjährigen Tätigkeit viele Auszeichnungen ermordet hatte. Kraus bringt diese Fehlleistung eines Wiener Setzers mit dem Polizeipräsidenten Schober und den zahlreichen Toten und Verletzten des Justizpalastbrandes in Verbindung.

Die Anregung ist allerdings nicht als Aussöhnung gedacht. Schließlich attackiert Kraus im selben Heft die Psychoanalyse, weil sie sich wie die verhaßte Psychiatrie als Instrument der Unterdrückung etabliert. Die Nachricht, daß sich Psychoanalytiker dazu hergeben, sozial engagierte Jugendliche von ihren Idealen zu befreien, bestätigt Kraus’ Befürchtung, daß der Psychoanalytiker seinen Patienten Kraft und Freude neide.

Mit Behagen zitiert er deshalb im März 1931 einen Autographenkatalog, der neben Originalen von Kraus auch ein handschriftliches Rezept von Sigmund Freud enthält, das von Kraus schadenfroh kommentiert wird und die Legende widerlegt, daß Kraus Freud zeitlebens von seiner Kritik ausgespart habe.

»An einen Patienten: »… die Erhaltung der bisher erreichten Überwindung Ihres Masochismus spricht unverkennbar dafür und Ihr gegenwärtiges Leiden wird nach meiner Erwartung dazu beitragen, Ihre Widerstände mürbe zu machen, wenn die analytische Arbeit wieder aufgenommen wird …« 36.-

Ich ersehe daraus, was die Psychoanalyse - mindestens in ihrer Praxis, die ich für das jüdische Dürrkräutlertum der Seele halte - wert ist, und Patient hatte ganz recht, seine Widerstände nicht mürbe machen zu lassen, sondern sich durch Verkauf der Rezepte schadlos zu halten.«

Im Oktober 1932 bedauert Kraus die Bemühungen das Phänomen des Errötens durch Psychoanalyse zu beseitigen:

»Die wird es zwar nicht heilen, aber auch zu allerletzt herauskriegen, daß es auf Schamgefühl zurückzuführen sein könnte, oder auch das tiefer sitzende Übel, daß nämlich einer Ehre im Leib hat. Aber welch ein Apparat von Medizin wegen der paar Leute, die noch an so was leiden!«

1934 wird die Psychoanalyse mehrmals heftig attackiert und beklagt, daß der Verschweinung der Menschheit durch Journalismus und Psychoanalyse keine Grenze gesteckt ist. Kraus verwirft die psychoanalytische Theorie, wenn er klarstellt, daß er keinerlei Interesse habe, Marx […] Wagner, Nietzsche, Freud, womöglich noch Heine mit den Folgen nachzuholen und überhaupt alle Kinderkrankheiten, denen er - geistig (wie den physischen) durch ein Wunder entgangen ist.

Die Erfahrung, daß die verhaßte Lehre vor allem in Amerika Aufnahme und Verbreitung fand, führt in den letzten »Fackel«-Heften wiederholt zu kulturhistorischen Seitenhieben:

»Die Psychoanalyse, die es an Dauerhaftigkeit mit dem Weichselzopf aufnimmt, soll namentlich auf Amerikaner, die sich für alles interessieren, was sie nicht haben, wie Antiquitäten und Vorgänge des Innenlebens, einen unverminderten Reiz ausüben.«

Am Rande begründet er, der Druckfehler zeitlebens als psychologisch motivierte Fehlleistungen interpretiert hat, seine prinzipielle Ablehnung der Freudschen Lehre, durch sein Bedauern, daß man der Psychoanalyse »ja manches glauben wollte, wenn sie nicht mit so viel Betrug verknüpft wäre.«

Wenige Seiten später verhöhnt er sie ein letztes Mal in schriftlicher Form: Eins stützt das andere und Psychologie tut das ihre, indem bekanntlich der Umstand, daß einer rasiert ist, den Hang zum Vollbart beweist.

Dennoch erwies Kraus der Psychoanalyse mit seinem letzten Willen die verdiente Reverenz. Kraus’ Freundin Helene Kann berichtet, daß er überzeugt war, daß der Geist, das Bewußtsein, die Macht besitze, den Tod zu verhindern. Diesem Wunsch hat Kraus ein würdiges Denkmal gesetzt:

»In seinem […] Testament, welches er, der sich sonst an Korrekturen nie genug tun konnte, nach der ersten Niederschrift nie mehr durchlas, so daß er manche Verschreibungen, Auslassungen und Unklarheiten nicht merkte, weicht er dem Wort «Tod» aus. Er schreibt nur vom Ableben, und das einzige Mal, wo der sprachliche Zusammenhang das Wort «Tod» als Gegensatz zu «Leben» erfordert hätte, verschrieb er sich und setzte dafür Leben. Der Schluß des Testaments mit dem charakteristischen Verschreiben lautet: Nur weil mein Leben so wenig eine Familienangelegenheit sein sollte, wie es mein Leben - der Arbeit wegen - sein mußte, bitte ich meine Verwandte meiner Bestattung (Beerdigung) fernzubleiben. Daß es eine Privatangelegenheit sei, die auch andere fernhält, kann ich nur wünschen, nicht sichern. Ich danke allen lieben Freunden, den bekannten und den unbekannten.«

Zur Person Andreas Weigel

Andreas Weigel, Mag. Dr. phil., geb. 1961 in Bludenz, Vorarlberg. Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft an der Universität Wien. Anschließend Kultur-, Medien- und Pressereferent („Grüner Klub im Parlament“, „Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Dienste“, „ÖBB – Rail Cargo Austria“). Seit 2008 freier Literaturwissenschaftler und Kulturpublizist. Autor einer zweibändigen Monografie über Hans Wollschlägers experimentellen Roman „Herzgewächse oder Der Fall Adams“. Ausstellung, Publikationen und Vorträge über die vernachlässigten „rot-weiß-roten Flecken in James Joyces Leben und Werk“ („James Joyce: Austria(n) matters in his life, letters and works“). Neben der biografischen Forschung zu James Joyce, Adolph Johannes Fischer, Adolf Loos und Max Riccabona sind Rolf Dieter Brinkmann, Karl Kraus, Arno Schmidt, die Tourismus-Geschichte der Kamptal-Sommerfrische Gars-Thunau sowie Hans Wollschlägers Briefwechsel mit Theodor W. Adorno sowie Alice Schmidt weitere Arbeitsschwerpunkte.

Impressum: Medieninhaber und für den Inhalt verantwortlich: Andreas Weigel (Wien, E-Mail). Grundlegende Richtung und Urheberrechtshinweis: Nach wiederholten kommerziell bedingten Online-Diebstählen wurde der Inhalt dieser WebSite bewusst auf einige ausgewählte Informationen reduziert. Für Web-Sites anderer Informationsanbieter, auf die mittels Hyperlinks verwiesen wird, wird keinerlei Haftung übernommen. Urheberrecht gilt auch im Internet: Sämtliche Urheberrechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und der Verbreitung bleiben Andreas Weigel vorbehalten. Verlinken und Zitieren mit Autorennennung und Quellenangabe sind selbstredend erlaubt. Für kommerzielle Zwecke sind Nachdruck (auch auszugsweise) und Kopieren (auch auszugsweise) ohne schriftliche Zustimmung, die auf Anfrage (von begründeten Ausnahmefällen abgesehen) rasch und gerne gewährt wird, ausdrücklich untersagt. Stand vom: 3. Oktober 2015.