Burnoutinformation

Burnout Information


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Fragen Sie sich als Erstes, was Ihr Motiv war, diese Seite anzuklicken.

Einfach nur Interesse an dieser Seuche, die ohne sichtbaren Erreger in unserer zivilisierten Welt wie eine hoch ansteckende Krankheit um sich greift und der immer mehr Menschen zum Opfer fallen?

Oder haben Sie an sich bereits Symptome bemerkt, die Sie als Burnout deuten?

Wie zunehmende Erschöpfung, Schlafstörungen, Gereiztheit, Panikattacken,  zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber Kollegen, schwindende Freude an Dingen, die Ihnen früher Spaß gemacht haben, Niedergeschlagenheit, sexuelle Unlust, sozialen Rückzug, Alkohol - oder Medikamentenmissbrauch, Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit?

Gleichgültig, was Ihr Motiv war. - Diese Informationen zu lesen, kann der allererste Immunisierungsschritt sein, um nicht weiter in ein Burnout hineinzurutschen, oder wieder herauszufinden.

In den nächsten Zeilen werden Sie grundlegende Informationen über Burnout finden.

Es wurde in den letzten 15 Jahren zunehmend über Burnout geforscht und geschrieben und es gibt auch viele verschiedene Klassifizierungen, die von 3 bis 30 Burnoutstufen reichen.


Der Begriff Burnout beschreibt einen Prozess, der eine Vielzahl von seelischen, geistigen und körperlichen Zuständen beinhaltet und in dem Menschen von einem Zustand relativen Wohlbefindens in immer tiefere Zustände von Unruhe, Anspannung und Erschöpfung geraten.

Burnout wurzelt meist in Überforderungssituationen der Arbeitswelt, die sich üblicherweise aus einer Kombination von persönlicher Leistungsbereitschaft (Überforderungsbereitschaft), entsprechenden Arbeitsanforderungen und unzureichender Anerkennung zusammensetzt.

Am Beginn eines Burnout-Prozesses steht hohe Motivation und die Bereitschaft, sich auf Herausforderungen einzulassen. Im Verlauf des Prozesses wird die Herausforderung zur Überforderung.  Überforderung macht Angst, die Situation wird bedrohlich, Angst und das Gefühl der Bedrohung aktivieren die Stressachse.
Stressachse ist ein Begriff für eine körperliche Reaktion, über die alle Wirbeltiere verfügen, die uns in Situationen der Bedrohung beim Überleben hilft und den Körper kampf - und fluchtbereit macht.


Aus diesen Überlegungen heraus halten wir uns in der Einteilung und in der Beschreibung der Burnoutphasen und Burnout Ebenen vorwiegend an die Ausführungen von Thomas Bergner (Burnout bei Ärzten, Schattauer Verlag 2006;  Burnout Prävention, Schattauer Verlag 2007).

Wir finden diese Einteilung deshalb vorteilhaft, weil sie die oben beschriebene körperliche und psychische Reaktion auf innere und äußere Bedrohung beschreibt: Nämlich Kampf, Flucht und wenn beides nicht möglich erscheint, Erstarrung und Lähmung (Totstellen).


Diesem Schema entsprechend werden drei Phasen von Burnout beschrieben, die unmerklich ineinander übergehen:




1. Phase Aggression und Aktivität (Kampf)

In der Anfangsphase wird den wenigsten Betroffenen ihre Situation klar. Selbst wer die Anfänge irgendwie wahrnimmt, kann sich nicht vorstellen, was darauf werden kann oder wird. Je nach Willenseinsatz kann diese Phase Jahre, im Extremfall sogar Jahrzehnte dauern. Wirklicher Leidensdruck in der ersten Phase ist selten. In dieser Phase sind die Menschen noch sehr leistungsfähig, haben hohe Standards und Forderungen an sich und Ihre Mitarbeiter. Man zeigt ein eher kämpferisches Verhalten, Sarkasmus und Zynismus sind entsprechende kommunikative Reaktionsformen. Große Geschäftigkeit, das Gefühl der Unentbehrlichkeit bei gleichzeitiger Verleugnung eigener Bedürfnisse bestimmen das Bild. Die Orientierung an Status, Dankbarkeit der Klienten, und ein noch kontrollierter Umgang mit Alkohol, Nikotin, Einkäufen und anderen materiellen Fallen legen die Schienen zu den weiteren Phasen. Hier denken noch die wenigsten an Burnout.



2. Phase - Flucht und Rückzug

In dieser Phase zielt das Verhalten darauf ab, sich zu schützen. In dieser Phase verringert sich die eigene Leistungsfähigkeit, wodurch nicht nur die Unzufriedenheit der Mitarbeiter und Klienten steigt, sondern auch die eigene. Typische Phänomene in dieser Zeit sind Planlosigkeit, das Gefühl, immer weniger Zeit zu haben, Geistesabwesenheit  und Mängel in der Ausführung. Die Art zu leben ändert sich. Das Essverhalten wird unstet, Bewegung wird entweder im Übermaß betrieben (Sportaholic) oder minimiert. Der Betroffene fühlt sich nicht mehr als einmaliges Individuum, das so viel Einmaliges geben kann, sondern er fühlt sich austauschbar. Das Fluchtverhalten beginnt. Distanz zu anderen und auch zu sich selbst schafft scheinbar Ruhe und Schutz. Der Betroffene nimmt sich selbst nicht mehr richtig wahr, der Kontakt zur Klientel wird minimiert - was nach außen nicht auffallen muss. Mitmenschlichkeit und Empathie werden weniger. Man flieht mehr und mehr soziale Kontakte außerhalb des Berufs. Panikattacken können auftreten und körperliche Symptome nehmen zu. Wenn es zu Kontakten kommt, erscheint man zunehmend passiv und uninteressiert. „Was ist bloß mit dir los?" wird man öfter gefragt.


3. Phase - Isolation und Passivität (Erstarrung und Lähmung)

Oft steigt erst in dieser Endphase der Leidensdruck so an, dass Hilfe gesucht wird.
Sucht spielt in dieser Phase (spätestens) eine Rolle. Um das Gefühl der Unerträglichkeit, der Ausweglosigkeit und aufkommende suizidale Tendenzen zumindest zeitweilig niederzuringen, wird eine Vielzahl von Substanzen mit Wirkung auf das Motivationssystem konsumiert: Alkohol, Medikamente, Drogen, Tabak.  Depressionen treten auf, bzw. Depressive noch depressiver, Panikattacken häufiger und quälender. Partnerschaften zerbrechen, Sexualität, bzw. befriedigende Sexualität ist schon lange kein Thema mehr. Innere Befriedigung fehlt praktisch völlig. Eigene Ziele und deren Erreichung sind längst vergessen.

In der Endphase leidet der Betroffene an existentieller Verzweiflung, am Gefühl allgemeiner Hilf - und Hoffnungslosigkeit, das im Unterschied zur Depression eher aggressiv getönt ist.

Der leibliche und seelische Zusammenbruch ist nahe, die Suizidgefahr hoch.


Körperliche Symptome, die bei Burnout auftreten, entsprechen den Symptomen des „allgemeinen Anpassungssyndroms" nach Seyle, das nach langen Überforderungen, Traumen, schweren Infekten) auftreten kann. - Im Folgenden eine Liste dieser Symptome und Beschwerden:


Gehirn:                  Schwindel, Schlafstörungen, Müdigkeit

Herz - Kreislauf:   Labiler Blutdruck (sowohl erhöhter, als auch erniedrigter Blutdruck)

                               Herzrasen, Brustschmerzen, Engegefühle in der Brust


Immunsystem:   Erhöhte Anfälligkeit für Erkältungen und Banalinfekten

                               Vermehrtes Auftreten von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und                                                                                     

                               Allergien

Lunge:                   Atemnot


Muskulatur:   Kopf - und Rückenschmerzen, Weichteilrheumatismus, zunehmende

                              Verspannungen     

Nerven:    Erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Zittern, Zucken im Gesicht,

                               Nachtschweiß, Zähneknirschen

Ohr:                  Tinnitus, Hörsturz

Sexualität:    Impotenz, Libidoverlust, Zyklusstörungen

Stützapparat:    Bandscheibenvorfall

Stoffwechsel:    Gewichtsabnahme - bzw. Zunahme, veränderte Essgewohnheiten

Verdauungstrakt:    Verstopfung und - oder Durchfall, Magen - und

                                Zwölffingerdarmgeschwüre, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Blähungen, 

                                Colon irritabile

Anderes:    Sucht (vor allem Alkohol und Medikamente)


Welche Hintergründe tragen zur Entwicklung bei, die wir unter Burnout zusammenfassen?


Zuerst ist wichtig festzuhalten, dass es nur im Einzelfall möglich ist, Ursachen und Auslöser voneinander zu trennen, dass es aber durchaus innere und äußere Konstellationen gibt, die man sehr häufig in der Wirkkette findet, wenn Menschen Burnout entwickelt haben.


Es gibt äußere und innere Faktoren, die uns anfälliger machen, ein Burnout zu entwickeln.


Faktoren der Arbeitsumgebung (äußere Faktoren)


Maslach und Leiter haben sechs strukturelle Bedingungen der Arbeitswelt herausgearbeitet, die auf Dauer zu Burnout führen können (Maslach C, Leiter MP, Dt.: Die Wahrheit über Burnout, Berlin: Springer 2001).

1. Fehlen von Fairness, Respekt und Wertschätzung im Umgang miteinander (Überbetonung von Konkurrenz gegenüber Kooperation)

2. Mangel an Kontrolle über die Auswirkungen des eigenen Tuns, für das man die Verantwortung übernommen hat.

3. Widersprüchliche Erfordernisse

4. Zusammenbruch der Gemeinschaft und des Vertrauens

5. Arbeitsüberlastung

6. Unzureichende Entlohnung und Anerkennung





Innere Faktoren:

Es gibt persönliche und lebensgeschichtliche Hintergründe, die anfälliger machen für Burnout:

Je nach Berufswahl und den Erlebnissen bei dessen Ausübung können diese Faktoren und daraus sich ergebende Lebensstrategien eine Rolle spielen.


Lebensstrategien, die die Manifestation von Burnout erleichtern, es allein aber gewöhnlich nicht auslösen:

· Perfektionismus

· Zweifel an den eigenen kommunikativen Fähigkeiten

· Überidentifikation

· Überstarke Erwartungen an sich selbst

· Zwanghaftigkeit

· Idealismus


Was Menschen mit so einem Hintergrund und solchen Lebensstrategien ganz schwer möglich ist, ist die Grenzen der eigenen Möglichkeiten und der eigenen Bereitschaften anzuerkennen. Sie fühlen sich für mehr verantwortlich, als sie lösen können. Und was ihnen noch viel schwerer fällt, ist die eigene Bedürftigkeit zu spüren, und wenn sie diese spüren, auszudrücken und sich damit zuzumuten. -

Ein Mensch, der die eigene Bedürftigkeit, die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, benennen kann, der die Grenzen der eigenen Möglichkeiten und der eigenen Bereitschaften anerkennt, gegen die Wünsche und die Forderungen der Umgebung auch verteidigen kann, der ist üblicherweise nicht gefährdet, in ein Burnout zu schlittern.


Dazu müssen noch äußere Faktoren kommen:

(Berufsgruppen und übliche Belastungen, kommunikative und strukturelle Belastungen, die auslösend wirken)


Wenn man Berufe anschaut, die für Burnout prädestiniert sind, fällt auf, dass alle mit intensiven, das Leid, die Nöte oder die Erwartungen des Menschen betreffenden Aneinanderreihungen von Zweierkontakten zu tun haben.

Wobei auf der einen Seite Berufe stehen, bei denen diese Kontakte in einer mehr oder weniger persönlichen bis intimen Situation stattfinden. Beispiele dafür sind Ärzte, Erzieher, Sozialbarbeiter, Krankenschwestern, Altenpfleger, Steuerberater oder auch Architekten. Bei Berufen mit überdurchschnittlichem Burnoutrisiko jagt mehr oder weniger ein Kontakt den anderen.

Auf der anderen Seite stehen Berufe, wo der Mensch praktisch mit einem Schlag mit einer Vielzahl von Menschen konfrontiert ist, mit denen er eher öffentliche Zweierkontakte in kurzer zeitlicher Abfolge mit mehr oder weniger klaren Aufträgen halten muss. (Stewardessen, Lehrer).

Viele Autoren beschreiben inzwischen auch Burnout- Phänomene außerhalb von Berufstätigkeit genauso wie bei Berufen ohne forcierte Sozialkontakte. Auch lang anhaltende familiäre Belastungen wie die Pflege von Angehörigen bzw. die Tätigkeit als Hausfrau (-mann) und Mutter können zu den gleichen Symptomen führen.



Hans Finder und Edi Czamler