Seinen Feind lieben


Wie kann man seinen Feind lieben?
Dazu gibt es nur einen Weg:
Man muss verstehen,  warum er so ist,
wie er geworden ist, warum er die Dinge anders sieht als man selbst.
Einen Menschen zu verstehen, verleiht die Kraft, ihn zu lieben und zu akzeptieren.
In dem Augenblick, in dem man ihn liebt und akzeptiert,
hört er auf, ein Feind zu sein.
Im Grunde ist es unmöglich,
seinen "Feind zu lieben",
denn in dem Moment, indem man ihn liebt,
ist er kein Feind mehr.


Thich Nhat HanH









Glück und Unglück


Glück macht unfrei, Unglück macht frei.
Erfolg macht unfrei, Misserfolg macht frei.
Wenn man Erfolg hat und das Glück nimmt, ist man verpflichtet und unfrei.
Wenn man Misserfolg hat und im Unglück badet, hat man keine Verpflichtungen und ist frei und unschuldig.
- Nur geht es einem schlecht und man wird sich immer als das Opfer der Umstände fühlen.
Unschuldige kriegen keine Kraft.
Schuld und Verantwortung, zu der man steht, geben Kraft.
Wer Schuld hat und nicht dazu steht, der verliert Kraft.


Jakob Schneider



Bedauern und Mitgefühl


Wenn Deine Angst jemandes Schmerz berührt, wird daraus Bedauern.

Wenn Deine Liebe jemandes Schmerz berührt, wird daraus Mitgefühl.


Stephen Levine



Nun eine Schilderung einer, für alle Anwesenden sehr berührenden Aufstellung in einer Experimentiergruppe:


Zur Aufstellung von Leben und Tod


Leben und Tod sind aufgestellt. Die StellvertreterInnen schauen einander sofort in die Augen und eine Tiefe, Innigkeit und Liebe liegt in diesem Blick und in dieser Zugewandtheit, die alle Anwesenden zutiefst erfasst und berührt.

Die Stellvertreterin des Todes zum Leben: „Du bist das Schönste, das ich jemals gesehen habe." Und: „ Ich bestehe aus nichts anderem als nur aus Liebe zum Leben"

Das Leben antwortet: „Wir gehören zusammen und nichts kann uns trennen." Dieser Satz aus beider Munde sagt alles.

Kein Leben ohne Tod und umgekehrt.

Dann stellen wir eines nach dem Anderen: Die Pflanzen, die Tiere, den Menschen herein.

Die innige Verbindung zwischen dem Leben und dem Tod bleibt, nur der Tod wird traurig, ab dem Augenblick, wo die Pflanzen die Bühne betreten. - Der Tod geht mit dem schmerzlichen Anteil dieses Prozesses, den wir Leben nennen, in Resonanz.

Die Pflanzen bleiben ruhig und kraftvoll an ihrem Platz.

Die Tiere suchen zuerst ängstlich beim Tod Schutz.

Der Mensch stellt sich gleich zwischen Leben und Tod und macht sich zum Mittelpunkt, ängstlich und misstrauisch beäugt von den Tieren.

Dass sich der Mensch zwischen Leben und Tod stellt, irritiert die beiden etwas, ändert aber nicht die innige Verbindung zwischen ihnen. Der Tod bleibt traurig.

Dann stellen wir die nicht lebende Materie dazu. Es geht ihrer Stellvertreterin gut und sie sagt, dass sie dazu gehört und sich sehr lebendig fühlt. Es wird für alle runder. Schlussendlich (erst nachdem die „nicht lebende Materie" dazugestellt worden ist,  kann auch der Mensch seine Position zwischen Leben und Tod aufgeben und sich in die Reihe  der lebenden und „nicht lebenden" Materie einfügen.

Leben und Tod bleiben in ihrer innigen Verbundenheit und der Tod fühlt den Schmerz und alles Lebendige und Nicht Lebendige ist einbezogen in diese Verbundenheit…



Hans Finder

Fortsetzung Weisheiten