-online 32; Mai 2009

 
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THEATER DELPHIN
 

Theater Delphin ist Musiktheater mit künstlerisch-pädagogischem Anspruch für Menschen mit und ohne Behinderung.

Die Musiktheaterstücke sind Eigenproduktionen. Text, Musik, Choreographie und Lichtraumgestaltung werden sensibel auf die Akteure abgestimmt und lassen Platz für persönlichen Ausdruck und Freiraum.

AUFGABEN
Der Verein Theater Delphin hat sich zur Aufgabe gemacht, auf spielerische Weise Integration in der Gesellschaft zu fördern und Berührungsängste abzubauen. Für die TeilnehmerInnen ergeben sich Stabilität der Persönlichkeit, Selbstverantwortung und klare zielgerichtete Lebensweise.

NAMENSGEBUNG
Der Name und das Logo des Vereins leiten sich von der Idee ab, die Eigenschaften der Delphine, ihre Intelligenz, Kreativität, Sensibilität sowie ihren Gemeinschaftssinn als Philosophie des Vereines zu übernehmen. Wir wollen diese Eigenschaften nutzen und Menschen die „anders“ sind, damit unterstützen.

ZIELE
Mit Hilfe der darstellenden Kunst Integration zu fördern. Jeder sollte sich als kreativer Mensch erfahren und seine persönliche kulturelle Entwicklung fördern. Genetische Veranlagung, Herkunft oder sozialer Status sollten dabei kein Hindernis sein.

SCHWERPUNKTE
In der integrativen Theaterarbeit liegt der Schwerpunkt hauptsächlich am Prozess des Entwickelns, der Wahrnehmung und der Kommunikation.
Die TeilnehmerInnen mit Behinderung halten soziale Regeln und Normen nicht wie gewohnt ein. Der Ausdruck von Gefühlen und Empfindungen werden spontan und überraschend ausgelebt. Diese Spontaneität und das nicht kontrolliert Sein ist die Grundlage der Rollenarbeit.
Signale und Qualitäten jeder/jedes Einzelnen werden so in Szene gesetzt, dass Authentizität gewahrt bleibt. Lediglich Impulse für Szenenposition im Rahmen des Stückverlaufes werden gesetzt.
Die Umsetzung auf der Bühne wird durch die eigenständige Form und Kombination von Lichtraum, Musik unterschiedlicher Komponisten, Filmsequenzen, kreativen Kostümen, eigener Textgestaltung unterstützt. Es entsteht eine ganz spezielle Ästhetik.
Das Publikum wird bezaubert und begeistert in unserer Theaterwelt und lernt wieder zu staunen, zu fühlen und zu begreifen. Es eröffnet sich einer Welt der Offenheit und Toleranz, eine Welt voll Würde und Respekt.

ÖFFENTLICHE AUFTRITTE
Auftritte in der Öffentlichkeit haben für uns einen wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert. Die Stärken jedes einzelnen werden sichtbar und zu mehr Wertschätzung und Toleranz aufgefordert.
Für viele ist es nicht vorstellbar, dass Integrativtheater in dieser Form überhaupt möglich ist. Es ist nicht einschätzbar, nicht einzuordnen und nicht zu bewerten.
Hier wird das Publikum zum ständigen Nachdenken aufgefordert. Durch die starken Bildreize bleibt die Konzentration stärker beim Stückverlauf. Die Unsicherheit verschwindet, Wahrnehmung und Sensibilität werden verändert. Jeder hat die Möglichkeit, sich in eigener Art und Weise auf das Gebotene einzulassen.

ARBEITSWEISE/METHODEN
Unsere Arbeit ist eine Kombination aus Rhythmik, Theaterpädagogik sowie Elementen aus Improvisations- und Körpertheater.
Rhythmik, ein pädagogisches Prinzip, arbeitet mit den Mitteln der Bewegung, der Musik und der Sprache. Theaterpädagogik umfasst die Bereiche Theater und Pädagogik. Körpertheater unterstützt die nonverbale Kommunikation und Improvisationstheater lässt Raum für kreative Freiräume ohne Überforderung.

DIE ENTSTEHUNG DER STÜCKE
Der Beginn sind verschiedenste Ideen zu einem Stück. Diese werden zu einem Grundkonzept zusammengestellt, doch es gibt noch kein bestimmtes Ziel. Das Endprodukt entsteht im Laufe der Arbeit.
Gemeinsam werden dann Ablauf, Figuren, Rollenprofile festgelegt, wo jeder nach seinen vorhandenen Fähigkeiten agieren kann.
Besonderen Wert legen wir auf die Arbeit an der Figur. Bewegung, Stimme, Mimik, Gestik und Gefühlsausdruck werden genau definiert und erarbeitet.

DIE ARBEIT IM LICHTKUNST-BEREICH
Gemalte farbige Lichtfilter aus Glas werden mit einem Hochleistungsprojektor zu einem Lichtraum projiziert, der unser Bühnenbild darstellt. Die Aufmerksamkeit wird auf das Hier und Jetzt gelegt und aus dieser Ruhe entsteht produktive Spannung.

Die Arbeit in der Gruppe:
Integration innerhalb der Gruppe wird damit erreicht, dass der Fokus des Lichtraumes den ganzen Bühnenraum und somit alle auf der Bühne befindlichen DarstellerInnen einnimmt. Gleichberechtigung entsteht und bildet eine Einheit, wobei keine/r auf Grund ihrer/seiner Defizite ausgegrenzt wird.
Die unterschiedlichen Farbkombinationen der Lichtfilter unterstützt die Buntheit der Gruppe auf der Bühne.
Der Wechsel der Lichtfilter für die jeweilige Szene erleichtert das Timing des Auftrittes.
Zusätzlich wirkt der Lichtraum motivierend, entspannend und förderlich für körperliche und sprachliche Entwicklung. Aufmerksamkeit und produktive Spannung werden erhöht, Unruhe, Nervosität und Unsicherheit legen sich.

Licht und Kommunikation:
Der Lichtraum wirkt unterstützend für herkömmliche verbale und nonverbale Kommunikationsformen. Durch das Ansprechen aller Sinne ist man zum Kommunizieren auf der Emotionsebene aufgefordert. Durch die starken Impulse des Lichtraumes werden Gefühle und Empfindungen verstärkt und so Emotionstheater sichtbar.

Das Publikum:
Durch den Lichtraum ergeben sich beim Publikum Veränderungen der Wahrnehmung und Sensibilität. Unterschiede zwischen behinderten und nicht behinderten DarstellerInnen erscheinen kleiner.
Die DarstellerInnen werden buchstäblich „in ein anderes Licht gestellt“. Publikum und SchauspielerInnen befinden sich auf einer Ebene, wodurch der Abbau von Berührungsängsten erleichtert wird.
Dem Publikum bleiben auch zwei Möglichkeiten, das Stück zu erleben, einerseits das reale Theater im Vordergrund, andererseits das Schattenspiel an der Leinwand und im Raum.

DIE ENTSTEHUNG
Der Beginn war eine Gruppe von Eltern mit und ohne behinderte Kinder, Heil-, Sonder- und TheaterpädagogInnen und DarstellerInnen. Diese wurde 1998 durch eine Elterninitiative gegründet. Wir haben erfahren, dass unsere Kinder uns sehr viel lehren können. Das möchten wir vermitteln, unsere Erfahrungen weitergeben und andere Eltern damit unterstützen.
Als Vereinsgründerin und Mutter eines behinderten Sohnes erkannte ich, dass mein Sohn tiefe Freude an Musik und tänzerischer Bewegung empfand. Gleichzeitig fehlte ein adäquates Freizeitangebot für behinderte Kinder und eine Integrationsmöglichkeit. Theater spielen wurde zur Therapie für die Kinder und es ermöglichte eine intensive spielerische, ungezwungene und heitere Zusammenkunft zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten. Bestehende Berührungsängste werden behutsam abgebaut, das gemeinsame Erlebnis steht im Mittelpunkt.

Gabriele Weber
g.weber@theater-delphin.at
www.theater-delphin.at

(mit dem „erwachsenen“ Ensemble vertritt Theater Delphin den Landesverband Wien bei schauplatz.theater in Kirchschlag bei Linz mit der Produktion „Das Spiel ist aus ...?“)