Rückblick
Blutjunge 2009
Schulspiel aktiv 09
Weltkongress Drama in Education
Gratulation!
-online 32; Mai 2009

 
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Weltkongress Drama in Education
 

3. - 9. April 2009
Burg Schlaining

Wieder einmal ein ganz besonderes Erlebnis war der Drama-Kongress zu Ostern im malerischen Kongresszentrum Schlaining, der diesmal unter dem Motto „Devising Drama - from the starting point to the drama“ stand. Die vier Hauptreferenten trafen das Thema diesmal punktgenau, wobei sich auch noch ein genaues Halbe-halbe zwischen Dramapädagogik und Theaterprozess ergab - alle Workshops führten genau zu dem Punkt „an dem das Drama beginnt“.

Dr. Christel Hoffmann, eine Legende im Bereich der Methodik des Theaters mit Kindern und Jugendlichen und des Epischen Theaters, die derzeit an der Fachhochschule Osnabrück Theaterpädagogik unterrichtet, demonstrierte den spielerischen Weg. Anhand eines Gedichtes („die Krücken“) von Bertold Brecht führten behutsame Schritte exakt an den Punkt, an dem nun „die Inszenierung“ beginnen konnte. Besonders interessant an diesem Workshop war zu beobachten, wie „neu“ die Brecht´schen Methoden für viele der internationalen Teilnehmer-Innen waren. Besonders deutlich wurden die Aha-Erlebnisse beim Spiel mit den 3 Elementen des Erzählens:

  • Die Erzählung selbst / die Erzählhaltung (z. B. beginnt ein Märchen mit "Es war einmal …")
  • Der persönliche Kommentar
  • Das szenische Zitat (ich "zeige", wie sich die Person in der Erzählung verhalten hat)

Theater der anderen Art vertritt Alice Ivanova von der Theater-Akademie St. Petersburg. Ausgehend von Stanislavski und den 3 Elementen Körperlichkeit, Imagination und Denken sowie Übungen zum sensitiven Gedächtnis gelangte sie zur Arbeitsweise von Nikolai Vassiljevitsch Demidov (von Stanislavski „geächteter“ ehemaliger Mitarbeiter, eine Veröffentlichung posthum): Nicht spielen, sondern sein, den eigenen Impulsen folgen.

Auf diese Art konnte die Gruppe sich im zweiten Teil lustvoll spielend mit Szenen aus Chechovs „Onkel Wanja“ auseinandersetzen.

Weitaus ernster ging es über weite Strecken im Drama-Workshop von Dr. Andy Kempe (Dozent für Drama in Education an der Universität Reading in England) zu. Sein sensibles Thema war die Häufigkeit von Selbstmorden bei Jugendlichen. Im dramapädagogischen Prozess konnte ein Einzelschicksal erschaffen und genau durchleuchtet werden.

Das Thema selbst thematisierte Brad Haseman von der Queensland Universität, Australien. Führte er in Hälfte eins behutsam und lustvoll zugleich in sein sehr zeitgemäßes Drama über die Weltwirtschaftskrise ein, waren in Hälfte zwei die TeilnehmerInnen gefordert, spezielle Formen zu erarbeiten, um das Drama weiter zu entwickeln, was auf sehr eindrucksvolle Weise auch geschah.

In ihren Keynotes erläuterten die HauptreferentInnen vor allem die Hintergründe und Grundlagen ihrer Arbeitsphilosophie, gingen aber auch teilweise auf die Themen ihrer Workshops ein.

Ein umfassendes Rahmenprogramm begleitete den Kongress. Es begann mit einem Einführungsvortrag von Frau Dr. Angelika Hauser von der Musikhochschule Wien über die Zusammenhänge von Sprachentwicklung und Musikalität bei Kindern, setzte sich dann fort mit dem täglichen Morgen-Warm-Up, angeleitet durch Frank Katoola aus Uganda, der auch in einem Spezialworkshop über seine Arbeitweise als Theater- und Tanzpädagoge in seiner Heimat informierte.

Dan Baron Cohen aus Brasilien, Präsident der IDEA (Weltvereinigung der Dramapädagogen) gab Kunde sowohl in einer Keynote über Arbeit und Aufgaben von IDEA als auch in einem Spezialworkshop über seine persönliche dramapädagogische Arbeitsweise.

Paddy O´Dwyer, seines Zeichens Ire und Präsident der AITA/IATA (internationale Amateurtheatervereinigung) referierte über Aufgabe und Ziele des „Standing Committee for Children and Youth“ innerhalb der AITA/IATA, das zeitgleich vor Ort eine dreitägige Arbeitssitzung abhielt.

Ein Vortrag von Chua Soo Pong über die Chinesische Oper in Singapur führte auf Wunsch der Zuhörer und des Vortragenden zu einem spontan angesetzten Abend-Workshop, der bei allen Beteiligten so große Begeisterung auslöste, dass Soo Pong anbot, beim nächsten Kongress als einer der Hauptreferenten tätig zu sein.

Nicht unerwähnt bleiben soll der „social event“, der dieser Bezeichnung durchaus ge-recht wurde mit burgenländischer Weinverkostung, ungarischer Musik und Volkstanzanimation (die an sich gar nicht nötig war, das Publikum war aufgeheizt genug, um sich begeistert ins Getümmel zu stürzen).

Herzlichen Dank für diese gelungene Veranstaltung an Joco Hollos, Karin Giesinger und das gesamte ÖBV Theater-Team, an Dr. Alfred Fischl für bm:ukk als Mitveranstalter und stellvertretend für das Land Burgenland an Dr. Tiefenbach von der Burgenländischen Kulturabteilung.

EH
Fotos: Martina Esberger