Werner Horvath:

Kunst und Wirtschaft

Bilderausstellung im Atelier am Pöstlingberg, Puchenauer Kreuzweg 45, 4040 Linz.

Vernissage: 11.2.2011, 19.00, Ausstellung 12.2. - 1.3.2011.

John Kenneth Galbraith
Werner Horvath - Die Bilder zur Weltwirtschaftskrise (von links):

"Adam Smith und die unsichtbare Hand des Marktes", "John Maynard Keynes und der sichere Hafen von Bretton Woods" und "John Kenneth Galbraith und die Überflussgesellschaft". Alle Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm, 2009 bis 2011.

Diese drei Bilder sind einerseits Porträts der berühmten Ökonomen, andererseits stellen sie auch einige ihrer Theorien bildlich dar.
Adam Smith formulierte 1776 in seinem Werk Der Wohlstand der Nationen die Metapher der unsichtbaren Hand. Er beschreibt so die Selbstorganisation von chaotischen oder zufallsbedingten Systemen, die sich so verhalten, als seien sie durch eine "unsichtbare Hand" gesteuert. Im linken unteren Bildteil ist dieses Sinnbild umgesetzt: Während niemand am Steuerrad des Schiffes steht, sind doch im Schattenbild die steuernden Hände erkennbar. Dass diese Steuerung auch versagen kann, hat der Künstler im rechten Bildteil angedeutet. Hier liegt nämlich ein Steuerrad auf dem Meeresgrund, offensichtlich ist das zugehörige Schiff versunken.
So ähnlich sieht es auch John Maynard Keynes (1883 - 1946).  Für ihn kommt der Markt höchstens auf lange Sicht gesehen zu einem Gleichgewicht. Daher - denn "auf lange Sicht sind wir alle tot" - muss der Staat eingreifen, um den Markt in ein gewünschtes Gleichgewicht zu führen. Denn in Zeiten der Weltwirtschaftskrise versagt das bestehende, vom Staat unbeeinflusst wirkende marktwirtschaftliche System. Wenn der sichere Hafen der notwendigen Regelwerke - auf dem Bild symbolisiert durch das legendäre Hotel Bretton Woods, in dem 1944 die gleichnamige Konferenz zur Stabilisierung der internationalen Währungskurse stattfand - verlassen wird, wenn sich die Schiffe zu weit ins offene Meer hinauswagen, besteht die Gefahr des Untergangs. Analog dazu verhalten sich die Aktienkurse, deren Absturz rechts unten im Bild dargestellt ist.
Im Zentrum des Denkens und Wirkens von John Kenneth Galbraith (1908 - 2006) stand die These, dass der Kapitalismus sowohl privaten Reichtum als auch öffentliche Armut produziere. In seinem bekanntesten Werk Gesellschaft im Überfluss (The Affluent Society) kritisierte er das Überflussangebot an privaten Gütern bei einem gleichzeitigem Mangel in der Versorgung mit öffentlich angebotenen Infrastrukturen und Dienstleistungen. Dies ist auch auf dem Bild dargestellt: der Kampf zwischen Überfluss und Mangel und die große Kluft zwischen arm und reich.


Zum Bild "Thomas Hobbes - Homo Homini Lupus" (ganz links): Hobbes geht von einer äußerst negativen Sichtweise vom Menschen aus, was ihn auch mit Machiavelli verbindet, der durchaus in vielerlei Hinsicht als sein Vorläufer begriffen werden kann. Einer der bekanntesten Aussprüche des Thomas Hobbes, der dies illustriert, lautet: “Homo homini lupus” - “der Mensch ist dem Menschen ein Wolf”, will heißen: Der Mensch ist von Natur aus ein Raubtier; er ist grausam, habgierig, egoistisch etc.; und er hat normalerweise keine Hemmungen, diese Triebe auf Kosten des jeweils anderen zu befriedigen. Nebenbei bemerkt: Hobbes verleumdet mit seinem Zitat - zeitgenössischen Vorstellungen entsprechend - wahrscheinlich mehr den Wolf als den Menschen; heute wissen wir, dass der Wolf keine wilde Bestie, sondern ein ausgesprochen soziales Tier ist. Wie dem auch immer sei: Der ärgste Feind des Menschen ist für Hobbes aber auf jeden Fall immer der Mensch und niemand sonst. 

Zum Bild "Thomas Hobbes: Leviathan", Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm, 2002 (zweites von links): 

"Staat ist eine Person, deren Handlungen eine große Menge Menschenkraft der gegenseitigen Verträge eines jeden mit einem jeden als ihre eigenen ansehen, auf dass diese nach ihrem Gutdünken die Macht aller zum Frieden und zur gemeinschaftlichen Verteidigung anwende." 

Diesen autoritären Machtstaat will Hobbes seltsamerweise im Leviathan, einem drachenähnlichen Ungeheuer aus der Bibel (Hiob 40-41) wiedererkannt haben. Diesen Leviathan personifiziert das berühmte Titelbild von Hobbes' gleichnamigem Hauptwerk mit einem gewaltigen, gekrönten Riesen, der aus vielen einzelnen Menschen zusammengesetzt ist. Dieser Staat wurde durch den Gesellschaftsvertrag geboren; er ist somit eine "künstliche Macht", die aus vielen Menschen besteht. Einem Staat kommt gottähnliche Macht auf Erden zu; da er aber theoretisch in den Bürgerkrieg (und damit den Naturzustand) zurückfallen kann, nennt Hobbes den Leviathan den "sterblichen Gott". Erschaffen aus dem Gemeinschaftswillen um den Frieden und die Gesetze durch seine selbstherrliche Macht zu gewährleisten, thront der Leviathan über den Sterblichen. 

"So entsteht der große Leviathan, der sterbliche Gott, dem wir unter dem ewigen Gott allein Frieden und Schutz zu verdanken haben. Dieses von allen und jedem übertragene Recht bringt eine so große Macht hervor, dass durch sie die Gemüter aller zum Frieden unter sich geneigt gemacht und zur Verbindung gegen auswärtige Feinde leicht bewogen werden." 

Bei Horvath wird aus dem Ungeheuer, dem gekrönten Riesen, wieder Thomas Hobbes selbst, der mit seiner Philosophie den Weg zum Gesellschaftsvertrag ebnete. Und eben diese Gesellschaft, diese Ansammlung unterschiedlichster Menschen formt das Gesicht, das von Thomas Hobbes im Bild, und das des Staates in der Wirklichkeit.

Zum Bild "John Locke" (zweites von rechts): Die in das Bildnis integrierten Münzen weisen den Rechtfertiger des Privateigentums als frühkapitalistischen Denker aus. 

Das Bild "John Locke", Öl auf Leinwand, 50 x 40 cm, 2010, (ganz rechts) präzisiert diese Art der Darstellung mit der Theorie des Philosophen über Entstehung und Rechtfertigung des Privateigentums:

Der größte Teil der Dinge, die für das Leben der Menschen wirklich nützlich sind, sind gewöhnlich vergängliche oder verderbliche Güter, wie zum Beispiel Nahrungsmittel - im Bild symbolisiert durch Fisch. Gold, Silber, Diamanten und ähnliches haben aber keinerlei ursprünglichen Nutzen für die Menschen, sondern erhalten ihren Wert erst durch Übereinkunft der Menschen, ebenso wie das Geld. Es ist beständig, es verdirbt und verfault nicht; man kann es aufheben und in einem großen Maße anhäufen. So wird der Fisch zum Geld und bringt eine neue Dimension in das Spiel der ökonomischen Kräfte.


Kunst und Wirtschaft - Gegensätze oder Ergänzung?

Artikel im Van Swieten - Blog der Medizinischen Universitätsbibliothek in Wien simultan zur Linzer Ausstellung Werner Horvaths.



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