1. INTERNATIONALER  BALLONEVENT  IN  SYRIEN

 

 

Anfang April erhielten wir einen Anruf von Capt. Bill Brogan- einen pensionierten Seebären der Britischen Royal Navy, der in Österreich lebt und aktiver Ballonfahrer ist. Seine Worte klangen wie ein Märchen aus 1001 Nacht:

 „Ivan, packt euch  zusammen, ihr seid nach Syrien zum Ersten Internationalen Ballontreffen zu zweit eingeladen. Es ist alles frei: Flug, Ballontransport, 5 * Hotels, Verpflegung, persönliches Auto u.s.w. Startgeld ist 150.-€ pro Person! “ 

 Bei so einem Angebot überlegt man nicht lange. Ballon eingepackt und mit Cargo nach Damaskus versendet, Termine verschoben und die Wüstenmontur gepackt. Und bald saßen wir im Flieger der Syrian-Air nach Damaskus.

 Nach einer nächtlichen halsbrecherischen  Busfahrt landeten wir um Mitternacht in Palmyra- 245 km nordöstlich von Damaskus entfernt- in einem drittklassigen Kakalaken-Hotel. 

 Um 4.00 h morgens begann der Chorgesang der Muezine mit meditativen Sprüchen aus dem Koran den gesegneten Schlaf zu stören. Gleichzeitig sendete Gott das Morgenlicht herab und erstrahlte die alte römische Stadt Palmyra (der Name kommt von den vielen Palmen in der Oase), die sich emsig für das alljährlich stattfindende Kulurfestival  herausputzte. Im ersten Sonnenlicht erstrahlte auch die Zitadelle Fakhreddin Ibn Maan, die im Westen die Oase überragt.

 Plalmyra liegt in der Oase Tadmur. Sie war eine reiche Stadt an der Seidenstraße, die durch regen Handel,  hohen Steuereinnahmen aus den Kamelkarawanen  und belebten  Sklavenmärkten brillierte. Ursprünglich für den Assyrischen Wettergott Hadad im 1JT.vCh. erbaut, erlebte Palmyra harte Zeiten unter der Fremdherrschaft von Hetitern, Aramäern, Babyloniern, Achämeniden, Abbasiden, Perser,  Sassaniden, Mongolen,Sarazenen,  Ägyptern, Griechen, Römern, Byzantinern, Kreuzrittern, Osmanen und Franzosen (im Jahre 1946 wurde Syrien unabhängig). Durch die neuen Seewege und den Zerfall der Seidenstraße begann die Blütezeit von Palmyra zu schwinden.  Im 10.Jh. gab ein starkes Erdbeben  der Stadt den Todesstoß.

 Berühmt wurde die Stadt durch ihre herrschsüchtige Regentin Zenobia, die ihren Mann Odainat umbringen ließ und als schönste und gefürchtetste  Königin Arabiens galt. Sie kämpfte gegen die Römer und befreite die Gebiete von Anatolien bis Ägypten.  Rom ließ sich dies nicht gefallen. Ein Strafcorps unter der Leitung von Aurelion besiegte 273 Zenobia und ließ diese in goldenen Ketten nach Rom bringen.

 In „goldenen  Ketten“ waren wir auch ein bisschen gefangen: unsere Ballone waren noch nicht angekommen und auch die versprochenen  Transportfahrzeuge standen nicht zur Verfügung.  So versuchten die ca. 120 Teilnehmer der Fiesta (Ballonfahrer aus England, Holland, Frankreich, Deutschland, Kroatien, Österreich, Dänemark und Slovenien  - insgesamt 35 Ballonteams, und Fallschirmspringer aus Österreich und England,  5 geladene amerikanische Ballonteams haben abgesagt) die Zeit mit Sightseeing , Wandern und Thermalbadbesuchen zu überbrücken.

 Endlich, am 4. Tag kamen die Ballone auf einem Riesentruck.  Auch ein Gastank war gekommen, jedoch fehlten die von Europa mitgesendeten Adapter für die Ballongasflaschen. Eine kroatische Firma, die rund um Palmyra nach Öl bohrt, war so freundlich und fabrizierte in einer Eintagesaktion den benötigten Adapter.  Endlich war alles Startbereit, da blies der Wind aus allen Rohren.  Am 6. Tag in der Früh klappte es endlich und Palmyra erlebte die ersten Ballone in seiner dreitausend Jahre alten Geschichte. Auch das Nightglow, welches am selben Abend die römischen Ruinen erhellte,  wurde von den 3000 Palmyrianer mit Interesse und Begeisterung  verfolgt. Insgesamt konnten 4 Ballonfahrten und (wegen Hubschraubermangel) nur 1. Fallschirmabsprung über Palmyra gemacht werden.

 Danach hieß es, wir fahren nach Damaskus. So recht und schlecht organisiert, erreichten wir  gegen Abend Damaskus. Eine große Überraschung wartete auf uns: ein 5* Hotel mit Pool bot uns seine Gastfreundschaft an.  Doch nach dem üppigen Buffet-Abendessen  bekam ich Besuch von Pazuzu, dem Krankheitsdämon der Assyrer!!!... Die ganze Nacht plagte mich dieser über die WC-Muschel und entleerte meine Eingeweide. So war ich für den kommenden Morgen „gerüstet“ für die erste historische Ballonfahrt über Damaskus.

 DAMASKUS – die Perle des Morgenlandes, genannt noch Djannat al Ard (das Paradies auf Erden). Mohammed weigerte sich, diese Stadt zu betreten, er sagte „Der Mensch kann nur ein Paradies haben und meines ist im Himmel“.  Eine 2-Millionen Stadt, eingebettet zwischen dem Gebirge Djabal Qassium /( Antilibanon) und den Fluss Barada.  Die älteste dauernd besiedelte Stadt der Welt steht unter  UNESCO-Schutz. Hier soll Kain seinen Bruder Abel erschlagen haben, hier ist Saulus zum Paulus geworden, hier ist das Grab von Johannes dem Täufer. Damaskus war ein Kreuzpunkt zwischen den Kulturen von Babylon, Ägypten, Griechenland und Rom. Im Jahre 333 v.Ch. war auch Alexander der Große in dieser Stadt, die trotz moderner Bauten ihre Mystik und ihren  orientalischen Flair bis heute nicht verloren hat.

 Wie bunte Seifenblasen steigen die Ballone der Reihe nach vom großen Platz vor der Damaskuser Universität in die Lüfte.  Mike Jordan, ein Beamter der UNO-Atombehörde, begleitet mich als Co-Pilot. Soweit das Auge reicht breitet sich ein Häusermeer vor uns aus.  Unter uns glänzt die berühmte Umayyaden Moschee – einst ein Jupiter Tempel, der später zu einer Byzantinischen Basilika umgebaut und schlussendlich unter dem Kalifen Mu ´Aviya zu einer Moschee umfunktioniert wurde zu einer Zeit, wo Damaskus die Hauptstadt des arabischen Großreiches war.  In der Moschee befinden sich  die Gräber von Johannes den Täufer und von Sala ad Din, der die Kreutzritter besiegte .

 Dann taucht unter uns der alte Hidjaz-Bahnhof von der historischen Eisenbahn, die Heinrich August Messner am Beginn des 20.JH. von Istanbul nach Mekka gebaut hat. Und anschließend der berühmte Sug (Bazar), dessen betörende Gerüche von exotischen Gewürzen bis in den Ballonkorb hinauf steigen.

 Langsam weicht die Euphorie der Sorge für einen Landeplatz. Das Spinnennetz an elektrischen Leitungen  macht diese Aufgabe spannend. Vor uns erblicken wir den Sportkomplex Al Fayha. Ein Bittgebet zum Allmächtigen und die Winde lassen uns tatsächlich vor der Sporthalle sicher landen.

 Drei weitere Tage verweilten wir noch  in Damaskus und genossen das Lebendige des Alltäglichen, wo nichts unmöglich ist. Den Rummel im Bazar, den Besuch beim Frisör, das Schwitzen im Hamam (türkisches Bad) und das Verweilen im arabischen Cafehaus, wo die Zeit  still zu stehen scheint. Auch das plötzliche Verschwinden unseres Führers Bill Brogan, der angeblich Sponsorgelder unterschlagen hat und von den Syrier arrestiert wurde, passt in diese orientalische Mentalität. Das wird ein Fall für den Volksrichter, den wir in einem der Cafes begegnet sind: unter der Woche liest dieser arabische  Geschichten  und am Freitag wird vom selbigen ein Volksgericht abgehalten.  Zwei Fälle ließen wir uns übersetzen:

  1. Eine Frau beantragt die Scheidung. „Warum willst Du Dich scheiden?“ -fragt der Richter.  „Weil mein Mann alt und hässlich geworden ist“ - sagt die Frau.

„Dann schau Dich mal in den Spiegel, wie hässlich Du geworden bist und dann sehen wir weiter“ – entscheidet der Richter. Der nächste Fall:   

  1. „Ich schulde meinem Freund 2000 Lire und kann diese nicht bezahlen“- sagt ein verzweifelter Mann.  „Willst Du wirklich diese Summe Deinem Freund zurückgeben?“ -fragt der Richter.  „Ja, diese Freundschaft ist mir das wert, aber ich besitze nur 200 Lire „- erwidert der Mann.  Der Richter greift in seinen Sack, zieht  200.- Lire heraus und sagt zu den Anwesenden: „ Wer spendiert weitere 200 Lire diesem Mann um seine Freundschaft zu erhalten?“  Und im Nu sind die 2000 Lire gesammelt und die Freundschaft  gerettet.  Dass sollte sich Bill Brogan auch zu Herzen nehmen…

 

Wir haben dieses syrische Abenteuer überstanden, doch unsere verwaisten Ballone in Damaskus??? Hoffentlich sehen wir einander wieder…

 

Inschaallah

 

 

Der Geschichtenerzähler im Kaffeehaus von Damaskus

 

 

 

Arabische Geigenstunde in Palmyra

 

 

 

Capt. Ivan und Co-Mike über Damaskus

 

 

 

Das heilige Grab des Johannes des Täufers in der Umajaden-Mosche in Damaskus

 

 

 

Ballonfahrt über die Stadt Tadmur

 

 

 

Die alte Oase und Ruinenstadt Palmyra in Nordosten von Syrien

 

 

 

Die ergiebigen Heilquellen von Palmyra

 

 

 

Massenstart vor der Universität von Damaskus

 

 

 

Der Hubertus Bräu-Ballon  im Landeanflug

 

 

 

Hoch über die Stadt Damaskus mit einem Krügel Hubertus-Bräu

 

 

 

 

Ein Satellitenschüssel- und Häuser-meer  ohne Ende

 

 

 

 

Palmyra mit der Festung Fakhreddin Ibn Maan am Hügel