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12/08 1 E V f K EVfK - Europäischer Verband für Kinesiologie Cunostr. 50 - 52 D-60388 Frankfurt- Bergen E-Mail: info@evfk.de www.kinesiologie-verband.de Monika Gerhardus und Cornelia Brandts Der nachfolgende Artikel ist mit freundlicher Genehmigung entnommen aus Ausgabe 12/08. Fordern Sie Ihr Probeheft an! Tel.: 0 61 46 - 90 74 - 0 • Fax: 0 61 46 - 90 74-44 • www.comedverlag.de Lernen – kinderleicht Ein Leben lang? (Teil 1) Das menschliche Gehirn kann nichts anderes als Lernen. Es lernt immer, bewusst oder unbewusst. Selbst wenn wir nicht merken, dass wir gerade lernen, geschieht es dennoch. In jeder Alltagssituation, in jeder Unterhaltung, bei jeder Fernsehsendung oder auch nur beim Betrachten der Wolken am Himmel … Man sagt, dass wir sogar im Schlaf noch lernen.
Was ist Lernen? Lernen wird in der Psychologie definiert als eine dauerhafte Änderung des Verhaltens. Die Vertiefung und Festigung des neuen Verhaltens geschieht durch Übung bzw. Wiederholung. Das Gehirn wartet in ständiger Bereitschaft auf „Lernstoff“. Wir haben uns auf die Suche nach Dingen gemacht, die diese Bereitschaft eventuell stören könnten. Wir wollten im Rahmen unserer Berufspraxis mit Kindern und Jugendlichen herausfinden, warum sie dem Lernen gegenüber eine innere Verweigerungshaltung entwickelt haben. Wir holten unsere Erkundigungen auf Erfahrungen in der Schule und auf Sammlungen in Gesprächen. Dabei bemerkten wir große Unterschiede in den einzelnen Schulformen: Die positivsten Erfahrungen brachten Kinder aus den Grundschulen, die schlimmsten Negativbeispiele stammten aus den weiterführenden Schulen. Von den vielen frustrierten Berichten möchten wir hier exemplarisch einmal zwei Sätze zitieren: „Du meine Güte, schaut ihr immer so dumm aus der Wäsche?“ und „Schalte doch jetzt einmal Dein Gehirn ein – ausnahmsweise.“ Sätze wie diese hören viele Kinder und Jugendliche täglich in den Schulen. Wir fragen Sie: Empfinden Sie Lust auf Lernen, wenn Sie solche Sätze lesen, wenn Sie sich vorstellen, dass Ihnen jemand das sagt? Besonders drastisch geht ein Lehrer vor, indem er seine Schüler vor dem Unterricht ganz besonders begrüßt: „Guten Morgen, ihr Scheißschüler!“ (Witzig!?) Hierüber beklagte sich eine 15-jährige Schülerin in unserer Praxis bitter. Sie koppelte dieses Verhalten einer einzelnen Person gedanklich natürlich an das der gesamten Schule an – was ihrer Lernbereitschaft den Garaus machte. Wir wollen an dieser Stelle keine Lehrerschelte betreiben. Denkbar ist, dass die Negativbeispiele als Scherz von Seiten der Lehrer gedacht sind. Sie wirken in den empfindlichen Ohren von Kindern und Jugendlichen aber leider destruktiv und haben hinderliche Folgen. Alles, was wir tun müssen, ist, den Boden für den Wunsch nach „Lernen“ zu bereiten. Er ist von Natur aus vorhandenen. Er will angesprochen werden und wartet darauf. Wir lernen immer, ob wir wollen oder nicht. Die Frage ist lediglich, ob wir erreichen, dass das gelernt wird, was das Ziel der Eltern, der Schule, der Gesellschaft ist. Lernen – nicht mehr kinderleicht? Unsere Pädagogen – einschließlich der Medien – üben mit Jung und Alt, wie sie Lernen fördern und Hindernisse abbauen können. Quizsendungen schießen wie Pilze aus dem Boden, Wissensabfrage ist „in“. Es ist „hip“, über Gehirntraining, Gedächtnistraining und Lernförderung nachzudenken. Die Theorien darüber überschlagen sich, Forschungen finden in allen Ecken Deutschlands statt. Immer neue Theorien über eine hirngerechte „Aufbereitung“ des Lernstoffs tun sich auf. In diesem Dschungel einen klaren Weg zu finden ist schier unmöglich. Auch die unübersichtliche Vielfalt der Ratgeber für Lehrer, Eltern oder Menschen in der Erwachsenenbildung zeichnet ein deutliches Bild. Was aber sind Lernhindernisse überhaupt? Sind sie angeboren oder anerzogen? Lernhindernisse Unterschieden werden muss zunächst zwischen „Lernhindernissen“ und „Lernstörungen“. Lernstörungen sind meist vorübergehender Natur und werden von aufmerksamen Lehrern oder Ausbildern über den mangelnden Lernerfolg bald aufgedeckt. Spätestens eine unterdurchschnittlich ausgefallene Klassenarbeit z. B. ist ein Signal für den aufmerksamen Lehrer, auf die er zügig mit gezielter methodisch-didaktischer Aufbereitung des Lernstoffs oder gezielter individueller motivierender Unterstützung reagieren kann. Wir sprechen hier von wirklich persönlicher Zuwendung – nicht von einem oberflächlichen „Chaka-Gefühl“, wie es telegene Motivationstrainer während großer Massenveranstaltungen unterhaltsam vermitteln. Wer an einem solchen Event schon einmal teilnahm, weiß, wie kurzlebig diese Motivation ist. Am Arbeitsplatz sind mangelnde Leistungen meist durch mangelnde Aufklärung in der Vorbereitung, d. h. durch mangelnde Befähigung der Mitarbeiter zu erklären (hier zeigt sich auch die Qualität der Führungskraft). In der Praxis müssen wir mit diesen temporären Lernstörungen leben und klären, wie wir mit ihnen umgehen wollen und wie wir sie in uns selbst und in anderen überwinden können. Lernhindernis: Überforderung Die Erwartung an eine Leistung, die die vorhandenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse über- oder unterfordert, ist ein Lernhindernis und kann in der Folge zu einer Lernblockade führen. Allgemein führen Lernhindernisse zu Motivationsverlust, Lernverweigerung, Versagensängsten, Aggressivität und Ängsten, körperlichen oder psychischen Krankheiten. Wir betrachten im Folgenden das Lernhindernis „Überforderung“, da es aus unserer Sicht langfristige schädliche Auswirkungen auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung hat. Wir beobachten vier große Bereiche, durch die Überforderung stattfindet: • Überflutung: Überforderung der Sinne, z.B. durch Lautstärke in den Klassen, zu viele Bilder (unkontrollierte Fernsehgeräte in den Kinderzimmern, Fehlnutzung von elektronischem Spielzeug), Unruhe in den Elternhäusern• Zu hoch angesetztes Lernziel: Wissen ist nicht genügend vorbereitet, zu theoretisch, praktische Anschauung ungenügend, Lernziele sind dem kindlichen Reifeprozessnicht angepasst, geringe Basiskenntnisse und geringe Sicherheit in Bezug auf eigene Fähigkeiten • Zu schnelles Vorgehen: der Lernstoff ist nicht ausreichend vorbereitet, die Grundlagen sind nicht gefestigt, Wiederholungen haben nicht ausreichend stattgefunden, Zeitdruck in der Lernsituation finden wir vor allem in den weiterführenden Schulen• Verwenden zu anspruchsvoller Sprache: altersgerechte, der Gruppe angepasste sprachliche Vermittlung der Lehrinhalte nicht gegeben, eine ständige Überprüfungder Anforderungen und Ansprüche des Kursleiters, der Teilnehmer und ihres sozialen Umfeldes kann dem entgegenwirken und zu einer realistischen Einschätzung des Lernprozesses führen. Aus dem Lernhindernis „Überforderung“ entwickeln sich mangelndes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, es schwächt die Lernmotivation und steigert Aggressivität und Ängste. Das schlimmste Ergebnis von Überforderung ist Furcht. Sie entwickelt sich im Laufe der Zeit und manifestiert sich: Furcht vor Lernen, Furcht, sich zu ändern, Furcht vor Neuem. Der angeborenen Neugierde folgt die Angst vor Neuem. Die Angst vor Neuem ist bis ins hohe Erwachsenenalter die Quelle für schädliche Glaubenssätze wie: „Ich konnte noch niemals Sprachen lernen.“, „Mathe konnte ich noch nie.“, „Mit Technik kann ich nicht umgehen, ich war in Physik immer schon schlecht.“, „Ich kann nichts, ich bin nichts, ich bin blöd.“. Zum Schutz werden Glaubenssätze wie: „Ich bin halt so.“ formuliert. Aber: die Angst hat gesiegt und wirkt sich körperlich und psychisch fatal aus. Dieses Grundprogramm zu knacken, ist unsere tägliche Aufgabe in der Praxis, in der Schule, in der Erwachsenenbildung und in der Therapie.
Lernblockaden sind Hilferufe Lernblockaden sind meistens die Ergebnisse der individuellen Lerngeschichte und verfestigen sich als Muster. In ungünstigen persönlichenoder sachlichen Konstellationen werden sie wieder aktiviert. Bildhafte Aussagen von Teilnehmer/innen wie „vor der Wand stehen“ oder „sich wie unter einer Glocke fühlen“, signalisieren Kontaktabbruch zwischen dem Lernenden und dem Lehrenden oder zwischen dem Lernenden und dem Stoff. Sie äußern sich entweder „laut“ und extrovertiert mit ablehnenden oder aggressiven Äußerungen und Handlungen gegenüber anderen Teilnehmern, Ausbildern, Lehrern und manchmal sich selbst gegenüber oder „leise“ und introvertiert mit depressiven Tendenzen. Auch Desinteresse und Gleichgültigkeit („Null Bock“- Verhalten), geringe oder keine Bereitschaft zur Mitarbeit sowie eine negative Arbeitshaltung können Ausdruck von Lernblockaden sein. Die Angst vor unbekannten Objekten, vor fremden Menschen und undurchschaubaren Situationen ist in der frühen und mittleren Kindheit zwar als gesunde Überlebensstrategie verbreitet. Ob aber Angst den Effekt einer hohen Neugiermotivation auf die intellektuelle Entwicklung beeinträchtigt, ist bisher wenig erforscht. Ebenso wenig ist darüber bekannt, ob eine ausgeprägte Ängstlichkeit die Entwicklung des Neugiermotivs selbst verkümmern lässt oder ob die Angst das Neugierverhalten nur in bestimmten Situationen hemmt. In den wenigen vorliegenden Untersuchungen findet sich eher ein negativer Zusammenhang zwischen gezeigter Angst und Neugierverhalten. Eine alte Wahrheit bleibt daher bestehen: Der Lehrende muss einen Restreiz setzen, um die Lust auf mehr zu erreichen. Ein Prinzip, dass sich in jeder Soap-Serie wiederfindet: Wie geht’s wohl weiter …? Lösungsansatz Lernmotivation erzeugen oder steigern kann man, in dem man entweder die angeborene Neugierde nutzt oder Neugier und kognitive Kompetenzen fördert. In der Motivationspsychologie wird dieses explorierende Verhaltenssystem als Neugiermotiv bezeichnet. Es geht davon aus, dass Menschen von Geburt an mit einem Neugiermotiv ausgestattet sind. Schon Piaget hat in seinen Arbeiten betont, wie wichtig die aktive Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Umwelt ist, denn nur das aktive Erkunden trägt zur Erfahrungsbildung und Entwicklung kognitiver Strukturen bei. Kinder fördern diesen aus sich selbst heraus motivierten (intrinsischen) Prozess der Auseinandersetzung mit der Umwelt in der Regel selbsttätig. Das Kind bedarf dazu keiner zusätzlichen „Belohnung“. Voraussetzung dafür ist allerdings eine ansprechende und anregende Umwelt, die zum Erkunden einlädt und die Aufmerksamkeit fesselt. Burton White und Richard Held haben 1966 in einer Untersuchung mit Babys aus Waisenhäusern zeigen können, dass diejenigen Kinder, denen ein einfaches Bild oder später ein Mobile über die Krippe gehängt wurde, sechs bis acht Wochen früher Greifen lernten als die Babys, deren unmittelbare Umwelt nicht durch solche interessanten Reize bereichert wurde. Sie fanden aber auch, dass bei vielen und wechselnden Reizen die Kinder unruhig wurden, häufiger weinten und die Fähigkeit zum Greifen nicht so schnell entwickelten wie die Kinder, die mit einem zu bewältigenden Ausmaß an neuen Reizen stimuliert wurden. Abbau von Ängsten ist die Aufgabe der Lehrenden Viele Menschen, nicht nur solche mit einer geistigen Behinderung, begeben sich als Erwachsene mit Gefühlen der Unsicherheit undVersagensängsten (Background) in neue Lernprozesse. Für eine erfolgreiche Bildungsarbeit ist es wichtig, diese offen anzusprechen und auszuräumen, indem u. a. klargestellt wird, dass das vorrangige Ziel von Bildung im Bildungsprozess selbst liegt und nicht in nachweisbaren Leistungen. Vorrangiges Ziel im Bildungsprozess ist immer der Wert der Person selbst. Denn die kognitive Bildung (z. B. Schulabschluss, akademische Grade oder sonstige Diplome und Leistungsnachweise) ist nicht alles, was den Wert eines Menschen ausmacht.
arbeitet nach ihrer Lehrertätigkeit seit dem Jahr 1983 als Heilpraktikerin in ihrer Naturheilpraxis in Schöneck. Seit 1991 leitet sie das Medizinische Lehr- und Fortbildungsinstitut in Schöneck sowie den Landesverband der Union Deutscher Heilpraktiker (UDH) in Hessen und steht dem UDH-Bundesverband seit 1999 als Präsidentin vor. 2001 rief sie die Association of Natural Medicine in Europe (ANME) ins Leben. Kontakt: Union Deutscher Heilpraktiker (UDH) Waldstr. 14, D-61137 Schöneck kontakt@udh-hessen.de
ist Grundschullehrerin, Lernberaterin P.P.©, NLP-Practicioner sowie diplomierte Legasthenietrainerin. Kontakt: Alte Gerberstr. 27, D-53879 Euskirchen
Der Beitrag wird in CO’MED fortgesetzt. 2 12/08 E V f K
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Bewegungswerkstatt Herbert Handler
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