König Ramkhamhaeng der Große (1279?-1318?)
Diplomat und Staatsmann
Im Jahr 1287 schloß Ramkhamhaeng ein legendäres Abkommen mit
König Mengrai, dem Herrscher des
Königreichs von Lan Na und Ngam
Muang, dem Herrscher des Königreichs von Phayao. In Chiang Mai erinnert
eine Statuengruppe an diesen historischen Moment, an dem auch der genaue Ort
für die Gründung der Stadt festgelegt worden sein soll. Ramkhamhaeng und seine
Nachfolger hielten sich immer an dieses Bündnis und versuchten niemals im weiteren
Verlauf der Geschichte, diese Reiche, die ihnen im Norden den Rücken
Nai nam mi bla, nai na mi khao...
Aus dem Jahr 1292 stammt eine berühmt gewordene Steintafel,
in die Ramkhamhaeng eine Art Regierungserklärung und eine Beschreibung
In den Tagen von Ramkhamhaeng blüht und gedeiht dieses Land von Sukhothai.
Es gibt Fische im Wasser und Reis auf den Feldern.
Der Herrscher des Reiches erhebt keinen Zoll von seinen Bewohnern, weil sie
die Straßen benutzen, auf denen sie ihr Vieh zum Markt treiben ... Wer mit Elefanten
handeln will, darf dies tun, wer mit Pferden handeln will, darf dies tun, wer
mit Gold und Silber handeln will, darf dies tun.
Dort vor seinem Tor hat er eine Glocke aufhängen lassen. Wenn ein Bewohner
seines Landes Grund zur Klage hat, dass ihm der Leib schmerzt und sein Herz weint,
so geht er dorthin und schlägt die Glocke, die der König aufhängen ließ. König
Ramkhamhaeng hört den Schlag der Glocke, er kommt und befragt den Mann. Er prüft
sein Anliegen und trifft eine gerechte Entscheidung zum Wohl seines geliebten
Volkes. Und daher preist ihn auch das Volk von Sukhothai.
An den Darstellungen in vielen frühen Tempeln kann man auch heute noch
erkennen, daß in den Zeiten der Khmerherrschaft in Sukhothai - wie auch in ihren
anderen Provinzen - anfangs vorwiegend hinduistische Gottheiten verehrt wurden.
Erst zum Ende hin wurde der Brahmanismus dann langsam vom Mahayana Buddhismus
abgelöst. Ramkhamhaeng führte schließlich den Theravada Buddhismus in Sukhothai
als Staatsreligion ein. Er ließ viele neue Klöster errichten und holte sogar
Mönche aus Ceylon nach Sukhothai, um die neue Religion, die auch einen entscheidenden
Faktor bei der Einigung des Reiches darstellte, rasch zu verbreiten. Dabei flossen
viele noch aus alten Zeiten stammende animistische Traditionen und Vorstellungen,
die sich bis dahin erhalten konnten, in den Theravada Buddhismus ein und prägen
seine thailändische Variante, weniger in der Lehre selbst, vor allem aber im
Bereich der alltäglichen Rituale, bis in die heutige Zeit.
König Ramkhamhaeng, der
dritte Sohn Sri Indradityas und jüngerer Bruder Ban Muangs, wurde im Jahr 1279
nach dem Tode Ban Muangs der dritte und und bei weitem berühmteste der neun Könige
der Phra Ruang Dynastie. Unter seiner Herrschaft erreichte das Königreich von
Sukhothai, das zu Beginn seiner Regentschaft kaum mehr als die Stadt und einige
der umliegenden Gebiete umfaßte, durch eine geschickte Verbindung von Eroberungen,
politischen Eheschließungen und diplomatischen Abkommen bereits eine Ausdehnung,
die etwa den heutigen Grenzen Thailands entsprechen. Das Königreich von Sukhothai
erstreckte sich in seiner Blütezeit von Luang Prabang im heutigen Laos über das
gesamte obere Tal des Mekong und von Bago, Tavoy und Martaban im heutigen Myanmar,
entlang den Ausläufern des westlichen Tenasserim und über das gesamte Becken des
Menam Chao Phraya bis hinunter nach Nakhon Sri Thammarat, zur Malayischen Halbinsel
im Süden.
freihielten, zu erobern. Mit geschickter Diplomatie
und Bündnispolitik war es dem Staatsmann Ramkhamhaeng schon zuvor möglich gewesen,
dem Königreich von Sukhothai weitere Gebiete einzuverleiben. Ein weiteres Abkommen
gab es im Westen mit König Makato von Pegu. Außerdem knüpfte er diplomatische
Beziehungen mit China, empfing mehrmals chinesische Abordnungen an seinem Hof
und entsandte im Jahr 1294 und 1300 selbst Delegationen nach China. Verschiedene
Überlieferungen zufolge soll Ramkhamhaeng selbst an einer dieser Delegationen
teilgenommen haben. Zu den wichtigsten innenpolitischen Unternehmungen Ramkhamhaengs
gehörten die schriftliche Abfassung eines Gesetzeskodex, der auf den früheren
traditionellen Regelungen, jedoch nun unter Einbeziehung der Rechtsvorstellungen
des Theravada Buddhismus beruhte und die Abschaffung der Sklaverei. Ramkhamhaengs
Bestreben, dem buddhistischen Ideal und den Anforderungen eines Dhammaraja gerecht
zu werden, eines guten und gerechten Herrschers, führten schließlich auch zu
der von ihm gewünschten Einigung aller Tais unter dem Theravada Buddhismus als
Staatsreligion. Die Könige von Sukhothai waren ernsthaft bemüht, den Menschen
entsprechend der buddhistischen Grundsätze des Theravada zu einer Moral aus
der Vernunft heraus zu erziehen. Weder Ramkhamhaeng, noch einer seiner Nachfolger,
regierte als absolute Herrscher oder gar als göttlicher König wie bei den Khmer.
Im Gegenteil gewährte der Staat seinen Bürgern außer einer kaum spürbaren Steuerbelastung
sogar weitgehende, einklagbare Freiheiten und Rechte. Wie tief dieses Verständnis
von Gemeinschaft und Königtum sich auf die Menschen in Thailand eingeprägt und
über die Jahrhunderte erhalten hat, ist auch heute noch zu erkennen, wenn man
das Verhältnis der Thailänder zu ihrem Königshaus betrachten.
Die Einführung
der bis heute in den Grundzügen gebräuchlichen Tai-Schrift im Jahr 1283, die
König Ramkhamhaeng persönlich zugeschrieben wird, gehört ebenfalls zu den bemerkenswerten
Veränderungen. Ramkhamhaeng hatte zweifellos die weitreichende Bedeutung einer
gemeinsamen Sprache und Schrift sowohl als Zeichen von Unabhängigkeit und Einheit,
aber auch deren Notwendigkeit als Voraussetzung für einen funktionierenden Handel
erkannt. Tatsächlich erhielt die Tai-Schrift, eine Weiterentwicklung der Khmer-Schrift,
angelehnt an das Sanskrit und das Pali, die beiden im Buddhismus gebräuchlichen
Schriften indischen Ursprungs, versehen mit Elementen der Mon-Schrift zu dieser
Zeit ihre endgültige Form. Auch in der Alltagssprache fanden in diesem Zeitraum
sehr viele Begriffe des Sanskrit und des Pali Eingang.
der Bedingungen
im Königreich von Sukhothai eingravieren ließ. Sie gilt heute als eine der wichtigsten
Quellen über diese Zeit und zählt ebenso zu den herausragenden Meisterwerken
früher siamesischer Literatur.
Die Freiheit des Handels und das Fehlen von Gewerbesteuern und Wegezöllen werden
aufgeführt.
In einem anderen Absatz werden die Freiheit, die Rechte am Besitz und das Gerechtigkeitsverständnis
Ramkhamhaengs ausführlich geschildert.