König Ramkhamhaeng der Große (1279?-1318?)

König Ramkhamhaeng König Ramkhamhaeng, der dritte Sohn Sri Indradityas und jüngerer Bruder Ban Muangs, wurde im Jahr 1279 nach dem Tode Ban Muangs der dritte und und bei weitem berühmteste der neun Könige der Phra Ruang Dynastie. Unter seiner Herrschaft erreichte das Königreich von Sukhothai, das zu Beginn seiner Regentschaft kaum mehr als die Stadt und einige der umliegenden Gebiete umfaßte, durch eine geschickte Verbindung von Eroberungen, politischen Eheschließungen und diplomatischen Abkommen bereits eine Ausdehnung, die etwa den heutigen Grenzen Thailands entsprechen. Das Königreich von Sukhothai erstreckte sich in seiner Blütezeit von Luang Prabang im heutigen Laos über das gesamte obere Tal des Mekong und von Bago, Tavoy und Martaban im heutigen Myanmar, entlang den Ausläufern des westlichen Tenasserim und über das gesamte Becken des Menam Chao Phraya bis hinunter nach Nakhon Sri Thammarat, zur Malayischen Halbinsel im Süden.

Diplomat und Staatsmann

Im Jahr 1287 schloß Ramkhamhaeng ein legendäres Abkommen mit König Mengrai, dem Herrscher des Königreichs von Lan Na und Ngam Muang, dem Herrscher des Königreichs von Phayao. In Chiang Mai erinnert eine Statuengruppe an diesen historischen Moment, an dem auch der genaue Ort für die Gründung der Stadt festgelegt worden sein soll. Ramkhamhaeng und seine Nachfolger hielten sich immer an dieses Bündnis und versuchten niemals im weiteren Verlauf der Geschichte, diese Reiche, die ihnen im Norden den Rücken König Ramkhamhaeng freihielten, zu erobern. Mit geschickter Diplomatie und Bündnispolitik war es dem Staatsmann Ramkhamhaeng schon zuvor möglich gewesen, dem Königreich von Sukhothai weitere Gebiete einzuverleiben. Ein weiteres Abkommen gab es im Westen mit König Makato von Pegu. Außerdem knüpfte er diplomatische Beziehungen mit China, empfing mehrmals chinesische Abordnungen an seinem Hof und entsandte im Jahr 1294 und 1300 selbst Delegationen nach China. Verschiedene Überlieferungen zufolge soll Ramkhamhaeng selbst an einer dieser Delegationen teilgenommen haben. Zu den wichtigsten innenpolitischen Unternehmungen Ramkhamhaengs gehörten die schriftliche Abfassung eines Gesetzeskodex, der auf den früheren traditionellen Regelungen, jedoch nun unter Einbeziehung der Rechtsvorstellungen des Theravada Buddhismus beruhte und die Abschaffung der Sklaverei. Ramkhamhaengs Bestreben, dem buddhistischen Ideal und den Anforderungen eines Dhammaraja gerecht zu werden, eines guten und gerechten Herrschers, führten schließlich auch zu der von ihm gewünschten Einigung aller Tais unter dem Theravada Buddhismus als Staatsreligion. Die Könige von Sukhothai waren ernsthaft bemüht, den Menschen entsprechend der buddhistischen Grundsätze des Theravada zu einer Moral aus der Vernunft heraus zu erziehen. Weder Ramkhamhaeng, noch einer seiner Nachfolger, regierte als absolute Herrscher oder gar als göttlicher König wie bei den Khmer. Im Gegenteil gewährte der Staat seinen Bürgern außer einer kaum spürbaren Steuerbelastung sogar weitgehende, einklagbare Freiheiten und Rechte. Wie tief dieses Verständnis von Gemeinschaft und Königtum sich auf die Menschen in Thailand eingeprägt und über die Jahrhunderte erhalten hat, ist auch heute noch zu erkennen, wenn man das Verhältnis der Thailänder zu ihrem Königshaus betrachten.

Inskription #1 - Die Stele Ramkhamnaengs Die Einführung der bis heute in den Grundzügen gebräuchlichen Tai-Schrift im Jahr 1283, die König Ramkhamhaeng persönlich zugeschrieben wird, gehört ebenfalls zu den bemerkenswerten Veränderungen. Ramkhamhaeng hatte zweifellos die weitreichende Bedeutung einer gemeinsamen Sprache und Schrift sowohl als Zeichen von Unabhängigkeit und Einheit, aber auch deren Notwendigkeit als Voraussetzung für einen funktionierenden Handel erkannt. Tatsächlich erhielt die Tai-Schrift, eine Weiterentwicklung der Khmer-Schrift, angelehnt an das Sanskrit und das Pali, die beiden im Buddhismus gebräuchlichen Schriften indischen Ursprungs, versehen mit Elementen der Mon-Schrift zu dieser Zeit ihre endgültige Form. Auch in der Alltagssprache fanden in diesem Zeitraum sehr viele Begriffe des Sanskrit und des Pali Eingang.

Nai nam mi bla, nai na mi khao...

Aus dem Jahr 1292 stammt eine berühmt gewordene Steintafel, in die Ramkhamhaeng eine Art Regierungserklärung und eine Beschreibung manangasilabat - der steinerne Thron der Bedingungen im Königreich von Sukhothai eingravieren ließ. Sie gilt heute als eine der wichtigsten Quellen über diese Zeit und zählt ebenso zu den herausragenden Meisterwerken früher siamesischer Literatur.

In den Tagen von Ramkhamhaeng blüht und gedeiht dieses Land von Sukhothai. Es gibt Fische im Wasser und Reis auf den Feldern.

Inskription #1:Die Stele Ramkhamnaengs - Seite A Die Freiheit des Handels und das Fehlen von Gewerbesteuern und Wegezöllen werden aufgeführt.

Der Herrscher des Reiches erhebt keinen Zoll von seinen Bewohnern, weil sie die Straßen benutzen, auf denen sie ihr Vieh zum Markt treiben ... Wer mit Elefanten handeln will, darf dies tun, wer mit Pferden handeln will, darf dies tun, wer mit Gold und Silber handeln will, darf dies tun.

Inskription #1:Die Stele Ramkhamnaengs - Seite B In einem anderen Absatz werden die Freiheit, die Rechte am Besitz und das Gerechtigkeitsverständnis Ramkhamhaengs ausführlich geschildert.

Dort vor seinem Tor hat er eine Glocke aufhängen lassen. Wenn ein Bewohner seines Landes Grund zur Klage hat, dass ihm der Leib schmerzt und sein Herz weint, so geht er dorthin und schlägt die Glocke, die der König aufhängen ließ. König Ramkhamhaeng hört den Schlag der Glocke, er kommt und befragt den Mann. Er prüft sein Anliegen und trifft eine gerechte Entscheidung zum Wohl seines geliebten Volkes. Und daher preist ihn auch das Volk von Sukhothai.

An den Darstellungen in vielen frühen Tempeln kann man auch heute noch erkennen, daß in den Zeiten der Khmerherrschaft in Sukhothai - wie auch in ihren anderen Provinzen - anfangs vorwiegend hinduistische Gottheiten verehrt wurden. Erst zum Ende hin wurde der Brahmanismus dann langsam vom Mahayana Buddhismus abgelöst. Ramkhamhaeng führte schließlich den Theravada Buddhismus in Sukhothai als Staatsreligion ein. Er ließ viele neue Klöster errichten und holte sogar Mönche aus Ceylon nach Sukhothai, um die neue Religion, die auch einen entscheidenden Faktor bei der Einigung des Reiches darstellte, rasch zu verbreiten. Dabei flossen viele noch aus alten Zeiten stammende animistische Traditionen und Vorstellungen, die sich bis dahin erhalten konnten, in den Theravada Buddhismus ein und prägen seine thailändische Variante, weniger in der Lehre selbst, vor allem aber im Bereich der alltäglichen Rituale, bis in die heutige Zeit.

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