Mag. Harald Franz Ofner

Entwicklung der frühen Kirche

Kapitel 1

Die Urgemeinde war jüdisch geprägt




Wer als Bibelforscher den Zeitabschnitt des 2. christlichen Jahrhunderts untersucht, hat das Gefühl, irgendwie in der Finsterniss zu tappen. Nichts zeichnet sich deutlich ab, alles ist in Dunkelheit gehüllt. Die Augen müssen sich erst umstellen, ehe etwas auszukundschaften und zu entdecken ist. In diesem Puzzle müssen die Einzelteile, aus denen es besteht - so verstreut, so unvollständig und so entstellt sie sind -, zusammengesetzt werden, wenn man die Kirche der Frühzeit klar und deutlich erkennen lassen will. Es ist zugleich der Zeitabschnitt, in dem zu Ende geht, was Renan »die Embryogenese des Christentums« nennt. Zu diesem Zeitpunkt »hat das Kind seine Organe sämtlich ausgebildet und ist von seiner Mutter abgelöst; von nun an muß es aus eigener Kraft leben.«

Im 1. Jahrhundert war alles deutlicher, dank den Episteln und der Apostelgeschichte. In diesem faszinierenden Geschichtsbuch erfahren wir vieles über die noch junge Kirche. Im 2. Jahrhundert findet sich nichts Vergleichbares. Die Apostel sind einer nach dem anderen dahingegangen, als letzter Johannes. Von apostolischen Erinnerungen erfüllt verbinden diejenigen, die das Weiterleben des Christentums gewährleisten, Treue mit Unerschrockenheit; sie lassen das Erbe Früchte bringen und stoßen zugunsten neuer Generationen weite Horizonte auf. Noch am Ende des Jahrhunderts erinnert Irenäus von Lyon an Worte des Apostels Johannes, die er aus dem Mund von dessen unmittelbarem Schüler Polykarp vernommen haben soll. Weit entfernt davon .....

Entwicklung der frühen Kirche
(1999) Buch, 250 Seiten