Mag. Harald Franz Ofner

Das Buch Hiob

Vorwort




Das Buch Hiob ist eines der tiefsinnisgsten des alten Testaments. Wie vielen Menschen mag es in der Zeit seines Bestehens schon zum Tröster geworden sein! Auch ich erinnere mich an eine Zeit meines Lebens, da ich zwar ungenügendes Verständnis, doch in entscheidender Weise durch dieses Buch aufgerichtet und getröstet worden bin. Denn wenigstens der Gedanke wird jedem Leser dieses Bibelbuches eindrucksvoll zum Bewußtsein kommen, dass dem tiefen Leiden ein ewiger Sinn innewohnen kann, und dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten dienen.

Aber der eigentliche Gehalt liegt viel tiefer. Das Buch Hiob ist eine Problemdichtung. Das will heißen, dass hier die wahrheitsgemäße Darstellung äußerer und innerer Erlebnisse und ihre geistliche Ausdeutung in einer verdichteten Form dargebracht ist. Denn dass Hiob eine wirkliche Person und sein Erleben ein wirkliches Erleben ist, das bedarf für den Bibelgläubigen keines Beweises und wohl auch nicht für den literaturhistorischen Sachverständigen. Der Beweis liegt schon in der großen Wirklichkeitsnähe und Lebenswahrheit des Erlebnises selbst. Jeder Satz sagt: Das ist nicht erfunden; das wird erlebt! Darum auch hat dieses Buch durch die Jahrtausende hindurch einen so tiefen Eindruck auf die Menschen gemacht. Hiob ist in der Tat zu einem Repräsentanten menschlichen Wesens und Schicksals für alle Zeiten geworden.

Das Problem aber, das im Buch Hiob dargestellt wird, berührt letzten Endes weniger die Person Hiobs, als vielmehr Gott selbst und das Verhältnis Gottes zu seinem Widerpart, dem Satan. Weiterhin aber handelt es sich um den Sinn des Gegensatzes von Gut und Böse.

Das Buch Hiob widerlegt die Auffassung, dass zwischen Gott und seinem Widersacher nur ein Machtunterschied besteht, nicht aber auch - und das besonders - ein Rechtsunterschied. Es wendet sich gegen die Ansicht, dass der Begriff des Rechts lediglich auf die Machtverhältnisse gegründet sei - ja, dass das Sprichwort: „Wer die Macht hat, hat das Recht“, auch in der Himmelswelt Geltung hat. Und es wendet sich gegen die Meinung, dass der Unterschied zwischen Gut und Böse allein von dem bestimmt wird, der die Macht hat....

Das Buch Hiob
(2009) Buch, 115 Seiten