INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
I. ARCHÄOLOGISCHE DOKUMENTATION
BIS 722/21 v. Chr.
1. Name und Etymologie 7
2. Die Lage der Stadt 8
3. Zur Geschichte der archäologischen
Erforschung der Ortslage 11
4. Architektur 18
4.1 Periode I 19
4.2 Periode II 23
4.3 Periode III 27
4.4 Periode IV 30
4.5 Periode IV a 32
4.6 Perioden V und VI 32
4.7 Israelitische Mauern auf
den Abhängen 35
4.8 Einige Gräber 40
4.9 Eìn israelitischer Schrein 41
5. Auswahl von Einzelfunden
42
5.1 Keramik 43
5.2 Elfenbeinschnitzereien 44
5.3 Skarabäen, Skaraboide, Siegel
und Siegelabdrücke
47
5.4 Ostraka 48
5.5 Figurinen 50
5.6 Verschiedene Objekte 50
II. GESCHICHTE DER STADT SAMARIA BIS
722/21 v. Chr.
AUF GRUND SCHRIFT -
LICHER QUELLEN
52
1. Einleìtung 53
2. Samaria von der Gründung bis
722/21 v. Chr. 55
III. ARCHÄOLOGISCHE DOKUMENTATION
VON 722/21
v. Chr. BIS ZUM ENDE
DER RÖMISCHEN
ZEIT 73
1. Architektur 74
1.1 Periode VII 74
1.2 Periode VII a 76
1.3 Periode VIII
76
1,4 Periode IX 78
1.5 Frühhellenistische Periode 80
1.6 Hellenistische Periode 83
1.7 Späthellenistische Periode 85
1.8 Vorherodianische Gebäude 86
1.9 Herodianische Periode 87
1.10 Zweite römische Periode 92
1.11 Dritte römische Perìode
93
1.12 Vierte römische Periode 96
1.13 Das hellenistische Fort 99
1.14 Die römische Stadtmauer 102
1.15 Das Stadium 103
1.16 Die Säulenstrasse 108
1.17 Das Forum 111
1.18 Das Theater 113
1.19 Der Koretempel 115
1.20 Das südöstliche Stadtviertel
119
1.21 Die Wasserleitung 123
1.22 Gräber 125
2. Auswahl von Einzelfunden 130
2.1 Keramik 130
2.2 Griechisch-römische Terrakotten
132
2.3 Skulpturen 133
2.4 Fayance 134
2.5 Glas 135
2.6 Münzen 135
2.7 Siegel und Siegelabdrücke 136
2.8 Ostraka 137
2.9 Griechische Inschriften 138
2.10 Keilschrifttafel 138
IV. GESCHICHTE SAMARIA-SEBASTES VON 72221
v. Chr.
BIS ZUM ENDE DER RÖMISCHEN
ZEIT IM
ÜBERBLICK AUF GRUND
SCHRIFTLICHER
QUELLEN
140
1. Von 72221 v, Chr. bis zum Ende
der Perserzeit
140
2. Von Alexander dem Grossen bis zum
Ende der römischen Zeit
146
Herrscherlisten
155
V. ZUSAMMENFASSUNG UND IDENTIFIZIERUNG 158
ABBILDUNGEN
165
Abbildungsverzeichnis
263
Archäologische Perioden in Palästina
267
Abkürzungen
268
Literaturverzeichnis
271
2. VON ALEXANDER DEM GROSSEN BIS ZUM ENDE DER
RÖMISCHEN ZEIT
Mit Alexander dem Grossen beginnt ab 331 v.Chr.
auch für Samaria eine neue Zeit (1). Nach der Schlacht bei Issos gegen
den per1sischen Grosskönig Dareios III. Kodomanus wandte sich Alexander
nach Damaskus, Sidon und Tyrus, das er nach siebenmonatiger Belagerung
niederzwang, und dann weiter nach Gaza (2). Das übrige Syrien-Palästina
hatte sìch schon unterworfen:
"Alexander aber beschloss, nunmehr den Zug nach
Ägypten zu unternehmen. Inzwischen hatten schon die übrigen Gebiete
des sogeannten palästinischen Syrien seine Hoheit anerkannt." (3)
Diese Feststellung Arrians kann in unserem Fall
durch Josephus, Ant XI 8,4 (§321) ergänzt werden (4).
Sanballat III. hatte also klugerweise die politische
Situation erkannt, den Persern abgeschworen und sich Alexander unterworfen.
Bald danach muss wohl Sanballat III. gestorben sein, da wir durch Q.Curtius
Rufus (5) erfahren, dass der von Alexander eingesetzte Statthalter Andromachus
von den Samariern lebendig verbrannt worden sei (6), Alexander sei daraufhin
von Ägypten zu-
1 Vgl. J.Bright, A History of Israel 414-416,
V.Tcherikover,The Hellenistic Environment, World History of the Jewish
People VI 5-50. F.M.Abel, Histoire de la Palestine depuis la conquete d'Alexandre
jusqu' à l'invasion Arabe I. D.Auscher, Les relations entre la Grèce
et la Palestine avant la conquete d'Alexandre, VT 17 (1967) 8-30.
2 Vgl. Diodor XVII 40ff. Josephus, Ant XI 8,3
(§§ 313-320). R. Marcus, Josephus VI 464-469. V.Tcherikover,
a.a,0. 56-62.
3 W.Capelle, Arrian 165.
4 R.Marcus, .Josephus VI 468f.
5 Alexanderbiographie IV 8,9-11. K.Jaros, Sichem
124 Anm. 11.
6 Vgl. die Belege bei K.Jaros, Sichem 124 Anm.
13.
rückgekehrt und habe Menon (Memnon) eingesetzt
(1), Alexander soll die Samarier damit bestraft haben, dass er in Samaria
Makedonier ansiedelte (2).
Diese Nachrichten wurden aber sehr bezweifelt
(3), da vor allem Arrian wie auch Josephus nichts davon wissen. Aus Arrian
III 6,8 (4) wissen wir nur, das Alexander nach seiner Rückkehr aus
Ägypten nach dem ersten Statthalter Coele-Syriens Kerdimmas den Asklepiodor
eingesetzt hat (5).
Samaria war jedenfalls mit diesen Ereignissen
eine hellenistisch orientierte Stadt geworden und eine bedeutende Jahwe-treue
Gruppe Samarier hat daraus die Konsequenzen gezogen und die Stadt verlassen.
Sie sínd zusammen mit den aus Jerusalem vertriebenen Priestern (6)
die Wiederbegründer des alten Sichem (7). und die Begründer des
Garizimkultes (8), die Ahnen der Samaritaner (9).
Nach dem Tod Alexander des Grossen 323 v.Chr.
wurde sein Reich aufgeteilt: Antigonus erhielt Asien, Ptolemäus Ägypten
und Seleukos I.Nikator Mesopotamien und Syrien. Seleukus teilte sein Gebiet
in 72 Satrapien. Samaria wurde eine dieser
1 Vgl. R.Marcus, Josephus VI Appendix
C 523.
2 Vgl. a.a.0. Appendix C 524.
3 Vgl. z.B. L.Haefeli, Geschichte
der Landschaft Samaria 66f., der die Geschehnisse in die Zeit Antiochus
III. verlegt. Sehr unkritisch nimmt diese Notizen R.L.Fox, Alexander der
Grosse 293f.
4 Vgl. W.Capelle, Arrian 177.
5 Was die makedonische Kolonie
in Samaria betrifft, könnten die Notizen durchaus glaubhaft sein.
Vgl. F.M.Abel, Alexandre, RB 44 ( 1935 ) 42-61.
6 Vgl. dazu H.G.Kippenberg, Garizim
50-57. K.Jaros, Sichem 125. 7 Vgl. G.E.Wright, Shechem 170ff.
8 Vgl. H.G.Kippenberg, Garizim
50-57.
9 Die Konsequenz aus diesen Feststellungen
ist, dass die Geschichte der Samariter nicht mit der Geschichte der Stadt
Samaria mehr zusammengesehen werden kann.
pien.(1) Sie grenzte im Süden an Juda und
Idumäa, im Westen an Phönike, im Osten an die Satrapie Mesopotamien
und im Norden an das Libanongebirge (2). Durch die Streitigkeiten.zwischen
Ptolemäern und Seleukus war Samaria oft betroffen. Schon um 312 v.Chr.
vernichtete Ptolemäus Lagi neben anderen palästinischen Städten
auch Samaria (3) und führte auch Samarier in die Gefangenschaft (4).
296 v.Chr. zerstörte der Seleukide Demetrios Poliorketes wieder Samaria
(5). Ptolemäus III. riss dann Coelesyrien an sich, was Seleukus Antiochus
III. den Grossen zum Eingreifen veranlasste. Um 219 v.Chr. ergab sich Samaria
den Seleukiden (6) und wurde daraufhin von Antiochus III. militärisch
geschützt (7). Aber schon 217 v.Chr. siegte Ptolemäus IV. bei
Raphia und Antiochus III. musste Coelesyrien räumen. Ca. 10 Jahre
lang blieb nun Samaria
unbehelligt, bis Skopas, der Heerführer
Ptolemäus V. auch Samaria eroberte. Kurz darauf schlug aber Antiochus
III. Skopas bei den Jordanquellen und auch Sarnaria wurde von den Seleukiden
zurückgewonnen (9).
1 Vgl. L. Haefeli, Geschichte der
Landschaft Samaria 69.
2 Vgl. a.a.0. 69. Vgl. auch V.Tcherikover,
The Hellenistic Environment, World History of the Jewish People VI 63-86.
3 Vgl. Diodor XIX 93,7. L.Haefeli,
a.a.0. 70.
4 Vgl. Josephus, Ant XII 1,1 (§§
1-10). R.Marcus, Josephus VII 2-7.
5 Vgl. Eusebius, Chronik II 118f..
E.Schürer, Geschichte II 196 Anm. 416.
6 In diesem Zusammenhang könnte
die Notiz von der Verbrennung des Andromachus durch die Samarier passen.
Es könnte sich in Samaria ein Umschwung zugunsten des Eroberers Antiochus
III. vollzogen haben. Vgl. L.Haefeli, a.a.0. 71.
7 Vgl. Polybius V 71 ,10f. L.Haefeli,
a.a.0. 71.
8 Vgl. Polybius XVI 39,1. L.Haefeli,
a.a.0. 72.
9 Vgl. Josephus, Ant XII 3,3 (§
136). R.Marcus, Josephus VII 68f.
Für die nächsten Jahrzehnte gibt es
für die Stadt Samaria kaum historisch glaubwürdige Nachrichten.
Da die Seleukiden am Ende des 2.Jhds. v.Chr.
durch Thronwirren gehindert waren (1), fiel Samaria der Expansionspolitik
der Hasmonäer zum Opfer.
Hyrkan I. umschloss Samaria im Jahre 108 v.Chr.
mit einer doppelten Umwallung von ca. 16 km, schnitt dìe Stadt dadurch
von der Aussenwelt und Nahrungszufuhr ab, bis sie fiel. In der zerstörten
Stadt zog er Gräben,damit das Regenwasser aufgefangen werde und so
die Erosion sein Werk vollenden konnte. Die Überlebenden wurden zu
Sklaven gemacht (2). Auf diese Zerstörung hin blieb Samaria rund 50
Jahre lang eìne Ruine.
Erst als die Römer unter Pompeius in die
Geschichte Judas eingriffen (3), kam auch für Samaria eine neue Zeit,
da Pompeius Samaria von Juda befreite und es mit seinem Territorium zur
römischen Provinz Syrien schlug. Aber erst der römische Statthalter
Aulus Gabinius hat um 57 v.Chr. Samaria notdürftig aufgebaut und besiedelt
(4). Die Leute von Samarìa wurden deswegen auch eine Zeitlang "Gabinier"
genannt (5).
Bereits unter Gabinius tritt ein Mann besonders
hervor: Antipater, Statthalter von Idumäa, der Vater Herodes des Grossen;
der sich bei den Römern verdient machte. Um 47 v.Chr. wurde Herodes
der Grosse vom römischen Statthalter Syriens Sextus Caesar zum Strategos
von Coelesyrien und Samaria ernannt (7).
1 Vgl. M. Noth, Geschichte Israels
323-359. M.Avi Yonah/J.Klausner, World History of the Jewish People VI
147-241.
2 Vgl. Josephus, Ant XIII 10,2f
(§§ 275-283). R.Marcus, Josephus VII 364-371.
3 Vgl. M.Noth, Geschichte Israels
360-369. M.Avi Yonah/A.Schalit, World History of the Jewish People VII
3-43.
4 Vgl. Josephus, Ant XIV 5,3 (§§
86-88). L.Haefeli, Geschichte der Landschaft Samaria 91.
5 Vgl. Josephus, Bellum I 8,4 (§
116). H.St.J. Thackeray, Josephus II 76f.
6 Vgl. L.Haefeli, a.a.0. 92. A.Schalit,
World History of the Jewish People VII 44-70.
7 Josephus, Bellum I 10,8 )§
213).
Als Herodes der Grosse vier Jahre später
bei der Verfolgung des Mörders seines Vaters an Samaria vorbeíkommt,
findet er die Stadt in Aufruhr, den er jedoch schlichten kann (1). Herodes
dürfte von diesem Augenblick an Samaria besonders ins Herz geschlossen
haben und wird es gleichsam zu seiner zweiten Residenz auserwählen
(2).
Unter Herodes nahm Samaria einen grandiosen Aufstieg.
Im Jahre 40 v.Chr. erhielt Herodes von den Römern die Königswürde
und ab dem Jahre 37 v.Chr. war seine Herrschaft ziemlich gefestigt (3).
Da Herodes aber in Juda noch umstritten war, wurde Samaria sein Stützpunkt.
Hierher brachte er seine Mutter und seine Verwandten (4). Noch im Jahre
37 v.Chr. heiratete er in Samaria Mariamme (5) und nachdem er 37 v.Chr.
auch Jerusalem besiegt hatte, war seine.Herrschaft unbestritten, aber "seine"
Stadt Samaria war, so paradox es klingen mag, de jure noch nicht unter
seiner ;Herrschaft (6). Sie wurde erst sein Eigentum, als sie ihm Kaiser
Augustus, wahrscheinlich kurz nach der Schlacht bei Aktium im Jahre 31
v.Chr, schenkte. Durch das Erdbeben im Frühling des Jahres 31 v.Chr.
dürfte auch Samaria ziemlich beschädigt gewesen sein (7).
1 Vgl. Josephus, Ant XIV 11,4 (§
284), R.Marcus, Josephus VII 600f.
2 Vgl. L.Haefeli, Geschichte der
Landschaft Samaria 93.
3 Vgl. M.Noth, Geschichte Israels
369ff. M.Stern, World Hístory of the Jewish People VII 71-122.
4 Vgl. Josephus, Ant XIV 13,7 (§§
352-354). R.Marcus, Josephus VII 634-637.
5 Vgl. Josephus, Ant XIV 15,14
(§§ 465-467). R.Marcus, Josephus VII 688-691. Josephus, Bellum
I 17,8 (344). H.St.J.Thaekeray, Josephus II 160f.
6 Vgl. L.Haefeli, a.a.0. 98.
7 Vgl. a.a,0. 98.
Im Jahre 29 v.Chr. fiel seine Frau Mariamme den
Hofintrigen zum Opfer. Herodes liess sie hinrichten. Doch ab diesem Zeitpunkt
verfiel der König in eine tiefe Trauer um seine geliebte Frau und
in eine Art Gemütskrankheit (1), die ihn ständig verfolgte und
ihn gegen alle seine Verwandten und auch andere hochgestellte Personen
misstrauisch machte.
Im Jahre 27 v.Chr. (2) ging Herodes daran, Samaria
neu zu erbauen:
Er siedelte in der Stadt 6000 Kriegsveteranen
an, gab ihnen die Verwaltung einer Polis und verteilte an sie das fruchtbare
Ackerland der Umgebung.
Die Stadt selber liess er mit einer Ringmauer
von 20 Stadien (3) umgeben, d.h. sie war dadurch eine der grössten
Städte der alten Welt geworden. In der Stadt baute er die Häuser
gut aus, befestigte die Bergkuppe mit massivón Mauern und errichtete
den gewaltigen Augustustempel, für den er einen heiligen Bezirk von
3 ½ Stadien absteckte (4). Die herrliche Stadt war nun würdig
des kaiserlichen Namens: Sebaste (Augusta) (5)
Hier liess Herodes auch Elitetruppen ausheben
und trainieren, die sogenannten "Sebastener", die bald ob ihrer Tapferkeit
Berühmtheit erlangten (6).
Als im Jahre 15 v.Chr. Markus Agrippa, der Schwiegersohn
des
1 Vgl. Josephus, Ant XV 7,7 (§§
240-245). R.Marcus, Josephus VIII 112-117.
2 Vgl. zu dieser Datierung E.Schürer,
Geschichte II 197.
3 Ein Stadion hat ca. eine Länge
von 180-200 m. Vgl. A.Strobel, Masse und Gewichte, BHH II 1160.
4 Vgl. Josephus, Ant XV 8,5 (§§
296-298) R.Marcus, Josephus VIII 140-143. Josephus, Bellum I 21,2 (§
403). H.St.J. Thackeray, Josephus II 190f. M.Stern, World History of the
Jewish People VII 100f.
5 Ant XV 8,5 (§ 298). R.Marcus,
Josephus VIII 142.
6 Vgl. L.Haefeli, Geschichte der
Landschaft Samaria 101.
Kaisers, im Reich des Herodes auf Staatsbesuch
war, zeigt ihm Herodes auch das prächtige Sebaste (1).
Etwa um 10 v.Chr (2). liess der immer mehr verbitterte
und misstrauische König die beiden Söhne Mariammes Alexander
und Aristobul in Samaria strangulieren. Er selber starb im Jahre 4 v.Chr.
in Jericho.
An den Aufständen, die nach seinem Tod losbrachen,
beteiligte sich Sebaste nicht und wurde deswegen auch vom römischen
Statthalter Varus geschont. Ja, Varus war sogar auf die Hilfe der Sebastener
Truppen (3000 Mann) beim Niederschlagen des Aufstandes in Juda und Jerusalem
angewiesen (4).
Sebaste kam jetzt unter die Herrschaft des Ethnarchen,
des Herodessohnes Archelaus, den ihm die Samarierin Malthake geboren hatte.
Aber schon 6 n.Chr. wurde er wegen seiner Grausamkeiten vom Kaiser ins
gallische Vienna exiliert (5). Sebaste wurde wieder Teil der römischen
Provinz Syrien und unterstand dem Statthalter von Judäa mit Ausnahme
der Jahre 41-44 n.Chr., wo das Gebiet zu König Agrippa I. (6), dem
Sohn des in Sebaste strangulierten Herodessohnes Aristobul, kam. Agrippa
I. musste jedoch wegen seiner Judenfreundlichkeit in Sebaste kein grosses
Ansehen genossen haben, denn nach seinem Tod verspotteten die Sebastener
die drei Töchter des Agrippa, worauf sie vom neuen Präfekten
Cuspius Fadus als Strafe in den Pontus abkommandiert wurden. Nach einer
Petition an Kaiser Claudius wurde die
1 Vgl. Josephus, Ant XVI 2,1 (§§
12-15). R.Marcus, Josephus VIII 212-215.
2 Vgl. L.Haefeli, Geschichte der
Landschaft Samaria 101. Vgl. Josephus, Ant XVI 11,7 (§§ 392-394).
R.Marcus, Josephus VIII 364-467.
3 Vgl. M.Noth, Geschichte Israels
376f.
4 Vgl. L.Haefeli, a.a.0. 104.
5 Vgl. Josephus, Ant XVII 13,2
(§§ 342-344). R.Marcus, Josephus VIII 530f.
6 M.Stern, World History of the
Jewish People VII 139-148.
Strafe allerdings aufgehoben (1).
Im Neuen Testament wird Sebaste nie genannt,
wohl aber das Gebiet Samariens (Luk 9,52 ,17,11 Joh 4). Die junge Gemeinde
Jesu hatte hier gute Erfolge zu verzeichnen (Apg 1,8 8,1.4ff) (2).
Im Jahre 66 n.Chr. ist Sebaste wieder Schauplatz
weltpolitischer Ereignisse. Nach Unruhen in Caesarea zog sich der römische
Präfekt Florus nach Sebaste zurück. Eine Delegation vornehmer
Juden aus Caesarea, die den Präfekten gegen die Griechen um Hilfe
bitten wollten, liess er in Sebaste kurzerhand verhaften (3). Als im August
desselben Jahres die jüdische Bevölkerung Caesareas von den Griechen
hingemordet wurde, war das für die Juden Palästinas das Signal
zum Aufstand.
Sebaste fiel dem Aufstand bald zum Opfer. Es
wurde wie andere Städte Palästinas zum "rauchenden Trümmerhaufen",
wie Josephus (4) bemerkt.
Nach diesem schweren Schlag war Sebaste lange
Zeit aus dem Gedächtnis ausgelöscht. Erst um die VVende vom 2.
zum 3. Jhd. n.Chr. erfahren wir wieder etwas von Sebaste, als Kaiser Septimus
Severus die Stadt zur römischen Kolonie "Lucia Septimia Sebaste" erhob.
1 Vgl. Josephus, Ant XIX 9,2 (§§
360-366). L.H.Feldman, Josephus IX 386-389.
2 Vgl. L.Haefeli, Geschichte der
Landschaft Samaria 110-113.
3 Vgl. Josephus, Bellum II 14,5
(§ 292). H.St.J.Thackeray, Josephus II 436f.
4 Josephus, Bellum II 18,1 ( 460).
H.St.J.Thackeray, Josephus II 502.
5 Vgl. Seite 9 Anm. 3.
Schon im 4. Jhd. n.Chr. wird es in Sebaste eine
ansehnliche Christengemeinde gegeben haben, die seit dem Toleranzedikt
Konstantins im Jahre 313 n.Chr. auch offiziell werden konnte. Nach christlicher
Volksüberlieferung hatte sich in Sebaste undseiner Umgebung das Andenken
an Johannes den Täufer festgesetzt (vgl. Onomastikon 155,20f), wohl
bedingt durch Elia, der historisch mit dieser Gegend verbunden war und
nach christlicher Tradition der wiedergekommene Elia war (vgl. Matth 11,10).
Spätestens anfangs des 4. Jhd. n.Chr. wird es etwa auf dem Platz der
heutigen Moschee von Sebastije die Johannes dem Täufer geweihte Bischofskirche
von Sebaste gegeben haben. 325 n.Chr. hat bereits Bischof Marius (oder
Marinus) von Sebaste am ökumenischen Konzil von Nikaia teilgenommen
(vgl. E.Robinson, Biblical Researches II 310). Aus dem Ende des 4. Anfang
5. Jhd. n.Chr. ist ein Bischof mit Namen Stephanos aus einer inschrift
bekannt (vgl. A. Alt, Ein vergessenes Heiligtum des Propheten Elia, ZDPV
48 (1925) 393-397). Weiters sind noch sechs Bischöfe Sebastes bekannt,
deren letzter 536 n.Chr. an der Synode von Jerusalem teilgenommen hatte
(vgl. E.Robinson, Biblical Researches II 310 ).
Das römische Sebaste war in der byzantinischen
Zeit (ab dem 4. Jhd. n.Chr.) der Steinbruch für die neue Stadt im
Osten des alten Stadthügels. Unmittelbar südlich des Gipfels
wurde noch in byzaninischer ?eit eine zweite Kirche mit einem Kloster
gebaut (vgl. Abb. 6), in der nach der Ueberlieferung áas Haupt Johannes
des Täufers gefunden worden sein soll (vgl. E.Robinson, Biblical Researches
II 305f). Das byzantinische Bistum Sebaste konnte sich weit über die
byzantinische Periode Palästincas und über die früharabische
Zeit hin halten; selbst als im 9. Jhd. n.Chr. Sebaste und sein Bezirk verwaltungsmässig
zu Nablus geschlagen wurden, bestand das Bistum bis in die Kreurzfahrerzeit.
Sie schleiften vermutlich die byzantinische Bischofskirche und bauten an
ihrer Stelle eine prächtige Kathedrale (vgl. Abb. 173). 1128 n.Chr.
bekam Sebaste in Balduin seinen ersten lateinischen Bischof. Schon im 11.
Jhd. n. Chr. hatten die Kreuzfahrer über den Resten der byzantinischen
Basilika am südlichen Abhang des Hügels die Kirche "zur Auffindung
des Hauptes des Täufers" errichtet. Von 1138-1168 war Rainerius lateinischer
Bischof von Sebaste, ab 1175 Radulfus. Beim Einfall Saladins im Jahre 1184
n. Chr. gelang es ihm, das Unglück einer Eroberung von Sabaste abzuwenden,
da er 80 gefangene Muslime ausliefern konnte. Aber nach der Schlacht bei
Hattin 1187 n.Chr. war auch Sebaste als Bistum erledigt. Die Stadt musste
sich Husam ed-din Omar, einem Feldherrn Saladins ergeben, der sie zerstörte
und den lateinischen Bischof nach Akko abschob.
Aus der Kreuzfahrerkathedrale wurde eine Moschee
und die Muslime übernahmen von den Christen die lokale Täuferverehrung.
Aus Sebaste wurde das arabische Sebastije (vgl. E.Robinson, Biblical Researches
II 310f. M.T.Petrozzi, Samaria 296-306).
V. ZUSAMMENFASSUNG UND IDENTIFIZIERUNG
Der Talkessel von Samaria weist bereits im Chalkolithikum
Besiedlungsspuren auf: (11) Khirbet bet Sallum. Der Tell von Samaria dagegen
ist erst in der FB I besiedelt gewesen. (11) Khirbet bet Sallum scheint
auch während der MB und SB bewohnt gewesen zu sein. Bei der FB-Besiedlung
von Samaria kann es sich nur um ein kleines Dorf am Gipfel des Hügels
gehandelt haben. Dann klaffte eine Besiedlungslücke bis in die EZ
I C. Jetzt gab es wieder ein unbedeutendes Dorf am Gipfel. Für diese
Zeit weisen auch (2) Ras Abu el acwar, (8) Khirbet Karkaf und (10) el-Kabube
Besiedlungsspuren auf (vgl. Abb. 2).
Samaria wird erst ab der EZ II A wieder zu neuem
Leben erweckt. Das Gipfelplateau des Hügels wurde teilweise eingeebnet
und aufgeschüttet und darauf Gebäude errichtet. Die ganze Anlage
ist als Palastbezirk konzipiert, der in Periode I mit einer Einfassungsmauer
umgeben war, eine Markierung des Palastbezirkes. Aus den wenigeri erhaltenen
Resten karin nach die feine Bautechnik abgelesen werden.
In Periode II wurde der Palastbezirk vergrössert
und mit einer Kasemattermauer, die als Verteidigungsmauer bestens geeignet
war, umgeben. Die Privathäuser der Stadt haben sich auf den Abhängen
nach Osten hin erstreckt. Auch sie dürften umwallt gewesen sein.
Aus dieser Periode stammen auch die berühmten
Elfenbeinschnitzereien aus dem sogenannten "Elfenbeinhaus", 640 E, 440
N (,vgl. Abb. 174). Die ganze Stadt dürfte in Periode II ca. 7000
Menschen gefasst haben. Sowohl die Architektur als auch die Kleinfunde
zeigen, dass wir hier nicht typische israelitische EZ II-Kultur vor uns
haben sondern phönikische Kultur. Periode I geht mit hoher Wahrscheinlichkeit
auf Omri, Periode II auf Ahab zurück (vgl. Abb. 174).
Am Ende der Periode II muss eine grössere
Katastrophe gewesen sein, da Periode III durch einen teilweisen Wiederaufbau
- durchwegs am selben Platz - gekennzeichnet ist. Die Katastrophe kann
auf ein Naturereignis zurückzuführen sein, aber, was wohl wahrscheinlicher
ist, auf die Inbesitznahme Samarias durch Jehu im Jahre 845 v.Chr.
Schon in Periode III aber vor allem in Periode
IV beginnt die bisherige ausgezeichnete Bauweise nachzulassen. Ziemlich
am Anfang dieser Periode, etwa um 800 v.Chr., ist ein Wiederaufbau von
Teilen der Kasemattenmauer erfolgt, die möglicherweise durch eine
Katastrophe schwer beschädigt worden war. Die Häuser sind durchwegs
an die Kasemattenmauer angebaut und zeigen eine sehr unregelmässige
Bauweise. In der äusseren Südwestecke der Kasemattenmauer wurde
ein grosses Gebäude errichtet und auch das sogenannte Ostrakahaus
(vgl. Abb. 174), Es handet sich um ein staatliches Lagerhaus, in dessen
Hof man die berühmt gewordenen Ostraka fand.
Der Anfang der Periode V ist durch einen teilweiseri
Wiederaufbau gekennzeichnet, der nach den Ereignissen nach Jerobeams I.
Tod stattgefunden haben könnte (vgl. Abb. 174).
Periode V und VI enden mit einer gewaltsamen
Zerstörung des ganzen Palastbezirkes. Nur grössere Teile der
Kasernattenmauer haben die Zerstörung, die auf die Assyrer 722/21
v.Chr. zurückzuführen ist, überlebt.
Von 721-331 v.Chr. hat die Archäologie vier
weitere Perioden am Gipfelplateau unterschieden: VII, VII a, VIII und IX,
die sich durch kleinere bauliche Veränderungen voneinander unterscheiden.
Durch die späteren hellenistischen und römischen Überbauten
lassen sich aber die Strukturen dieser Perioden nicht mehr genau sondieren.
Das Auffallendste ist wohl, dass man in Periode VIII mitten am Gipfel einen
Garten angelegt hat. Die alte Kasemattenmauer blieb praktisch bis in Periode
IX in Verwendung.
Periode VII ist als assyrisch zu bezeichnen.
Sargon II. rühmt sich zwar, Samaria herrlicher als je zuvor aufgebaut
zu haben, aber die Ausgräber konnten dies kaum be-tätigt finden.
Die Kolonisten haben sich vorerst so gut es ging in den Ruinen eingenistet.
Periode VIII ist als neubabylonisch und Periode
IX als persisch zu bezeichnen. Die Siegel und Ostraka, die auf diese Perioden
zurückgehen, sind für die sozial-religiöse und ökonomische
Situation überaus aufschlussreich.
Im Laufe der hellenistischen Epoche bekam Samaria
ein neues Gesicht (vgl. Abb. 174). Der ehemalige Palastbezirk am Gipfel
wurde mit einer massiven Mauer eingefasst, die der alten Kasemattenmauer
folgte bzw. sie einschloss. Die Mauer war von gewaltigen Rundtürmen
durchsetzt. Die ganze Stadt wurde mit einer Stadtmauer eingefasst, die
ebenfalls von Türmen durchsetzt war und am Abhang verlief (vgl. Abb
4). Unter den Ruinen des Koretempels befand sich vermutlich der Isistempel,
der, nach einer gefundenen Votivinschrift zu schliessen, schon im 3. Jhd.
v.Chr. existierte.
Samaria war jetzt seleukidìsch, aber auch
ptolemäisch. Die klassischen Autoren, die über diese Zeit immer
wieder von Zerstörungen Samarias durch die eine oder andere Partei
berichten, können insofern korrigiert werden, als die Archäologie
für diese Zeit kaum nennenswerte Zerstörungen nachgewiesen hat.
Anders ausgedrückt heisst das; Samaria hat öfter den Besitzer
gewechselt, ohne dass die Stadt jeweils zerstört worden wäre.
Das Ende der hellenistischen Periode ist allerdings durch eine totale Zerstörung
gekennzeichnet, die eindeutig auf die Aktionen Hyrkan I. zurückzuführen
ist.
Von 108 v.Chr. bis in die Mitte des 1.Jhds.v.Chr. konnte die Archäologie keine Periode nachweisen, was ausgezeichnet zu den Angaben Josephus’ passt. Erst Gabinius hat Samaria wieder neu besiedelt und notdürftig wieder errichtet. Die Bewohner dankten ihm dies, indem sie die Stadt inoffiziell "Gabiniopolis" nannten.
Im letzten Viertel des 1. Jhds.v.Chr. wurde die
Stadt völlig neu erbaut: eine massive Stadtmauer, Befestigungsmauern
um den Palastbezirk, der Augustustempel, das dorische Stadium und gut ausgebaute
Häuser entstanden. Die Beschreibung des Neubaues durch Josephus deckt
sich völlig mit den archäologischen Ergebnissen. Dieser Neu-
und Ausbau der Stadt ist eindeutig das Werk Herodes des Grossen.
Das herodianische Sebaste wurde Anfang der zweiten
Hälfte des 1.Jhds.n.Chr. zerstört. Durch die schriftlichen Quellen
ist es wiederum möglich, diese Zerstörung in das Jahr 66 n. Chr.
zu setzen, wo Sebaste dem beginnenden jüdischen Aufstand zum Opfer
fiel.
Von 57-4 v.Chr. ist die erste römische Periode
anzusetzen , von 4 v. Chr. 66 n. Chr. n.Chr.die zweite römische Periode,
die sich von der ersten durch eine notwendig gewordene Renovierung des
Augustustempels und der Errichtung der unterirdischen Korridore westlich
und östlich des Tempelhofes unterscheidet.
Die dritte römische Periode ist archäologisch
erst in der Wende vom 2. zum 3.Jhd.n.Chr. bezeugt. Die Stadtmauer war wieder
in Funktion, der Augustustempel wurde erneuert, ein stattliches Theater,
eine grosse Basilika mit Forum, das korinthische Stadium und der Koretempel
wurden erbaut. Vom Westtor der Stadt nach Osten zog sich eine Kolonnade,
die von Läden flankiert war. Der Schrein nahe dem Westtor und jener
an der gepflasterten Strasse im südöstlichen Stadtviertel, Teile
des Kanals und die Grabanlage im Südosten und viele äusserst
gepflegte Häuser der Zivilbevölkerung entstammen dieser Periode
einer grandiosen Bautätigkeit. Diese Bauten hängen mit den Aktivitäten
Kaiser Septimus Severus zusammen, der Sebaste zur römischen Kolonie
erhob.
Die vierte römische Periode 3./4.Jhd.n.Chr.
ist stark durch eine völlige Umstrukturierung von Sebaste gekennzeichnet.
Die Privathäuser der Stadt weisen die Bevölkerung als besonders
wohlhabend aus. Bauliche Veränderungen gab es auch im Bereich der
Basilika. Im 4.Jhd.n.Chr. wurde der Augustustempel profaniert.Der westliche
Korridor wurde zu einer Stallung umfunkioniert und der östliche industriellen
Zwecken zugeführt. Es besteht wohl kaum ein Zweifel, dass diese Umstrukturierung
Sebastes auf die ansässige Christengemeinde zurückzuführen
ist, die im 4.Jhd.n.Chr. immer mehr Einfluss über die Stadt gewonnen
haben wird.
Bereits im 4.Jhd.n.Chr. gab es in Sebaste zwei
byzantinische Basiliken: eine am Platz der Moschee des heutigen Sebastije
und eine zweite unmittelbar südlich des Gipfels. Mit diesem Gotteshaus
war auch ein Kloster verbunden.
Das byzantinìsche Sebaste ist lagemässig
nicht mehr identisch mit dem römischen Sebaste. Die byzantinischen
Gebäude waren auf dem Gebiet des heutigen, arabischen Sebastije und
das römische Sebaste diente den Byzantinern als Steinbruch.