TEXTAUSZUG (ohne Anmerkungen) AUS DEM BUCH
KARL JAROS/ BRIGITTE DECKERT
STUDIEN ZUR SICHEM - AREA
Orbis Biblicus et Orientalis 11 a
erschienen in den Verlagen: Universitätsverlag Freiburg/ Schweiz und Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen


INHALTSVERZEICHNIS
 
 
 
 

Vorwort

1.    Der Nablus - Distrikt
1.1   Allgemeine Beschreibung
1.2  Ortschaften und Ortslagen
 

2.    Die Geschichte der Gegend Sichems
2.1  Vom Chalkolithikum bis zur Mittleren
       Bronzezeit I
2.2   Mittlere Bronzezeit II
2.3  Von der späten Bronzezeit bis zur Eisenzeit I
2.4  Von der Eisenzeit II bis zur Persischen Zeit
2.5 Hellenistische Zeit

1. Exkurs: Die Samaritaner unter Juden, Römern, Christen und Moslem
2.  Exkurs: Jakobsbrunnen und Josefsgrab
3.  Exkurs: Einige muslimische Heiligtümer 54

Literaturverzeichnis
Abbildungen
15
 

1.2 Ortschaften und Ortslagen (vgl. Beilage)

(1) Tell Balata:
32o 12' 37" nördlicher Breite, 35o 16' 52" östlicher Länge. Seit 1903 kann es als gesichert gelten, dass wir in Tell Balata die Reste des alten Sichem vor uns haben (vgl.. Abb. 2). "Sichem" heisst "Schulter, Rücken", "Balatah" heisst "Eichel".

(2) Balata:
Unmittelbar im Süden von Sichem schliesst sich das arabische Dorf Balata an. Das Dorf weist einige antike Mauerzüge auf, die zum Teil noch bis 2,50 m Höhe erhalten sind.

(3) Josefsgrab:
Fast am östlichsten Punkt des Dorfes Balata liegt das heute lokalisierte Josefsgrab, arabisch: qabr Yussuf. Das Josefsgrab ist muslimisch. Es ist ein moderner Bau. In einer Nische steht der Kenotaph. Im Garten des Gebäudes gab es früher einige antike Reste, die aber jüngst abtransportiert wurden.
(4) Ja,kobsbrunnen:
Ca. 680 m südöstlich von Sichem, arabisch: Bir Yakub oder Bir·es Samerieh. Der Jakobsbrunnen gehört mit dem umliegenden Grundstück dem griechisch-orthodoxen Patriarchat von Jerusalem (seit 1860). Der ganze Bezirk ist heute ummauert. Im Garten sind Reste der früheren byzantinischen Basilika aufgestellt. Ferner ist der unfertige Neubau einer griechisch-orthodoxen Ki.rche zu sehen. Der Bau ist 1914 abgebrochen worden. Innerhalb der unfertigen Kirche ist die sogenannte Helena-Säule mit spätkonstantinischem Kapitell zu sehen. In der Krypta der neuen Kirche ist der Brunnen. Er wurde 1935 gereinigt und liefert nun wieder trinkbares Wasser. Der Wasserspiegel beginnt in einer Tiefe von 25 m. Das Wasser selber steht 17 m hoch. Gesamttiefe des Brunnens: 42 m.

(5) cAskar:
Ca. 1000 m nordöstlich vnn Sichem, am südöstlichen Abhang des Ebal. Die Lage des heutigen Dorfes cAskar entspricht der des alten Sychar. Der nattirliche Mittelpunkt des Dorfes ist seine ergiebige Quelle. Heute ist die Quelle durch eine Röhre abgeleitet. Das ursprüngliche Becken, in das sich das Wasser ergoss, ist noch unbenutzt vorhanden. Zur eigentlichen Quelle hinab führen Stufen. Die unterste dürfte ehemals eine byzantinische Wandverkleidung gewesen sein. Stufen führen zu einer kleinen Moschee hinauf. Am Vorplatz der Moschee stehen eine Vorkreuzfahrer-Säulenbasis und ein hadrianisches Säulenkapitell. Nordöstlich oberhalb der Quelle steht ein auffälliger Steinblock, der Spuren menschlicher Bearbeitung aufweist.

(6) Tananir:
Am unteren Abhang des Garizim ca. 300 m von Sichem entfernt. Auf Tananir befinden sich antike Mauerreste, die zur Hälfte von einem arabischen Haus, Beit Abu Mohammed, überbaut sind.

(7) Garizim:
Höhe 868 m. Die Ostseite des Berges fällt steil gegen die Ebene von cAskar ab. Der Zugang zum Berg erfolgt über eine schmale Strasse von der Westseite (über Nablus) oder auch vom Ras el-cain aus. Die zwei unteren Drittel sind Kreideformationen das obere Drittel ist harter Eozänkalk. Die Kreideschichten sind wasserführend und so gelagert, daß am Abhang des Berges gegen die Ebene von cAskar, Sichem und Nablus zahlreiche Quellen auftreten. Münzen aus der Zeit des Antoninus Pius (138-161 n. Chr.), des Caracalla (211-217 n. Chr.), des Elagabalus (218-222 n. Chr.) und Philipps I. (244-249 n. Chr.) zeigen den Garizim bewaldet. Das von Theodotus stammende Gedicht, das sich exzerpiert bei Polyhistor findet, und in der Praep. Evang. IX 22,1 des Eusebius überlief'ert wird, bezeugt den Garizim ebenfalls bewaldet. Der heutige Baumbestand ist ca. 50 Jahre alt. Arabische Bezeichnungen: Dschebel Abu Ghanem, Dschebel et-Tur, Dschebel el-Kibli.

(7a) Erster Hauptgipfel: Neben den heiligen Plätzen der Samariter befinden sich am Hauptgipfel die Reste des justinianischen Kastells und der Theotokoskirche. Über dem nordwestlichen Turm des justinianischen Kastells wurde das Grab des Scheich Abu Ghanem gebaut (vgl. Abb. 3).

(7b) Zweiter Hauptgipfel: Benennung: Ras Kikis. 600 m nördlich des ersten Hauptgipfels, auch bezeichnet als Tell er Ras. Auf Tell er Ras befinden sich die Reste des Hadriantempels.

(7c) Luza: Nördlich, südlich und westlich des justini.anischen Kastells erstrecken sich die Ruinen des alten Luza, heute Khirbet Loze. Luza scheint zuerst von den Samaritern bewohnt gewesen zu sein, später, etwa ab Kaiser Zeno (zusammen mit Zeo II. 474-491 n. Chr.), von Christen und dann von Moslems. Am Hang über dem Ras el-cain steht ein primitiver Steinbau, der aller Wahrscheinlichkeit nach ein megalithisches Grabdenkmal ist. Auf dem Garizim gibt es noch zwei weitere muslimische Grabstätten, das des Ridschal el-camud und das des Propheten Siry. Etwas westlich von Luza gibt es ein modernes samaritanisches Dorf.

(8) Èbal:
Höhe 938 m. Die zwei unteren Drittel sind Kreideformationen, das obere Drittel ist harter Eozänkalk. Die Kreideschichten am südlichen Abhang sind wasserführend, laufen jedoch nordwärts, so daß am nördlichen Abhang des Ebal Quellen auftreten während am südlichen Abhang Quellen nur sporadisch vorhanden sind. Der Ebal ist am Gipfel spärlich bewaldet, was das Gedicht des Theodotus nachweisen kann. Aus megalithischer Zeit könnte das sogenannte "Steinheiligtum" stammen. Auf dem Ebal gibt es zwei islamische Heiligtümer: das des Weli Imad ad-Din und die Grabgrotte der ägyptischen Prinzessin Sitt Sulaymiyah. Die arabischen Bezeichnungen des Berges sind: Dschebel Islamiyeh und Dschebel esch-Schimali.

(9) cAraq et-Tayih:
Modernes arabisches Dorf am südöstlichen Abhang des Ebal. Es gibt eine Nekropole, die seit der MB I benützt wurde.

(10) Nablus:
174 180. Ca. 60 000 Einwohner. Im Jahre 72 n. Chr. baute Kaiser Vespasian etwa 1,5 km nordwestlich des alten Sichem die Stadt Flavia Neapolis. Der Ort hieß auf aramäisch Mabarta (niedriger Bergsattel). Die Kreuzfahrer nannten die Stadt Naples. Nach der Einnahme der Stadt durch Saladin im Jahre 1184 wurde die Stadt Nablus genannt (vgl. Abb. 4).

(11) Tell Miske:
1873 1825. 25 m Seehöhe. Beim Tell Miske fließen mehrere Bäche zusammen. Die Oberfläche des Tell ist mit islamischen Gräbern übersät. Seine Ausdehnung beträgt 80 m Länge und 40 m Breite. Beim Steilabfall zum fara-Bach hinunter lassen sich verschiedene Schichtungen erkennen.

(12) Khirbet Suwar:
1779 1811. 500 m Seehöhe. An antiken Resten findet sich eine geradlinig verlaufende Mauer von 50 m bis 75 m. Die Mauer weist eine Teilzerstörung auf.

(13) Khirbet el-cUqud:
1781 1817. 620 m Seehöhe. Am östlichen Abhang des Ebal.
(14) Khirbet Kefr Kuz:
1882 1823. Der Ort liegt auf einer Seehöhe von 620 m auf einem dem Ebal im Osten vorgelagerten Vorgebirge und ist heute eine ausgedehnte Ruine mit einer Nord-Süd-Erstreckung von 300 m - 400 m und einer Ost-West-Erstreckung von 150 m - 200 m. Im Nordosten lässt sich eine Besiedlung nachweisen. Der As 24 Nr. 6 Anm. 23 negiert das Vorhandensein einer Quelle und steht somit im Gegensatz zur Behauptung des SWP II 197, der von einer unterhalb der Ruine entspringenden Quelle spricht. Vermutlich dürfte die Quelle im Sommer versiegen. In der Ruine gibt es neun große Zisternen. Am höchsten Punkt sind Mauerreste von Gebäuden erkennbar.

(15) cAzmut:
1795 1812. Dieser moderne arabische Ort (ohne Quelle) liegt in der Ebene von cAskar (472 m Seehöhe). An seiner nördlichen Grenze stoßt man auf alte Mauerspuren. Weiters finden sich Höhlen und Gräber.

(16) el-Kharabeh:
1796 1805. Ruine in der Ebene von ĎAskar mit einer Ausdehnung von 90 m mal 110 m. In einem Durcheinander von Steinhaufen und einer Anzahl Mauerreste fanden sich von Menschenhand bearbeitete Steinblöcke, Säulenschafte, Säulenbasen und ein Fragment eines Basalt-Kapitells. In der Ruine sind sechs Zisternen vorhanden.

(17) Deir el-Hatab:
1805 1805. 490 m Seehöhe. Modernes arabisches Dorf. Der felsige Grund ist von einer dünnen Bodenschicht bedeckt. Es gibt Höhlen und Zisternen.

(18) Diyara:
1805 1803. 500 m Seehöhe. Steinbruch aus dem Altertum. Die Ortslage weist eine große Anzahl von Zisternen, Gräbern und Bottichen auf.

(19) Salim:
181 179. 530 m Seehöhe. Die neue Asphaltstrasse teilt den Ort in zwei Hälften. Der südlich der Strasse gelegene Teil ist alt. Es finden sich Meilensteine, ein Säulenschaft und ein Kapitell. Am südlichen Abhang gibt es Zisternen und ein dazugehörendes Reservoir. Im Osten des alten Teiles von Salim trifft man auf eine Reihe von Gräbern.

(20) Khirbet esch-Scheikh Nasrallah:
Die Ortslage ist unmittelbar westlich von Salim. 520 m Seehöhe. Am Gipfel lassen sich noch zwei grosse Bauten erkennen. Terrassen-und Grenzmauern enthalten von Menschenhand behauene Steinblöcke und Kolumbarien. In Stein gehauene Gräber bedecken die Nordhänge, Zisternen und ein Teich die Südhänge (vgl. Abb. 5). Die Ortslage ist vermutlich mit Salem zu identifizieren.

(21) Najamet Salim:
1810 1784. Ein zentral gelegener, nach allen Seiten offener, felsiger Hügel der Sahl Musrara, weist Spuren eines Steinbruchs auf. Es findet sich eine Steinbruchvorrichtung. Es dürfte sich um einen Arbeitsplatz handeln.

(22) Khirbet Qastine:
1654 1781. 450 m Seehöhe. Ruine; am Nordwestabhang ist eine Höhle.
 

(23) Khirbet Schuweiha:
1855 1785. Diese Ruine liegt auf 520 m Seehöhe im Dschebel el Kabir Komplex. Sie ist geöffnet auf die Bir Schuweiha hin und einer heute noch in Gebrauch stehenden, riesigen Zisterne. Sowohl am Gipfel als auch am Westabhang befinden sich Zisternen.

(24) Beit Dajan und Ras ed-Diyar:
1853 1788. Beit Dajan ist ein auf ca. 540 m Seehöhe gelegener Ort gegen das östliche Ende der Ebene von cAskar. Gegen Osten setzt sich der Ort in der Ruine Ras ed-Diyar fort. Ihrer Nordkante entlang weist sie ein Straßenbett (glatter Fels) auf, das in den nördlichen Teil von Beit Dajan zuruckführt. Im Westen gibt es Höhlen und eingestürzte Zisternen. An den Nordabhängen gibt es Grabkammern und auch im Osten finden sich wiederum Gräber und Zisternen.

(25) Tell en-Najameh:
1781 1789. Bei diesem Tell handelt es sich um einen kleineren felsigen Hügel, der im westlichen Teil der Ebene von cAskar liegt. Seine Oberfläche ist kaum mit Erde bedeckt und weist keinerlei Zerstörungsschicht auf. Mauerreihen, zurechtgehauene Steinblöcke und handwerkliche Vorrichtungen runden das Bild ab.

(26) Rijal el-Arabacin:
1688 1782. 660 m Seehöhe. Gräber, ein Brunnen.

(27) Khirbet Ibn Nasr:
1792 1784. Hier haben wir einen umzäunten Gipfel (570 m Seehöhe) der nördlichen Gebirgsspitzen des Ras Muhammed Komplexes vor uns, auf dessen Oberfläche mitten unter Steinhaufen ein Mandelhain gedeiht. Auf den geöffneten Westabhängen gibt es Anzeichen eines Steinbruchs und eine grosse Zisterne.

(28) el-Funduq:
1632 1775. 420 m Seehöhe. Gräber.

(29) Immatin:
1651 1777. 430 m Seehöhe. Moderner arabischer Ort. Die östlichen und nördlichen Abhänge sind mit Olivenbäumen bepflanzt.

(30) Farcate:
1659 1775. 500 m Seehöhe. Moderner arabischer Ort.

(31) Rujeib (Rzujib):
1778 1774. 530 m Seehöhe. Modernes arabisches Dorf. Moderne Gebäude sind zum Teil auf Resten alter Architektur errichtet. Die oberen südlichen Abhänge weisen Felsboden auf, in welchen Gräber und Zisternen geschlagen sind. Es gibt auch Höhlen. An den niedrigeren nördlichen Abhängen ist der Fels mit Erde bedeckt.

(32) Khirbet Shurrab:
1787 1747. Auf einem Vorgebirge, das den Blick über den Yanun-Pass erlaubt, befinden sich auf nahezu 600 m Seehöhe die Ruinen von fünf noch sichtbaren Gebäuden. Der Ort weist fünf Zisternen auf, wovon eine möglicherweise ein Grab war, das zur Zisterne erweitert und ausgebaut wurde. Bei dieser Ortslage handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Beobachtungsturm, der mit dem Jebel el-cUrmeh in Verbindung zu sehen ist.

(33) Khirbet Haiya:
1794 1753. 600 m Seehöhe. Auf einer ausgedehnten Fläche, die von einer Mauer umgeben ist, steht eine Ruine mit den Ausmaßen von 150 m mal 200 m. An der Ostflanke ist ein Garten angelegt. Die grosse Anzahl der Zisternen, nämlich zwanzig, in der Ruine kommt wahrscheinlich daher, daß die nächste Quelle ziemlich weit entfernt liegt. Die südlichen Abhänge beheimaten Gräber.

(34) Khirbet Tacna el-Fauqa:
1851 1759. Eine auf 620 m Seehöhe liegende, sich auf eine grosse Fläche erstreckende Ruine mit einer Anzahl Zisternen.

(35) Khirbet Tacna et Tahta:
1873 1732. 800 m Seehöhe. Die Ruine ist kreisförmig angelegt und hat einen Durchmesser von ca. 100 m. Mauern sind teilweise noch erhalten. Die Terrassenwände zeigen die Wiederverwendung von Steinblöcken. Handwerkliche Gegenstände liegen verstreut herum, so z. B. ein grosser Mahlstein.

(36) Tell er-Ras (S) en-Nabi cUzeir:
1767 1741. 550 m Seehöhe. Brunnen und Gräber.

(37) Beit el-Khirbeh:
1758 1727. 480 m Seehöhe. Dieses verfallene Haus hatte mindestens ein Stockwerk. Neben Zisternen und Höhlen fand man Teile eines mosaikartigen Fussbodens, der zum Haus gehört.

(38) Khirbet et-Tira:
1744 1747. 590 m Seehöhe. Das Ruinenfeld hat eine Grösse von 140 m mal 120 m. Einige Mauerreste sind noch sichtbar. Die Kalkschichte im Osten enthält Gräber.

(39) Khirbet en-Nebi, Khirbet Mukhnah el-Foka (S):
1755 1760. 590 m Seehöhe. 4 km südlich von Balata und einen halben km westlich der Jerusalem-Nablus Straße liegend beherrscht die Ortslage den mittleren Teil der Ebene von Makhne. An der Flanke des Hügels erstreckt sich 150 m lang eine Schicht, die auf Besiedlung hinweist. Am Nordende sind Mauerreste sichtbar. Eine Identifizierung mit dem biblischen Michmetat ist möglich.
 
 

(40)  Tell Sofar (Tell Sufan):
1733 1818. 480 ca Seehöhe. Kleiner Tell in unmittelbarer Nähe von Nablus. Eine moderne Strasse umfasst seinen Nordteil und trennt ihn vom üppigen Wadi et-Tuffah und der cAin el-Jisr, einer Quelle, die im Sommer wenig Wasser führt. Der Gipfel erstreckt sich etwa über 90 m mal 110 m. Reste einer Verteidigungsmauer sind in einer Länge von 40 m deutlich erkennbar. An seinem Ende gegen Osten befindet sich ein Bau in Form eines konischen Felsens mit 15 m Durchmesser. Verschiedene andere Plätze zeigen Mauerreste. Unterhalb des Gipfels ist der Hügel terrassiert. Die nördlichen und östlichen Flanken des Felsens bergen fünf Gräber, ebenso weisen die Südostabhänge Gräber und Höhlen auf. F.M,Th.de Liagre Böhl hatte 1931 diesen Tell mit Migdal Sichem (Ri 9,46f) identifiziert, was sich allerdings als nicht richtig erwiesen hat..

(41) Tell Abu Zarad:
1719 1679. 650 m Seehöhe. Quelle, Zisterne, Gräber im Nordosten, Gräber und Höhlen im Nordwesten.

(42) Khirbet Sur:
1723 1787. 650 m Seehöhe. Es handelt sich um eine sehr ausgedehnte Ortslage von ca. 30 000 m2. Eine Vielzahl von Mauerresten ist sichtbar.

(43) cAraq Burin:
1727 1788. 700 m Seehöhe. Modernes arabisches Dorf, das auf natürlichem Fels gebaut ist. Teilweise ist der Fels mit einer dünnen Erdschicht bedeckt.

(44) Kuma:
1707 1832. Ca. 400 m Seehöhe. Der Gipfel des Tells ist mit einer Eiche geschmückt. Die Oberfläche des Gipfels ist eben und hat eine Ausdehnung von 100 m mal 120 m. Eine neue Mauer wurde teilweise über den Resten einer alten erbaut. Die Abhänge sind terrassenförmig angelegt, im Westen und Süden steiler als im Norden und Osten. Die Abhänge weisen auf Besiedlungsreste hin. Eine Terrassenmauer im Südwesten enthält genormte Steinblöcke. Ein im Südosten gelegenes Feld zeigt verschiedene größere Steintrümmer. Das südliche Ende des Tells birgt Höhlen und möglicherweise auch Gräber.

(45) Khirbet el cUrmeh:(vgl. Abb. 6)
1805 1727. 843 m Seehöhe. Auf dem Gipfel des Jebel el cUrmeh ist eine oval angelegte Festung von 150 m mal 75 m. Es ist die dominierendste Ortslage der ganzen Gegend. Die nächste Quelle ist ca. 1000 m entfernt. Verschiedene Steinhaufen, darunter auch ein konischer, der einen Turm vermuten läßt, bedecken die Oberfläche. Mauerreste im Süden lassen die Umrisse eines großen Gebäudes vermuten. Entlang und teilweise innerhalb der Reste eines Baues am Osthang unterhalb des Gipfels läßt sich eine Pflasterung erkennen. Im südlichen Teil der Festung sieht man die Eingänge zu einem Steinbruch und zu Gräbern. Der Westhang enthält drei riesige Zisternen, wovon die grösste Masse von 24,8 m mal 12,05 m mal 10-11 m aufweist. An den gepflasterten Mauern der Zisternen ist der je verschiedene Wasserstand der diversen Jahreszeiten zu sehen. Die Nordosthänge bergen in Stein gehauene Gräber. Die Ortslage ist mit dem biblischen Aruma zu identifizieren.

(46) Ohne Name:
1647 1685. 320 m Seehöhe. Rest einer antiken Ruine, Zisterne.

(47) Yassuf:
1725 1715. 600 m Seehöhe. Modernes arabisches Dorf. In der unmittelbaren Umgebung sind zwei Quellen und mehrere Zisternen. Ehemaliges Siedlungsgebiet des Clan Asriel-Israel.

(48) Khirbet Janun: (vgl. Abb. 7)
1848 1747. 800 m Seehöhe. Die Ortslage ist fünfeckig von Resten einer alten Mauer eingefaßt, innerhalb der Mauern befinden sich die Grundmauern eines viereckigen Befestigungsturmes? Der Durchmesser des Fünfecks beträgt ca. 100 m. Einige hundert Meter gegen Nordosten befinden sich weitere Überreste von Mauern und Türmen.Die Ortslage ist mit dem biblischen Janoach (Jos 16,6), vielleicht auch mit dem Jenoam der Israelstele zu identifizieren.
 

 
Sichem - Area
1. Exkurs: Die Samaritaner unter Juden, Römern, Christen und Moslem

Ab dem Jahr 63 v. Chr. änderte sich die politische Konstellation in Palästina. Die Samaritaner wurden der Provinz Syrien des Römischen Imperiums angegliedert. Auf dem Garizim entstand ein römisches Militärlager. Herodes der Grosse (40-4 Chr.) brachte für die Provinz Samaria eine Glückszeit. Nach seinem Tod kam Samaria unter den Ethnarchen Archelaus und wurde im Jahr 6 n. Chr. der römischen Präfektur Judäa einverleibt. Unter dem Präfekten Coponuis (6 n. Chr.) verstreuten die Samaritaner beim Pesachfest im Jerusalemer Tempel Gebeine und schändeten so das Heiligtum.
Die Samaritaner der Zeit Jesu waren von einer eschatologischen Verheißung und Hoffnung erfüllt. Ein Pseudoprophet führte die Gemeinde auf den Garizim, um ihr mosaische Geräte zu zeigen. Pilatus interpretierte dies als Aufstand und ließ den Grossteil auf dem Garizim hinmetzeln, worauf er von der Boule der Samaritaner beim Prokurator in Syrien angezeigt wurde. Dieser setzte den Präfekten Pontius Pilatus ab. Auch das 4. Kapitel des Johannes-Evangeliums zeigt, daß die Samaritaner auf einen Propheten wie Mose als endzeitlichen Heilbringer warteten.
Am Anfang des jüdischen Aufstands hielten die Samaritaner zu Rom. Durch anfängliche jüdische Erfolge verführt, setzte jedoch ein Umschwung ein. Dies büßten die Samaritaner blutig. Die Römer besetzten den Garizim und es fielen 11 600 Samaritaner. Aber der härteste Schlag kam erst nach dem Bar Kochba Aufstand, als Kaiser Hadrian im Jahre 135 n. Chr. am Garizim einen Zeustempel bauen ließ. Die Archäologen konnten auf (7b) Tell er-Ras über den Ruinen des samaritanischen Tempels den Bau Hadrians identifizieren: unter Massen zerbrochenen Baumaterials, darunter korinthische und jonische Kapitelle, stiess man auf eine über ein Meter hohe, dreistufige Plattform, die auf einem 1,25 m hohen Unterbau ruhte, der zum Teil aus wiederverwendeten Kalksteinblöcken errichtet war. Die oberste Stufe der Plattform diente als Stylobat eines Tempels. Es konnte sogar die Ausdehnung des Pronaos festgestellt werden. Diese Plattform, Gebäude A, war nordsüdlich orientiert, 21 m lang und über 14 m breit (vgl. Jaros, Sichem Abb. 106). In der Nähe ihrer Südseite fand sich ein überlebensgroßer Zeuskopf aus Kalkstein. Ein Weg führte von der Südwestecke der Anlage im Uhrzeigersinn herum zur Mitte der Nordfront von Gebäude A. Auf diesem Weg gab es mehrere Bruchsteinhügel, von denen einer freigelegt wurde. An seiner Nordseite war eine 80 cm breite, ca. 130 cm hohe und 50 cm tiefe Nische, von der sich eine halbkreisförmige Plattform ca. 2,5 m nach Norden erstreckte (Funktion unbekannt). Gebäude A war von einem nordsüdlich orientierten Mauerviereck (45 m mal 64 m) umgeben, wohl einer Stützmauer.
Am nördlichen Abhang von (7b) Tell er-Ras wurden Terrassen mit Mosaikfragmenten und Reste von Stufen entdeckt (vgl. Abb. 13), welche die Plattform A mit einer kleinen Moschee (Rijal el cAmud) am Fuße des Berges verbinden. An der Nordfront der Umfassungsmauerwaren sechs grosse Zisternen angebaut. In einer fand man den Säulenrest mit einer griechischen Inschrift: "Dem olym(pischen) Zeus". In den tiefsten Schuttschichten der Zisternen fanden sich 47 Münzen, die in die Jahre zwischen 222 und 363 n. Chr. datiert werden können. In einer anderen Zisterne wurden 34 Elfenbeinwürfel und ein Kupferblättchen (56 mm mal 37 mm) mit der fünfzeiligen griechischen Inschrift gefunden: "Dem olympischen Zeus, für eine gute Seefahrt, auch Amyntor".
Schon durch diese Kleinfunde ist Gebäude A eindeutig als Rest des protzigen Hadriantempels, der dem Zeus gewidmet war, identifiziert. Aber auch andere Belege können dies nachweisen. Bei Photius finden wir folgende Nachricht. Er berichtet von Marinus, einem Mann aus Neapolis (5. Jhd. n. Chr.):"Der Nachfolger des Proclus, sagt er (sc.Damascius), Marinus, stammte aus Neapolis in Palästina, das beim Berg mit Namen Argarizos erbaut ist ...,auf dem ein höchstheiliges Heiligtum des Zeus Hypsistos steht, dem Abraham, der Vorfahre der alten Hebräer, geheiligt war, wie Marinus selbst sagt. Marinus, von Herkunft Samaritaner, trennte sich von der Lehre, da sie von dem Gottesdienst Abrahams zu Neuerungen abgefallen seien und wandte seine Liebe dem Hellenismus zu". Marinus konnte aber den Tempel nur mehr vom Hörensagen ken, da aus der Biographie Petrus des Iberers (5.Jhd. n. Chr.) hervorgeht, daß der Tempel in der 2. Hälfte des 4. Jhds. n. Chr. in Trümmern lag.
Den Tempel Hadrians zeigen auch Münzen aus der Zeit von Antonius Pius (138-161 n. Chr.) bis Volusianus (251-253 n. Chr.). Die Münzen zeigen (7b) Tell er-Ras mit dem Tempel, zu dem Stufen von einer Kolonnade hinaufführen (vgl. Abb 14). Die Stufen führen zu dem heutigen Heiligtum Rijal elcAmud. Der Name deutet noch auf die frühere Kolonnade hin, die die Münzen zeigen.
Nach den schriftlichen Quellen gilt der Kult Zeus Hypsistos, nach dem archäologischen Befund dem olympischen Zeus. Im olympischen Zeus haben wir wohl das von Hadrian Intendierte vor uns, im Zeus Hypsistos vielleicht die samaritanische Interpretation. Der Bordeaux-Pilger um 333 n. Chr. sah diese Stufen noch und beziffert sie auf 300. Es werden jedoch 1500 gewesen sein. Zur Zeit Julians des Apostaten (361-363 n. Chr.) war der Tempel eine Ruine und die Samaritaner verwendeten seine Tore für ihre Synagoge in Neapolis.
Seit Kaiser Hadrian traf die Samaritaner Schlag auf Schlag. Er verbot ihnen wie den Juden die Beschneidung, eine Verordnung, die Kaiser Antoninus zwar für die Juden nicht aber für die Samaritaner aufliob. Unter Kaiser Septimus Severus ist eine kriegerische Auseinandersetzung mit.den Juden bezeugt. Diokletian (284-305 n. Chr.) erzwang das Trankopfer. Gegen Ende des 3. Jhds. n. Chr. soll es den Samaritanern sogar unter Todesstrafe verboten gewesen sein, den Garizim zu besteigen.
Nach dem Abstieg des samaritanischen Gemeinwesens ordnete Baba Rabba, der wahscheinlich selber nicht Hohepriester war, die samaritanische Gemeinde neu. Der Synagogengottesdienst wurde wieder eingeführt und ein Corpus Liturgicum geschaffen. Baba Rabba (etwa 308-348 n. Chr.) ließ vermutlich auch das große Bassin für kultische Waschungen anlegen, das noch heute nördlich des Kastrums am Hauptgipfel des Garizim zu sehen ist (vgl. Abb. 3). Das Becken wird durch einen Kanal gespeist. Die kurze Blüte fand aber bald ein jähes Ende.
Der heidnische Kult des olympischen Zeus bzw. der synkretistische Kult des Zeus Hypsistos im Hadriantempel konnte wohl für die Mehrzahl der Samaritaner kein Glaubensersatz sein. Die vorher genannten Münzen aus Neapolis zeigen rechts neben dem Hadriantempel ein kleines Bauwerk, das man als Altar, aber vielleicht sogar als samaritanische Synagoge interpretieren kann, die am Hauptgipfel des Garizim stand.
Chronik II der Samaritaner kennt eine solche Synagoge bereits für die Zeit Hadrians. Auch Joannes Malalas (gestorben 577 n. Chr.) bezeugt die Synagoge. Procopius gegenteilige Meinung beruht auf einer sehr eigenartigen Auslegung der samaritanischen Geschichte und hat keinen historischen Wert. Diese Synagoge stand vermutlich auf dem Platz der später erbauten Mutter Gottes Kirche. Archäologische Hinweise fehlen bis heute dafür.
Abbildung 3 zeigt einen Plan vom Hauptgipfel des Garizim mit seinen Ruinen und samaritanischen Heiligtümern. Um den Hauptgipfel des Garizim ist auch die samaritanische Stadt (7c) Luza zu suchen, die später dann von Christen und Muslimen bewohnt wurde.
Joannes Malalas berichtet, daß die Samaritaner um 484 n. Chr. die Herrschaft an sich rissen, einen gewißen Iustasa zum "König" machten und viele Christen ermordeten. Aschepiades besiegte dann Iustasa und ließ ihn enthaupten.
Ein ähnliches Vorkommen gab es im April 529 n. Chr. Die Samaritaner wurden jedoch zu solchem Handeln provoziert. Das kaiserliche Edikt über·die Rechtsungleichheit aller Häretiker betraf auch sie und 529 n. Chr. kam das Edikt, daß alle samaritanischen Synagogen zu zerstören sind. Letzter Anlass für den samaritanischen Aufstand waren Pöbeleien jugendlicher Christen in den samaritanischen Synagogen. Die Samaritaner töteten einige jugendliche Christen. Der samaritanische Aufstand überzog Palästina bis Caesarea am Meer mit Blut. Nachdem die Samaritaner zahlreiche Kirchen zerstört hatten, griff Byzanz ein. Das Ergebnis war: 20 000 tote Samaritaner; 50 000 mußten flüchten.
Schon nach dem ersten Aufstand am Pfingsttag des Jahres 484 n. Chr. vertrieb Kaiser Zeno die Samaritaner vom Gipfel des Gaz:izim. Joannes Malalas schreibt: "Und sofort machte Kaiser Zeno ihre Synagoge, die auf dem Garizim war, zu einem Gebetshaus der heiligen Theotokos Maria." D.h. nicht, daß Zeno eine Kirche baute, sondern die samaritanische Synagoge in eine Kirche umwandelte.
Zum Schutz umzäunte er das Gebäude mit einem Steinwall. Es ist dann wohl erst Kaiser Justinianus, der an derselben Stelle das Kastell und die eigentliche Theotokos Kirche erbaute, und zwar nach dem zweiten samaritanischen Aufstand vom Jahre 529 n. Chr. Das Kastrum (vgl. Abb. 3) ist 73,35 m lang und 62 m breit mit Türmen an jeder Ecke und in der Mitte die Nordmauer. Der Zugang erfolgte in den mittleren Türmen der Nord- und Südseite. Die Mauern sind in einer Höhe von 0,5 m bis 4 m erhalten, die Breite beträgt 1,3 m. Unterhalb der Nordwand ist eine grosse Zisterne. Im Inneren entlang der Mauer waren die Quartiere für die Soldaten.

Abb. 19: Rekostruktion der Theotokos Kirche vom Garizim, von Südwest gesehen
(A. M. Schneider, ZDPV 68, 1946-51, Abb. 12)
 
Die Theotokos Kirche ist in der Mitte der Festung. Sie ist geostet. Es handelt sich um einen oktogonalen Bau mit Apsis von 37 m Länge und 30 m Breite, mit innerer Pfeiler- und Säulenstellung sowie Kapellen an vier Seiten. Der Haupteingang ist im Westen, die Nebeneingänge im Norden und Süden. Der Zugang zu den Kapellen erfolgt vom Hauptraum aus. Zwei Kapellen kann man auch vom Narthex aus erreichen. Man betritt die Kirche durch die 9,4 m breite und 4 m tiefe mit Marmorplatten gepflasterte Vorhalle. In das Kircheninnere führen drei Türen von 1,4 m, 2,5 m und 1,4 m Breite. Die Seiten des Oktogons betragen im Inneren je 8,8 m. Die lichte Weite von Seitenwand zu Seitenwand ist 21,4 m. In 3,5 m von den Oktogonwänden läuft der innere Umgang, bestehend aus acht Pfeilern, zwischen denen - ausgenommen die Chorseite - je zwei Säulen stehen (vgl. Abb. 15). Die lichte Weite des Kuppelhauses beträgt 12,8 m. Der Chor mit der Apsis ist 8,6 m tief. Die Apsis springt rechteckig aus dem Oktogon hervor; an der Seite ist je ein Raum, der von aussen zugänglich ist. Die Kapellen sind verschieden gross (8 m mal 3 m und 6,6 m mal 3,8 m). Der Boden war mit Mosaiken bedeckt (vgl. Abb. 16). Gebaut ist die Kirche aus Garizim-Kalkstein. Die Theotokos Kirche wurde von Kalif al-Mansur (754-755 n. Chr.) zerstört, das Kastell von Kalif al-Mamun (813-833 n. Chr.). Die letzten Reste dürften dann im 10. Jhd. n. Chr. zerstört worden sein. Zu dieser Zeit war das Ende der Christengemeinde von Neapolis gekommen. Von der Theotokos Kirche stammt die Reliquiarinschrift: "Stein vom heiligen Golgothafels" (vgl. Abb. 17).
Oktogonale Innenräume wurden im Osten seit Konstantin verwendet. Die Rekonstruktion (vgl. Abb. 18 und 19) kann ein Bild von der Schönheit dieses Gebäudes vermitteln. Die Konstruktion der Garizim Kirche könnte auch den Bau des Jerusalemer Felsendomes beeinflusst haben. Der Architekt der Garizim Kirche ist wohl unter den großen Architekten am Hofe Kaiser Justinians zu suchen.
Im 5./6. Jhd. n. Chr. betrug die Zahl der Samaritaner in Palästina ca. 300 000 (nach M. Avi-Yonah). Diaspora-Gemeinden sind in Aegypten, Rom, Athen, Thessalonich, Damaskus, in Babylon, auf den Inseln des Roten Meeres und in Transjordanien bezeugt. Seit 634/36 n. Chr. herrscht über die Samaritaner der summitische Islam. Seit dem 9. Jhd. n. Chr. nahmen die Samaritaner das Arabische als Umgangs- und Literatursprache an. Sie wurden jetzt auf arabisch: "as-samirah" bezeichnet.

Nach den Aufständen im 5. und 6. Jhds. n. Chr. und nach der arabischen Okkupation hören wir erst wieder zwischen 809 und 820 n. Chr. von Gebeten der Samaritaner auf dem Garizim. Unter Kalif Harun (al-Wathik) (gestorben 847 n. Chr.) wird ein Dankgottesdienst der Samaritaner auf dem Garizim erwähnt. Unter Kalif Mutawahkil (847-861 n. Chr.) wurden ihnen die religiösen Riten untersagt, doch der Sultan von Palästina: Jussuf Ibn Dasi gewährte erneut den Zutritt.
Um 946 n. Chr. wird erwähnit, dass die Samaritaner wieder auf dem Garizim anbeten. Benjamin von Tudela berichtet um 1163 n. Chr. von der Schlachtung des Pesach-Lammes am Garizim. Der nächste Zeuge für das samaritanische Pesach am Garizim ist R. Pethahja ( um 1175 n. Chr. geboren); dann erwähnt es der um 1300 n Chr. schreibende arabische Geograph Dimaschki. 1362/63 n. Chr. ist bezeugt, daß der Hohepriester Pinhas b. Joseph zusammen mit seinem Sohn das Pesach am Garizim feierte. Aus dem 14. Jhd. n. Chr. geht aus einem Gebet des Abischa b. Pinhas (gestorben 1376 n. Chr.) hervor, daß sich die Samaritaner ungestört auf dem Garizim versammeln konnten.
Meschullam b. Menachem bezeugt um 1480 n. Chr. die Opferung eines Lammes der Samaritaner auf dem Garizim. Am Anfang der türkischen Herrschaft (ab 1517 n. Chr.) wurden die Samaritaner nicht gehindert. Der samaritanische Liederdichter Abraham b. Joseph ha-kabhasi (um 1538 n. Chr.) schildert sehr genau in einem Hymnus das Pesach; ebenso gibt es samaritanische Zeugnisse für das Pesach für die Jahre 1508-1548 n. Chr. .
Im 17. Jhd. n. Chr. wurden die Samaritaner wieder gehindert. Aus einem Brief Meschalmah b. Ab Sechuahs (um 1750 n. Chr.) geht hervor, dass die Samaritaner am Garizim wieder ihrem Kult nachgehen konnten. Unter dem Hohepriester Tobias b. Isaak (1752- 1787 n. Chr.) wurde von den Samaritanern ein Stück Land erworben, auf dem sie bis heute das Pesach vollziehen. 1786 bzw. 1788 n. Chr. wurde ihnen wieder der Kult am Garizim verweigert. Ibrahim Pascha, der 1832 n. Chr. Nablus eroberte, gab ihnen erneut die Erlaubnis, auf dem Garizim zu schlachten, aber bald wurden sie wieder daran gehindert. Erst ab 1849 n. Chr. konnten sie bis heute das Pesach auf ihrem Grundstück auf dem Garizim vollziehen (vgl. Abb. 20). Heute gibt es ein schönes samaritanisches Dorf nordwestlich des Garizimhauptgipfels. Die Samaritaner bleiben vom zehnten Nisan bis zum Tag nach Mazzot auf dem Berg. Zu Pfingsten wallfahren sie auf den Garizim. 1945 gab es 189, 1950 196, 1955 208, 1960 214 Samaritaner in Nablus und 132 in Jaffa. 1970 betrug die Gesamtzahl der Samaritaner 430.
Juden, Römer, Christen und Muslime haben die völkische Minderheit der Samaritaner durch Jahrhunderte unterdrückt. Die samaritanische Geschichte ist mit Blut geschrieben: Verfolgt, belästigt, vom rabbinischen Judentum ausgestoßen (im 4. Jhd. n. Chr.), von Christen und Muslimen geächtet und an ihrem Kult gehindert, haben sie dennoch an der Überlieferung ihrer Väter bis heute festgehalten.
Vielleicht können wir jetzt eher ermessen, was der barmherzige Samaritaner für die Zuhörer Jesu bedeutete und wie ketzerisch die Äußerung Rabbi Schimeons b. Gamaliels (um 140 n. Chr.) ftir jüdische Ohren gewesen sein musste: "Ein Samaritaner ist in jeder Hinsicht den Israeliten gleich. Mit jedem Gebot, das bei den Samaritanern in Gebrauch ist, nehmen sie es genauer als die Israeliten."

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