Ich bin Robbie Gedanken einer Hundebesitzerin

Hi! Ich bin Josh!

Nr. 1 Nr. 2 Nr. 3 Nr. 4 Nr. 5 Nr. 6

Nr. 7

Nr. 8 Nr. 9
   

Nr. 2 - Mai 2001

» Ein zweiter Hund kommt ins Haus:
der ältere Hund als Freund & Lehrer «

Bevor ich diesmal meinen Gedanken nachhänge möchte ich mich bei all jenen bedanken, die mir durch ihre Reaktionen bzw. E-Mails zeigen, dass tatsächlich jemand meine Homepage besucht! Ich freue mich immer wieder darüber!

     
 

Klick mich und ich werde groß...

Seit mehr als fünf Monaten ist nun Robbie in unserer Familie und es ist für mich wieder eine ganz neue Erfahrung zu erleben, wie die Beziehung zwischen Josh und Robbie sich entwickelt und prägend ist für Robbie - fast mehr als die zwischen ihm und uns Menschen. Eigentlich ist das ja klar: wenn unsereins mit einem anderen menschlichen Wesen gemeinsam bei Elefanten aufwachsen würde, würden wir uns auch eher nach  
   unserem Artgenossen richten als nach den Elefanten, oder?  
     
 

Aller Anfang ist schwer: Anfangs existierte eigentlich keine sichtbare Beziehung. Nun, dass Josh die ersten Wochen schmollen würde, wenn da plötzlich ein neues Familienmitglied auftauchte, darauf waren wir ja gefasst. Aber auch nach einigen Wochen veränderte sich nichts in seinem Verhalten. Josh war reserviert, spielte in keiner Weise mit ihm, tat ihm aber auch nichts. Robbie durfte an Josh' Fressnapf, ja, Josh machte ihm sogar Platz. Robbie durfte alle bevorzugten Plätze von Josh belegen - alles wurde akzeptiert. Josh verhielt sich in der Hinsicht ganz natürlich: der Welpe hatte noch Narrenfreiheit. Mit einer Ausnahme: wenn Josh zum Kuscheln zu mir kam und sich seine Streicheleinheiten holte, dann musste Robbie fernbleiben, sonst wurde er sofort verwarnt. Sonst passierte ihm gar nichts. Allerdings blieb auch jede Spielaufforderung an Josh unbeantwortet, Josh reagierte einfach nicht auf Robbie. Das bedrückte uns allmählich, allerdings hatten wir auch schon die Vermutung, dass dies von Josh einer Art Schonung von Robbie diente, da Josh ja sehr stark und wild im Spiel ist und er den Kleinen nicht verletzten wollte. Ich weiß, das klingt sehr vermenschlicht, aber diese Rücksicht traue ich Josh wirklich zu!

Aber vielleicht gab es für Josh noch ein Hindernis, nämlich jenes, dass er den Eindruck hatte, dass Robbie irgendwie "ausgeschlossen" war. Jeremy hielt sich etwas zurück, da Robbie ja auf mich geprägt werden sollte und wahrscheinlich auch, da ihm es doch etwas lästig war, auf dieses kleine freche Energiebündel aufzupassen. Zudem durfte der Welpe nicht überall hin im Haus, solange er nicht sauber war. Auch sollte er nicht die bei uns überhohen Stiegen rauf und runter laufen, weswegen Robbie auf das Erdgeschoss beschränkt wurde. Jeremy hat sein Arbeitszimmer aber im ersten Stock, wohin ihm also nur Josh folgen konnte. Josh schien sich irgendwie mit Jeremy, seinem Besitzer, zu solidarisieren und ließ Robbie auch links liegen, bis wir dies erkannten und sofort änderten. Robbie durfte nun auch - unter Aufsicht - ins Wohnzimmer bzw. in die Arbeitszimmer, allerdings noch nicht ins Stiegenhaus. Jeremy beschäftigte sich auch mehr mit ihm und dies schien für Josh die Erlaubnis zu sein, sich mit Robbie näher zu befassen.

Die Beziehung der Hunde entsteht: Von da an veränderte sich die Beziehung zwischen Josh und Robbie.  

 
     
  Klick mich und ich werde groß... 1. Josh als Vorbild und Idol: Von Anfang an wollte Robbie alles das tun, was Josh tat und all das bekommen, was Josh bekam. Was ist schon das Welpenfutter mit  Lamm verglichen mit dem Erwachsenenfutter mit Lamm derselben Firma? Aus dem Napf im Stiegenhaus (Josh seinem) schmeckte alles sichtlich besser als aus dem eigenen in der Küche! Das endete damit, dass nun beide in der Küche ihren Fressnapf haben.  
 

Das Haxerl heben begann Robbie mit 3 1/2 Monaten! Er hatte es sich schnell abgeschaut von Josh und wollte auch schon so erwachsen sein wie dieser.  

Als wir mit 4 - 5 Monaten begannen, ihn erstmals auf kleine Spaziergänge mitzunehmen, musste er natürlich überall dort schnuppern und all das machen, was Josh machte, auch wenn er nicht wusste, wozu dies gut war.  

Es war immer herrlich und oft lustig zuzuschauen, wie dieser kleine Pimpf Josh nachmachte. Da Josh ein wunderbarer Hund ist, ist er auch in jeder Weise ein vorzügliches Vorbild. (Ausgenommen was Agility betrifft, wo er durchdreht, aber dazu nehme ich ihn sicher nicht mit!).

Josh als erfahrener Hund weiß, dass er  - wenn ich Klienten habe - am Beginn der Stunde ein Belohnungsstück (Markies oder so) bekommt, danach legt er sich für die nächsten 50 Min. unter dem Schreibtisch und schläft. Robbie hat das von ihn sehr schnell angenommen. Es ist beeindruckend, wie wichtig es für einen Welpen ist, auch für Robbie trotz seiner großen Selbstsicherheit, einen erwachsenen Hund als Vorbild zu haben. Und dementsprechend auch, einen guten "Erzieher" zur Verfügung zu haben, einen, der auf den Welpen eingeht und selbst v. a. gute Eigenschaften hat.

 
     
  Klick mich und ich werde groß... 2. Josh als Freund und Spielgefährte: Wie erwähnt hatten wir ja gehofft, dass Robbie, den ich Ende November bekam, in Josh einen Spielgefährten haben würde. Dem war aber nicht so. Der Welpenkurs würde erst im März beginnen. Was also tun? Ich hatte insofern Glück, dass ich aus unserem letzten Welpenkurs Petra kannte, deren Border Collie Zeus nur 4 Monate älter war als Robbie.   

So begannen unsere Treffen am umzäunten Kursplatz. Wir trafen uns so oft als möglich, damit Zeus und Robbie sich austoben konnten. Sich gegenseitig jagen, miteinander raufen - beide genossen es. Josh mischte sich da nicht ein - er begleitete uns auf unseren Runden um den Platz oder beobachtete die beiden beim Raufen. Dies ist auch heute noch so ....

Josh und Robbie entwickelten eigene "Spiele". Sie haben nie spielerisch gerauft, aber sie haben andere Spiele entwickelt. Wenn man sie beobachtet wirkt es, als hätten sie gewissen Regeln entwickelt und jedenfalls so, als hätten sie beide Spaß dabei.

Josh ist Robbie gegenüber aber auch Beschützer: Wenn ich mit Robbie manchmal heftiger schimpfte, weil er mein 333igstes Nein zum Knabbern am Tischbein missachtete, dann kam Josh, der in einem anderen Raum des Hause gewesen war und drängte sich zwischen Robbie und mich hinein um mich zu besänftigen und damit ihn zu schützen. So lehrte Josh auch mich, wann etwas zu viel oder unsinnig war im Umgang mit Robbie.

Heute, da Robbie mehr als 7 Monate ist, wo der Welpenschutz im engeren Sinne schon vorbei ist, dürfte Robbie - was Josh anbelangt - immer noch aus dem Napf von Josh fressen (theoretisch, denn wir erlauben ihm dies nicht), er darf immer noch im Korb von Josh schlafen, während Josh sich woanders hinlegt (wo er auch früher oft lag) und sie liegen oft in einer größeren körperlichen Nähe als je zuvor.

3. Am beeindruckendsten ist für mich aber, wie Josh ein aktiver Lehrer für Robbie ist. Vor kurzem setzte ich mich erstmals heuer wieder einmal hin, um Unkraut zu jäten. Josh nützte diese Zeit früher immer so, dass er mir einen Wurfgegenstand in meine Nähe legte, den ich dann zwischendurch für ihn warf.  

Nun machte er dies wieder, während Robbie bei ihm stand und ihn anbellte. Josh verschwand - Robbie in seinem Gefolge - immer wieder im anderen Gartenteil, kam dann und das Spiel mit mir ging weiter. Nachdem er dreimal Robbie in den anderen Teil gelotst hatte, wo noch andere Spielgegenstände lagen, kam tatsächlich Robbie erstmals mit einem eigenen Wurfgegenstand und legte es mir her. Er hatte das Spiel (oder ist es eine Aufgabe?) kapiert und spielte mit mir das Spiel von Josh. Josh stand im Hintergrund und wedelte mit dem Schwanz als ob er stolz sagen würde: "Na, was sagst Du, wie schnell Robbie das kapiert hat". Selbst auf meine Aufforderung hin kam Josh nicht mehr ins Spiel sondern beobachtete nur stolz, wie Robbie mit mir spielte.  

 
     
  Klick mich und ich werde groß... So ist es eigentlich meistens: wenn ich einmal im Garten mit Robbie ein bisschen Fuß, Bring u. ä. trainiere, beobachtet Josh uns, hält sich aber raus. Wenn ich ihn zwischendurch z.B. zu unserem alten Zerrspiel auffordere, auf ihn zugehe, geht er im Rückwärtsmarsch von mir weg, schüttelt den Kopf und ist erst zufrieden, wenn ich mich mit Robbie beschäftige.
Es ist aber auch deutlich, dass er sich in keiner Weise dabei zurückgesetzt fühlt, sondern dass er alles genauso haben möchte. Irgendwie ist es ja auch nicht auszuschließen, dass er das, was wir als Spiel mit ihm ansehen, als Aufgabe ansieht und er diese dem Jüngeren beibringen und
 
 

irgendwann einmal dann auch weitergeben möchte. Von der Natur aus betrachtet lehrt Josh dem jüngeren ja, was seine Aufgabe im Leben und im Rudel ist bzw. sein wird. Jedes Spiel ist in der Natur ja gleichzeitig Vorbereitung auf eine Fähigkeit, die ein Tier in der freien Wildbahn einmal brauchen wird, um seine Aufgabe zu erfüllen und damit sein Leben zu erhalten. Ob ein Arbeitstier wie ein Border Collie nun Schafe hütet oder Fährten sucht oder andere kleine Aufgaben übernimmt, es ist letztendes wahrscheinlich in seinen Augen eine "Aufgabe". Josh hat nun offensichtlich mit seinen 9 Jahren eine neue Aufgabe gefunden, nämlich die, Robbie zu erziehen. Ich kann nur hoffen, dass Robbie viel von Josh übernimmt, denn Josh ist der wunderbarste Hund, den man sich vorstellen kann!

Nun, das klingt alles sehr schön, aber es gibt auch zumindest zwei Schlussfolgerungen, die sich daraus ergeben, und die sind:

 
   
  Klick mich und ich werde groß... 1. Man sollte gut den "Ersthund" betrachten, wenn man sich einen zweiten Hund zulegen möchte, denn dieser wird viel vom älteren Hund lernen.
Nebenbei bemerkt: bei mehreren Hunden, einem kleinen Rudel also, verhält sich dies wieder etwas anders.
 
  2. Eines ist mir auch deutlich geworden: Bei einer gut funktionierenden Hundebeziehung ist die Beziehung des Zweithundes zum Menschen nicht vorrangig. Es ist daher sehr wichtig, dass man viel mit dem Zweithund alleine macht, wodurch die Beziehung bzw. Bindung zum Menschen verstärkt wird. Aber das ist eine andere Geschichte...
Bis zum nächsten Mal                                                  Andrea     
 
       

 
  P.S.: Bemerkungen zu meinen Gedanken sind jederzeit willkommen:  
   
 

Name:

 

 

E-mail:

 
       
 

Was ich noch sagen wollte:

 
   
 
     
 

« zurück

weiter »

 
   
Aktuelles  Josh  Robbie  Über mich  Gedanken  In Memorium  Mentaltraining  Kontakt  Gästebuch  Home