Ich bin Robbie Gedanken einer Hundebesitzerin

Hi! Ich bin Josh!

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Nr. 4 - Dezember 2001

» Ein Show- und ein Arbeitshund im Vergleich «

Einen Teller Keks und eine Tasse Tee vor mir, ein Spaziergang mit Josh im Neuschnee hinter mir: das kann nur die Weihnachtszeit sein! Ich war mit Josh spazieren, da er es als seine Aufgabe ansieht, die Schneeschaufel aufzuhalten, was nicht gerade hilfreich ist und auch nicht gerade seine Gelenke schont!

     
 

Robbie dagegen lässt nach einen Nein ab und spielt sich mit irgendetwas anderem im Garten. Er ist eindeutig kein Workaholic.
Damit ich mein schlechtes Gewissen beruhige - ich bin auch kein Workaholic, sodass manches liegen bleibt - möchte ich noch vor Jahresende wieder einmal einige Gedanken zu Papier bzw. in modernen Zeiten in die Homepage bringen.
 
     
 

Diesmal möchte ich zum Thema Arbeitslinie oder Showlinie etwas bemerken, da ja gerade in letzter Zeit auch bei uns im ÖCBH die Diskussion geführt wurde, ob bzw. wie viel Arbeitsfähigkeit ein Border Collie haben sollte, um Champion zu werden und damit vielleicht auch Stammvater bzw. Stammmutter zu werden. Wie viel Augenmerk sollte auf das Aussehen und wie viel auf die Arbeitsfähigkeit gelegt werden, das ist die Frage. Idealerweise sollte neben dem Wesen und der Gesundheit natürlich beides seinen Platz haben und nicht nur das eine oder andere wichtig sein. Die Arbeitslinien müssen zwar nicht, können aber durchaus schön sein, die Showlinien allerdings sollten m. E. n. sehr wohl noch ein gewisses Ausmaß an Arbeitsfähigkeit aufweisen, um den spezifischen Charakter der Border Collies zu bewahren.

Bei meinen Hunden habe ich einen guten Vergleich zwischen diesen beiden Schwerpunkten.

 
     
 

Josh stammt aus einer rein englischen Linie von hauptsächlich Arbeitshunden ab. Beide Elternteile haben den berühmten Wiston Cap, der als jüngster Hund mit zwei Jahren Supreme Champion wurde sowie dessen Sohn Bill, der ebenfalls Supreme Champion der International Sheep Dog Society wurde, im Stammbaum.  
 

Robbie dagegen hat zu einem beträchtlichen Anteil australasische Linien mit Show Champion Blue Aberdoone im Stammbaum.  
       
 

Die Unterschiede zeigen sich sowohl körperlich als auch im Wesen, wobei natürlich dies nicht rein auf die Unterschiede Arbeits- oder Showlinie zurückzuführen ist, dennoch zum Teil typisch dafür sein dürfte. 

 
     

Körperliche Entwicklung: Während Josh bis ca. 3 Jahren ein sehniger, ausdauernder und sehr schlanker Hund war und erst dann allmählich "männliche" Attribute wie tieferer Brustkasten entwickelte, zeigte Robbie schon sehr früh viel Substanz, blieb aber länger weich in der Bewegung und wenig ausdauernd. Die körperliche Entwicklung erfolgt offensichtlich ganz unterschiedlich und es ist wahrscheinlich nicht von ungefähr, dass englische Züchter dieser Linien empfehlen, den Hund die ersten 8 Monate nicht zu belasten! Das ist bei Arbeitshunden allerdings nicht vorstellbar. Sie werden schon sehr früh mit der Arbeit vertraut gemacht, laufen weite Strecken und müssen sehr bald belastbar sein - was bei Josh auch der Fall war!

Wesensmerkmale: Hier möchte ich nicht auf anerzogene Eigenschaften eingehen, sondern auf folgende für die Arbeit sehr wichtige Wesensmerkmale: die Konzentrationsfähigkeit und der Arbeitswille.

Für Josh stand und steht immer noch die Arbeit total im Vordergrund. Selbst läufige Hündinnen waren unwichtig, wenn der Agility-Parcours rief!  Josh hätte nie die Arbeit abgebrochen oder verweigert, eher hätte er bis zum Umfallen gearbeitet. Selbst Verletzungen hielten ihn nicht davon ab, sein Letztes zu geben. Sobald die Arbeit - zumindest das, was Josh als seine Arbeit ansieht - ruft oder vorhanden ist, gibt es nur diese für ihn. Darauf ist er dann auch voll konzentriert. Dementsprechend schnell lernt er auch neue Aufgaben.

Robbie dagegen ist - vielleicht dzt. zum Teil auch noch altersgemäß - mehr an anderen Hunden oder Joggern interessiert als an "Arbeit", eher noch unkonzentriert und zeigt auch sehr deutlich, wenn er genug hat, indem er sich z.B. im Sommer einfach in den Schatten legt und den Ball Ball sein lässt. Er sorgt eindeutig für sich und überanstrengt sich nicht.

 
   
Ich meine, dass dieser Arbeitswille in der Erbmasse steckt, denn verständlicherweise konnten nur leistungsfähige Hunde auf einer Farm gebraucht werden.

Dementsprechend hoch ist auch die Schmerzschwelle von Josh. Josh zeigt keinen Schmerz, wodurch er einerseits ein Traumhund für den Tierarzt ist, da er sich alles gefallen lässt, solange ich ihn halte, andererseits ist er ein schwieriger Patient, da er nicht anzeigt, wo ihm was weh tut. Ein B.C. kennt keinen Schmerz - oder war dies der Indianer? Josh wäre auf drei Beinen einen Agility-Parcours gelaufen oder apportierte selbst mit einer zerschnittenen Pfote begeistert den Ball! Aber: die Arbeit muss geschafft werden oder etwa nicht?

 
   
  Und das ist ein großes Problem bei Border Collies mit starkem Arbeitstrieb. Im Trieb schütten sie so viel Adrenalin usw. aus, dass sie schmerzunempfindlich werden und damit sich körperlich aber sehr schaden.
Sie überfordern sich bzw. lassen sich von den Hundeführern überfordern, da sie nicht anzeigen, wann es genug ist bzw. zu spät oder so dezent, dass es der Hundeführer übersieht. Bei Josh dauerte es ziemlich lange bis ich kapierte, dass er in der Weise anzeigte, dass er genug hatte, indem er den nächsten Baum ansteuerte und das Haxerl hob. Dann kam er aber und hätte weiter gemacht... ich musste aufhören. 
 
   
 
Und wer sich im Agility-Sport umsieht wird es immer wieder beobachten können, wie manche Hundeführer mit Border Collies starten, die gerade eben noch etwas schonten, beim Betreten des Platzes aber auf einmal tadellos gingen. Dass damit zwar die momentan geforderte Leistung vom Hund erbracht wird, Verletzungen dadurch aber verschlimmert werden, nicht so bald als möglich auskuriert und damit chronisch werden, muss wohl nicht erwähnt werden. In diesen Fällen muss der Hundeführer seinen Ehrgeiz bezwingen und den Hund ruhig stellen, um ihn nicht kaputt zu machen. Aber das ist für manche nicht gerade leicht...
 

 

 
  Es kann aber auch passieren, dass eine eben erlittene Verletzung erst nach Verlassen des Parcours vom Hund gezeigt wird, womit die Folgen aber schon verschlimmert sind! So passierte es auch uns. Z.B. spielten wir einmal mit Josh im Park mit dem Ball, er jagte begeistert hinter ihm her und erst als wir nach längerem den Heimweg antraten zeigten sich auf Asphalt Blutspuren. Scheinbar war er irgendwann im Laufe des Spiels auf eine Glasscherbe getreten, zeigte dies aber nicht.

Und dieser Arbeitsinstinkt kann, wenn er stark ausgeprägt ist, in dieser Hinsicht auch von Nachteil sein. Das ist einer der Gründe, warum ich als zweiten Hund nicht unbedingt einen aus einer reinen Arbeitslinie wollte. Dabei ist mir aber auch klar, dass nicht jeder Hund einer Arbeitslinie einen sehr starken Arbeitstrieb aufweist, wie auch ein Hund aus einer Showlinie gar nicht sehr schön werden muss!

Fazit: Für mich ist eine gute Mischung mit Show- und Arbeitsqualitäten optimal, auch für einen Champion.

 
     
 

Um zu schauen, ob Robbie noch Arbeitsqualitäten hat, fing ich vor einiger Zeit bei Marion Fuchs mit ihm das Schafhütetraining an. Nach dem ersten (chaotischen) Versuch sagte Marion, dass der Hund jetzt einmal über die Erfahrung schlafen müsse, dann würde man weiter sehen. Und wirklich, am nächsten Tag war er wie ausgewechselt.
 
     
  Er war nur noch an den Schafen interessiert. Es ist, als würde ein altes, vererbtes Wissen im Unterbewussten vorhanden sein, das jedoch erst durch bestimmte Reize geweckt werden muss, um zum Vorschein zu kommen. Ich bin neugierig, wie seine Ausbildung verlaufen wird. Hoffentlich erfolgreich, denn da geht viel, sehr viel Zeit drauf! Von den Fahrt- und Übernachtungskosten nicht zu reden! Nun, ich werde weiter berichten.   
     
 

 
     
 

Okay, jetzt kann ich das Jahr zumindest bezüglich meiner Gedanken beruhigt abschließen. Dass ich wieder öfters meine Meinung in meiner Homepage kundtun werde, nehme ich mir für das nächste Jahr vor, aber wie es so mit den guten Vorsätzen ist...

Ich wünsche allen Border Collie Fans und allen Lesern für 2002 alles Gute und viel Freude mit ihren Hunden!

 
       

 
 

P.S.: Bemerkungen zu meinen Gedanken sind jederzeit willkommen:

 
   
 

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Was ich noch sagen wollte:

 
   
 
     
 

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