Ich bin Robbie Gedanken einer Hundebesitzerin

Hi! Ich bin Josh!

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Nr. 7 - August 2004

» Zwei Rüden und die Auswirkungen des Deckens «

Josh und Robbie – meine zwei Boys... Immer wieder werde ich gefragt, ob sie sich denn verstünden. Nun, ich kann Gott sei Dank dies bejahen, aber dies war nicht immer so!

Letztes Jahr, also 2003, durfte Robbie erstmals decken. Natürlich war ich auf der einen Seite stolz darüber, andererseits hoffte ich jedoch, dass dies ohne grössere Probleme ablaufen würde. Es ergab sich gerade so, dass die Hündin zu einer Zeit die Stehtage hatte, als ich mit Robbie beim Schafe hüten war, was auch näher zur Züchterin war. Das Decken verlief problemlos, Robbie wusste sofort, wie wo was und alles schien gut geplant. Ich duschte anschliessend meinen zufriedenen Robbie und ging am nächsten Tag wieder zum Hüten.

Am Abend des darauf folgenden Tages (Mittwoch) fuhr ich dann die 400 km wieder nach Hause, wo mich Josh freudig begrüsste. Als ich jedoch die rückwärtige Tür für Robbie öffnete, erstarrte Josh und ging gemessenen Schrittes und hocherhobenen Hauptes weg in den Garten. Er wusste sofort, was los war. Ich liess Robbie aus dem Wagen, er lief in den Garten und wollte zu einem Spielzeug laufen, das bei uns immer im Garten herumliegt – und auf einmal schiesst Josh von der Seite auf Robbie zu und attackiert ihn mit einer Vehemenz, die ich bei ihm noch nie gesehen hatte. Da wir zu zweit im Garten waren schnappten wir uns je einen Hund und trennten sie. Dann nahmen wir sie an die Leinen, hielten sie in Distanz, belohnten sie, wenn sie sich näher kamen usw. Abends zog ich ins Gästezimmer, um die Hunde in der Nacht zu trennen, da die Stimmung sehr geladen war. Ich war total überrascht von der heiligen Wut des 12jährigen Josh, ich hatte ihn noch nie so erlebt meinen grosszügigen, freundlichen Senior!

Aber die Tatsache, dass Robbie durch das Decken die Rudelordnung nicht beachtete hatte, war dann doch zu viel für Josh und er wollte dies aufs Schärfste reglementieren.

Wir passten die nächsten Tage auf, liessen die Hunde sich wieder annähern und nach drei Tagen schien sich alles wieder beruhigt zu haben.

Am Samstag kam ich vom Einkauf zurück und als ich in die Garage fuhr liess ich Robbie einsteigen, damit er mir nicht vors Auto liefe. Josh kam angelaufen, als ich ausstieg. Als ich dann die rückwärtige Türe öffnet... siehe oben. Offensichtlich verknüpfte Josh dies mit der Erfahrung vom Mittwoch – oder vielleicht war ja auch noch ein Restgeruch im Auto von Robbies Liebesabenteuer – jedenfalls als ich gerade dachte, dass alles überstanden wäre, ging es wieder von vorne los. Robbie lief in den Garten, wollte sich ein Spielzeug schnappen und sofort schoss Josh auf ihn zu bzw. Robbie dann auch auf ihn und die Rauferei war wieder im Gang. Wir trennten sie wieder. Robbie hatte ein Loch in der Lefze, Josh einen Bluterguss in der Lefze.

Was folgte war eine sehr schwierige Zeit, in der wir die beiden z. T. anfangs nur unter Bewachung zusammen liessen bzw. wo ich lange in der Angst vor einer Rauferei lebte.

Deutlich verändert war, dass keiner ein Spielzeug sich nahm, wenn beide Hunde im Garten waren. Robbie markierte auch nicht über Josh' Markierung. Beide vermieden es, sich anzuschauen, bewahrten die Distanz.

Am neutralsten verliefen die Spaziergänge, da waren sie sich relativ nahe durch die Leinen, aber beide waren beschäftigt und auf neutralem Boden. Wir förderten ganz bewusst alles, was die Nähe der beiden positiv bestärkte, ich hatte aber ständig ein Auge auf sie. Es dauerte sicherlich zwei Monate, bis sich die Atmosphäre wieder entspannte. Aber es dauerte noch länger, bis wieder die Hunde das Spielzeug im Garten nahmen, wenn beide draussen waren, da dies offensichtlich zu stark mit den beiden Raufereien assoziiert war. Auch das Drübermarkieren machte Robbie lange Zeit nicht bzw. liess ich es auch ganz bewusst nicht zu, wenn er es versucht. Josh sollte ruhig der Höhergestellte bleiben.

Dazu gibt es ja sehr unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen. In meiner Not bat ich in der Border Collie Liste um Rat und erhielt auch da unterschiedliche Antworten, denn Hunde sind auch sehr unterschiedlich und was bei den einen funktioniert muss beim anderen nicht klappen. Im Extremfall kann dies sogar dazu führen, dass einer der Rüden abgegeben werden muss, da sie sich sonst ständig bekämpfen würden.

Das wollte ich jedenfalls nicht. Ich möchte ein friedliches Rudel, bei dem ich  Raufereien nicht zulasse. Ich als Boss kläre die Probleme und ich weiss bei meinen beiden, dass diese das auch bevorzugen. Wenn z.B. einer ein bestimmtes Spielzeug des anderen bei sich hat dann schaut mich der eine "bittend" an – und ich hole ihm sein Spielzeug, denn als Chef darf ich alles nehmen. Damit werden Konflikte vermieden. Manche meinen vielleicht, man sollte die Hunde dies ausraufen lassen. Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Ich als Boss akzeptiere keine Raufereien und ausserdem bin ich nicht bereit, Verletzungen der Hunde zu riskieren! Ich will, dass ich ohne Angst die Hunde zu zweit auf dem Rücksitz im Auto lassen kann und sie sich die Platzverteilung friedlich einteilen. Sie sollen sich gegenseitig respektieren. Josh ist der ältere und sieht seine Aufgabe darin, Robbie zu hüten, sprich, ihn beim Training zu beobachten und auf meine Bitte hin ihm etwas vorzuzeigen, wenn Robbie nicht versteht, was ich meine. Robbie will arbeiten, während Josh sich lieber auf den Hüteposten begibt. So bekommt jeder genau das, was er will und sie sind sich einig, wer was tut.  

Jetzt (2004) ist Robbie fast 4 Jahre, Josh 12 ½. Die Frage, wer der Höhergestellt ist, ist schwer zu beantworten. Wenn man sie beobachtet fällt einem auf, dass sie beide mit einer – sagen wir mal "männlichen" - Ruppigkeit miteinander umgehen. Einer markiert als erster, der andere darüber. Einer markiert, der andere drängt sich unter dessen gehobenes Bein zum Geruchspunkt. Bei der Türe drängen sich beide raus. Wenn es irgendwo knallt, schaut Robbie Josh an um zu sehen, ob dieser Angst zeigt bzw. ob eh' alles okay sei. Andererseits hat sich Josh erstmals zu Robbie in den Keller gelegt, wo dieser im Sommer gerne schläft, als neulich abends ein paar Raketen geschossen wurden. Das Verhältnis scheint irgendwie ausgeglichen zu sein, wobei man sagen muss, dass Josh immer sehr grosszügig war und die Höherstellung eigentlich nur bei den oben erwähnten Raufereien aufzeigte. Ich denke an die Erkenntnisse, dass in manchen freilebenden Wolfrudeln der altgewordene Rudelführer sich freiwillig auf die Stelle eines Lehrers zurückzieht und so seinen Posten ohne Rauferei abgibt und ich hoffe, dass dies auch bei Josh und Robbie so sein wird oder sogar schon ist...

Folgende Erkenntnisse habe ich aus dieser Erfahrung gezogen:

1. Wenn ich nach längerer Abwesenheit mit Robbie zurückkomme, begrüsse ich als erster voller Freude Josh und dann gibt es einen gemeinsamen Spaziergang, wo sie sich auf neutralem Gebiet beschnuppern können und vergewissern, dass nichts Aufregendes passiert ist. Robbie begrüsst übrigens Josh immer freudig mit Schnauze an Schnauze, während Josh beruhigend (oder pikiert?) den Kopf zur Seite wendet.

2. Ich bin nicht wirklich daran interessiert, dass Robbie deckt, solange Josh noch lebt oder nicht kastriert ist. Mir ist der Hausfrieden wichtiger als sagen zu können, dass es Nachwuchs von Robbie gibt. Zudem habe ich keine Lust, die Deckgebühr beim Tierarzt wieder los zu werden.

Ich liebe meine Boys und will einfach eine schöne Zeit mit ihnen verbringen, mit ihnen Spass haben und auch arbeiten. Gott sei Dank ist es wieder so und ich hoffe, dass es auch so bleiben wird!


 
 

P.S.: Bemerkungen zu meinen Gedanken sind jederzeit willkommen:

 
   
 

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