Ich wurde als Kind jahrlang sexuell missbraucht, trotzdem lebe ich heute glücklich verheiratet in Wien.


Glück zu empfinden war für mich lange Zeit keine Selbstverständlichkeit. Denn wie alle Opfer von Gewalt war auch ich Gefangene meiner Ängste. Hass, Wut und Misstrauen beherrschten jahrelang mein Denken und Handeln.


"Mein Weg aus dem Fegefeuer" war hart und steinig. Aber auch sehr lehrreich. Deshalb schrieb ich meine gesammelten Erfahrungen für Schicksalsgefährtinnen, die noch immer an ihrer Inzest-Vergangenheit verzweifeln. Als Ratgeber, als Trostspender und als Hand, die ich symbolisch reiche um zu sagen: "Du bist nicht allein. Kämpfe auch DU um dein Glück. Schau, es geht!"


Mein heutiges Glück nicht als Selbstverständlichkeit zu nehmen, sondern es mit anderen zu teilen, wurde für mich zum Lebenswerk - durch meine Ratgeber. Aus dem Dunkel der Anonymität will ich damit meine Botschaft in die Öffentlichkeit rufen, denn ich zeige einen Weg über Toleranz und Verzeihen, der meiner Seele Frieden brachte. 


Womit ich aber nicht behaupten will, dass das für jedes Missbrauchsopfer der richtige Weg ist. Es kann viele Gründe geben, warum Verzeihen einfach nicht möglich ist. Oft ist es der richtigere Weg, das grenzenlose Unrecht anzuzeigen. Wer als Nichtbetroffener diese Zeilen liest, wird nun sogar schreien: " Es ist sogar unbedingt notwendig!" Doch ich weiß aus eigener Erfahrung, dass viele ohnmächtige und verängstigte Opfer dazu einfach keinen Mut aufbringen können. Außerdem wägt dabei auch jedes Missbrauchsopfer, selbst wenn es den Mut finden würde, die Folgen dieses mutigen Schrittes ab.


Ich habe dabei den für mich richtigen Weg gefunden, weil ich, auch unter Betrachtung meiner familiären Situation, die belastenden Folgen dieses Schrittes sicherlich gar nicht ausgehalten hätte. Friede in meine Seele kam durch den anderen Weg.


Meine Vergangenheit kennen nur sehr wenige gute Freunde und so soll es bleiben, daher schrieb ich meine Ratgeber unter Pseudonym und alle Namen wurden verändert.


Mit meiner Anonymität will ich alle Personen, die in meinen Büchern vorkommen, schützen. Alle.


 


Ich will weder anklagen, noch veruteilen. Ich will nur helfen!

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