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Artikel in HKM 9/1996:

Ergänzende Arbeiten im Dippelleitenwald

von Reinhard und Walter Fischer, Wilhelm Morgenbesser

Im Jahr 1974 wurden von L. Hauser mehrere Höhlen im Gebiet der Dippelleiten, 2,5 km nördlich von Lackenhof aufgefunden und ein Plan von der Brückenhöhle (1824/25) erstellt. Die Höhlen 1824/25 und 1824/31 bis 34 wurden dann von B. u. M. Körner 1982 bearbeitet (siehe Höhlenkundl. Mitt. 4/1983, S. 78). Nach einem Hinweis von L. Hauser, daß die Dippelleitenkluft (1824/32) wesentlich größer sein müßte als im Plan dargestellt, wurde von B. u. M. Körner 1987 eine Fortsetzung vermessen (siehe Höhlenkundl. Mitt. 3/1988, S. 69). Am 5. Mai 1996 wurde den gesamten Höhlen von G. Gsenger, F. Habart und W. Morgenbesser ein Besuch abgestattet. Dabei wurde festgestellt, daß die in den Lagebeschreibungen (HKM 4/1983) angegebenen Richtungen und Entfernungen größtenteils nicht stimmten. Außerdem wurden in der Brückenhöhle und in der Dippelleitenkluft Höhlenteile vorgefunden, die in den Plänen nicht dargestellt sind. Die Höhlen wurden daher am 27. Mai 1996 von R. u. W. Fischer, A. Kollenhofer und M. u. W. Morgenbesser aufgesucht, um einerseits die genaue Lage der Höhlen zueinander festzuhalten, sowie andererseits die gesamte Brückenhöhle neu zu vermessen und ergänzende Vermessungen in der Dippelleitenkluft vorzunehmen.
Ausgangspunkt der Einmessung der Höhlen ist die markante Forststrassenkurve 600 m östlich des Stierhaltkogels (1255 m), welche auch in der Zugangsbeschreibung von B. u. M. Körner erwähnt ist (Sh 1040 m). Hält man sich 60 m in südwestliche Richtung, erreicht man die Öffnungen der Brückenhöhle. 20 m östlich der Brückenhöhle bzw. 40 m südsüdwestlich der Straßenkurve liegt das Beinloch. Geht man von der erwähnten Kurve 60 m in nordöstliche Richtung, gelangt man zum Einstieg des Dippelleitenschachtes. 30 m nordwestlich von diesem bzw. 70 m nordnordöstlich der Forststrassenkurve öffnet sich die Einstiegsdoline der Dippelleitenkluft. Weitere 20 m nordwestlich befindet sich die Laubgrube mit ihren beiden Einstiegen. Auf Grund der Einmessung ergeben sich die nachstehend angeführten Daten, ein Lageplan wurde im Maßstab 1:1000 erstellt.

Brückenhöhle (1824/25): Sh 1045 m,
Dippelleitenschacht (1824/31): Sh 1045 m,
Dippelleitenkluft (1824/32): Sh 1050 m,
Laubgrube (1824/33): Sh 1055 m,
Beinloch (1824/34): Sh 1045 m;

Brückenhöhle (1824/25)
Ein maximal 15 m mal 10 m großer Einbruch und eine von diesem durch eine Felsbrücke getrennte 5 m mal 6 m große, ostwärts gelegene Schachtöffnung münden in einen 9 m tiefer liegenden Höhlenraum. Quert man an der Südseite des Einbruchs in dessen Westecke, so kann man von hier unschwierig zum Grund des Raumes abklettern. Unter den Einstiegen lagern Sediment- bzw. Schuttkegel. Am Tag der Vermessung waren diese noch schneebedeckt. An der Nordseite des 18 m langen, bis 8 m breiten Raumes liegen zwei mächtige Baumstämme. Am Ostende setzt ein 5 m langes Gangstück an, von dem ein 4 m hoher, bis knapp unter die Oberfläche führender Schlot abzweigt. Westwärts leitet ein steil abwärtsführender Gang zuerst über Humus, dann über grobes Blockwerk in eine hallenähnliche, 7 m breite und 4 m hohe Erweiterung. An der südlichen Begrenzung kann man in eine 6 m lange, bis 3 m hohe Parallelkluft schliefen. Nördlich ist über eine 1,5 m hohe Stufe ein kurzer Schluf zugänglich. Vom tiefsten Punkt am westlichen Ende der Halle führt eine Steilstrecke noch in einen kleinen Raum mit einer schlotartigen Fortsetzung aufwärts. Ein am alten Plan (L. Hauser 1974) nicht eingezeichneter Höhlenteil setzt am Westrand des großen Einbruchs, etwa 1 m unter der Abbruchkante mit einem kleinen Einschlupf an. Über Humus abwärtsschliefend erreicht man eine maximal 1,5 m hohe hohe Kammer mit Blockboden, die nach 5 m unbefahrbar niedrig wird. Ein abzweigender blockiger Schluf endet nach 3 m.
Die Neuvermessung erbrachte einen Längenzuwachs von 30 m auf nunmehr 80 m Gesamtlänge. Der Höhenunterschied verringerte sich um einen Meter auf –16 m, die Horizontalerstreckung beträgt 38 m.

Dippelleitenkluft (1824/32)
Im Jahr 1987 wurde durch einen engen Kluftschacht eine "geräumige Unterlagerung" erreicht (Höhlenkundl. Mitt. 3/1988), welche im bisherigen Plan völlig unzulänglich bzw. unkenntlich dargestellt ist. Dieser Höhlenteil kann wesentlich einfacher vom tiefsten Punkt des Eingangsteiles durch einen kurzen Schluf erreicht werden. Man gelangt somit in eine 14 m lange, bis 10 m breite und bis 5 m hohe Halle, welche an ihrem östlichen Ende betreten wird. Nahe dem Zugangsschluf mündet an der Decke der enge Kluftschacht ein. Außerdem führt noch ein kurzes Gangstück in nordöstliche Richtung aufwärts. Als Hauptfortsetzung zieht ein bis zu 4 m breiter Gang von der Halle steil abfallend Richtung WSW, welcher nach knapp 15 Schrägmetern sackartig endet. Im Gegensatz zur Halle, wo auch große Felsblöcke liegen, weist der Gang nur Feinschuttboden auf. Die Decke des Ganges war nicht überall einzusehen, die Ganghöhe erreicht aber teilweise mindestens 10 m. Im Nordteil der Halle steigt die Sohle stufenförmig an, und man erreicht über schräge Felsplatten querend einen in der Nordwestecke der Halle oberhalb einer Felsstufe ansetzenden Kluftgang. Dieser leitet immer enger werdend 9 m in westliche Richtung.
Durch die exakte Vermessung dieses Höhlenteils stieg die Gesamtlänge der Höhle von 72 m auf 117 m, auch der Höhenunterschied stieg von –19 m auf –31 m. Leider herrschte am Tag der Vermessung strömender Regen, so daß eine im Nordostteil der Halle an der Decke einmündende kletterbare Überlagerung wegen des herabprasselnden Wassers nicht vermessen werden konnte.


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