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Artikel in HKM 9/2008:

Höhlen im Roßkogelgraben in den Vorderen Tormäuern (Teilgruppe 1824)

von Thomas Gundacker und Reinhard und Walter Fischer

Im Jahr 2005 wurde durch die Ortsgruppe Kienberg/Gaming der Naturfreunde eine neue Steiganlage zur Ötschertropfsteinhöhle eröffnet, die mit spektakulären Metallstiegen direkt durch die unwegsame Schlucht des Roßkogelgrabens führt. Von diesem neuen Weg können zahlreiche in den Felswänden liegende Höhlenportale eingesehen werden. Bei mehreren Fahrten im Februar und März 2008 konnten die nachfolgend beschriebenen, schwer zugänglichen Objekte erkundet und vermessen werden.
Die Höhlen befinden sich im Roßkogelgraben in den Vorderen Tormäuern, etwa 6 km südöstlich von Kienberg. Der Zustieg erfolgt vom Parkplatz Schindelhütte (Kote 437 in ÖK50 Nr.72) entlang des markierten Wanderweges zur Ötschertropfsteinhöhle (1824/10). In einer Seehöhe von 620 m trifft man auf die neu angelegte Steiganlage durch den klammartigen Abschnitt des Roßkogelgrabens. Rund 20 Höhenmeter über dem Beginn der Stiegenkonstruktion ist es möglich, von dieser in eine linkerhand aufwärts ziehende Seitenschlucht zu queren. Nach steilen 15 Höhenmetern erreicht man die sperrende Abschlusswand dieser Schlucht, an deren Fuß sich der

Roßkogelgrabenschluf I (1824/78) befindet, L 7 m, H -2 m, Sh 665 m.
Von einer rasch niedriger werdenden, 3 m tiefen Nische zweigt links eine abwärts führende, 4 m lange, kluftartige Strecke mit Schuttboden ab, die gegen ihr Ende hin spitz zuläuft und in der Mitte die maximale Raumhöhe von 2 m erreicht.

Steigt man die Seitenschlucht wieder ca. bis zur Hälfte retour ab, stößt man an der orographisch rechten Flanke auf ein nicht katasterwürdiges Objekt. Etwas unterhalb zweigt ein schmales, exponiertes Band (mit markanter Wurzel am Beginn) ab, das die hohen, den Roßkogelgraben ostseitig begrenzenden Felswände etwas ansteigend durchzieht. Nach rund 20 m öffnet sich am Band der

Roßkogelgrabenschluf II (1824/79), L 5 m, H -1 m, Sh 660 m.
Das 1,5 m hohe Portal verjüngt sich rasch zu einem engen, in Richtung ONO ziehenden Schluf mit Sedimentboden, durch den man in eine bescheidene Raumerweiterung gelangt. Dahinter setzt sich der Schluf noch kurz sehr niedrig fort, schräg darüber befindet sich eine unschliefbare Röhre.

Das exponierte, grasige Band wird nördlich nun rasch schmäler und setzt sich hinter einer schwierig kletterbaren Unterbrecherstelle noch einige Meter bis zum

Roßkogelgrabenschluf III (1824/80 a, b) fort, L 5 m, H 0 m, Sh 660 m.
Sicherer, aber um einiges umständlicher erreicht man das Objekt durch Abseilen von oben. Es handelt sich um einen wandparallelen, in seiner Mitte sehr niedrigen Schluf, der nach 5 m mit einem 2 m durchmessenden Portal (Eingang b) wieder in die Felswand ausmündet. Der Einschlupf a) wird durch davor liegende Blöcke und Büsche verengt.

Auf einem abschüssigen Grasabsatz 5 m unterhalb des Beginns der oben erwähnten Unterbrecherstelle liegt der 2 m hohe und knapp 1 m breite Eingang in den

Roßkogelgrabenschluf IV (1824/81), L 8 m, H 3 m (+1,5 m, -1,5 m), Sh 655 m.
Auch hier erscheint das Abseilen von oben die geeignetste Zustiegsvariante. Die abwärts führende Strecke verjüngt sich rasch auf ca. 1 m x 1 m, um nach 3 m in eine schlotartige Raumerweiterung zu münden. Südlich umknickend setzt sich die Strecke als sehr schmaler, gut 1 m hoher Minicanyon weiter fort. Bei einem Linksknick wird der Canyon endgültig zu eng. Der Boden besteht überwiegend aus Sediment und etwas Laub.

Die Vermessung der Roßkogelgrabenschlüfe erfolgte am 15.3.2008 durch T. Gundacker und R. Fischer.

Verfolgt man die Steiganlage nach einer Brücke an der westlichen Grabenseite weiter aufwärts, erblickt man in einer Seehöhe von ca. 650 m in der gegenüberliegenden Felswand – gut 10 m über der Grabensohle – das markante, 2 m hohe und 1 m breite Portal der

Roßkogelgrabenhöhle I (1824/82), L 18 m, H -9 m, Sh 650 m.
Die Höhle ist nur durch eine 20 m lange Abseilfahrt erreichbar. Ein ca. 1,5 m hoher Gang leitet einige Meter in Richtung SO, wo er plötzlich rechtwinkelig nach NO knickt und in einen schmalen Canyonschacht übergeht (8 mm Spit an der rechten Raumbegrenzung). Der Schacht ist insgesamt 7 m tief und weist 3 m über dem Boden einen geräumigen Absatz auf. Vom sedimentbedeckten Schachtgrund führt ein gut 4 m hoher Gang mit rund 1 m Breite abwärts, wo er bei einem Rechtsknick plötzlich niedriger und nach wenigen Metern unbefahrbar schmal wird (deutliche, auswärtsgerichtete Wetterführung). Der Boden ist mit Schutt bedeckt, an den Wänden befindet sich Knöpfchensinter. In einer Spalte wurde am Vermessungstag eine Fledermaus beobachtet (Bartfledermaus?).

Die Vermessung erfolgte am 9.2.2008 durch T. Gundacker, R. Pemsel und R. u. W. Fischer.

25 m taleinwärts liegen in der gleichen Schluchtwand die ebenfalls vom Weg aus sichtbaren und nur durch Abseilen erreichbaren Einstiege der

Roßkogelgrabenhöhle II (1824/83 a, b), L 16 m, H -6 m, Sh 665 m.
Vom überdachten, abschüssigen Vorplatz (Eingang a) mit mehreren Metern Breite und Höhe gelangt man durch einen Einschnitt 4 m abkletternd in einen 4 m x 3 m messenden, bis 4 m hohen Höhlenraum mit Schutt- und Laubboden. Von der NO-Ecke des Raumes führt ein schmaler Gang, niedriger werdend zum Eingang b) aufwärts. Südwestlich wird der tiefste Punkt des Raumes erreicht, eine weiterziehende Strecke ist unbefahrbar eng.

Die Vermessung erfolgte am 16.2.2008 durch R. u. W. Fischer.

Um die Abseilpunkte für die beschriebenen Objekte zu erreichen, verfolgt man den Steig weiter ca. 100 m taleinwärts, wo er nahe an die Grabensohle heranführt. Dabei kann man am orogr. rechten Wandfuß noch einige nicht katasterwürdige Klüfte und Halbhöhlen einsehen. Oberhalb der Felsbildungen quert man dann den steilen Waldhang talauswärts zurück. Als Verankerungspunkte dienen Bäume am Wandabbruch (ca. 45 m Doppelseil notwendig).


Thomas Gundacker, Reinhard Fischer und Richard Pemsel auf der Steiganlage im Roßkogelgraben
Foto: W. Fischer


LinkErgänzung siehe in HKM 3-4/2009: Ergänzung zur Roßkogelgrabenhöhle I (1824/82)


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