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Artikel in HKM 10/2005:

Der Kalkgrubenschacht (Kat. Nr. 1825/9) am Oisberg bei Hollenstein, NÖ

von Reinhard und Walter Fischer

Plan Zusammenfassung
Von Oberförster Hubert Eibenberger erhielt Alexander Klampfer im Jahr 2002 den Hinweis auf eine Schachthöhle am Oisberg bei Hollenstein, welche von Forstarbeitern entdeckt wurde. Hr. Eibenberger erklärte sich dankenswerter Weise auch bereit, uns den wenig oberhalb einer Forststraße gelegenen Einstieg persönlich zu zeigen. In der Folge begleitete uns Hr. Eibenberger noch bei zwei weiteren Touren – zumindest bis zum Höhleneingang - und wir möchten uns bei ihm auch auf diesem Wege für diese Unterstützung herzlich bedanken. Bei den beiden zuletzt – jeweils bei winterlichen Bedingungen - durchgeführten Forschungs- und Vermessungstouren, stiegen wir mit Schiern auf, wobei sich sowohl Aufstieg als auch Abfahrt immer recht mühsam gestalteten.

Der Schacht selbst weist kaum horizontale Teile auf, auch die vorhandenen Seitenstrecken sind überwiegend vertikal entwickelt, wobei sich in den oberen Teilen der Höhle bedeutende Tropfsteinbildungen befinden. Die einzelnen Schachtabschnitte sind durch engräumige Versturzzonen unterbrochen. Die Höhle dient einer Vielzahl von Kl. Hufeisennasen als Winterquartier. Laut Auskunft unseres Katasterwartes Willi Hartmann ist bemerkenswert, dass es sich um die erste Neuaufnahme in dieser Gebietsgruppe (1825 Oisberg) seit 1964 (!) handelt. Außerdem hat diese Teilgruppe mit dem Kalkgrubenschacht auch eine neue längste und tiefste Höhle erhalten. Der Name geht auf eine bei Einheimischen bekannte Geländebezeichnung zurück.

Forschungs- und Vermessungschronik
22.6.2002: R. u. W. Fischer, A. Klampfer: Einstiegsschacht, Freilegung der Fortsetzung am Schachtgrund, Befahrung und Vermessung bis zum Ansatz des Hauptschachtes
13.7.2002: R. u. W. Fischer, A. Klampfer: Erforschung- und Vermessung Hauptschacht und Käferschacht, Erkundung der Versturzzone am Grund des Hauptschachtes
3.5.2003: R. Fischer, A. Klampfer, L. Plan: Bearbeitung der Versturzzone, Luki‘s Sturzschacht bis Endschlot
27.3.2004: R. Fischer, E. Herrmann, A. Klampfer: Bearbeitung einer engräumigen Schachtreihe in den tiefen Teilen bis zum tiefsten Punkt der Höhle
13.2.2005: R. Fischer, E. Herrmann: Erkletterung Sinterbalkon und Bearbeitung Nebenschacht

Basisdaten
Kat. Nr. 1825/9, Sh 990 m, L 336 m, H –96 m, He 26 m

Lagebeschreibung
Der Schacht liegt im Südhang des Oisberges zwischen St. Georgen am Reith und Hollenstein an der Ybbs nur ca. 30 Höhenmeter über einer Forststraße, die westlich vom Gehöft Blamau im Ybbstal ihren Ausgang nimmt. Das Gehöft erreicht man von der Bundesstraße 31 über eine Brücke (Kote 473 in ÖK 71), die auch die Zufahrt zur Haltestelle "Blamau" der Ybbstalbahn darstellt, ca. 300 m nach der Bahnübersetzung in Richtung ONO. Um zur Höhle zu gelangen, verlässt man die Forststraße in einer Seehöhe von ca. 960 m, bevor sich diese mit einer Linkskurve in einen markanten Graben, der vom Schneekogel (1373 m) herabzieht, wendet und steigt den mäßig steilen Waldhang in Falllinie an.

Raumbeschreibung
Der sich im unscheinbaren Waldgelände öffnende Einstieg misst 2 m x 1,5 m. Der oberste Teil des 17 m tiefen Schachtes weist eine 3 m tiefe, brüchige Stufe auf, danach weitet sich der Schacht nach Norden und bricht senkrecht zum 5 m x 3 m messenden, blockbedeckten Schachtgrund ab. An der nördlichen Raumbegrenzung ist eine kurze Unterlagerung zugänglich, die einerseits im Einstiegsbereich zahlreiche Excentriques aufweist und andererseits eine sehr engräumige, unerforschte – allerdings wenig vielversprechende Fortsetzung besitzt. Die Hauptfortsetzung setzt in einer Nische in der östlichen Schachtwand an. Es handelt sich um einen engräumigen Schacht, dessen Einstieg erst durch Wegräumen von etlichen Blöcken zugänglich gemacht wurde (8 mm Spit). Die erste Stufe ist 7 m tief und weist am Grund eine bescheidene Erweiterung mit zwei Stalagmiten auf, welche sich hervorragend für eine Verankerung eignen. Danach setzt sich die Strecke als niederer Schrägschacht mit hübschem Tropfsteinschmuck fort. Während der Schrägschacht immer enger werdend in den unterlagernden Käferschacht abbricht, ist es ratsam, in 4 m Tiefe nach Süden zu einem Schachtfenster zu queren, das unvermittelt in den mächtigen Hauptschacht ausmündet (8 mm Spit). Nach einer 7 m langen, senkrechten Abseilfahrt erreicht man einen Absatz mit Sinterüberzug und einem klobigen Stalagmiten. Von hier führt südlich der Hauptschacht weiter in die Tiefe, östlich befindet sich der Zugang zum Käferschacht, nördlich setzt ein Nebenschacht an und westlich ist ein 4 m langer, ebener Kriechgang angelagert.

Plan

Der Käferschacht bricht von einer Felsbrücke in einer tropfsteingeschmückten Kammer (8 mm Spit) 10 m zu seinem gestuften Grund ab. Namensgebend waren zahlreiche Überreste schwarzer Käfer. An der nördlichen Raumbegrenzung setzen einerseits ein engräumiger, knapp 5 m tiefer Abstieg hinter Blockwerk an und andererseits ein 7 m hoher Schlot, wo sich auf einem kleinen Absatz in halber Höhe ein vollständiges Dachs-Skelett fand. Der Schädel wurde zwecks Bestimmung geborgen.
Vom tiefsten Punkt des Schachtgrundes ist zwischen Blockwerk noch eine 6 m tiefe Stufe erreichbar.

Nördlich des klobigen Stalagmiten setzt ein 12 m tiefer, kluftgebundener Nebenschacht an, der im oberen Teil eine Verbindung zum Käferschacht aufweist. Der aus Sediment und Schutt bestehende Schachtgrund wird durch mehrere Meter hoch aufgetürmte Blöcke in zwei Teile gegliedert.

Der Hauptschacht selbst weist einen Durchmesser von mehreren Metern auf und besitzt an der südlichen Schachtwand einen Absatz, den sogenannten Sinterbalkon. Diesen erreicht man in ausgesetzter Kletterei zuerst durch aufsteigende Querung entlang der westlichen, danach über die südliche Schachtwand. Der Sinterbalkon weist eine Breite von 7 m auf und besitzt hübsche Wand- und Bodenversinterungen. Im östlichen Teil ist es möglich, hinter einem mächtigen Klemmblock 5 m in eine kleine Kammer abzuklettern. Hauptschacht bzw. Sinterbalkon setzen sich nach oben als geräumiger Schlot unerforscht fort.

Um im Hauptschacht abzusteigen empfiehlt sich ebenfalls eine Querung über die westliche Schachtwand bis zur Abseilstelle (8 mm Spit) an der südlichen Wand. Von hier erreicht man nach 22 m freihängender Abseilfahrt den Schachtgrund. Der blockbedeckte Grund des Hauptschachtes ist durchschnittlich 2,5 m breit und gliedert sich in einen 8 m langen westlichen und einen über eine schwierig kletterbare Stufe erreichbaren, höher gelegenen, 3 m langen östlichen Teil. Im westlichen Teil sind ein übersinterter Block, der das Aussehen eines mächtigen Stalagmiten besitzt und eine kurze Unterlagerung mit Sinterorgel bemerkenswert. Östlich der Kletterstufe befindet sich in der südlichen Raumbegrenzung ein markantes Fenster, durch das ein ca. 5 m tiefer Schacht angefahren wird. Dessen Grund kann man allerdings einfacher durch einen engräumigen, frei kletterbaren Abstieg an der östlichen Raumbegrenzung sowie eine durch Versturzblöcke verengte, unterlagernde Strecke erreichen. Zwischen den teilweise labil lagernden Blöcken ist es hier möglich, knapp 10 m teilweise sehr engräumig bis zu einer Raumerweiterung abzuklettern. Diese besitzt zwei kurze, verstürzt endende Fortsetzungen. Die Hauptfortsetzung führt in nördliche Richtung, über eine Blockbarriere in einen geräumigen, unübersichtlichen Raum mit dreieckigem Grundriss mit rund 5 m Seitenlänge. Über grobes Blockwerk in südwestliche Richtung aufwärts kletternd, erreicht man einen kurzen Gangansatz, von dem Rufverbindung zum Grund des Hauptschachtes besteht. Durch zwei nebeneinander liegende, unscheinbare Öffnungen im Versturzboden des dreieckigen Raumes, erreicht man abkletternd eine knapp 6 m lange und 1 m breite nach Südosten führende Unterlagerung, an deren Ende sich der kleine Einstieg in Luki‘s Sturzschacht befindet. Dieser sich bald auf mehrere Meter Durchmesser erweiternde Schacht ist 16 m tief und weist in halber Höhe einen Absatz auf, von dem eine später beschriebene engräumige Schachtreihe zum tiefsten Punkt der Höhle führt. Vom Schachtgrund gelangt man in Richtung WSW nach einer kurzen Bückstelle in einen 6 m langen, bis 5 m breiten und bis ca. 8 m hohen Raum, dessen Blockboden trichterförmig abfällt. Im Südwesten des Raumes setzt der 8 m hohe, sehr schwierig kletterbare, fortsetzungslose Endschlot an.

Vom Absatz in Luki‘s Sturzschacht setzt in östliche Richtung ein kurzer, 1,5 m breiter, niedriger werdender Gang an, an dessen Ende sich eine insgesamt gut 20 m tiefe engräumige Schachtreihe anschließt. Der erste, noch frei kletterbare, etwas brüchige Abstieg führt in eine teilweise unterlagernde Raumerweiterung, von der eine steil über Schutt und Sediment abwärts führende, ca. 1 m breite Strecke in einen Material erfordernden Schacht mit sehr engem Einstieg übergeht. Im Mittelteil des Schachtes zweigt eine 5 m lange Seitenstrecke ab, an deren Ende sich eine Wasseransammlung befindet. Nach einer kleinen Raumerweiterung mit steil abfallenden Boden verjüngt sich die Strecke abermals und man kann sich nur noch mit Mühe in die letzte Schachtstufe hinunterquetschen. Danach weitet sich der Schacht allerdings etwas und nach gut 6 m Abseilfahrt erreicht man den 3 m x 3 m messenden, blockbedeckten Schachtgrund. Das Tropfwasser verschwindet in unschliefbaren Spalten. Der tiefste Punkt der Höhle liegt an der nördlichen Raumbegrenzung, wo auch noch ein kurzer, nach ONO ziehender Kriechgang ansetzt.


Alex beim Einstieg

Tropfsteine in 25 m Tiefe

Dachsschädel aus dem Käferschacht


Hr. Eibenberger, A. Klampfer und R. Fischer
auf der Forststraße unterhalb des Einstieges


Fotos: W. Fischer am 22.6. und am 13.7.2002


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