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Artikel in HKM 4/2003:

Neue Höhlen zwischen Opponitz und Waidhofen a.d. Ybbs (Teilgruppe 1826)

von Reinhard und Walter Fischer

Die im vorliegenden Bericht behandelten Höhlen wurden in den vergangenen Jahren durch Alexander Klampfer aus Waidhofen a.d. Ybbs aufgefunden und erforscht. Die Vermessung der Objekte erfolgte im Frühling und Sommer 2002 durch A. Klampfer, T. Gundacker und die Verfasser.
Die erste Höhle befindet sich etwa 4,5 km SSO vom Ortszentrum von Waidhofen beim Anwesen Atschreith. Die Zufahrt erfolgt durch den bei der Kote 376 (ÖK50/70), nahe der Haltestelle Kreilhof, von der Hauptstraße südwärts abzweigenden Teschengraben. Vom Haus Atschreith in 600 m Seehöhe geht man auf einer der hier zahlreich ansetzenden Forststraßen knapp 300 m in östliche Richtung, verläßt diese rechterhand über eine abfallende Wiese und gelangt so auf einen weiter nach Osten ziehenden bewaldeten Rücken. Nach 200 m bricht der – eine kleine Kuppe bildende – Rücken steil und schroff zum Bett des Eibenbaches ab. In der nach NO exponierten Seite dieses felsdurchsetzten Steilhanges öffnet sich die

Atschreithkammer (1826/34).
Sh 550 m, L 13 m, H +2 m
Nach dem 3 m breiten und 1 m hohen Eingang verjüngt sich die Strecke zu einem 1 m breiten, 0,5 m hohen Schluf, der in eine bis 2 m hohe, 5 m lange Kammer mündet. Oberhalb einer Stufe leitet eine enge, lehmige Schrägstrecke in eine kleine Erweiterung aufwärts. Der Boden besteht im Eingangsbereich aus erdigen Sedimenten, ansonsten aus feucht-lehmigen Ablagerungen.

Ziemlich genau 1 km östlich der Atschreithkammer befinden sich am Fuß eines vom Wittkogel (830 m) nach NO abwärtsziehenden Kammes die Gschirrhöhlen. Der kürzeste Zustieg erfolgt über den Güterweg "Gschirr/Schlag", der bei Kote 386 an der Straße nach Opponitz, nahe der Haltestelle Gaissulz abzweigt. Schon nach 200 m verläßt man den Güterweg bei der ersten Kehre und steigt über einen Karrenweg (in ÖK50/70 nicht eingetragen) nahe der Tiefenlinie des Grabens auf. In etwa 500 m Seehöhe quert man von einer Linkskurve weglos in den steilen Waldhang nach Norden, wo man nach ca. 150 m am Fuß von Felsbildungen auf den

Gschirrschluf (1826/35) trifft.
Sh 500 m, L 6 m, H –1 m
Der nach dem Ausräumen einiger grober Blöcke nun 0,4 m x 0,5 m messende Einschlupf, welcher sich unter einem Überhang öffnet, führt in eine erdige Schlufstrecke abwärts. Diese zieht mit durchschnittlich 1 m Breite westwärts und weist in ihrer Mitte eine bescheidene Raumerweiterung auf.

Vom Gschirrschluf ca. 40 Schrägmeter steil nach Südwesten aufsteigend, erreicht man die in einer kleinen Felsstufe liegende

Gschirrkammer (1826/36).
Sh 520 m, L 8 m, H +4 m
Vom 1,5 m breiten und 1 m hohen Eingang erstreckt sich der Höhlenraum leicht ansteigend knapp 5 m in westliche Richtung, wo oberhalb einer 1 m hohen Stufe eine schlotartige Erweiterung angeschlossen ist.

Den bewaldeten Steilhang über kleine Felsstufen aufwärtskletternd (oder auf Wildwechseln umgehend) gelangt man nach gut 15 Höhenmetern zu einer markanten Naturbrücke, unter der sich der kleine Einschlupf b) der

Gschirrhöhle (1826/37 a, b) befindet.
Sh 535 m, L 30 m, H –2 m
Die Naturbrücke vermittelt - große Blöcke überkletternd - einen 4 m breiten und bis 3 m hohen Durchgang zu den weiter südlich liegenden Felswänden mit dem unscheinbaren Einstieg a).
Hinter mehreren, dem Wandfuß vorgelagerten Blöcken schlüpft man in einen Kriechgang mit erdigem Boden, der nach einer kleinen Erweiterung bei einem Rechtsknick durch einen Schluf in den zentralen Raum führt. Dieser ist 5 m lang, bis 3 m breit und durchschnittlich mannshoch. Der Erdboden des Raumes weist im Mittelteil eine 1,5 m tiefe Einsenkung auf. In der Nordostecke befinden sich zwei engräumige Fortsetzungen, während die linke nach 2 m blind endet, ermöglicht rechts ein enger, abwärtsführender Schluf den Zutritt zu einer 5 m langen, ansteigenden Strecke, die zum Eingang b) leitet und der eine kurze Nebenstrecke angegliedert ist.

In der Felswand 8 m oberhalb des Einstiegs a) der Gschirrhöhle – in leichter Kletterei erreichbar – liegt ein balkonartiger Absatz mit dem 9 m hohen und 2 m breiten Portal des

Gschirrganges (1826/38).
Sh 545 m, L 10 m, H +6 m
Es handelt sich um einen steil ansteigenden Gang, der bei großen Blöcken mit einer 2,5 m hohen Kletterstelle in einen 2,5 m hohen, bis 2 m breiten und 5 m langen Raum übergeht.

Verfolgt man den Güterweg "Gschirr/Schlag" weitere 650 m bis zur zweiten Kehre, erreicht man eine abzweigende Schotterstraße (Fahrverbot), die am orogr. linken Hang des Ofenbachgrabens emporführt. Bei einer Verzweigung wendet man sich auf einer Forststraße westwärts in den Reichenwaldberg Osthang. Die Forststraße durchzieht den Hang mit einer großen Schleife nach Süden. Nach gut 2 km erreicht man – kurz vor einer Abzweigung – einen rechterhand ansetzenden, verwachsenen Karrenweg (nicht in ÖK50/70 eingetragen). Man folgt diesem ein kurzes Stück abwärts, und erblickt linkerhand liegende Felsbildungen. Entlang des Wandfußes ansteigend, erreicht man nach ca. 50 m einen Vorsprung auf dem sich der Eingang der

Stefaniehöhle (1826/3) befindet.
Sh 770 m, L 21 m, H +1 m
Diese altbekannte Höhle wurde einer Neuvermessung unterzogen, da am Höhlenende durch Erweiterung eines Schlufes eine kleine Kammer zugänglich wurde. Die Basisdaten änderten sich nur unwesentlich.

Allerdings konnte von A. Klampfer in der Felswand unmittelbar links neben der Stefaniehöhle eine neue Höhle aufgefunden werden, die den Namen

Klein-Stefaniehöhle (1826/39) erhielt.
Sh 770 m, L 11 m, H 0 m
Durch den in kurzer, leichter Kletterei erreichbaren Eingang gelangt man in eine 1 m hohe, 0,5 m breite Canyonstrecke, die mehrmals rechtwinkelig umknickend nach 11 m unschliefbar endet.

Hält man sich auf der Schotterstraße im Ofenbachgraben weiter Richtung SSW, erreicht man das Gehöft Klein-Ofenberg und nach insgesamt 1,2 km das nordöstlich davon liegende Gehöft Groß-Ofenberg, wo die Straße endet. Hierher gelangt man auch über einen von der Ybbstalstraße bei der Haltestelle Mirenau, gegenüber vom Kraftwerk Opponitz abzweigenden Güterweg.
Zunächst verfolgt man den hinter dem Gehöft abwärtsführenden Karrenweg ca. 150 m weit und übersteigt einen linkerhand befindlichen, vom Ofenberg (735 m) herabziehenden Rücken. Durch den sehr steilen, bewaldeten, nach NO exponierten Hang absteigend, erreicht man den Fuß von rechts flankierenden Felsbildungen, in denen auf einem Absatz der freigelegte Einstieg b) des

Ofenbergcanyons (1826/40 a, b) liegt.
Sh 580 m, L 64 m, H 16 m (+12 m, -4 m)
Der sehr enge Einstieg bricht 5 m tief (mit Seilhilfe kletterbar) in einen 3 m x 2 m messenden, von einem markanten Block geprägten, Raum ab. Nördlich setzt ein kurzer Schluf an, südlich beginnt beim tiefsten Punkt des Raumes ein enger Canyon, wo es möglich ist zwischen labilen Blöcken engräumig 3 m senkrecht abzuklettern. Der Canyon selbst ist anfangs kriechend befahrbar, linkerhand zieht nach 3 m eine schlotartige Nische mit Wandsinterschmuck empor, im weiteren Verlauf tieft sich der Canyon unschliefbar ein und ist nur mehr im Deckenbereich schliefend befahrbar. Bei einem Linksknick nach insgesamt 11 m kann einerseits in eine Raumerweiterung abgestiegen werden, wo der Canyon unterlagernd einige Meter zurückführt und andererseits wird nach weiteren 3 m eine unschliefbare Passage erreicht, wo eine Verbindung zum durch den Eingang a) zugänglichen Höhlenteil besteht. Zum Eingang a) gelangt man, indem man die Felsbildungen unten umgeht und auf der anderen Seite deren steil ansteigenden Wandfuss gut 15 m weit verfolgt. Vom 4 m breiten und 3 m hohen Portal führt eine schmale Strecke über grobes Blockwerk nach wenigen Metern in eine Raumerweiterung, wo man wieder auf den Canyon trifft, der hier in zwei Etagen befahrbar ist. Über Blöcke 6 m tief abkletternd, erreicht man den Canyongrund, der stark mäandrierend einige Meter weit leicht ansteigend befahrbar ist. Im Firstbereich des Canyons gelangt man nach äußerst engräumigen 7 Metern zur unschliefbaren Verbindungsstelle mit dem Höhlenteil b). Hier finden sich auch wieder Wandsinterbildungen und einige kleinere Stalagmiten.

Anmerkung der Katasterführung bezüglich der Umbenennung der Teilgruppe 1826:
Beim Katasterführerseminar im April 2002 wurden einige unzweckmäßige bzw. veraltete Gebietsbezeichnungen dem aktuellen Namensgut angepasst. Daher erhielt die Teilgruppe 1826 (bisher "Hinterberg") die Bezeichnung "Gaflenzer Kaibling", der den höchsten Berg dieses Gebietes darstellt.


Canyongrund im Höhlenteil a des Ofenbergcanyons (1826/40 a, b)
Foto: Walter Fischer


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