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Artikel in HKM 5/2008:

Bärenlucke (1836/180) – Aktivitäten ab 2005

von Thomas Gundacker und Reinhard und Walter Fischer

Zusammenfassung:
Im März 2003 entdeckt, konnte in der Bärenlucke am Schlagerboden bis Ende 2004 eine Ganglänge von 753 m vermessen werden. Sisyphuscanyon und Quellsiphon stellten mögliche Fortsetzungen dar, in denen ein Weiterkommen allerdings nur mit großem Aufwand möglich war. Die Arbeiten im Quellsiphon wurden im Juli 2007 unter internationaler Beteiligung im Rahmen der Forschungsfahrt "BL 07" bis auf Weiteres abgeschlossen. Die aktuell vermessene Ganglänge beläuft sich inklusive einer ergänzenden Vermessung im Sisyphuscanyon auf 835 m.

Chronik der Forschungen und Vermessungen ab 2005 bis Ende 2007:
Die nachfolgende Chronik stellt die Fortsetzung der in den HKM 5/2005 enthaltenen Auflistung dar.

Datum Teilnehmer Tätigkeiten
02.01.2005 Katrin Tauber, Thomas Gundacker, Walter Fischer, Alex Klampfer, Benedikt Stadlbauer, Josef und Stefanie Koppensteiner, Teresa Binder, Andreas Grill Die Grabungsarbeiten im Sisyphuscanyon gehen weiter. Eine Gruppe junger Kremser Höhlenforscher macht nach einer Besichtigungstour auch noch nähere Bekanntschaft mit der Grabungsstelle. Es werden Unmengen an Lehm herausgegraben, leider beginnt sich die Decke aber wieder in den Lehm zu senken, sodass nur mehr ein kleiner Luftspalt verbleibt.
07.01.2005 Alex Klampfer, Walter Fischer Wieder Grabungsarbeiten im Sisyphuscanyon. Die Hoffnung auf einen baldigen Durchbruch scheint sich nicht zu erfüllen.
25.06.2005 Thomas Gundacker, Walter Fischer, Dieter Sulzbacher Weitere Grabungen im Sisyphuscanyon. Auch im rechten Ast, der im Verlauf des Deckencanyons ansetzt wird wieder gegraben.
16.07.2005 Thomas Gundacker, Michael Kern, Walter Fischer Wieder Grabungen im rechten Ast des Sisyphuscanyons.
01.08.2005 Thomas Gundacker, Alex Klampfer, Walter Fischer Der Quellsiphon wird abermals leergepumpt und mit der Vermessung des ansteigendes Astes begonnen. Dabei muß noch ein Halbsiphon überwunden werden. Nach 33 m wird die Vermessung wegen nachfliessenden Wassers und Schlamm abgebrochen. Weitere 20 m werden durch Alex bis zum nächsten Halbsiphon erkundet.
18.12.2005 Thomas Gundacker, Michael Kern, Walter Fischer Diesmal wieder Grabungen im linken Ast des Sisyphuscanyons.
30.04.2006 Thomas Gundacker, Michael Kern, Walter Fischer Weitere Grabungen im Sisyphuscanyon, sowohl im linken als auch im rechten Ast.
29.07.2006 Thomas Gundacker, Michael Kern Installation der Materialkiste beim Höhleneingang sowie weitere Grabungen im rechten Ast vom Sisyphuscanyon.
30.07.2006 Thomas Gundacker, Michael Kern, Benjamin Rixinger Weitergraben im rechten Ast vom Sisyphuscanyon.
02.12.2006 Thomas Gundacker, Walter Fischer Abtransport von Lehm im Sisyphuscanyon, der bei früheren Touren herausgegraben wurde.
04.02.2007 Thomas Gundacker, Walter Fischer Tieferlegung des Niveaus und Abtransport von Lehm im Sisyphuscanyon.
27.04.2007 Thomas Gundacker, Walter Fischer Der Wasserspiegel im Quellsiphon liegt ca. 2 m unter dem Überlaufniveau. Dies wird genützt, um feuchten Lehm, der in den Siphon abzurutschen droht, wegzuschaffen.
06.07.2007 Thomas Gundacker, Walter Fischer Forschungsfahrt "BL 07": Zur Vorbereitung auf die geplante vollständige Erforschung des Quellsiphons wird dieser innerhalb von 4 Stunden leergepumpt.
07.07.2007 Luka Mudronja, Ana Baksic, Darko Baksic, Gintare Siaulyte, Paul Karoshi, Andrea Vasvari, Peter Urban, Bernd Kranzelbinder, Dora Belme, Dorottya Bartucz, Tamas Bai, Gyorgy Kovacs, Stefan Haiderer, Harald Daurer, Thomas Gundacker, Reinhard und Walter Fischer Forschungsfahrt "BL 07": Erkundung und Vermessung bis zu einer unschliefbaren Engstelle im Quellsiphon.
08.07.2007 Dora Belme, Gyorgy Kovacs, Thomas Gundacker Forschungsfahrt "BL 07": Im Sisyphuscanyon werden weitere 2 m ausgegraben.
28.07.2007 Reinhard und Walter Fischer Vermessung der ausgegrabenen Strecken im Sisyphuscanyon.
08.09.2007 Stefan Haiderer, Harald Daurer, Walter Fischer Weitergraben im linken Teil des Sisyphuscanyons.
06.10.2007 Stefan Haiderer, Harald Daurer, Thomas Gundacker, Reinhard und Walter Fischer Weitere Grabungen in beiden Teilen des Sisyphuscanyons. Thomas fährt dabei im rechten Ast einen kleinen luftgefüllten Hohlraum an.

Bei drei Fahrten durch T. Gundacker und W. Fischer (3.11., 24.11. und 25.12.2007) wurde an der Trockenlegung des Eingangsschlufes, der sich bei feuchtem Wetter in einen Halbsiphon verwandeln kann, gearbeitet.

Forschungsfahrt "BL 07":
Da mehrmalig Forschungsfahrten entweder an Materialproblemen, Wasserführung oder Zeitmangel scheiterten, wurde im Rahmen eines Forschungswochenendes von 6. – 8. Juli 2007 ein weiterer Versuch, den Zulauf des Quellsiphons zu erforschen, unternommen.
Die Verfasser trafen sich schon am Freitag, um mit dem Auspumpen zu beginnen. Anfängliche Befürchtungen, daß der Regen der vergangenen Tage den Siphon zum Überlaufen gebracht hätte, bewahrheiteten sich nicht, weshalb der Siphon noch an diesem Tag zur Gänze entleert werden konnte. Abends wurde dann das Lager beim Grubbauern in der Garage und auf der Wiese aufgeschlagen und die restlichen Teilnehmer aus Ungarn, Kroatien, Litauen und Graz, sowie aus der näheren Umgebung trafen nach und nach ein.


Wegweiser zur Forschungsfahrt "BL 07"
Foto: W. Fischer

Samstag früh, nach einer kurzen Oberflächenbegehung der interessanteren Dolinen des Schlagerbodens stieg eine Gruppe hochmotivierter Höhlenforscher zum Quellsiphon ab. Leider hatte sich die tiefste Stelle wieder ca. 1 m hoch mit Wasser gefüllt, und nach einem Pumpversuch verklemmte ein Stein die Pumpe derart, daß eine kurze Reparatur unumgänglich wurde. Dies bot all jenen, die zum ersten Mal in der Bärenlucke waren, zumindest Gelegenheit die anderen Höhlenteile zu besichtigen. Auch wurde wieder mit Grabungsarbeiten im Sisyphuscanyon begonnen.
Am Nachmittag konnte schließlich der Siphon zur Gänze leergepumpt und der dahinter liegende Bereich fertig vermessen werden, was abends mit einer ausgiebigen Grillerei gefeiert wurde.
Am Sonntag blieben noch einige Stunden Zeit, um im Sisyphuscanyon weiterzuarbeiten.
Zwar wurde auch im Rahmen der Forschungsfahrt "BL 07" nicht allzuviel Neuland erschlossen, das Forschungswochenende war dennoch - nicht zuletzt wegen der buntgemischten Teilnehmerschar - ein sehr schönes Erlebnis.

Teilnahme an Höhlenfahrten:

Name  Verein   06.07.2007   07.07.2007   08.07.2007 
Luka Mudronja (1) - X -
Ana Bakšić (1) - X -
Darko Bakšić (1) - X -
Gintarė Šiaulytė (2) - X -
Paul Karoshi (3) - X -
Andrea Vasvári (3) - X -
Peter Urban (3) - X -
Bernd Kranzelbinder (3) - X -
Dóra Belme (4) - X X
Dorottya Bartucz (4) - X -
Tamás Bai (4) - X -
György Kovács (4) - X X
Thomas Gundacker (5) X X X
Reinhard Fischer (5) - X -
Walter Fischer (5) X X -
Stefan Haiderer (6) - X -
Harald Daurer (6) - X -
Verein:
(1): Speleološki Odsjek PDS Velebit, Kroatien
(2): Lithuanian Caving Club "Aenigma", Litauen
(3): Die Höhlenbären, Graz
(4): Tolerancia Barlangkutató Egyesület ("TBE"), Ungarn
(5): Landesverein für Höhlenkunde in Wien und NÖ
(6): ÖNJ Oberndorf

Befahrungshinweise Quellsiphon:
Die Forschungsarbeit im Bereich des Quellsiphons ist aufwendig und unangenehm und es muß eine ständige Bewertung des nicht unerheblichen Sicherheitsrisikos erfolgen. Obwohl der Zustieg zur Höhle vom Gehöft Grub, sowie der Abstieg zum Quellsiphon kurz sind, gestaltet sich das Auspumpen - selbst mit einer starken Tauchpumpe - ziemlich zeitintensiv. Da die Pumpe im Siphon auch immer wieder nachgerückt werden muß, bleibt nichts anderes übrig als 5 Stunden auf kaltem, wassergetränktem Sediment zu liegen. Nach wiederholtem Befahren der Siphonstrecke beginnt ausserdem die oberste Schicht dieses Gemisches aus Sand, Schotter und Lehm abzurutschen und eine Schlufstrecke im Anfangsbereich des Siphons zu verlegen. Instabiles Sediment sollte daher vor dem Befahren dieser Engstelle aus Sicherheitsgründen entfernt werden.
Am tiefsten Punkt des Siphons kommt es durch angesaugtes Sediment häufig zu Problemen mit der Pumpe. Eine Rückschlagklappe, die verhindern würde, daß Sediment und zurückfließendes Wasser aus dem Schlauch bei Abschalten der Pumpe diese verlegen, wurde bisher noch nicht getestet, könnte aber die Situation verbessern. Das problemlose Aus- und Einschalten der Pumpe unter extremen Bedingungen muß unbedingt gewährleistet sein, am besten durch einen robusten Schwimmerschalter, den man allerdings manuell betätigt.

Kritische Stellen und Situationen im Verlauf des Siphons sind:

Grundsätzlich ist anzumerken, daß der Höhleneingang seit 2004 versperrt ist, und eine Befahrung nur im Einvernehmen mit dem Grundeigentümer möglich ist.

Materialbedarf Quellsiphon:

Wasserführung Quellsiphon:
Durch die regen Forschungen in der Bärenlucke über mehrere Jahre hinweg, konnten einige interessante Beobachtungen über die Wasserführung des Quellsiphons gemacht werden. Während der Schneeschmelze und nach sehr starken Regenfällen wird der Quellsiphon aktiv (mehrere Sekundenliter), bei längerer Trockenheit sinkt der Wasserspiegel jedoch ca. 1 m bis 2 m unter das Überlaufniveau und Tropfwasser aus dem Großen Dom fließt in den Siphon. Das höchste Bodenniveau im ansteigenden Ast dürfte etwa 1 m höher als die Überlaufschwelle liegen. Dahinter sinkt die Strecke zu einer unschliefbaren Fortsetzung ab, die überraschenderweise wasserfrei angetroffen wurde.

Nie wieder so ein Gatsch!
Dies war zumindest die einhellige Reaktion aller Teilnehmer nach dem Ende der Forschungsfahrt "BL 07". Die Unmengen an Schlamm machten zudem die Vermessungsarbeiten zu einem fast unmöglichen Unterfangen. Doch schon wenige Tage nach der Tour gewann der "Forschervirus" wieder die Oberhand – falls sich nochmals jemand für das stundenlange Auspumpen motiviert, um am Endpunkt weiterzumachen, wir sind wieder dabei – aber diesmal garantiert mit Neoprenanzug!


Längsschnitt
Grundriss

Dank:
Großer Dank gebührt auch diesmal den Familien Scopez und Deuretzbacher, die als Eigentümer und Bewohner des Anwesen Grub unseren Forschungen immer sehr offen gegenüberstehen und uns bestmöglich unterstützen. Ein besonderer Dank ergeht an Katrin Tauber für die tatkräftige Hilfe obertags.

Basisdaten:
Kat. Nr. 1836/180 a, b, Sh 665 m, L 835 m, H 64 m (+9 m, -55 m), alle Daten bezogen auf Eingang a.

Ergänzende Raumbeschreibung:

Sisyphuscanyon (41 m):
Durch den, bei den Grabungsarbeiten herausgeschafften Lehm, hat sich der geräumige Anfangsteil des Canyons derart verändert, das auf dem ursprünglichen Blockboden nun eine bis zu 1,5 m mächtige Lehmschicht lagert. Dadurch ist es einfacher möglich, eine nordwärts liegende, schlotartige Nische mit schönem Wandsinterschmuck zu erklettern sowie in eine im Deckenbereich ansetzende Fortsetzung zu schliefen. In diesem rechten Ast des Sisyphuscanyons, wo aus einer unschliefbaren Spalte die Wetterführung austritt, konnte durch Abgraben des Bodenlehms eine 2 m tief abwärtsführende Schrägstrecke freigelegt werden, die mit einem Rechtsbogen wieder in den Lehm eintaucht. Die äußerst engräumige Strecke, in der auch zukünftig weitergegraben wird, wurde "Kleiner Sisyphus" genannt.
Beim tiefsten Punkt im Sisyphuscanyon setzt der ursprünglich ebenfalls zur Gänze verlegte linke Ast mit einem gewundenem Kriechgang an, der nach einer kleinen Kammer und einem schmalen Schluf in eine etwas höherliegende Erweiterung aufwärts führt. Rechterhand konnte hier ein 2 m langer Schluf ausgegraben werden, der Canyon selbst wird im weiteren Verlauf wieder schmäler und senkt sich nach weiteren 4 m wieder in den Lehm. Auch an dieser Stelle wird die Sisyphusarbeit weitergehen.

Quellsiphon (87 m):
Im folgenden ist der Quellsiphon so beschrieben, wie er sich nach Abpumpen des Wassers darstellt.
Beim tiefsten Punkt im Siphon, 23 m nach dem Beginn der Strecke im Großen Dom sowie 5 m unterhalb des Überlaufniveaus, befindet sich eine 4 m lange und etwa 50 cm tiefe Wasser- und Gatschansammlung. Danach steigt der Kriechgang leicht an und erreicht bis knapp 2 m Breite, nach 9 m mündet er in den nächsten, kleinräumigen Halbsiphon. Nach weiteren 10 m wird eine gut 5 m lange Wasseransammlung erreicht, die nur 20 cm Luft zur Decke frei läßt und in eine 2 m schräg aufwärtsführende Erweiterung mündet. Die Fortsetzung ist jedoch abermals ein enger Halbsiphon hinter dem die Raumhöhe überraschend ansteigt. Im hier 1 m breiten Gang wird ein mindestens 5 m hoher Schlot erreicht, der sich aber noch weiter nach oben fortsetzen dürfte. Passiert man den letzten der schlammigen Halbsiphons, gelangt man in eine bis 5 m hohe Kluftstrecke mit einigen großen Blöcken im Mittelteil. Das Bodenniveau befindet sich laut Vermessung bereits etwa 1 m über der Überlaufschwelle des vollen Siphons. Der weiterziehende Gang führt mit leichtem Gefälle abwärts und wird nach 5 m unschliefbar niedrig. Durch Abgraben des Bodensediments wäre es hier möglich weiter vorzudringen.
Insgesamt zieht der Quellsiphon mäandrierend in Richtung SSW, der derzeitige Endpunkt liegt etwa 60 m vom Ansatz im Großen Dom entfernt.

Literatur:



Im "Kleinen Sisyphus", Foto: W. Fischer


LinkWeitere Informationen siehe Forschungsvorhaben Bärenlucke.


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