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Vom Carnuntiner Legionslager, das sich etwa
auf halbem Wege zwischen Bad Deutsch-Altenburg und Petronell
ausdehnt, sind heute als Geländemerkmale noch deutlich der
Verlauf der unregelmäßig verlaufenden Lagerumwehrung
(Lagermauer und Befestigungsgräben) zu erkennen. Das
Legionslager wurde etwa um die Mitte des 1. Jh. n. Chr. auf
einem leicht erhöhten Plateau, das sich vom umliegenden
Gelände abhebt, angelegt. Die im späteren 19. und
früheren 20. Jh. durchgeführten Ausgrabungen, bei
denen auch ein Torturm des östlichen Lagertores konserviert wurde,
profitierten vor allem von der Tatsache, dass das Areal des
Legionslagers bis heute keine moderne Überbauung erfahren
hat.
Der vieleckige Grundriss des Carnuntiner
Legionslagers (ca. 490 x 334-391 m) wurde durch zwei
Straßenachsen gegliedert: der Ost-West orientierten via
principalis (fällt mit der heutigen Landesstraße zusammen)
und der Nord-Süd laufenden via praetoria bzw. via
decumana.
Südlich des Schnittpunkts der beiden Straßenachsen
erstreckte sich das ca. 60 x 90 m große, zentrale
Verwaltungsgebäude (principia), dessen Aufbau sich
mit dem Forum einer römischen Zivilstadt vergleichen lässt.
Hinter einem ausgedehnten Innenhof folgte ein quergestellter Hallenbau
(basilica), an dem an der Rückseite eine Reihe von
Büroräumen und Versammlungssälen anschlossen.
In der Längsachse des Gebäudes gelegen befand sich hier das
Fahnenheiligtum (aedes, sacellum), in dem man einst die
Legionsstandarten aufbewahrte.
Südlich der principia lag das praetorium, in dem der
Legionskommandant untergebracht war. Die zahlreichen
Räume einschließlich eines Badetraktes waren um
einen zentralen Hof angeordnet. An der Westseite des praetorium
schloss das valetudinarium (ca. 77 x 83 m), das Lagerlazarett,
an, das aus kleinteiligen, von Korridoren gegliederten Raumreihen
bestand. Östlich des Kommandantengebäudes
erstreckten sich zwei große Werkstatt- oder
Magazingebäude.
Entlang der Nordflucht der via principalis lagen die Unterkünfte
der Legionstribunen (scamnum tribunorum), deren
Grundriss eine verkleinerte Wiederholung des praetorium
darstellte.
Der Großteil des Lagers wurde von den Kasernen der zehn
Legionskohorten eingenommen, wobei die erste Kohorte offenbar
östlich der principia untergebracht war. Die in der
praetentura gelegenen Mannschaftsunterkünfte sind im Laufe
der Jahrhunderte teilweise bereits von der nördlich
vorbeifließenden Donau weggespült worden.
Die komplexe Baugeschichte des bis in die
Spätantike genutzten Carnuntiner Legionslagers konnte vor
allem bei den 1968-1977 in der östlichen praetentura von
der Limeskommission der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften (M. Kandler) durchgeführten Ausgrabungen
erhellt werden. Dabei zeigte es sich, dass innerhalb des
befestigten Lagers spätestens im 5. Jh. n. Chr. auch
Teile der Zivilbevölkerung Unterschlupf gefunden haben.
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Stationierte Truppen
Während des 1. Jh. n. Chr. befand sich
in Carnuntum das Standlager der legio XV Apollinaris,
kurzfristig unterbrochen zwischen 62-71 n. Chr. mit der
Stationierung der legiones VII gemina, X gemina und XXII primigenia.
Zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. wurde die 15. Legion von der legio XIV
gemina abgelöst, die bis in die Spätantike in Carnuntum
stationiert blieb.
Datierung
Das Carnuntiner Legionslager wurde um die Mitte des 1. Jh. n. Chr.,
vermutlich unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) zunächst
in Holz-Erde-Bauweise angelegt. Der Umbau in Stein dürfte
im frühen 2. Jh. n. Chr. abgeschlossen worden sein. Am
ehesten in severischer Zeit (193-235 n. Chr.) scheint das Lager
von der Donau Richtung Süden zurückversetzt worden zu sein,
womit sich der ungewöhnlich Grundriss am besten
erklären ließe. Das Lagerareal blieb zumindest bis
in die Völkerwanderungszeit (5. Jh. n. Chr.) in Benutzung.
Antike Schriftquellen zum Legionslager
Velleius Paterculus II 109,5 and 110,1-2; Plinius naturalis
historia IV 80; Ptolemaios II 14,3; Tabula
Peutingeriana IV/2; Itinerarium Antonini; Notitia
dignitatum Occ. XXXIV 28.
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Literatur:M.
Kandler/Ch. Gugl, Gli accampamenti militari di Carnuntum. In: M.
Buora/W. Jobst (Hrsg.), Roma sul Danubio. Da Aquileia a
Carnuntum lungo la via dell´ambra. Ausstellungskat.
Udine 2002. Cat. e Monogr. Arch. Civici Musei di Udine (Rom
2002) 121-132; bes. 125 f.; Ch. Gugl, CARNUNTUM CASTRA LEGIONIS. In:
Zs. Visy (Hrsg.), The Roman Army in Pannonia. An archaeological guide of
the Ripa Pannonica (Pécs 2003) 55–57.
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