Römische Fibeltypen des 1. - 3. Jahrhunderts n. Chr.
im Ostalpenraum
Fundlisten

 

 

FUNDLISTE 1
Kräftig profilierte Fibeln vom Typ Almgren 70/73f

FUNDLISTE 2
norisch-pannonische Flügelfibeln der Variante Almgren 238q2

FUNDLISTE 3
Einknotenfibeln mit Stützplatte und gestrecktem Fuß

FUNDLISTE 4
zweigliedrige Spiralfibeln vom Typ Jobst 10A

FUNDLISTE 5
Kniefibeln vom Typ Jobst 12E

FUNDLISTE 6
Kräftig profilierte Fibeln vom Typ Almgren 70/73g

FUNDLISTE 6
Kräftig profilierte Fibeln vom Typ Almgren 70/73g

Zu den gemeinsamen Kennzeichen des Typs Almgren 70/73g zählen der hohe, oft stark gekrümmte Fibelkörper mit vier-, seltener fünffach profiliertem Bügelknopf, dessen Fuß entweder langgestreckt, häufig aber auch leicht geschwungen ist, wobei der mehrfach profilierte Endknopf sich immer deutlich aufwärts wendet. Der Nadelhalter ist allgemein sehr hoch und rechteckig zugeschnitten.
1. Kleine Exemplare von ca. 3,5 bis 4 cm Länge zeigen übereinstimmend einen abgeflachten, nicht zurückgebogenen Fibelkopf und dürften wahrscheinlich regional sehr begrenzt hergestellt worden sein. In Virunum fehlen sie.
2. Die größeren Vertreter dieses Typs erreichen Längen von ca. 5,5 bis knapp 7 cm und haben einen zum Teil scharfkantig zurückgeführten Fibelkopf. Eine Fibel aus Lauriacum, zwei Stücke aus Flavia Solva und ein Exemplar im Museum Eisenstadt besitzen eine Spiralachse mit halbkugeligen Endknöpfen.

Schon W. Jobst vermutete, daß mit Fibeln dieser Art die am reifsten entwickelte Form seines Typs 4D vorliegt, "wo die Auflösung des Fibelkörpers in Einzelelemente ganz offenkundig wird". Grabfunde, wie Hügel 5 von Bernstein mit zwei Fibeln Almgren 70/73g2, die mit einem As des Hadrian und einer Doppelknopffibel Almgren 236n vergesellschaftet waren, und Grab 11 von Šempeter , aus dem unter den Beifunden ein As des Mark Aurel (geprägt für Commodus) und zwei (?) Doppelknopffibeln Almgren 236h hervorzuheben sind, bestätigen diese Vermutung. Aus einem Kontext der Zeit Antoninus Pius bis Mark Aurel stammt eine Fibel Almgren 70/73g1 in der Insula XLI von Flavia Solva.

Literatur: Ch. Gugl, Die römischen Fibeln aus Virunum (Klagenfurt 1995) 18 f.

 

Abbildung 1
Kräftig profilierte Fibel
Almgren 70/73g1
(Zeichnung: Ch. Gugl)

Abbildung 2
Kräftig profilierte Fibel
Almgren 70/73g2
(Zeichnung: Ch. Gugl)

   

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A70/73g1:

1. Šempeter (Slowenien). V. Kolšek, Vzhodni del anticne nekropole v Šempetru. Kat. in monogr. 14 (Ljubljana 1976) 16 Taf. 6,26.
2. Lentia-Linz (Oberösterreich). E. M. Ruprechtsberger, Ein Beitrag zu den römischen Kastellen von Lentia: Die Terra Sigillata. Linzer Arch. Forsch. 10 (1980) 51 Taf. 7,3.
3. Flavia Solva-Wagna bei Leibnitz (BH Leibnitz, Steiermark).
  a) A. Puhm, Die römischen Fibeln der Insula XLI von Flavia Solva. Ergebnisse der Grabungen von 1989-1992. FÖ 31, 1992, 71; 74 Nr. 6. - St. Groh, Die Insula XLI von Flavia Solva. Ergebnisse der Grabungen 1959 und 1989 bis 1992. Österr. Arch. Inst. Sonderschr. 28 (Wien 1996) 188 Taf. 20,FI 6.
  b) LM Joann. Graz, Fbl.Nr. 150048.
  c) FÖ 37, 1998, 826 Abb. 1054.
  d)
W. Kropf/H. Nowak, Fibeln von Flavia Solva aus Privatbesitz. RÖ 21/22, 1998/99 (Wien 2000) 72 Nr. 22 Taf. 5,22.
4. Kalsdorf (BH Graz-Umgebung, Steiermark).
  a) H. Heymans, Die Fibeln aus dem römerzeitlichen Vicus von Kalsdorf bei Graz. Fundberichte aus Österreich 36, 1997 (Wien 1998) 332 f. Taf. 5,44.
  b) LM Joann. Graz, Inv.Nr. 19627.
5. Maria Lankowitz (BH Voitsberg, Steiermark). I. Bauer, Römerzeitliche Höhensiedlungen in der Steiermark mit besonderer Berücksichtigung des archäologischen Fundmaterials. FÖ 36, 1997, 123 Taf. 40,L 156.
6. Sala-Zalalövö (Zala Megye, Ungarn). K. Berecz, Römerzeitliche Fibeln aus Zalalövö. Acta Arch. Hung. 42, 1990, 80 Nr. 16 Abb. 3,4.
7. Ratschendorf (BH Radkersburg, Steiermark). W. Artner, FÖ 33, 1994, 47 Taf. 18,9 [hitzedeformiert - typologische Zuweisung unsicher].

 
Abbildung 3
Verbreitung kräftig profilierte Fibeln
vom Typ Almgren 70/73g
(Kartengrundl
age: Österreich-Arbeitskarte,
Freytag-Berndt u. Artaria, Wien)
   

A70/73g2:

8. Cherson (Chersonska Oblast, Ukraine). A. K. Ambroz, Fibuly juga jevropejskoj casti SSSR II v. do n. e. - IV v. n. e. Archeologija SSSR. Svod archeologiceskich istocnikov D 1-30 (Moskau 1966) 38 Taf. 7,5.
9. Lauriacum-Lorch bei Enns (BH Linz-Land, Oberösterreich). W. Jobst, Die römischen Fibeln aus Lauriacum. Forsch. in Lauriacum 10 (Linz 1975) 138 Nr. 35.
10. Pitten (BH Neunkirchen, Niederösterreich). H. Friesinger, Mitt. Prähistor. Komm. Wien 17/18, 1975/1977, 95 Taf. 54,19009.
11. Mus. Eisenstadt (Fundort?). A. Schober, Die Römerzeit in Österreich und in den angrenzenden Gebieten von Slowenien 2(o. J.) 180 Taf. LXI Abb. 135.
12. Flavia Solva-Wagna bei Leibnitz (BH Leibnitz, Steiermark).
  a) FÖ 37, 1998, 826 Abb. 1055.
  b) Ebd. Abb. 1059 [nur dreifach profilierter Bügelknopf].
  c)
W. Kropf/H. Nowak, Fibeln von Flavia Solva aus Privatbesitz. RÖ 21/22, 1998/99 (Wien 2000) 73 Nr. 24 Taf. 6,24.
  d) Dies. ebd. 81 f. Nr. 63 Taf. 12,63.

13. Maria Lankowitz (BH Voitsberg, Steiermark). I. Bauer, Römerzeitliche Höhensiedlungen in der Steiermark mit besonderer Berücksichtigung des archäologischen Fundmaterials. FÖ 36, 1997, 123 Taf. 40,L 157.
14. Gleisdorf (BH Weiz, Steiermark).
  a) H. Preßlinger/Ch. Maier/Th. Lorenz, Metallographische Untersuchungen an einem römerzeitlichen Messer aus Norischem Stahl. Berg- u. Hüttenmänn. Monatsh. 136/5, 1991, 185 Abb. 2 (Rohguß).
  b) Inst. f. Klass. Archäologie Graz, Fbl.Nr. 891794 (Fehlguß).
  c) Inst. f. Klass. Archäologie Graz, Fbl.Nr. 88101.
  d) W. Artner, Die provinzialrömischen Gräber von Gleisdorf in der Oststeiermark. Mitt. Österr. Gesell. Ur- u. Frühgesch. 38/39, 1988/89 (Wien 1994) 98 Taf. 54,9.
15. Kugelstein (BH Graz-Umgebung, Steiermark). LM. Joann. Graz, Inv.Nr. 1962.
16. Lödersdorf (BH Feldbach, Steiermark). LM. Joann. Graz, Inv.Nr. 7506.
17. Götzendorf (BH Judenburg, Steiermark). LM. Joann. Graz, Inv.Nr. 19587.
17. Florianiberg, KG Straßgang (BH Graz-Stadt, Steiermark). H. Heymans, Römerzeitliche Fibeln und Bronzen aus dem Kaiserwald, dem Bereich um Graz und aus der Weststeiermark in der Sammlung Stadlhofer. FÖ 35, 1996, 144 Taf. 3,12.
19. Kalsdorf (BH Graz-Umgebung, Steiermark). H. Heymans, Die Fibeln aus dem römerzeitlichen Vicus von Kalsdorf bei Graz. Fundberichte aus Österreich 36, 1997 (Wien 1998) 332 f. Taf. 5,42.
20. Celeia-Celje (Slowenien).
  a) LM. Joann. Graz, Inv.Nr. 6289.
  b) Ein weiteres Exemplar kam bei Ausgrabungen neben dem Pokrajinski muz. Celje zutage.

 

   
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