NEUERSCHEINUNG HERBST 2006
Fremde Mutter
Roman
Es
ist ihr Lebensbericht, den Elisabeth einem jungen Arzt erzählt.
Sie ist erst siebenundzwanzig. Früh war der Vater gestorben und
die Kindheit nach dem Ersten Weltkrieg in dem kleinen Dorf in Deutschland
voll Entbehrungen. Die Mutter ist eine schweigsame und strenge Frau.
Erst viele Jahre später, kurz vor ihrem Tod, wird Elisabeth ihr
nahe sein. Aus dem Kind reift eine selbstbewusste Frau heran, die ihr
Leben trotz vieler Schicksalsschläge zu meistern versteht. Bei
einem Urlaub in der Ostmark lernt sie ihren Mann kennen und lieben.
Doch der Krieg Nazideutschlands setzt dem Glück ein jähes
Ende. In ihrem Schmerz begeht Elisabeth einen Akt des Widerstandes,
der ihr einzig richtig erscheint.
In ihrem neuen Roman schildert Christine Haidegger ein authentisches
Stimmungsbild der Zwischenkriegszeit. Bisher nur mit der unmittelbaren
Gegenwart beschäftigt, wird aus einer jungen Frau eine Beobachterin
der politischen Verhältnisse. In den schwierigsten Zeiten des 20.
Jahrhunderts wächst sie durch Selbstbestimmung und Anteilnahme
über sich selbst hinaus.
Otto Müller Verlag, ca.
250 Seiten, gebunden, EUR 21.00, ISBN: 3-7013-119-6
Rezension
| Online-
Bestellung | Leseprobe
|
|
Weiße Nächte
Gedichte
Das
Weiß im Buchumschlag und im Buchtitel ist noch unschuldig und eine
semantisch freie Fläche, aber schon nach dem ersten Durchblättern
der Texte wird klar, daß es hier um Frost, Abschied, Kälte
und das Weiße in den Augen des Jenseits geht. Die Kälte aus
Thomas Bernhards Kosmos von "In-hora-mortis" ist da.
Aber bei Christine Haidegger trauert das lyrische Ich nicht so sehr um
sich selbst, trotz aller objektiven Betrachtungsweise ist zwischendurch
immer wieder klar, daß die Autorin Gedanken kreisen läßt
um ihre früh verstorbene Tochter, die unter dem Namen Meta Merz gerade
eruptiv ihre Schreibfelder abgesteckt hatte.
Der erste Teil "Winterfarben" ist auch programmatisch dem toten
Kind gewidmet. "Nocheinmal / die Nabelschnur zerschnitten // Weiß
/ rinnt mein Blut / am Herzen vorbei / zurück // Dein halbgeöffnetes
Lid / damals / Dein halbgeschlossenes Lid / jetzt // Dazwischen / hast
du gelächelt / Leuchtend geöffnetes Blau? (8)
Schnee, nichts zu verkaufen, Muschelschalen knirschen, Trauer, Himmel
und Hölle sind einige Schlüsselbegriffe, um die sich die scheinbar
schneeblind gewordenen Gedanken der Trauer versammeln, kein Schutz weit
und breit.
Auch der zweite Abschnitt, "weiße Nächte" überschrieben,
ist zwischen Allerseelen und einer Jahreszeit der Bodenlosigkeit eingespannt,
selbst Gottes Füße kriegen keinen Boden, heißt es einmal
resignierend.
Abschnitt drei und vier handeln von Reisen, Amerika, Stadt und Land eben,
wie es in einem Quiz-Spiel heißt. Amerika als Erlebnis - die Orte
werden in die Aura eines großen Mythos gestellt, America beispielsweise
- und dann steht eine Frau in der Schlange vor der Kassa. Oder ein Mann
aus einem grandiosen downtown läßt sich umständlich ein
Klavier kommen und dann stellt sich heraus, daß er nicht klavierspielen
kann.
Mit der Zeit schließt sich der Motivkreis, die Orte der Trauerreise
korrespondieren mit den Kälteschocks der ursprünglichen Trauer.
Die weißen Nächte finden überall statt, wohin sich das
trauernde Ich auch wendet. Christine Haideggers Gedichte sind eine ungewöhnliche
Mischung aus Intimität und Öffentlichkeit.
Rezension von
Helmuth Schönauer, 19. November 2002
Baden: Grasl 2002. ( Lyrik aus Österreich
Band 90) 64 S., brosch., EUR 8.-. ISBN 3-85098-258-0
Rezension | Online-
Bestellung | Leseprobe
|
|
Cajuns, Cola, Cadillac. American Sightseeing.
Roman
Wie
schon der Band "Amerikanische Verwunderung" schildert auch das
vorliegende Buch Reiseeindrücke, diesmal des amerikanischen Südens.
Die Route führt die Autorin und ihre Begleiterin R. von Virginia,
über South Carolina, Georgia, Alabama, Mississippi, Tennessee und
North Carolina zurück zum Ausgangspunkt der Reise.
R., die zum ersten Mal in den USA ist, staunt über die Dimensionen
des Landes. Selbst die Bäume sind hier wesentlich höher als
in Europa. Man erfährt viel über den amerikanischen Alltag:
über Eß- und Shopping-Gewohnheiten, Bürokratie und Bildungssystem,
über den Alltagsrassismus und ein wenig zur amerikanischen Kulturgeschichte.
Der Blick ist stets auf die kleinen, unscheinbaren Dinge des täglichen
Lebens gerichtet. So kauft sich R. nach ein paar Tagen eine Porzellantasse,
weil ihr das viele Plastik in den Motels auf die Nerven geht. Sie merkt
gar nicht, daß sie mit der Zeit ganz automatisch zum Plastikbecher
greift und sich so immer mehr akklimatisiert.
Wer selbst schon in den USA war, amüsiert sich über die Tücken
des Alltags wie z. B. codierte Nummernschlösser in Hotels oder sich
wie von Zauberhand öffnende Toilettentüren und erinnert sich
an eigene Erlebnisse und Mißgeschicke im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Hauptziel der Reisenden ist die Volksgruppe der Cajuns, auch Arcadiens
genannt. Sie sind Nachkommen französischer Siedler und leben nördlich
von New Orleans. Ihren Lebensweisen und Bräuchen gilt das besondere
Interesse der beiden Frauen, die ein Wochenende lang die lokalen Tänze
und Bräuche studieren. Die Cajuns sind ein fröhliches Volk,
sie lieben es, nach einer anstrengenden Arbeitswoche ausgiebig zu tanzen
und zu feiern und ihre Cajun music zu spielen. Wenn sie unter sich sind,
sprechen sie Cajun-French. Ihr Credo lautet: Let the good times roll -
Laissez les bon temps rouler.
In New Orleans finden die beiden Reisenden endlich ein Caféhaus,
in dem es ausgezeichneten Kaffee gibt und nicht irgendein gefärbtes
Wasser. Das Kulturangebot ist auch hier wie in vielen amerikanischen Städten
beachtlich.
Weiter geht es Richtung Memphis. Hannibal in Missouri, der Kindheitsort
von Mark Twain, liegt leider zu weit ab von der Route. Sie verzichten
auch auf einen Besuch von Graceland, Geburtsort Elvis Presleys. Sie haben
genug Bilder, Filme und Postkarten davon gesehen.
Einen Abstecher in die berühmte Whiskey-Distillerie des Jack Daniels
lassen sie sich aber nicht entgehen. Groß ist allerdings die Enttäuschung,
daß in der Brauerei kein Whiskey verkauft wird - Tennessee ist eben
ein trockenes County.
Die Reise nähert sich allmählich ihrem Ende. Doch vor dem Heimflug
gilt es, noch ein paar alte Bekannte in Detroit und Chicago zu besuchen.
Nach den entspannten Tagen unter Freunden fällt der Abschied doch
wehmütiger als erwartet aus. Die Ankunft in Schwechat macht ihnen
nur allzu schnell bewußt, daß Wien eben anders ist.
"Cajuns, Cola, Cadillac" zeichnet ein klassisches Amerikabild
voller Klischees nach, denen die Amerikaner eben teilweise entsprechen.
Alles in allem eine unterhaltsame Reiselektüre, die eigene Erinnerungen
an den letzten Amerikaaufenthalt lebendig werden läßt.
Rezension von
Karin Fleisch, 10. Februar
1998
Wien: Milena, 1997. 248 S., brosch.;
öS 218.-. ISBN 3-85286-050-4
Rezension | Online-
Bestellung | Leseprobe
|
|