Clavichord - dieses einsame, melancholische, unaussprechlich süße Instrument

Die Tonerzeugung im Clavichord geschieht durch Anschlagen der Saite durch die sogenannte Tangente, ein schmales Metallplättchen, das am hinteren Ende der Taste eingelassen ist. Solange die Taste gedrückt ist, berührt und verkürzt die Tangente die Saite. Nach dem Loslassen des Tones wirkt der links der Tangente in die Saiten geflochtenen Filz auf die ganze Saite, und bringt sie zum Erstummen.

Da während der ganzen Dauer eines angschlagenen Tones die Tangente an der Saite anliegt, kann durch Drücken der Taste die Tonhöhe und in engen Grenzen auch die Klangfarbe beinflusst werden. Es ist daher möglich Intervalle und Akkorde stimmungsrein zu spielen.

Durch periodisches Verstärken und Nachlassen des Tastendruckes erhält man die sogenannte Bebung, ein nur im Clavichord mögliches Vibrato.

Eine weitere Besonderheit des Clavichords ist seine geringe Lautstärke (die Tangente schlägt am Ende der schwingenden Saitenlänge an, bringt daher nur wenig Energie in die Saite). In ruhiger Umgebung fällt dieser scheinbare Mangel kaum ins Gewicht und es entfaltet eine erstaunliche Klangfülle.

Erfunden im 14., erlebte es Hochblüten im 17. und 18. Jahrhundert: im deutschsprachigen Raum, Skandinavien und Spanien. Erst mit dem Bewußtsein seiner Bedeutung neben Cembalo, Orgel und später Hammerklavier, ist Tasteninstrumenten-musik dieser Zeit wirklich verstehbar.

Froberger, Pachelbel, die Bachfamilie, Mozart,......... schrieben Musik für-, unterrichteten, komponierten, übten am -, und reisten mit dem Clavichord. Selbst bei Beethoven, Bruckner und Brahms läßt es sich nachweisen. Johann Sebastian Bach bezeichnete es als sein Lieblingsinstrument. Bürgerliches Hausmusizieren war ohne Clavichord und Spinett undenkbar.

Besonders erwähnenswert ist die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, als die Generation Friedemann- und Phillip Emanuel Bachs im sogenannten empfindsamen Stil im Clavichord ihr bevorzugtes Ausdrucksmittel entdeckten.

Die Romantik verdrängt das Clavichord mit seinen leisen Nuancen. Mit dem Vordringen des Hammerklaviers und dem Streben nach klanglicher Expansion im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor es seine Bedeutung.

Erst mit der Renaissance alter Instrumente in unserer Zeit wurde das Clavichord wiederentdeckt. Eine wachsende Zahl von Musikfreunden lernt heute die Besonderheit und Liebenswürdigkeit dieses alten Instrumentes neu zu schätzen.

"Clavichord, dieses einsame, melancholische, unaussprechlich süsse Instrument, wenn es von einem Meister verfertigt ist, hat Vorzüge vor dem Flügel (=Cembalo) und dem Fortepiano.
(...) und kaum scheint für den fühlenden Spieler diesem Instrument noch eine Vollkommenheit mitgeteilt werden zu können."

"Clavichord, dieses "(C.F.D. Schubart: Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst, 1785)


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