Anmerkungen:

Der "Türke" des Baron von Kempelen(1) Zu den Vorgängern echter Schachcomputer zählen u.a. Baron Kempelen's "Türke", mit dem Maschinenschach zu Unterhaltungszwecken vorgegaukelt wurde (1769) und das Turmendspiel-Gerät des Spaniers Torres y Quevedo, welches tatsächlich auf mechanische Weise mit König und Turm gegen König mattsetzen konnte (1890).

(2) Die Methoden zur Baumsuche (Suchalgorithmen) wurden im Lauf der Zeit auf überaus geniale Weise verfeinert. Zum Beispiel fand man heraus, wie man sich viele unnütze Berechnungen ohne Fehlerrisiko ersparen kann und vieles mehr. Was die Software betrifft, haben solche Verbesserungen einen wesentlichen Anteil am bisherigen Fortschritt im Computerschach.

(3) Shannon hielt 1949 (!) einen Vortrag, im Jahr darauf folgten Veröffentlichungen im "Philosophical Magazine" und im "Scientific American". Es ist kaum zu fassen, wie viele zukunftsweisende Einzelheiten zum Thema Schachprogrammierung von ihm bereits erdacht und beschrieben wurden.

(4) Ein minimaler Nutzen wäre theoretisch denkbar, wenn das Programm in der ursprünglichen Stellung bereits gerechnet hat und seine Hash Tables vor der neuen Suche nicht entleert. Falls dann die Vorausberechnung einige identische (in der vorigen Suche auch vorgekommene) Positionen ergeben sollte, könnte deren Bewertung in den Hash Tables schon zu finden sein.

(5) u.a. von Maniac, Cyber 176 oder Cray. Der extrem teure Supercomputer "Cray" galt lange Zeit als der Inbegriff von Rechengeschwindigkeit. Starke Leistungen (nach den jeweils gültigen Maßstäben) im Computerschach können als anschaulicher Beweis großer Leistungsfähigkeit eines Rechners betrachtet werden.

Ken Thompson(6) Thompson war auch an der Entwicklung von "C" und Unix beteiligt. Des weiteren führte er mit einer retroanalytischen Methode die erschöpfende Analyse aller Fünfsteine-Endspielpositionen (mit max. einem Bauern) durch; dies wird im Kapitel "Wissen ist Matt" näher beschrieben.

(7) Leider scheint sich dieses Konzept bislang nicht für eine Verwertung auf einer breiten kommerziellen Ebene zu eignen; vermutlich würden mangels ausreichender Stückzahlen keine konkurrenzfähigen Preise zustande kommen.

(8) Unter "Spezialhardware" im hier verwendeten Sinn ist die bekannte PC-Steckkarte "Chessmachine" nicht zu verstehen. Diese verwendet einen RISC-Prozessor, mit dem z.B. auch der Archimedes-PC ausgestattet war. Der leistungsfähige, aber teure Archimedes – theoretisch eine ausgezeichnete Plattform für Schachprogramme – erreichte Ende der achtziger Jahre keine ausreichenden Marktanteile.

(9) Legalität bedeutet beim Schach zunächst die Übereinstimmung der Züge mit den Spielregeln des Weltschachbundes. Darüberhinaus wird der Begriff auf Stellungen angewandt und ist dann gegeben, wenn diese auf reguläre Weise aus der Grundstellung entstanden sein könnten (was zum Beispiel bei einem weißen Läufer auf a1 und einem weißen Bauern auf b2 nicht der Fall ist).

(10) Die ersten Mephisto-Schachcomputer verwendeten 1802- und 1806-Prozessoren, welche nur einen Bruchteil der Verarbeitungsleistung der später weitverbreiteten 6502-CPU erzielten.

(11) Der Begriff des Halbzuges (engl. "ply") bedeutet einen einzelnen Zug einer Seite, während beim Aufschreiben einer Partie oder Zugfolge je ein Zug von Weiß und Schwarz zusammengefaßt werden.

(12) "8 Bit" bezieht sich auf die Bus-Breite der Mikroprozessoren, welche zum Einsatz kamen. Neben dem C64 erreichten Apple II, Atari- (-XL), Sinclair Spectrum- und Amstrad-Modelle größere Marktanteile.

(13) Eine Cyrus-Version, geschrieben vom Weltklasseprogrammierer Richard Lang, wurde Mikro-Europameister von London 1981 (wurde allerdings im selben Jahr in einem Stockholmer Turnier letzter). Cyrus II wurde von Intelligent Chess Software, einer Firma des späteren Computerschach-Verbandspräsidenten David Levy, herausgebracht. Die Colossus-Programmserie wurde von Martin Bryant programmiert, der auch an der Entwicklung des (absoluten!) Dame-Weltmeisters beteiligt war.

(14) Nach anfänglich niedrigerem Takt, wurden 4...5 MHz bald zum Standard; später wurden sogar 10 MHz-Varianten zum Einsatz gebracht.

(15) Erster war Fidelity's Elite A/S mit 6 aus 7, gefolgt von Mephisto X, Novag X und Super Constellation mit je 5 Punkten.

(16) Später wurde das gleiche Gehäuse mit 16- und 32-Bit-Hardware bestückt. Die Programme stammten von Kathe und Dan Spracklen, welche schon die Sieger der Mikro-WM von 1980 bis 1984 (geteilter 1.Rang) geschrieben hatten.

(17) In erster Linie sind hier Commodore Amiga und Atari ST zu nennen. Auch der Apple Macintosh basierte auf dieser Prozessorfamilie. Die diversen 68000er-Computer waren ebensowenig miteinander kompatibel wie deren 8 Bit-Vorgänger.

(18) In Glasgow 1984 wurden, bei 19 Teilnehmern, 7 Runden gespielt. Das Schweizer System wird angewandt, wenn kein komplettes Rundenturnier (jeder gegen jeden) gespielt werden kann. Je 5 Punkte erreichten: Elite X, Mephisto A, Psion und Princhess X alias "Conchess". Ulf Rathsmann programmierte eine Reihe taktisch sehr guter Programme, die in Conchess-Schachcomputern auf z.T. hoch getakteten 6502-Prozessoren liefen. Er schrieb später noch Mephisto-Programme (z.B. MM II), bevor man leider nichts mehr von ihm hörte.

(19) Es folgten zwar nach 1990 weitere WM-Titel für Mephisto bzw. Lang, die aber meist aus der Einteilung des Feldes in "Hersteller-" und "Software-Gruppe" mit Stichkämpfen etc. entsprang und nicht den Gesamtsieg nach Punkten im jeweiligen Hauptturnier bedeuteten (diesen errangen ab 1991 ausschließlich PC-Systeme). Insgesamt konnte Richard Lang Ende 1995 auf 10 WM-Titel verweisen!

(20) Erstmalig für das allgemeine Computerschach genutzt wurden Hash Tables bei der Spezialmaschine Belle. Das Geheimnis dieser Technik liegt in der sog. "Hash"-Funktion, welche die schnelle Suche in der Hashtabelle ermöglicht. Die Geschwindigkeitsvorteile und resultierenden Rechentiefe-Steigerungen sind in Bauernendspielen geradezu fantastisch.

(21) Fidelity Electronics wurde schließlich von Hegener & Glaser, dem Mephisto-Hersteller, übernommen und riß auch diesen in den finanziellen Abgrund. Mephisto wurde dann seinerseits von Saitek ("Kasparov"-Schachomputer) übernommen, der erfolgreiche Markenname wurde weitergeführt. Mitte 1997 gab es noch drei wesentliche Schachcomputer-Firmen: Saitek, Novag und Tasc.

(22) Im Unterschied zu den Mikro-WMs können bei den Computerschach-Weltmeisterschaften auch Großrechner und Spezialgeräte (Multiprozessorsysteme etc.) an den Start gehen. 1992 waren allerdings Cray Blitz und Deep Thought nicht dabei.Kathe und Dan Spracklen

(23) Der Name Sargon nimmt in der Geschichte des Computerschachs – und leider nurmehr dort – einen wichtigen Platz ein. Es handelt sich um die Programmserie von Dan und Kathe Spracklen (deren Fidelity-Software nicht unter diesem Namen lief). Es gab zahlreiche Sargon-Versionen für verschiedenste Computer vom C64 bis zum PC.

(24) In der SSDF-Computerwertungsliste lag Anfang 1991 das PC-Programm Rexchess (auf 80386/20) hinter den besten 8 Bit-Geräten, noch weiter unten fand man Psion Atari. An der Spitze lagen teure 32 Bit-Brettgeräte bzw. -module.

(25) Ein Remisfaktor ungleich 0.00 wird verwendet, um z.B. gegen einen wesentlich stärkeren Gegner auch bei einem kleinen Vorteil eine zwingende Remischance vom Programm nützen zu lassen (anstatt auf Gewinn zu spielen) – oder umgekehrt. Aus Echecs und Cumulus ging später Virtual Chess hervor, das in Versionen für DOS, Windows 3.x (stärker) und Windows 95 erschien.

(26) Hiarcs, M-Chess und Nimzo nahmen in Hongkong 95 nicht teil. Fritz gewann (nach Stichkampf gegen Star Socrates) mit 5 aus 6.

(27) Beim Dame-Spiel holte das Programm Chinook, auf einem Multiprozessor-Superrechner laufend, im Jahre 1994 den Weltmeistertitel. Beim WM-Kampf gab der langjährige Weltmeister Dr. Tinsley (nach 6 Remis-Partien) auf und Chinook remisierte anschließend einen Wettkampf gegen die Nummer 2 der Welt und erhielt den Titel. Das Medienecho war gleich Null...

(28) ACM-Turnier, alljährlich von der Association for Computing Machinery ausgetragen.

(29) Der SP/2-Computer von IBM bestand seinerseits aus 32 parallelgeschalteten RS/6000-Workstations.

(30) Bei der Abstimmung zwischen Bibliothek und Programm besteht immer ein Zwiespalt: Soll man die Wünsche der Benutzer berücksichtigen, die sich auch von der Turnierbibliothek ein wenig Abwechslung erwarten – oder soll der Erfolg im Kampf mit Konkurrenzprogrammen im Vordergrund stehen, wobei man nichts riskieren darf?

(31) Eine Bibliothek muß auch "passive" Züge enthalten, welche vom Programm nie selbst gespielt werden. Es muß nämlich die richtigen Antworten auf bekannt schlechte Eröffnungszüge kennen, die ansonsten – ohne Hilfe der Theorie – mitunter nicht so leicht zu finden sind.

(32) Neben Thompson arbeiteten auch andere Forscher an solchen Endspielanalysen, wobei auch schon Sechssteiner ins Visier genommen wurden.

(33) Man sollte dabei nicht übersehen, daß ein Endspielautor nicht unbedingt den schnellsten (und damit im Computersinne besten) Weg zum Gewinn zeigen muß. Ein anderer Weg kann ebenso sicher, aber "methodischer" sein. Eine sichere Gewinnmethode, die man sich merken kann, ist für die praktische Endspielstärke wertvoller als das Anstreben der kürzesten Gewinnzugfolge um jeden Preis (natürlich kommen "echte" Fehler auch vor).


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