"Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien"

Oscar Wilde


Vorwort

Das Schachspiel gehört zu den bemerkenswertesten Errungenschaften der menschlichen Zivilisation. Dank seiner jahrhundertelangen Entwicklung bestehen Bezüge zu Archäologie und Kulturgeschichte. Die wettkampfmäßige Ausübung des Denksports gipfelt auf internationaler Ebene in vielbeachteten Weltmeisterschaften. Eine umfangreiche Fachliteratur und zahlreiche Zeitschriften unterhalten und informieren die Anhänger vom Hobbyspieler bis zum Turnierprofi.

Vor allem aber wird Schach von Millionen Menschen als Freizeitvergnügen betrieben. Die Freude am Denken verbindet sich mit der faszinierenden Komplexität einer eigenen Welt aus Feldern und Figuren. Die vorliegenden Ausführungen wurden vorwiegend aus diesem Blickwinkel verfaßt. Der Themenschwerpunkt liegt auf den Veränderungen, die das Schachhobby seit Ende der siebziger Jahre durchläuft.

Diese tiefgreifenden Änderungen (oder besser gesagt Erweiterungen) resultieren aus der Entwicklung und allgemeinen Verfügbarkeit von Mikroprozessor-Systemen bzw. Home- und Personalcomputern zu einem erschwinglichen Preis. Außerhalb des "Endverbraucher"-Bereiches ist die Verbindung zwischen Schach und Computer schon älter; sie beginnt praktisch zeitgleich mit der Erfindung der elektronischen Datenverarbeitung.

Die Beobachtung dieser Entwicklung bietet viele interessante Aspekte. Bevor das Computerschach die ersten großen Erfolge verzeichnen konnte, unterschätzte mancher Kommentator und vermeintliche Experte den menschlichen Erfindungsreichtum. Diese skeptische Haltung war wohl zum Teil von Wunschdenken beeinflußt. Andererseits führte die Behandlung des Themas "künstliche Intelligenz" in den Medien in einer breiteren Öffentlichkeit praktisch zur Mythologisierung "des" Computers.

Aber auch in der Fachwelt hielt man einen Sieg über den Weltmeister bald nur noch für eine Frage der Zeit. Und damit hatte man völlig recht...


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