Der Einmarsch der Roten Armee
in Riedlingsdorf


Den nachfolgenden Ausssagen liegen folgende Quellen zugrunde: 
Zeitzeugenberichte
Friedrich Brettner, Die letzten Kämpfe des II.Weltkrieges, Pinka-Lafnitz-Hochwechsel
Manfried Rauchensteiner, Der Krieg in Österreich 1945
Gemeindebericht Riedlingsdorf
Tagebuch eines Riedlingsdorfers
Bericht des Österreichischen Schwarzen Kreuz
!!! Laufende Ergänzung !!! 
Dieser Arbeit vorangestellt seien zwei offizielle Berichte der Gemeinde Riedlingsdorf und des Österreichischen Schwarzen Kreuzes:

Der offizielle Gemeindebericht  

"Die Tage Großdeutschlands waren im Jahre 1945 gezählt. Der Feind kam näher und näher. Wer hätte damals gedacht, daß auch unser Gebiet Kriegsschauplatz sein würde. Wie in allen Landesteilen eifrigst geschanzt wurde, so sollte auch vor unserer Gemeinde ein Graben gezogen werden. Zwischen Riedlingsdorf und Oberwart grub man einen zirka 3 Meter tiefen und 5 Meter breiten Graben (Panzergraben). Dazu wurden Männer und Frauen aus Riedlingsdorf, Pinkafeld, Wiesfleck, Hochart, Buchschachen und Loipersdorf, sogar auch Wiener, herangezogen. Der Panzergraben verlief 100 Meter unterhalb der Ortschaft von der Bahnstrecke bis zur Pinka. Längs der Ortschaft verlief ein Laufgraben mit Maschinengewehrstellungen.
Vom Volkssturm waren 9 Mann in Rechnitz eingesetzt. Von diesen blieb ein Mann (Hajek Franz) in Rechnitz. Die übrigen 30 Volkssturmmänner kamen nicht in den Einsatz. Nur in den letzten Tagen wollte man sie irgendwo in der Steiermark zum Einsatz bringen. Der Befehl wurde verweigert, weshalb jeder fünfte oder zehnte Mann hätte erschossen werden sollen. Glücklicherweise kam es nicht zur Verwirklichung.
Die Front kam in den ersten Apriltagen immer näher. Flüchtlinge aus Ungarn schleppten sich durch den Ort. Diesen Trauerzug von heimatlosen Menschen möchten wir nicht nochmals mitansehen. Anfang April 1945 zogen auch schon Bewohner der Landesgrenze durch unseren Ort. Nach diesen sahen wir auch schon Panzerwägen heranrollen. Aber wie klopfte unser Herz als einige hinter dem Panzergraben Aufstellung nahmen. Wir dachten schon 'vorbei mit Riedlingsdorf'. Am nächsten Tag waren die Panzerwägen verschwunden. Trotz Panzergraben und Stellungsbau wurde bei uns kein Schuß abgegeben. So blieb unsere Gemeinde von der Verwüstung verschont. Ein Teil der Ortsbevölkerung flüchtete nach Buchschachen oder Wiesfleck. Sie dachten dort in Sicherheit zu sein, kamen aber gerade in Buchschachen in ein Wespennest.
Die Kampftruppen der Russen kamen und zogen weiter. Auf Widerstand stießen sie in Buchschachen, in Neustift an der Lafnitz, weshalb die Russen das Graben einer Stellung in Riedlingsdorf anordneten. Auch diese Stellung wurde nicht benützt.
Während der Besetzung geriet ein Objekt (Hausnummer 225) in Brand. Ursache unbekannt. Schaden ca. 8.000 Schilling. Wie es sonst bei einer Besetzung zugeht, weiß doch ein jeder. Mädchen und Frauen wurden geschändet oder mußten bei den Fenstern hinausspringen. Vom Orte wurden alle brauchbaren Pferde (zirka 20), 30 bis 40 Rinder, mehrere Schweine und Hühner und viele andere Gegenstände beschlagnahmt. So kam die Gemeinde auch um ihre 4 Stiere (Wert zirka 40.000 Schilling). Einige Männer wurden nach Ungarn verschleppt und kamen erst nach Wochen zurück. Andere Männer mußten Pferde nach Ungarn treiben.
An Menschenleben war zu beklagen Bundschuh Johann Nr. 31. Er wurde von den Russen mit einem Gewehr angetroffen und deshalb erstochen. Raas Rosina flüchtete sich mit anderen Bewohnern nach Buchschachen und kam dort in den Kampfhandlungen um ihr Leben. Außerhalb des Dorfes lagen im Gemeindegebiet zerstreut 12 Soldaten. Sie haben nun im Ortsfriedhof ein Gemeinschaftsgrab als Ruhestätte.
Zur Besatzungszeit mußte sich die Ortsbevölkerung mit der kriegsüblichen Behandlung abfinden. Belegt waren alle Häuser und Schulen. In den Schulen fehlten alle früheren Amtsschriften und Lehrmittel.
Zum Wegräumen verschiedener Verunreinigungen, Planierungsarbeiten des Lauf- und Panzergrabens wurden meist die gewesenen Mitglieder der NSDAP herangezogen.
Wir können nur Gott danken, daß bei der Besetzung kein Schuß fiel und somit unser Ort vor größeren Schäden verschont blieb. Nach Einstellung der Kampfhandlungen  verließen die  Russen wieder Riedlingsdorf und mit der ruhigen Aufbauarbeit konnte begonnen werden."

Bericht des Österreichischen Schwarzen Kreuz

"Im Jahre 1946 wurden 13 Gefallene aus Feldgräbern des Gemeindebereichs exhumiert und auf dem Ortsfriedhof überführt. Da zwei Tote in einem Sarg gelegt waren und jeglicher Nachlass den Besatzungsbehörden abgeliefert werden musste, war eine Identifizierung erfolglos. Lediglich ein Toter konnte identifiziert werden: Obergefreiter Josef Albert SCHWICKART, geboren 16. Mai 1909 in Merscheid, gefallen am 01. April 1945 in Schachendorf, Endgrablage Mattersburg Block 4, Reihe 11, Grab 821.
Aufgrund der Aussagen verschiedner Einwohner soll es sich bei den 13. Gefallenen, um einen Stosstrupp der Waffen-SS gehandelt haben, die von den Russen aufgerieben  wurden."

Die Befestigung der Gemeinde Riedlingsdorf


Wie im Gemeindebericht beschrieben, wurden südlich und östlich der Gemeinde  Riedlingsdorf von Zivilisten und, wie Augenzeugen berichten, auch von Männern der Organisation Todt Feldstellungen ausgehoben. Wichtigste Maßnahme der Befestigung war der sogenannte Panzergraben, der sich etwa 100 Meter südlich der Ortschaft von Nordosten nach Südwesten erstreckte und so das Pinkatal sperrte. Reste dieses Panzergrabens sind heute noch nordöstlich der Bahnlinie Pinkafeld-Oberwart zu sehen. Im Wald liegen vereinzelt noch immer Munitionsreste herum, obwohl bei der Besetzung von Riedlingsdorf kein Kampf stattgefunden hat. Es könnte sich dabei aber auch die Überreste zahlreicher Bubenstreiche handeln, da die Jugendlichen damals als Folge der staatlich verordneten Erziehung so gut wie keine Berührungsängste mit diesen Dingen hatten. Am westlichen Ende des Panzergrabens, im Wald bei der heutigen Müllsammelstelle, sieht man noch die Umrisse von flankierenden MG-Stellungen, von denen aus die auf den Panzergraben aufgefahrenen Feindfahrzeuge hätten unter Feuer genommen werden sollen.
Die Reste eines dem Panzergraben vorgelagerten Stellungssystems gibt es heute noch im Ortsried 'Leiten' zu sehen. Diese Gräben befinden sich etwa einen Kilometer vor dem Panzergraben in nordöstlicher Richtung auf der Ostseite der Bahnlinie.
Der im Gemeindebericht beschriebene Laufgraben befand sich 'Hinter den Häusern', also östlich der Ortschaft und verlief in nordwestlicher Richtung.
Zum Glück für die Ortschaft Riedlingsdorf fehlte es der hier kämpfenden 6. deutschen Armee an Truppen, um die Befestigungsanlagen auch tatsächlich zu besetzen
(siehe 'Die Kämpfe im Bezirk Oberwart'). Ein Kampf um die Ortschaft mit einem massiven Einsatz von Panzern und Geschützen hätte wohl große Teile des Dorfes zerstört. So traf eine Prognose, die ein OT-Mann Riedlingsdorfern Bewohnern gegenüber geäußert hat, nicht zu: "Wenn die Russen hier das gleiche machen, wie die Wehrmacht es in der Sowjetunion oft gemacht hat, dann bleibt hier kein Stein auf dem anderen."
Interessant auch die Tatsache, daß die Russen ebenfalls begannen Stellungen auszuheben. Sie fürchteten sich anscheinend vor einer deutschen Gegenoffensive aus dem steirischen Raum und dies obwohl ihre Kavallerieeinheiten den linken  Flügel der deutschen 6. Armee großräumig umgangen hatten und diese Armee diese Krise nur mit Mühe meistern konnte. Laut einer Zeugenaussage waren die Russen besonders in der Zeit um den 20. April nervös. Sie rechneten wohl damit, daß es am Geburtstag von Adolf Hitler es ein letztes Aufbäumen der Wehrmacht geben würde.

Tagebuchaufzeichnung eines Riedlingsdorfers


Ein Riedlingsdorfer, der in den Jahren 1941 bis 1945 in einer Zollgrenzschutzeinheit diente, verfaßte damals ein Tagebuch, aus dem die nachfolgenden Passagen entnommen sind:
"26. März:  vormittags in Pinkafeld bei Strobl und Arzt gewesen, nachmittags in Garten Dünger geführt, Ribisel gedüngt, Wetter heiter, Fluchtgefahr vor den Russen
27. März: Krankenstand, in Oberwart bei Stabsarzt Dr. Katiungt (?) gewesen, nachmittags für Evakuierung eingepackt, im Geschäft gewesen, Wetter trüb, Ehefrau mit Befund nach Burg zur Einheit geschickt.
28. März: Krankenstand, vormittags im Zemingbach
(Anmerkung: Ortsried von Riedlingsdorf) Stroh und Bäume ... nachmittags geschlafen, heiter
29. März: Krankenstand, vormittags Hintdraußen
(Ortsried von Riedlingsdorf) Acker gerichtet, nachmittags im Geschäft gewesen, veränderlich
30. März: um 10.00 Uhr von jüngeren Kuh Kalb bekommen, nachmittags häusliche Arbeiten, veränderlich, Krankenstand
31. März: Krankenstand, ganzen Tag im Geschäft gewesen, veränderlich
1. April: Ostersonntag, Krankenstand, 2.15 Uhr Fluchtgefahr vor den Russen, ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter
2. April: Ostermontag, vormittags Hasenstall gereinigt, 11.00 Uhr Einberufung nach Großpetersdorf, um 17.00 Uhr nach Großpetersdorf gefahren, 20.00 bis 20.30 Uhr im Bezirkskommando gewesen, 20.30 Uhr bis 00.30 Uhr nach Hause gegangen, heiter
3. April: Bis 12.00 Uhr geschlafen, nachmittags im Geschäft gewesen, heiter, um 14.00 Uhr Panzeralarm
4. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, Kämpfe in Dürnbach-Schachendorf, heiter, Traiskirchen, Wöllersdorf gefallen
5. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, 18.00 Uhr Kämpfe in Unterschützen, heiter, Bundschuh Hans Hausnummer 31 von Russen erstochen
6. April: um 2.30 Uhr russische Soldaten angekommen, ab 9.00 Uhr Plünderung von Geschäft und Wohnung, bei Nachbarn gewesen, heiter, Riedlingsdorf gefallen
7. April: vormittags zu Hause gewesen, nachmittags bei Nachbarn gewesen, 22.00 Uhr  mit A.  vier russische Reiter zu M. begleitet, heiter,
8. April: um 4.00 Uhr mit A. einen russischen Reiter nach Loipersdorf geführt, ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter
9. April: vormittags zu Hause gewesen, 14.00 Uhr wegen Zollgrenzschutzuniform von russischen Soldaten verhaftet, 14.00 bis 15.00 Uhr im Keller der Nachbarn gewesen, 15.00 bis 16.00 Uhr bei Z. im Keller gewesen, 16.30 bis 24.00 Uhr bei P. eingesperrt gewesen, heiter
10. April: um 9.00 Uhr von Haft freigegangen, nachmittags am Panzergraben bei Straße gearbeitet, heiter
11. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, 16.00 bis 19.00 bei Schranzenwirt
(Anmerkung: in diesem Gasthaus war ein russisches Lazarett untergebracht) tote Russen sezieren geholfen, heiter
12. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, abends mit Russen per Auto in Mönichkirchen  gewesen, heiter
13. April: vormittags zu Hause gewesen, nachmittags im Garten Sauerampfer sammeln gewesen, heiter
14. April: vormittags zu Hause, nachmittags bei Nachbarn russisches Geschütz (?) gestrichen, heiter
15. April: keine Notizen
16. April: keine Notizen
17. April: keine  Notizen
18. April: vormittags bei H. zwei Russen angezogen und bei Kriegerdenkmal begraben, heiter
19. April: vormittags bei Hofwiesen und Zeming Schützenlöcher zugemacht, nachmittags in Dorfstatt-Tulpfert-Hasensprung-Heidenau Wiesen geräumt, im Garten Laufgraben zugemacht, heiter
20. April: von Riedlingsdorf nach Dürnbach Pferde getrieben, in Dürnbach in einem Garten übernachtet, heiter
21. April: von Dürnbach über Steinamanger nach Ocsad(?) Pferde getrieben, in Ocsad übernachtet, heiter
22. April: von Ocsad-?-?-Steinamanger-?-?-?-Schachendorf nach Dürnbach gegangen, in Dürnbach bei Marlovits übernachtet, heiter
23. April: von Dürnbach nach Hause gegangen, heiter, Wind
24. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter
25. April: ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter
26. April: ganzen Tag in Bahnholz bei Loipersdorf Weg gemacht, heiter
27. April: vormittags nach St.Martin gegangen, nachmittags in St. Martin Flugzeugbunker gebaut, bei Polster übernachtet, heiter, Wind
28. April: in St.Martin Flugzeugbunker gebaut, bei Polster übernachtet, heiter
29. April: in St.Martin Flugzeugbunker gebaut, heiter
30. April: in St.Martin Flugzeugbunker gebaut, abends nach Hause gegangen, veränderlich
1. Mai: ganzen Tag zu Hause, Regen   
2. Mai: ganzen Tag auf Straße bei Panzergraben gearbeitet, veränderlich
3. Mai: Krank, ganzen Tag im Bett gewesen, heiter
4. Mai: ganzen Tag in Leidenbühl Schützengräben gemacht, heiter
5. Mai: ganzen Tag in Leidenbühl Schützengräben gemacht, abends nach Lafnitz gegangen, ganze Nacht geschanzt, heiter
6. Mai: morgens von Lafnitz nach Hause gegangen, nachmittags geschlafen, heiter
7. Mai: morgens nach Grafenschachen gegangen, vormittags in Grafenschachen geschanzt, nachmittag Ruhepause, abends in Lafnitz geschanzt, heiter
8. Mai: vormittags von Lafnitz nach Hause gegangen, nachmittags geschlafen, heiter
9. Mai: Kriegsende, ganzen Tag zu Hause gewesen, heiter
10. Mai: ganzen Tag bei Haltestelle beim Brückenbau gearbeitet
11. Mai: ganzen Tag bei Haltestelle beim Brückenbau gearbeitet, heiter, Russen zum Großteil abgezogen, heiter, warm
Die nun folgenden Tagebucheintragungen haben nur mehr recht selten mit den Krieg und seinen Folgen zu tun. Dies beweist, daß in Riedlingsdorf sehr bald wieder der bäuerliche Alltag einkehrte. Man hatte wirklich Glück im Unglück gehabt, denn während in der Oststeiermark zahlreiche Bauernhöfe und Gehöfte abbrannten und deren Bewohner vor dem Nichts standen,  waren in Riedlingsdorf fast alle Gebäude heil geblieben.
Historisch interessant auch die Tatsache, daß der Tagebuchschreiber noch am 5. Mai im Leidenbühl Schützengräben ausheben mußte. Dieses Stellungssystem liegt auf dem Hinterhang der östlichen Begrenzung des Pinkatales. Die Rote Armee rechnete anscheinend damit, daß die Gegenoffensive des III. deutschen Panzerkorps in der Oststeiermark über das Lafnitztal hinausgeht und eventuell bis in das Pinkatal gelangt.

Das Verhalten der Roten Armee gegenüber der Bevölkerung


Der Einmarsch der Roten Armee war für die Riedlingsdorfer Ortsbevölkerung naturgemäß mit großen Ängsten verbunden. Tatsächlich mußten dann auch die Mädchen und Frauen die Zeche für Hitlers Eroberungskrieg bezahlen (siehe dazu den Beitrag in 'Die Kämpfe im Bezirk Oberwart'). So kam es vorallem in den ersten Tagen nach der Besetzung, bis die Ordnung wieder halbwegs hergestellt war, zu zahlreichen Vergewaltigungen. Besonders gefährlich wurde die Situation immer dann, wenn Alkohol im Spiel war. So waren der 1. und der 8. Mai, der Tag an dem Krieg zu Ende war, noch einmal zwei sehr heikle Zeitpunkte für die Frauen in der Ortschaft.
Die Zeitzeugen, die heute noch leben und über die Geschehnisse Auskunft geben können, waren damals noch Buben im Alter zwischen acht und fünfzehn Jahren. Diese Personengruppe hat naturgemäß wenig Angst vor der Gefahr und so waren die ersten Stunden der Besetzung rasch vergessen und man nahm bald Kontakt mit der fremden Besatzungsmacht auf.
So berichtet ein Augenzeuge, daß südlich des Panzergrabens russische Artilleriegeschütze standen, die ihre tödliche Fracht in das Kampfgebiet um Markt Allhau sandten, während sich er und einige Freunde aus Neugier mitten in den Artilleriestellungen herumgingen, so als gäbe es hier gar keinen Krieg.
Ein anderer Zeitzeuge berichtet, daß er sich mit einem Ukrainer anfreundete, der bei ihm einquartiert war. Der sowjetische Soldat schenkte ihm die für die damaligen Verhältnisse äußerst seltene Schokolade. Die Soldaten verbanden auch einen Freund von ihm, der sich beim Hantieren mit weggeworfenen Kriegsgerät verletzt hatte. Als der Krieg aus war, zogen stundenlang die russischen Kolonnen aus der Steiermark kommend durch Riedlingsdorf. Der Zeitzeuge, der diesen endlosen Heereszug vom Fenster aus beobachtete, sah plötzlich einen Soldaten aus der Kolonne ausscheren. Es war der Ukrainer, der dem Jungen wieder Schokolade schenkte. 
Durchwegs positiv auch die Aussagen von zwei weiteren Zeitzeugen. Der eine durfte bei einem russischen Soldaten immer auf dem Pferd mitreiten und der andere mußte einem russischen Soldaten zu dessen Amüsement immer die  Lieder vorsingen, die er bei den Pimpfen gelernt hatte.

Böse hätte hingegen ein Bubenstreich ausgehen können, der von den Russen als Sabotageakt gewertet wurde. In der Zeit um den 20. April, also in der Zeit rund um das heikle Datum von Hitlers Geburtstag, zerschnitten einige Riedlingsdorfer Jungen aus Unwissenheit ein russisches Fernmeldekabel. Die beteiligten Buben wurden ausgeforscht, von den Russen als 'Germanski Partisan' beschimpft, geschlagen und mit Deportation bedroht. Die sowjetischen Soldaten vermuteten, daß es sich um einen geplanten Sabotageakt handelt und wollten die Namen der Hintermänner in Erfahrung bringen. Zum Glück für die Buben konnte ein Riedlingsdorfer, der im 1. Weltkrieg Kriegsgefangener war und daher die russische Sprache beherrschte, vermitteln und die Russen von der Harmlosigkeit der Aktion überzeugen. Die Buben kamen somit mit einigen blauen Flecken und dem sprichwörtlich blauen Augen davon.

So erlebten die Riedlingsdorfer Bevölkerung in wenigen Tagen das ganze Spektrum der russischen Seele. Brutal zu Frauen und Mädchen, gnadenlos gegenüber deutschen Soldaten und warmherzig, freundlich und hilfsbereit den Kindern gegenüber.    

Die Gefallenen von Riedlingsdorf

Der einzige Tote beim Einmarsch der Roten Armee war Johann Bundschuh, ein Großonkel des Verfassers dieser Seite. Johann Bundschuh war in der Nacht der Ankunft der Roten Armee in Riedlingsdorf als Volkssturmmann zur Bewachung des Bahnhofes Altpinkafeld im Norden von Riedlingsdorf eingeteilt. Obwohl er laut Aussagen einiger Zeitzeugen offensichtlich betrunken und deswegen von den Russen schlafend im Bahnwärterhaus angetroffen wurde, ermordeten ihn 'russische Flintenweiber' (Zitat der Zeitzeugen) mit etwa 70 Bajonettstichen. Sein Verhängnis war es, daß er mit einem Gewehr bewaffnet seinen Dienst versah. Seinem Bruder wurde ebenfalls unter Morddrohungen am nächsten Tag befohlen, den Leichnam des Toten vom Bahnwärterhäuschen mit einem Leiterwagen abzuholen und ihn am Friedhof in Riedlingsdorf zu begraben.

Bundschuh Johann Nr. 91, der einzige Tote beim Einmarsch
Bundschuh Johann Nr. 91,
ermordert am 5.4.1945

Neben Johann Bundschuh hatte die Ortschaft Riedlingsdorf noch 96 weitere Gefallene zu beklagen. Über das Schicksal dieser Männer konnte einiges in Erfahrung gebracht werden (siehe Gefallenverzeichnis).

Viel schwieriger ist es eigenartigerweise etwas über die auf dem Riedlingsdorfer Gemeindegebiet gefallenen deutschen Soldaten zu erfahren. Diese erste Schwierigkeit besteht bereits darin, die genaue Anzahl der toten Soldaten zu ermitteln. Sie wird von verschiedenen Quellen mit 12 (Gemeindebericht), 13 (Österreichisches Schwarze Kreuz) oder 14 (Buchautor Leopold Banny) beziffert.
Eigenartig ist auch, daß der einzig bekannte Gefallene Josef Albert Schwickart am 1. April in Schachendorf gefallen ist. Wilhelm  Berk, damals ein 12-jähriger Junge kann sich allerdings erinnern, daß in der Zeit vor dem russischen  Einmarsch ein Lastwagen mit deutschen Gefallenen nach Riedlingsdorf gekommen ist. Die toten Soldaten wurden abgeladen und untersucht. Was mit ihnen passiert ist und wieviele es tatsächlich waren, darin kann sich der Augenzeuge leider nicht mehr erinnern. Es könnte also sein, daß die auf dem Gemeindefriedhof bestatteten Toten nicht alle auf  Riedlingsdorfer Gebiet ihr Leben lassen mußten, sondern aus dem Rechnitzer Kampfgebiet zugebettet wurden.

Zeitzeuge Werner Kirnbauer, damals ebenfalls ein kleiner Bub, kann sich erinnern, daß drei deutsche Soldaten aus dem Raum Niklashof kommend versuchten, ein Treibstofflager im heutigen Ziegelwerk zu sprengen. Sie wurden in der Nähe der Pinka von den Russen erkannt und erschossen. Seine Mutter hat dann das Grab dieser drei Soldaten gepflegt. Ob diese Toten auch zu den Riedlingdorfer Toten zu zählen sind oder eine eigene Gruppe darstellen, ist leider nicht bekannt.

Ein besonders scheußliches Verbrechen, das laut Augenzeugenbericht auch von der russischen Ortskommandantur verurteilt wurde, beging eine russische Kommissarin an drei Soldaten, wobei einer der Männer ein Angehöriger der Waffen-SS war. Sie erstach diese Männer nachdem sie eine zeitlang im Haus Nr.22, in dem die provisorische Ortskommandantur untergebracht war, festgehalten und verhört worden waren. Wie ein zuverlässiger Zeitzeuge berichtete, der diese Hinrichtung aus einem Versteck beobachtete, entmannte sie dabei zuerst den Waffen-SS-Soldaten bevor sie ihn umbrachte.

Laut Zeitzeuge Johann Raas lag südlich der Ortschaft 'alle paar hundert Meter' ein Gefallener, manche wurden anfangs dort wo sie gerade lagen notdürftig begraben. So kann er sich an das Grab eines 17-jährigen Grazers erinnern, das eine zeitlang durch einen Riedlingsdorfer Kriegsveteranen gepfegt wurde. Ein weiterer Gefallener, bewaffnet mit einer Panzerfaust, lag bei der Einmündung der alten Straße in die Betonstraße.    

Trotz dieser vielen Unsicherheiten kann gesagt werden, daß die Aussage des Österreichischen Schwarzen Kreuzes bei den Riedlingsdorfer Toten handle es sich um einen aufgeriebenen Spähtrupp der Waffen-SS nicht stimmt.

Vielleicht melden sich aufgrund dieses Berichtes noch einige Zeitzeugen, sodaß diesen gefallenen Männern ihre Namen zurückgegeben werden können.
!!! Laufende Ergänzung !!! 

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