Adolf Kaipel
Adresse:
Riedlingsdorf 22
Geboren:
19.5.1915
Gefallen:
6.7.1942
Einheit:
Stabskompanie IR131
Division:
44.Infanteriedivision
Dienstgrad:
Unteroffizier
Todesort:
Kupjansk/Ukraine
Grablage: Sammelfriedhof Charkow
Block 8 
(Unter den Unbekannten)

 
Historischer Hintergrund:
Am 22.6.1941 begann der Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion. Es folgte ein gnadenloser Kampf der Millionen Opfer auf beiden Seiten forderte und mit einer verheerenden deutschen Niederlage endete.

Adolf Kaipel war Unteroffzier im Pionierzug der Stabskompanie des Infanterieregimentes 131, das zur 44.Infanteriedivision gehörte. Diese Division nahm im Rahmen der Heeresgruppe Süd am Angriff auf die Sowjetunion teil. Bereits das Jahr 1941 forderte von der Division viele blutige Opfer, im Winter 1942/43 wurde sie mit der kompletten 6.Armee im Kessel von Stalingrad vernichtet. Von den 200.000 Mann, die in Stalingrad eingeschlossen wurden, gingen die meisten elendlich zu Grunde. Nur ganze 6.000 Mann sind körperlich und geistig gebrochen Jahre später aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt.
Die Division hatte im Winter 1941/42 wechselvolle Kämpfe im Osten von Charkow zu bestehen. Im Frühjahr 1942 versuchte die Rote Armee in einer mächtigen Zangenbewegung diese Stadt zu erobern. Den deutschen Divisionen gelang es aber, die sowjetischen Angriffskeile einzukesseln und zu vernichten. Nach diesem Sieg ging die 6. Armee ihrerseits zum Angriff über. Der nun folgende Vormarsch führte die 44. Infanteriedivision in die Stadt Kupjansk. Hier wurde der Pionierzug des Infanterieregimentes 131 beauftragt, Minen zu verlegen. Bei dieser Arbeit explodierte eine dieser Minen aus unbekannten Gründen. Adolf Kaipel erlitt dabei so schwere Kopfverletzungen, daß er wenige Stunden später verstarb. Er wurde auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Kupjansk begraben. Fast alle seiner Kameraden sind einige Monate später im Kessel von Stalingrad und in der russischen Kriegsgefangenschaft umgekommen. Ob auch sie so wie Adolf Kaipel ein Grab bekommen haben, ist fraglich.

Die Gefallenen des deutschen Soldatenfriedhofes von Kupjansks wurden im Jahre 2003 durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf den Sammelfriedhof von Charkow umgebettet. 

Berichte:
Zum Zeitpunkt des Todes von Adolf Kaipel befand sich seine Division gerade auf dem Vormarsch auf Stalingrad. Die folgenden Briefe stammen von Kameraden von Adolf Kaipel, die in den Tagen und Wochen nach seinem Tod verfaßt wurden und wortgetreu wiedergegeben werden, wobei kriegsverherrlichende Passagen weggelassen wurden. 

Der damalige Kompanieführer Oberleutnant Reinhold Schatte schrieb am 8.7.1942 aus Kupjansk:
"Sehr geehrte Frau Kaipel!
Leider muß ich Ihnen, die für uns alle, besonders jedoch für Sie traurige Mitteilung machen, daß Ihr Sohn, Unteroffizier Adolf Kaipel, am 6.7.42 in Kupjansk gefallen ist. Er war am Abend des 6.7. mit seiner Gruppe zum Verlegen von Minen eingesetzt, als eine der Minen auf ungeklärte Weise zur Entzündung gebracht wurde. Dabei wurde er durch Splitter am Kopf verwundet und ist ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, gestorben. Er wurde gestern in Kupjansk in der Nähe des Postamtes zur letzten Ruhe gebettet.
Wir verlieren mit Ihrem Sohn nicht nur einen unserer tüchtigsten und tapfersten Unteroffiziere, sondern auch einen der beliebtesten Kameraden, der durch sein freundliches, offenes und besonders kameradschaftliches Wesen allen ans Herz gewachsen ist und wir sind daher durch den Verlust besonders getroffen worden. Wir werden ihn nie vergessen und ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. 
...
Ihr Reinhold Schatte e.h.
Olt. und Komp.-Führer"

Ein zweiter Brief stammt von seinem Kameraden Hermann Gartner datiert mit 31.8.1942:
"Sehr geehrte Frau Kaipel!
Sie haben sicher schon lange auf eine Nachricht der Kameraden von Adolf gewartet, und ich bitte Sie, vielmals entschuldigen zu wollen, daß es so lange gedauert hat. Aber Sie werden ja verstehen, wenn man täglich so und so viele Kilometer marschieren muß oder im Kampfe steht, da hat man keine Zeit zum Schreiben. Jetzt geht es besser, es ist etwas ruhiger geworden und da will ich das Versäumte nachholen.
Vor allem dürfen Sie unserer allerherzlichsten Anteilnahme an diesem schweren Verlust versichert sein! Wir selber konnten es gar nicht fassen, daß unser lieber und guter Kamerad Adolf nicht mehr am Leben sein sollte. Wie oft hat er, der immer lustig und heiter war, auch in schweren Lagen und an heißen Tagen durch seinen Humor aufgemuntert und wie oft habe ich mit ihm über die Heimat und über die Zukunft geplaudert. Aber das Schicksal hatte es anders gewollt und davor können wir uns in Ehrfurcht neigen. Sein Andenken werden wir alle immer in Ehren halten!
Das Grab haben wir natürlich fotografiert. Sobald die Bilder ankommen (das dauert leider längere Zeit, bis sie aus der Heimat eintreffen) erhalten Sie sofort eines davon.
Über den genauen Standort des Grabes, das ich mit noch einem Kameraden wenige Stunden vor unserem Abmarsch aus K., so gut es möglich war, hergerichtet habe, füge ich eine kleine Zeichnung bei.
In der Hoffnung Ihnen trotz Ihres großen Schmerzes eine kleine Freude bereitet zu haben, bleibe ich mit den herzlichen Grüßen für Sie und Ihre Angehörigen.
Ihr Hermann Gartner" 

Ein dritter Brief stammt von seinem Freund und Kameraden Stefan Steiner. 
"Rußland, 21.8.1942
Werte Familie Kaipel,
bevor ich meine paar Worte beginne, sende ich Euch die besten Grüße aus dem fernen Osten. Leider ist es keine freudige Nachricht an Euch, sondern eine sehr traurige. War einer der besten Kameraden Eures Sohnes Adolf. Ich werde Euch wohl unbekannt sein. Mein Name ist Stefan Steiner. Wir beide waren wie zwei Brüder. Leider mußte er dem Schicksal entgegen gehen und zwar von 6. auf 7. Juli in der Nacht. Werdet wohl schon alles von der Kompanie gehört haben. Ich persönlich konnte Euch nicht gleich benachrichtigen, ich war in der Zeit auf Urlaub und als ich zurückkam, war ich ganz erstaunt, als ich hörte, daß Adolf tot sei.
Eurer Sohn mußte sein Leben einer Mine opfern. Er hat einen sehr leichten Tod gehabt. Soll mich einst das Schicksal ereilen, so würde ich mir so einen leichten Tod wünschen. Adolf ist in der Stadt Kupjansk begraben, es wurde ihm ein sehr schönes Grab gepflanzt.
Mit diesem beende ich meine paar Worte und spreche Ihnen mein innigstes Beileid aus!
Mit Gruß Unteroffizier Steiner" 

Es ist nicht besonders wahrscheinlich, daß der Wunsch von Unteroffizier Steiner auf einen leichten Tod in Erfüllung gegangen ist. Die 44.Infanteriedivision wurde in Stalingrad eingeschlossen und vollständig vernichtet. Über den Tod von Oberleutnant Schatte und dem letzten Kampf des Pionierzuges des IR 131 ist in der Divisionsgeschichte der 44.Infanteriedivision folgendes nachzulesen: 

"Am Ostrand des inzwischen verlorengegangenen Flugplatzes Pitomnik ... die 44.Infantierdivision, die hier in einer neuen Verteidigungsstellung lag. Ihre Gliederung von rechts: Restteile Gren.Rgt. 131, I./IR 230, Pionierzug/IR 131, Festungsbataillon 1. Der Gegner brach in ihre Reihen ein, noch ehe sie sich zur Verteidigung einrichten konnten und drückte zwischen Pionierzug/IR 131 und I./IR230 durch. Der Versuch, diesen Einbruch im Gegenstoß zu bereinigen, mißlang. Oberleutnant Schatte fand dabei den Tod. Zu einem planmäßigen Angriff fehlten die Kräfte. Panzer gab es nicht mehr, der Rest der gesamten Divisionsartillerie hatte wenige Kilometer ostwärts die Stellung ‚letzte Batterie‘ bezogen, doch war wegen Munitionsmangel mit wirksamer Feuerunterstützung ohnedies nicht zu rechnen. Die Infanterie, nur noch auf ihre leichten Waffen angewiesen, befand sich am Ende ihrer Kräfte." 

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kommt im Rahmen seiner Umbettungsaktionen im Jahre 2003 nach Kupjansk. Nach Wehrmachtsunterlagen gibt es in Kupjansk einen deutschen und einen italienischen Friedhof. Als besonderes Problem bei der nun folgenden Umbettungsaktion stellt sich heraus, daß in den Jahren nach dem Krieg ukrainische Zivilisten über den deutschen und italienischen Gefallenen bestattet worden sind. Viel schlimmer wirkt sich aus, daß man bei den geborgenen sterblichen Überresten der Soldaten keine Erkennungsmarken mehr findet, so daß sie alle als 'unbekannt' eingestuft werden müssen. Die Toten von Kupjansk werden mit einigen anderen Hundert unbekannten Soldaten, die in der Ostukraine gefunden wurden, gemeinsam im Block 8 des Sammelfriedhofes von Charkow begraben (siehe dazu nachfolgende Fotos):

Einsegnung mehrerer hundert Särge im Block 8 des Sammelfriedhofes von Charkow. 
Einige dieser Särge enthalten die Toten von Kupjansk.

Hier findet Adolf Kaipel mehr als 60 Jahre nach seinem Tod 
inmitten seiner Kameraden seine letzte Ruhestätte.

Ich, der Verfasser dieser Seite, möchte meinem Großonkel Adolf Kaipel den nachfolgenden Text widmen. Dieser Text wurde am 28. Jänner 1945 zum Gedenken an den Riedlingsdorfer Hans Bundschuh verlesen, der im Dezember 1944 in Kroatien gefallen ist und ebenfalls ein Onkel von mir war .

"Sei nicht traurig, liebe Mutter. Gottes ist die Erde und alles, was auf ihr ist. Wo auch das Grab deines Sohnes sein mag, immer ist es auf Gottes Erde. Wenn du die Erde vor der Schwelle deines Hauses berührst, berührst du das Ende vom Grab deines Sohnes; und das alles sehende Auge Gottes sieht, indem es auf die Erde blickt, die Toten wie die Lebenden. Wenn dein Sohn vor dir verborgen ist, so ist er vor Gott nicht verborgen. Der Herr hat ihn vor dir verborgen, damit durch die Kümmernis dein Herz gereinigt werde. Du wirst eine unerwartete Freude des Wiedersehens mit deinem Sohn vor seinem ewigen Antlitz erfahren."

Es wäre für meine Urgroßmutter, die zeitlebens unter dem Verlust ihres jüngsten Sohnes gelitten hat, sicherlich beruhigend gewesen, wenn sie gewußt hätte, wo ihr Sohn begraben liegt. 
In diesem Sinne mögen die sterblichen Überreste meines Großonkels für alle Zeit an diesem sicheren Platz ruhen. 

Quellennachweis: 
Kriegerdenkmal, Grabstein, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Briefe aus dem Nachlaß

Wenn Sie mehr über das Leben von Adolf Kaipel in den Jahren 1938 bis 1942
erfahren wollen, dann lesen Sie die Dokumentation:

Verlorene Jahre

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