Die Kelten in Riedlingsdorf / Pinkafeld

 
Die Kelten in Pinkafeld und Riedlingsdorf

Archäologen machten auf dem Lampelfeld, jenem geschichtsträchtigen Ackerbaugebiet zwischen Riedlingsdorf und Pinkafeld, eine bedeutende Entdeckung. Östlich der 10. Station des Kreuzweges, der von Pinkafeld zur Kalvarienbergkirche  führt, ziemlich in der Mitte zwischen dem Kreuzweg und dem Güterweg Riedlingsdorf-Pinkafeld, fand man auf einem Acker eine große ovale Fläche mit riesigen Mengen von Eisenschlacke. 

Nachdem dem Bauern, der das oben beschriebene Areal auf dem Lampelfeld bewirtschaftet, aufgefallen war, daß er beim Pflügen immer wieder schwarze Gesteinsbrocken zu Tage gefördert hatte, wurde im Jahre 2001 der Acker von Archäologen begangen und mit modernen Geräten vermessen. Das Ergebnis dieser Untersuchung war eine Karte, auf der sich eine kleine Sensation abzeichnete. Die Geräte hatten festgestellt, daß auf einer Fläche von 300 mal 300 Meter die Überreste von nicht weniger als 250 Schmelzöfen befinden. Zeitungsberichte, die anläßlich der Ausgrabung im Jahre 2002 über diesen Fundort berichteten, sprachen daher auch von einem 'Industriekomplex' der Kelten auf dem Lampelfeld.


Blick vom Kalvarienberg auf das geschichtsträchtige Lampelfeld

Die archäologischen Arbeiten in Riedlingsdorf/Pinkafeld standen von Anfang an unter einem guten Stern und begannen mit einem Zufallsfund. Der Riedlingsdorfer Gemeindebedienstete Edwin Nagel stieß bei Aushubarbeiten am südlichen Dorfrand von Riedlingsdorf auf einen großen Schlackenfund. Die Kelten hatten also nicht nur auf dem Lampelfeld sondern auch an anderen Orten des Pinkatales Eisen erzeugt. Bemerkenswert bei diesem Riedlingsdorfer Fund ist laut Aussage der Archäologen die Dicke der Schlackenschicht, die ihresgleichen in Europa sucht. 

Die eigentliche Ausgrabung auf dem Lampelfeld startete im August 2002 bei prächtigem Wetter. Wie groß der keltische Anlage auf dem Lampelfeld war, beweist die Tatsache, daß die Archäologen in der mehrwöchigen Kampagne lediglich ein Prozent der Öfen freilegen konnten. Sie fanden neben Ofenteilen und Schlackenresten Scherben von Gefäßen und konnten mit Hilfe dieser Funde die Anlage auf die spätkeltische Zeit, also etwa um die Jahre vor Christi Geburt datieren. 

Besonderes Glück hatten die Archäologen aber, als sie einige Meter neben einem der Öfen auf die Überreste einer Behausung stießen, in der sich die Fragmente eines Schöpflöffels befanden. Zur Überraschung der Ausgräber konnten sie den Fund auf 4000  Jahre vor Christi Geburt datieren. Die Forscher hatten somit den Nachweis erbraucht, daß unsere Gegend bereits in der Jungsteinzeit also bereits vor zirka 6000 Jahre besiedelt war!!!

Die Archäologen wurden von der Stadtgemeinde Pinkafeld und dem Museumsverein mustergültig unterstützt. Auch die örtliche Bevölkerung nahm regen Anteil an der Arbeit der Forscher. Höhepunkt war ein Tag der 'Offenen Tür' bei der Ausgrabungsstätte, bei dem die Archäologen nicht nur ihre Funde sondern auch keltische Techniken für die Eisenerzeugung und die Herstellung von Bekleidung und Werkzeugen zeigten. Hunderte Besucher konnten sich einen bleibenden Eindruck von der wichtigen Arbeit der Archäologen machen.

Weitere Fotos von der Ausgrabung


Minderwertiges Roherz von der Fundstelle am Lampelfeld

Hintergrundinformation:  Die Kelten 

Die Kelten waren kein nationales Volk sondern ein Verband aus einzelnen Stämmen, deren Kernland sich in Ostfrankreich, Südwestdeutschland und die Nordschweiz befand. Ihre Epoche wird in folgende Zeitabschnitte eingeteilt:

*  Hallstattzeit oder frühe Eisenzeit (ca. 750 bis 450 v.Chr.) 
*  La-Tene-Zeit oder späte Eisenzeit (450 bis Ende 1. Jahrhundert v. Chr.) 

In der La-Tene-Zeit (benannt nach einem Fundort in der Schweiz) breiten sich die Kelten über ganz Europa aus. Im 2.Jahrhundert v. Chr. erreicht ihr Gebiet die größte Ausdehnung. Diese Expansion ist nicht eine klassische Völkerwanderungen wie hunderte Jahre später jene der Germanen sondern die Gruppen und Verbände verlassen wellenartig ihre Heimatgebiete. Die Gründe sind nicht genau erklärt, werden aber in Stammesfehden oder einer Bevölkerungsexplosion vermutet. 
Bei den Wanderungen unterscheidet man eine ‚Westwanderung‘, die unter anderem auch zu einer Besiedelung der Britischen Insel und Teilen der Iberischen Halbinsel führt und einer Ost- bzw. Südost-Wanderung. Der erste Teil der Südost-Wanderung ging um 400 v.Chr von Oberösterreich über Ungarn bis nach Rumänien und der zweite Teil dieser Wanderung von Niedösterreich über die Balkanstaaten bis hin nach Kleinasien. 

Die keltische Macht wurde durch die Eroberungen der Römer unter Julius Cäsar in Frankreich gebrochen. Zeitgleich setzten auch die Angriffe der Germanen den keltischen Stämmen so zu, sodaß die Römer in weiterer Folge leichtes Spiel mit der Unterjochung der keltischen Stämme hatten. Kultur und Sprache der Kelten gingen durch die Romanisierung unter. Letzte Rest keltischer Sprache haben sich aber bis heute erhalten und sind in Frankreich in der Bretagne (Bretonische) und vorallem auf den Britischen Insel in Cornwall, Wales, Schottland und Irland zu finden.
 

Hintergrundinformation:   Keltische Eisenverhüttung - Rennöfen

Die Kunst der Eisengewinnung wurde etwa um  etwa 1000v.Chr. in das Gebiet des südlichen Mitteleuropa über Italien und den Balkan aus dem in Ostanatolien liegenden Hethiterreich eingeführt.

Als Rohstoff für die Eisengewinnung dienen verschiedene oxidische Verbindungen, die als Erz fast überall auf der Welt vorkommen. Das Verfahren zur Verhüttung dieser Erze war in der vorchristlichen Zeit das sogenannte Rennfeuerverfahren, die Öfen, die man für diesen Verfahren baute, waren die sogenannten Rennöfen.

Der Name "Rennofen" kommt ursprünglich vom Wort "rinnen", da das Eisen im Ofen nach unten rinnt. Der Rennofen diente den Kelten bereits vor ca. 2500 Jahren zur Herstellung von Eisen. Er wurde hauptsächlich aus Lehm gebaut.  Anfangs wurde eine ca. 30 cm breite und ca. 20 cm tiefe Grube ausgehoben, die  anschließend mit Lehm ausgeschmiert wurde. Dann wurde ein ca. 10 cm breiter Lehmring um die Grube herum gebaut, auf den anschließend Steine aus  Grauwacke gelegt werden. Dann wurde wieder Lehm darüber geschmiert, bis die Steine nicht mehr sichtbar waren. Nach dem ersten Ring wurden zwei bis drei Röhren (anfangs aus Holz, später aus Eisen) eingefügt, um den Rennofen mit genügend Luft zur Verbrennung zu versorgen. Die eine Öffnung diente der Luftzufuhr und war normalerweise einem Berghang zugewandt, um Fallwinde auszunutzen. Durch die etwas tiefer gelegene zweite Öffnung wurde das teigige Schlacke / Eisen-Gemisch entnommen.

Die Wandung wurde so Schicht für Schicht, sich nach oben verjüngend hochgezogen, bis oben eine Öffnung von ca.10 cm blieb. Dann musste die Ofenkonstruktion mindestens eine Woche lang trocknen. Nach dieser Woche wurde der Ofen trockengeheizt, um ihm das übrige Wasser zu entziehen. Um eine besonders heiße Glut zu erzeugen, wurde durch die Röhren Luft in den Brennraum geblasen. Die Kelten und Römer benutzten dazu lederne Blasebälge. Nach etwa zwei Stunden war der Rennofen funktionsbereit. 

Der eigentliche Prozess der Verhüttung des  Rohmaterials spielte sich anschließend wie folgt ab. Zuerst wurde außerhalb des Rennofens ein Feuer entfacht, bis eine gute Glut vorhanden war. Diese Glut wurde nun in den Rennofen gefüllt. Als nächstes wurde im Verhältnis 2:1 Eisenerz und Kohle abwechselnd bis ca.10 cm unter den Rand aufgeschüttet.  Mit dem Blasebalg wurde nur noch ab und zu Luft zugeführt, damit der Prozess nicht zu schnell lief. Zwei Stunden später wurde der Ofen, nachdem er ausgebrannt war, abgerissen, um das sich unten angesammelte Eisen zu entnehmen. Da sich an dem Eisen eine Menge Schlacke ansammelte, musste diese mittels Hammer oder ähnlichem abgeklopft werden. Um ein Kilogramm Roheisen zu gewinnen brauchte man etwa 28 Kilogramm zerkleinertes und gereinigtes Eisenerz und 14 Kilogramm Holzkohle. 

Nicht jede Holzkohle eignet sich gleich gut für das Herausschmelzen des Metalls aus dem Gestein und genau hier hatten die in Mitteleuropa ansässigen Kelten einen großen Vorteil, nämlich die großen Mengen Buchenholzes in den riesigen Wäldern, die sich fast über ganz Mitteleuropa erstreckten. Mit Buchenholzkohle konnten Temperaturen erreicht werden, die zur
Eisengewinnung genügten. 

Probleamtisch bei diesem Verfahren waren die auf Grund der durch den schwachen, natürlichen Zug bedingten, relativ niedrigen
Verhüttungstemperaturen, die im Rennofen erzielt werden konnten. Man erhielt dadurch nicht flüssiges Eisen, sondern eine teigige Masse, die sogenannte Luppe, in der noch flüssige Schlacke eingeschlossen war. Letztere wurde durch Hämmern ausgetrieben, sozusagen ausgequetscht. Zum Bergen der Luppe mußte der Ofen zum großen Teil zerstört werden. Hierbei kam dann ebenfalls die zusammengebackene, eisenarme Schlacke zum Vorschein, die auch Ofensau genannt wurde. 

Die Tatsache, daß intakte Rennöfen so gut wie nie auffindbar sind, ist mit der verfahrensbedingten Notwendigkeit zu erklären, den Ofen nach jedem Verhüttungsprozeß teilweise zu zerstören. 

Schematische Aufbau eines Rennofens
 
 

    Nachbau eines Rennofens

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Für den Inhalt verantwortlich: Heinz Bundschuh