Johann Raas
Adresse:
Riedlingsdorf 278
Geboren:
 2.11.1907
Gefallen:
20.12.1942
Einheit:
leichte Fahrkolonne 8 /298 
Division:
298.Infanteriedivision
Dienstgrad:
 Schütze
Todesort:
Nasaroff/Rußland
Grablage:  

 
Berichte:
Johann Raas war Angehöriger der Nachschubtruppen der 298.Infanteriedivision, welche seit dem 22.6.41 im Rahmen der Heeresgruppe Süd am Rußlandfeldzug teilnimmt. Bereits im Winter 1941/42 erleidet die Division große Verluste, als sie im Zentrum des russisches Angriffversuches  auf Charkow steht. Dieser Einbruch kann von den deutschen Truppen nur mit Mühe abgeriegelt werden. Der dadurch entstehende 'Sack von Isjum' führt im Frühjahr 1942 zur Frühjahrschlacht bei Charkow, die mit einer verheerenden russischen Niederlage endet. Die 298.ID tritt nach Abschluß dieser Kesselschlacht zur Verfolgung der zurückweichenden russischen Verbände an und gelangt bis Ende Juli bis nach Rostow. Die Soldaten sind darauf eingestellt, daß sie im Rahmen der 17.Armee auf den Kaukasus angesetzt werden, als sie im Juli 1942 plötzlich angehalten und nach Nordosten in Richtung Millerowo umdirigiert werden. Die 298.ID hat nun die Aufgabe als 'Korsettstange' die Front der 8. italienischen Armee zu verstärken, welche die offene Flanke der 6. deutschen Armee deckt, die auf Stalingrad marschiert. Die Regimenter der Division werden zwischen italienischen Divisionen am Don zu Sicherungsaufgaben eingesetzt und erleben nun Wochen und Monate relativer Ruhe, während einige hundert Kilometer weiter östlich in den Ruinen von Stalingrad die 6. Armee langsam verblutet. 
Ab 11.12. greift die Rote Armee auch die Front der 8.Armee an und schlägt die italienischen Divisionen im ersten Ansturm in die Flucht. Auch die 298.ID wird in diesen Strudel hineingezogen. Für sie beginnt nun eine Zeit des Rückzuges, in der sie sich langsam, ständig von überlegenen russischen Truppen umgeben, nach Westen durchkämpft. Diese Rückzug vollzieht sich abseits der Straßen durch meterhohen Schnee und bei grimmiger Kälte. Mehrmals eingekesselt, gelingt der Division immer wieder der Ausbruch, als sie nach wochenlangen Kämpfen endlich bei Kupjansk die Front des deutschen SS-Panzerkorps erreicht, sind von den ursprünglich 15.000 Mann aber nur mehr wenige Tausend am Leben. Die Division ist so in ihrem Bestand geschwächt, daß sie aufgelöst und ihre Einheiten zur Aufstellung der neuen 387.ID verwendet werden.
Hier ein Auszug aus der Divisionsgeschichte der 298.ID:
"Am 18.12.41 durchbrach der Russe die Front der Division 'Celere' südlich Kasanskaja. Auch gelang es ihm nordwärts Kasanskaja die italienische Sicherungslinie zu durchstoßen. Teile der 298.ID sind hier zum Gegenstoß angetreten. Südlich Werchnij-Mamon wurde die italienische Front auf den Bogutschar zurückgenommen. Hier ist auch die 27.PD im Einsatz, so das OKW. Das Zurücknehmen der italienischen Front ist sicher zu linde ausgedrückt, es war mehr eine Flucht. Teile der 298.ID halten südlich Kasanskaja noch die Front und versuchen, sich auf die eigene Linie zurückzukämpfen....Die 298.ID kämpft sich bis 25.12.42 weiter nach Südwesten durch, sie konnte aus der Luft versorgt werden."

Johann Raas ist dieser furchtbare Rückzug erspart geblieben, weil er am 20.12.42, noch in der ersten Woche des russischen Angriffes gefallen ist. Trotzdem soll hier ein weiterer Auszug aus der Divisionsgeschichte der 298.ID angeführt werden, der die für uns Menschen des 21.Jahrhundert unvorstellbaren Zustände der damaligen Zeit beschreibt. 

"Es war in der Zeit, in der sich die Stalingradtragödie ihrem Ende zuneigte. In überholender Verfolgung waren die motorisierten Teile der Russen längst an uns vorbeigestoßen und nun galt es, sich mit ihren Infanterieverbänden und berittenen Aufklärungseinheiten zu befassen. Der Weg der Division durch die russische Weite um die Front zu suchen war gekennzeichnet durch hohe Verluste an Menschen und Material. Ohne geregelte Verpflegung, die Verwundeten auf Schlitten, ganze Einheiten krank, auch Gelbsucht, so schleppte sich die Division dahin. Wärmende Quartiere fehlten oder mußten täglich erkämpft werden. Seinen Weg nach Westen nahm unser wandernder Kessel nicht willkührlich, wenn auch dieser oder jener annehmen mußte, daß das eine Fahrt ins Blaue sei. Nach anfänglichen Alleinsein sorgte für die Erkundung im Großen ein braver Aufklärer der Luftwaffe, der sich täglich einstellte und im selbstlosen Einsatz den Kameraden des Heeres den Weg zeigte. Auch für den Abwurf von Verpflegungsbomben sorgte er vorbildlich." 
 



Karte mit dem Kampfgebiet um Nasaroff (Quelle: Divisionsgeschichte 298.ID) 
Die im rechten oberen Eck von links nach rechts führende dicke Linie ist der Don, von dem sich die Division ab
18.12.42 langsam zurückzieht. Die handschriftlich auf der Karte eingetragenen Ziffern sind die Positionen der
Infanterieregimenter 525, 526 und 527 der Division. In der Nähe des unteren Randes in der Bildmitte 
befindet sich Nasaroff, jener Ort bei dem Johann Raas gefallen ist. 

Am 4.2.43, als die Reste der 298.ID die Front des SS-Panzerkorps erreichen, das mit seinen Divisionen 'Leibstandarte', 'Das Reich' und 'Totenkopf' auf den zusammenbrechenden deutschen Südflügel geworfen worden ist, hat der überlebende Kolonnenführer (entspricht Kompaniekommmandant) folgenden Brief an die Gattin von Johann Raas geschrieben:
"O.U., den 4.2.43

Hochverehrte Frau Raas!

Leider haben Sie schon längere Zeit vergeblich auf ein Lebenszeichen Ihres werten Herrn Gemahls gewartet. Endlich bin ich nun in der Lage Ihnen Aufschluß zu geben.
Auf einem Marsche nach Meschkoff (Don) wurden wir angegriffen und hierbei wurde er beim Betreuen seiner Pferde von einer Granate getroffen und starb den Heldentod. Es war sogleich verschieden und konnte nicht mehr gerettet werden. Durch sein stets opferbereites Handeln und auch seine gute Fürsorge für alles Anvertraute war er den anderen Kameraden Vorbild und wird stets in unser Andenken bleiben. Auch werden wir in seinem Sinne weiterkämpfen, damit sein höchstes Opfer nicht umsonst war.

Und Ihnen und den übrigen Angehörigen bringen wir unser aufrichtiges Beileid zum Ausdruck. Mögen Sie die Kraft finden bald über den harten und schweren Verlust hinwegzukommen.

In stiller Teilnahme

Schmidt(?)

Oberleutnant und Kolonnenführer"

Über die Lage des Grabes von Johann Raas konnte von den zuständigen Stellen leider nichts in Erfahrung gebracht werden. 

Quellennachweis: 
Kriegerdenkmal, Sterberegister Gemeinde Riedlingsdorf, Nachlaß von Johann Raas, Divisionsgeschichte 298.ID