Die Kämpfe im Bezirk Oberwart


Den nachfolgenden Ausssagen liegen folgende Quellen zugrunde: 
Zeitzeugenberichte
Friedrich Brettner, Die letzten Kämpfe des II.Weltkrieges, Pinka-Lafnitz-Hochwechsel
Manfried Rauchensteiner, Der Krieg in Österreich 1945
Das Schicksal des SS-Panzergrenadier
Ersatz- und Ausbildungsbataillon 11 

Das SS-Panzergrenadier Ersatz- und Ausbildungsbataillon 11 mit Standort Graz ist eine der Einheiten, die dem Befehlshaber des linken Flügels der 6.Armee, Gerneralleutnant Krause, Ende März als Verstärkung geschickt wird. Dieses Bataillon ist die Ersatzeinheit der 11. SS-Panzergrenadierdivision 'Nordland', die zur gleichen Zeit vor Berlin kämpft und dort in den letzten Kriegswochen untergeht. Das Stammpersonal des Ersatzbataillons setzt sich daher auch hauptsächlich aus Offizieren und Unteroffizieren der 'Nordland'-Division zusammen und hier hauptsächlich aus Männern des SS-Panzergrenadierregiment 23 'NORGE'. Die Mannschaften sind meist junge Holländer, von denen viele erst 16 oder 17 Jahre alt sind und noch keine Fronterfahrung besitzen. 
Nachdem die Rote Armee die Reichsschutzstellung am 29. März bei Rechnitz durchbricht, wird das SS-Ersatzbataillon am 30. März, dem Karfreitag, in Graz alarmiert. Die Rekruten und Genesenen aus denen sich das Bataillon zusammensetzt werden rasch in sechs Kompanien gegliedert. Die ersten fünf Kompanien bestehen aus den holländischen Freiwilligen, eine sechste Kompanie aus Österreichern. Mit Hilfe eines  holländischen Besuchers dieser Seite konnten die Kompanieführer des Bataillons ermittelt werden:
1. Kompanie: SS-Untersturmführer Stefan Lenzmoser
2. Kompanie: SS-Untersturmführer Willi Wagner
3. Kompanie: SS-Untersturmführer Erich Depke
4. Kompanie: SS-Obersturmführer Stefan Lellinger
5. Kompanie: SS-Obersturmführer d.R. Hans Alf
6. Kompanie: SS-Obersturmführer Peter Pongraz
Das SS-Bataillon selbst wird von SS-Sturmbannführer Willi Schweitzer befehligt.

Während Generalleutnant Walter Krause in seinen Erinnerungen von einer gut ausgerüsteten und gut geführten Truppe schreibt, wird von Angehörigen des Bataillons vorallem die Bewaffnung beklagt, die nur aus Infanteriewaffen und einigen wenigen schweren Waffen besteht. 
Noch am Karfreitag wird das SS-Bataillon von Graz mit Postomnibussen nach Großpetersdorf verlegt. Am nächsten Tag, dem 31.März, soll das Bataillon über Weiden ausholend den Angriff auf Rechnitz durchführen. Das Bataillon, nun 'Kampfgruppe Schweitzer' genannt, wird mit einer Ersatzschwadron der 3.Kavalleriedivision verstärkt. Aufgrund der schwierigen Wegeverhältnisse gelingt die Bereitstellung für den Angriff nicht rechtzeitig, sodaß dieser erst am 1. April stattfinden kann. Vom Feinde unbemerkt erfolgt am Ostersonntag, dem 1.4., die Bereitstellung für den Angriff auf den Höhen nordwestlich von Rechnitz. Gegen 11.00 Uhr greifen die SS-Männer überraschend die russische Besatzung von Rechnitz an und schlagen diese in die Flucht. Es gelingt den deutschen Angreifern sogar die alte Reichsschutzstellung wieder zu beziehen und diese für die nächsten Tage zu sichern. Die SS-Männer kommen in ein Dorf, daß während der kurzen Besatzung durch die Rote Armee schwer unter den Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung (Vergewaltigungen, Plünderungen) gelitten hat. 
Der Erfolg des deutschen Gegenschlages bei Rechnitz basiert neben dem Überraschungseffekt auch auf der Tatsache, daß die russische Besatzung von Rechnitz zu einer Einheit gehört, die auf ihre Ablöse durch nachfolgende Kräfte der Roten Armee wartet. Die Besatzer der Ortschaft gehören zum XXXVII.Gardeschützenkorps, das als Bestandteil der 9.Gardearmee für den Vorstoß auf Wien vorgesehen ist. Dieses Gardeschützenkorps wartet auf die nachrückenden Einheiten der 26. Armee um der eigenen 9.Gardearmee folgen zu können und ist daher auf den deutschen Gegenangriff nicht richtig vorbereitet. 
In den nächsten Tagen versucht das SS-Bataillon seinen Erfolg auszubauen und greift am 3.4. nach Süden an, um Anschluß an die anderen deutschen Einheiten zu bekommen. Dieser überraschende Angriff gelangt bis zum Bahnhof, wird dann aber von russischen Panzerkräften abgefangen. Die deutschen Angreifer müssen sich nach diesem Mißerfolg wieder unter hohen Verlusten auf ihre Ausgangsstellungen zurückziehen.
Am 4.4. hat das Gros der nachrückenden 26.Armee die Reichsgrenze erreicht. Im Kampfraum Rechnitz marschieren das XXX. und Teile des CXXXV.Schützenkorps auf. Nur einen Tag später, am 5.4. um 8.00 Uhr beginnt der russische Großangriff entlang der Reichsgrenze, der binnen Stunden alle deutschen Kräfte südlich von Rechnitz hinwegfegt, lediglich das SS-Bataillon hält nach wie vor seine Stellungen. 
Von allen Seiten von russischen Kräften umzingelt befiehlt die Bataillonsführung am 6.4. den Ausbruch in Richtung Westen. Unter Mitnahme der Leichtverwundeten (die Schwerverwundeten müssen zurückgelassen werden) kämpft sich die Restkampfgruppe über den Hirschenstein, Glashütten, an Schlaining und Alt-Schlaining vorbei auf Unterschützen zurück. Ständig umgeben von überlegenen Feindkräften marschieren die jungen Holländer um ihr Leben. Bei Unterschützen kommt es zum Kampf mit  Trosseinheiten der Roten Armee. Ein letzter großer Opfergang ist dann die Überquerung des Pinkatales nördlich von Oberwart beim Josefsberg am 7.4.. In den Wäldern rund um Oberwart wimmelt es nur so von russischen Kampftruppen und das SS-Bataillon wird daher bei der Durchquerung des 2 Kilometer breiten Wiesengeländes im Pinkatal von allen Seiten beschossen. Den SS-Männern gelingt es einige russische Gefechtsfahrzeuge abzuschießen, die von Oberwart heraus versuchen, dem Bataillon in die Flanke zu fallen. In den Waldstellungen auf den Westhängen des Pinkatales müssen außerdem noch einige  Pakstellungen niedergekämpft werden, ehe am Morgen des 8. Aprils die ersten SS-Männer die eigenen Linien erreichen. 
Der Einsatz des SS-Panzergrenadier Ersatz- und Ausbildungsbataillons 11, der am 1.4. bei Rechnitz begonnen und am 8.4. bei Markt Allhau/Buchschachen geendet hat, kostet dieser Einheit einige Hunderte an Toten. Allein bei den Kämpfen um Rechnitz verlieren 300 bis 400 Mann ihr Leben. Ein Augenzeuge berichtet, daß sich nach dem geglückten Durchbruch etwa 150 Überlebende bei der Sammelstelle in Grafendorf einfinden, dazu kommt noch der eine oder andere Verwundete, der ins Hinterland verfrachtet worden ist. Der Bataillonsführer SS-Obersturmbannführer Willi Schweitzer wird beim Ausbruch am Hals verwundet und muß die Führung der Restteile der Einheit an SS-Untersturmführer (!) Hans Roller abgeben. Er wird am 24.4. für den Opfergang seiner Männer mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Die Überlebenden werden neu gegliedert und der Kampfgruppe ARKO 3, einer Wehrmachtseinheit, zugeteilt.


Sturmbannführer Willi Schweitzer
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Sturmbannführer Willi Schweitzer
geb. 1911 in Minden/Westfalen, gest. 1993 ebendort
1934: Eintritt in die  SS-Leibstandarte  'Adolf Hitler'
1939: Teilnahme mit der 11./LSSAH am Polenfeldzug (EK I+II)
als Oberscharführer
1941: Teilnahme am Rußlandfeldzug im Raum Kiestinki/Finnland als Obersturmführer in der 10./SS-IR 7 (SS-Gebirgsdivision 'Nord')
1943: Teilnahme an der  Zerstörung des Warschauer Ghettos
1944: SS-Pz.Gren.Btl. 18 Breslau, 
ab Sep.1944 SS-Pz.Gren. und Ausb.Btl. 11 Graz

1945: Kommandeur SS-Pz.Gren. und Ausb.Btl. 11 Graz
14.04.45: Ritterkreuzverleihung durch SS-Brigadeführer Mohnke
im Bunker der Reichskanzlei
Nach dem Krieg: Verurteilung durch das US Court for War Crimes wegen der Teilnahme an der Vernichtung des Warschauer Ghettos.
Mehrjährige Haft im US War Criminals Prison No.1 Landsberg/Lech.
 

Am Güterweg Buchschachen-Oberwart steht heute das sogenannte 'Soldatendenkmal', das an 21 Gefallene erinnert, die aus Feld- und Waldgräbern 1947 hier zusammengebettet wurden. Zu Gerüchten, daß hier ein Massaker an Angehörigen des SS-Panzergrenadierbataillons stattfand siehe den anschließenden Text. 


(Originalquelle: Prof. Friedrich Brettner, Die letzten Kämpfe des II.Weltkrieges, Pinka-Lafnitz-Hochwechsel, 
Telefonische Bestellung direkt beim Autor unter 02662/43430)
Die blaue Linie auf der obigen Karte zeigt entsprechend der Augenzeugenberichte in Prof. Brettners Buch ungefähr den Rückzug des SS-Panzergrenadier Ergänzungs- und Ausbildungsbataillons 11 aus Rechnitz zu den deutschen Linien bei Markt Allhau. 
Der Rückzug beginnt am 6. April und führt von Rechnitz über den Hirschenstein nach Glashütten, von dort weiter in Richtung Schönau/Rauhriegel, an Stadtschlaining und Alt-Schlaining vorbei nach Süden und dann weiter in Richtung Westen zwischen Drumling und St.Martin hindurch. Am 7.April wird von Unterschützen her kommend das breite Pinkatal nördlich von Oberwart beim Josefsberg durchquert. Im Waldgebiet westlich von Oberwart werden sowjetische Feldstellungen überwunden und am Morgen des 8. Aprils werden die deutschen Linien (schwarz gezeichnet) erreicht. Das grüne Rechteck zeigt den heutigen Standort des Soldatendenkmals, das an 21 Gefallene erinnert, die in der näheren Umgebung in Feld- und Waldgräbern ihre vorläufige Ruhe fanden. Zur Ansicht in Originalgröße auf die Karte oder hier klicken.

Das Pinkatal nördlich von Oberwart. Blickrichtung vom Westhang des Tales in Richtung Ost-Nord-Ost. 
Hier an dieser Stelle hat das SS-Ersatzbataillon vermutlich das Pinkatal durchquert (genaue Augenzeugenberichte liegen leider nicht vor). Die grüne Linie zeigt den Verlauf der Eisenbahnlinie und der Bundesstraße. Die roten Linien sind die Stoßrichtung des sowjetischen Gegenangriffes von Oberwart heraus in die Flanke des SS-Bataillons. Die blauen Linien zeigen die Vormarschrichtung des Bataillons bei der Durchquerung. Die Ortschaft Unterschützen liegt hinter dem Osthang des Pinkatales. Im Waldgebiet im Bildvordergrund haben die Sowjettruppen zahlreiche Feldstellungen angelegt, die von der SS-Einheit von rückwärts durchbrochen werden. Zur Ansicht in Originalgröße auf das Bild oder hier klicken.

'Soldatendenkmal' bei Buchschachen
Dieses Denkmal erinnert an die gefallenen Soldaten, die hier im Jahre 1947 aus Feldgräbern zusammengebettet wurden.
Die Inschrift auf dem Denkmal lautet: 

'Die hier 1945 gefallenen Soldaten wurden 1969 in den neu errichteten Soldatenfriedhof Mattersburg umgebettet.'
 
In der Gegend von Buchschachen hält sich hartnäckig das Gerücht, daß hier an dieser Stelle Soldaten, die sich bereits ergeben hatten, von der Roten Armee massakriert wurden. Wer diese Soldaten waren und welcher Einheit sie angehörten ist nicht bekannt. Nachforschungen beim Österreichischen Schwarzen Kreuz und beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge haben diese Gerüchte eher entkräftet als bestätigt. Daß bei den Endkämpfen gelegentlich auf beiden Seiten kein Pardon gegeben wurde, dafür gibt es durch Zeitzeugen belegte Beispiele. Wenn die Rote Armee in Buchschachen aber tatsächlich Gefangene exekutiert hat, dann vermutlich nur einzelne Soldaten oder kleinere Gruppen, jedoch auf keinen Fall eine größere Einheit.

Hier der Originaltext aus der Antwort des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vom 12.7.2004:

"Im Jahr 1961 sind in Buchschachen 42 Gefallene exhumiert und zum Soldatenfriedhof Mattersburg/Burgenland überführt worden. 1971 wurde noch ein Feldgrab gefunden. Die Gebeine kamen ebenfalls nach Mattersburg. Die Namen sind uns leider nicht bekannt. Im Umbettungsbericht vom 10.10.1961 heißt es:
Die Gefallenen waren auf zwei Anlagen zur Ruhe gebettet und zwar auf dem Ortsfriedhof und auf der Waldanlage 'Taberschluchten'. Die Zusammenlegung auf dem Ortsfriedhof erfolgte im Jahr 1947 durch die Gemeinde auf Anordnung und unter Aufsicht der russischen Besatzungsbehörden. Sämtliche Papiere, Erkennungsmarken usw. sind abgenommen und beschlagnahmt worden.
Die Grabanlage im Wald 'Taberschluchten' mit 21 unbekannten Soldaten sind ebenfalls 1947 aus den umliegenden Feld- und Waldgräbern zusammengebettet worden. Alle Hinweise auf Identität fehlen. Augenzeugen waren nicht mehr zu ermitteln.
Im Ortsfriedhof soll sich noch ein Massengrab mit 61 gefallenen Angehörigen der Roten Armee befinden."
   
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