Dr. Ottokar Kernstock
(1848-1928)

Einen hohen Bekanntheitsgrad hatte Festenburg um die Jahrhundertwende. Von 1889 bis 1928 wirkte hier nälich der Vorauer Chorherr Dr. Ottokar Kernstock als Pfarrer und Schriftsteller, bekannt als "Sänger auf der Festenburg".

Kernstock, zeitweilig der volkstümlichste Autor der Steiermark neben Peter Rosegger und Rudolf Hans Bartsch, wurde am 25. Juli 1848 zu Marburg an der Drau (Jugoslawien) geboren, zog dann mit seinen Eltern nach Graz und trat 1867 in das Stift Vorau ein. 1871 zum Priester geweiht, wurde er vorerst Stiftsarchivar und -bibliothekar und war ab 1873 als Kaplan in Waldbach, St. Lorenzen am Wechsel und Dechantskirchen tätig,. 1889 wurde er als Pfarrer nach Festenburg berufen und blieb es bis zu seinem Tod am 5. November 1928.

"Die Einsamkeit und Weltabgeschiedenheit dieser oststeierischen Gralsburg", schrieb Franz Wastian, "hat in Kernstock den Dichter erst so recht ausgelöst und geboren." Hier entstanden Kernstocks Gedichtebände "Die wehrhafte Nachtigall" (1900), "Aus dem Zwingergärtlein" (1901) - damit hat Kernstock einen frühen Höhepunkt der Volkstümlichkeit erreicht, die er in den zwei weiteren Gedichtebänden, die den gleichen Charakter tragen, noch zu mehren wußte - "Unter der Linde" (1905), "Turmschwalben" (1908), "Tageweisen" (1911), "Schwertlilien aus dem Zwingergärtlein" (1915), der mit Peter Rosegger gemeinsam herausgegebene "Steirischer Waffensegen" (1916) und der letzte Lyrikband "Der redende Born" (1922). Seine Prosaschriften wurden zu einem großen Teil gesammelt unter dem Titel "Aus der Festenburg" (1911). Kernstocks lyrisches Schaffen, das ihn als Meister der populären Mischung romantisierender Verskunst erweist, hatte zu seinen Lebzeiten zahlreiche Auszeichnungen, Verleihungen und Ernennungen zur Folge.



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Dr. Ottokar Kernstock
Dr. Ottokar Kernstock Wechselgau

Wechselgau, auf deinen Lehnen
Reifen karge Ernten bloß,
Zugeteilt ward deinen Söhnen
Nur ein dürftiges Erdenlos.

Schmale Kost, ein Kleid von Loden,
Harte Arbeit immerzu -
Wechselgau, Waldheitmatboden,
O wie arm, wie arm bist du!

Doch so mancher, der vom bösen
Weltgift elend ward und krank,
Ist auf immerdar genesen
Wenn er deine Quellen trank.

Mancher Bettler ward hier König;
Denn im Waldesfrieden lehrt
Ihn ein fröhlich Volk, wie wenig
Glück zum Glücklichsein gehöhrt.

Nicht mit allen Reichskleinoden
Tauscht er deine Bergesruh´...
Wechselgau, Waldheimatboden,
O wie reich, wie reich bist du!

Von Ottokar Kernstock


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