High Rise
Großbritannien/Belgien  2015
119 Min.  OmU (Englisch).
Ab 16 Jahren.
Regie: Ben Wheatley
Kamera: Laurie Rose
Schnitt: Amy Jump, Ben Wheatley
Musik: Clint Mansell
Mit: Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, u. a.
Nach seiner Scheidung zieht Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) in ein Hochhaus. Als Dozent für Physiologie an der nahegelegenen Universität kann sich der 30-Jährige ein Appartement in dem imposanten Gebäude leisten. Der Wolkenkratzer ist mehr als nur ein Wohnturm. Er ist eine eigene, in sich abgeschlossene Welt auf vierzig Etagen mit Ladengeschäften, Banken, Schulen, Fitnessstudios und Schwimmbädern. Wer wo wohnt, entscheidet das Geld und der gesellschaftliche Status. Ganz oben im vierzigsten Stock residiert Anthony Royal (Jeremy Irons), der Architekt und Schöpfer des exklusiven Ensembles. Laing, der in einer der mittleren Etagen wohnt, genießt den Mix aus unterschiedlichen Menschen und das ausgelassene Partyleben in seiner neuen Behausung. Doch es dauert nicht lange und die divergierenden Interessen von „Oberschicht“ und „Unterschicht“ eskalieren und mittendrin Robert Laing, der sich entscheiden muss: Auf welcher Seite steht er?

Der britische Regisseur entfesselt gemeinsam mit der Kamerafrau Laurie Rose einen brillant-düsteren Bilderrausch, der durch den suggestiv-treibenden Score von Clint Mansell („Requiem for a Dream”) kongenial verstärkt wird. Die Original-Kompositionen werden u.a. durch Portisheads großartige Coverversion des Abba-Superhits „SOS“ ergänzt. Das Wagnis, die dystopische Zukunftsvision des britischen Schriftstellers J.G. Ballard („Das Reich der Sonne”, Steven Spielberg; „Crash”, David Cronenberg) für die Leinwand zu adaptieren, wurde mit einem sagenhaften Cast, der sich von Tom Hiddleston über Elisabeth Moss, Luke Evans und Sienna Miller bis hin zu Jeremy Irons erstreckt, gemildert. Und doch erhitzt HIGH-RISE seit seiner Premiere beim Toronto Film Festival im vergangenen September die Gemüter. Niemandem, der ihn gesehen hat, ist dieser Film gleichgültig. Entweder liebt oder hasst man ihn. Nicht nur der bizarre und bösartige Blick auf eine Welt ohne Empathie und Moral drängt einen Vergleich zu „A Clockwork Orange” auf. Mittlerweile ist Kubricks Film ein anerkannter Klassiker, bei seinem Erscheinen wurde er aber heftig diskutiert. Ob sich HIGH-RISE in die Filmgeschichte einschreiben wird. bleibt abzuwarten. Eines hat der Film auf jeden Fall schon geschafft: In seiner Teilung in Befürworter und Gegner bringt er das Publikum zu einer sehr zeitgemäßen Geisteshaltung – dafür oder dagegen.

„High-Rise ist ein unbeherrschter Tobsuchtsanfall von einem Film, eine wilde und dekadente Orgie in enthemmten Bildscherben. Er ist gleichzeitig wahnsinnig und gut, vielleicht sogar wahnsinnig gut. Ben Wheatley ist eine der wohl düstersten und konsequentesten Gegenwartsanalysen seit langem geglückt. Wenn er im letzten Bild des Films eine Seifenblase zerplatzen lässt, dann ist das entweder eine bittere Pointe oder ein letzter Hoffnungsschimmer. Vielleicht sogar beides.“
kino-zeit.de, Lucas Barwneczik