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dogmenfreie Gläubigkeit «
Laienspiritualität
61: Egal
was, wie und wem Sie für Ihre Spiritualität
glauben - oder
auch nicht -, Sie könnten es in eigener Verantwortung und
Überzeugung
tun.
Beim
teilweisen oder ganzen "In-die-Hand-nehmen" Ihres Glaubens
mögen Ihnen meine Abhandlungen und Linkangaben helfen.
Die Säulen
des Vertrauens: Achtsamkeit, Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit
Kein
Platz für Bluff und Manipulation.
Ein Laien-Predigtentwurf aus gegebenen Gründen:Hochmotiviert
und ohne atheistischem "Ach was solls, ist doch eh egal ..."© Rudolf
Fiala, 24.11., bereinigt 30.11.2011 Besucher:
Säulen
des Vertrauens sind wie die Beine eines Tisches: Mit 2
Beinen fällt er um,
mit 4 wackelt er auf unebenem Boden, mit 3 steht er fest.
Glaube
und
Gläubigkeit beruhen auf Vertrauen: Ein Vertrauen in die Urkraft "Gott",
ohne dem auch der sprachgewandteste Berufstheologe ein erfolgloser
Sprach-Arbeiter bleibt. Sei es aus Mangel an Vertrauen
des Hörers, aber auch mangels eigenem
Vertrauens.
Emotionsgelähmt und uncharismatisch durch den
Fluch des verfehlten Berufes...
Nun,
von Jesus sind uns viele Zitate überliefert, die mit den berühmten
Worten "Wahrlich, wahrlich ich sage euch ..." beginnen.
Und
es ist anzunehmen, dass ER in seiner Zeit dabei auf seine Achtsamkeit
und Glaubwürdigkeit vertraute; sonst wäre es ja nur leeres Geplapper
gewesen. Was man aus unserem heutigen Bibelwissen ja durchaus auch so
befinden
kann. Man nehme nur die Geschichte mit den auf Wunsch Jesu verdorrenden
Feigenbaum, nur weil er zu einer eigentlich unpassenden Zeit keine
Früchte trug. Wohl literarische Freiheit der biblischen Dichtung ...
"Wahrlich,
wahrlich...", wie oft könnten wir das aus Überzeugung, aus überzeugter
Wahrhaftigkeit ohne schlechtem Gewissen wirklich sagen? Frei von
aufgezwungenen Denk- und Verhaltensnormen? Oder frei von
Gruppen-Normen, von denen wir annehmen, dass sie - vielleicht - für
unser weiteres Leben pfleglich sein könnten, obwohl wir nicht die
geringste Sicherheit der Nützlichkeit dieser Normen haben? Oder ob
überhaupt die normenpflegende Gruppe wahrhaftig ethischen Ansprüchen
genügt statt moralinsauer die Natur und das Leben, DAS Leben!, zu
vergewaltigen?
"Wahrlich = wahrhaftig",
da ist wieder dieser sich an die Wahrheit anlehnende Begriff. Aber gar
oft driften die uns allen erkennbare Wirklichkeit und Wahrheit derart
auseinander, dass so manche "Wirklichkeit" in ihren Grundwerten nicht
einmal annähernd einer Göttlichen Wahrheit, also einer gottgewollten
Wahrheit im ganzen Universum entsprechen kann.
Ich
meine,
dass "Wahrhaftigkeit" nicht in den Schoß fällt, sondern einen
bewußten Willensakt darstellt, genau so wie Gläubigkeit letztendlich
auch. Ohne den Willen, den Pfad zu Gott betreten, kann es keine
Gläubigkeit geben. Mit Seiner Hilfe? Wer weiß ...
Die
"Säule Glaubwürdigkeit"
ist freilich ein Folgeprodukt der "Wahrhaftigkeit",
mit Hilfe der Geisteskraft "Achtsamkeit"
gewonnen. Da die Achtsamkeit ebenfalls sowohl einem bewussten
Willensakt, als auch unterschiedlichen subjektiven Ausprägungen
unterliegt, ergibt das bei objektiv gleicher Situation für
unterschiedliche Menschen auch unterschiedliche Glaubwürdigkeits-Grade.
Mit
unterschiedlichen Ergebnissen, denn:
Uns ist die Wandlung
von Saulus zu Paulus überliefert. Doch in modernen Zeiten
ist eher die Wandlung wieder zu Saulus gang und gebe.
Schuld
unserer
ausufernden Informationsgesellschaft?
Nein!
Schuld von
vorausgewählten, also
manipulierten Scheinwahrheiten unter dem Deckmantel der geldgierigen
Wirklichkeit, die schon lange den Bezug zur Möglichkeit einer
Gottesempfindung verloren hat. Durch Scheinwahrheiten, denen eben
unterschiedliche Menschen unterschiedlich auf den Leim gehen und
verfallen.
Letzten Endes ist Alles eine unbeweisbare Empfindung.
Auch nicht von selbst- oder gruppenernannten Stellvertretern
Gottes/Jesu/Hl. Geistes als "wahrlich" richtig beweisbar. Auch nicht
mit Hilfe deren eigenen
systemdienlichen Gedankenkonzepten.
Zur
Gottesempfindung meinte vor 500 Jahren schon der Reformator Calvin:
»Das
ist eine
Überzeugung, die der Gründe nicht bedarf, das ist ein
Wissen, das
seinen Grund in sich selber trägt, ja, auf dem das Herz
sicherer und
beständiger ruht als auf irgendwelchen Gründen; das
ist ein Empfinden,
das nur aus himmlischer Offenbarung entstehen kann. Ich rede von dem,
was jeder einzelne Gläubige bei sich selber erfährt
– freilich reichen
meine Worte bei weitem nicht hin, um die Sache recht zu beschreiben!
[...] Für jetzt wollen wir uns dies merken, dass nur der
Glaube der
echte ist, den der Heilige Geist in unseren Herzen
versiegelt.«
Und
modern H-M. Barth: »Transzendenz
ist nicht wie die Dinge sind, sondern was sie uns bedeuten«
Beides
bestätigt, dass Gläubigkeit - unabhängig von ekklesialer Theologie -
eine dem Menschen "Innere
Qualität" darstellt.
Wie
auch schon
Angelus Silesius,
Arzt und Priesters (1627-1677) in seinem Cherubinischen
Wandersmann meinte:
Der Himmel ist in
dir:
Halt an, wo laufstu hin, der Himmel ist
in dir;
Suchstu Gott anderswo, du fehlst ihn
für und für.
Gott wohnt in einem Licht, zu
dem die
Bahn gebricht:
Wer es nicht selber wird, der sieht Ihn
ewig nicht.
Wie Gott im Menschen:
Gott
ist noch mehr in mir, als wann das
ganze Meer
In einem kleinen Schwamm ganz und
beisammen wär.
Wird Christus tausendmal zu
Bethlehem
geboren
und
nicht in dir: du bleibst noch ewiglich verloren.
Beschluss:
Freund,
es ist auch genug. Im Fall du
mehr willst lesen,
So geh und werde selbst die Schrift und
selbst das Wesen.
"So geh und werde selbst die
Schrift und selbst das
Wesen."
Lese in Dir
selbst und erhoffe nichts von Dir wesensfremden Teilen der
Außenwelt.
Betonung auf "wesensfremd": Anregungen
verwandter Seelen abzulehnen,
wäre ja hochgradig töricht.
Soweit,
so gut. Klingt doch alles sehr schön und lässt hoffen.
Doch
wirklich - und wahrhaftig - macht das erst Sinn, wenn es mit der gerade
im Protestantismus für wichtig gehaltenen "Gedankenfreiheit" und
Eigenverantwortung verbunden ist. Die Möglichkeit zur
Wahl, frei von
aufgezwungenen Doktrinen und Traditionen bis zum gut getarnten
Götzendienst, hebt
Begriffe wie eben Achtsamkeit, Wahrhaftigkeit und
Glaubwürdigkeit auf die Ebene der bewussten Gläubigkeit.
Hinaus aus dem
Nebel der instinktgebundenen Beiläufigkeiten.
Deine Wahl, meine
Wahl. Eine Wahl zur Akzeptanz der überall vorhandenen Göttlichkeit,
also auch zum Teil des unendlichen Gottes in uns!
Eines
"Verborgenen Gottes", eines Gottes, der sich uns ausschließlich als
"Beziehungswesen" darstellt, somit letztendlich von uns nur empfunden
werden kann, wenn wir diese Beziehung - frei entscheidend -
auch wollen.
Und frei die Gnade der geschenkten Beziehungsfähigkeit annehmen.
Wie
sprach Dr. Ines Knoll, amtsführende
Pfarrerin der
Lutherischen Stadtkirche Wien
im Österreichischen Radio in
den "Gedanken
zum Tag" am 12.4.2008 so treffend:
„.... Irgendwann
wirst auch Du Dich lösen von Formen und Gesetzen,
die Dich nie
gemeint haben und Du wirst aufgehen in Deiner Bestimmung und wirst
[...]befreit eingehen ins absolute Sprechen und
Schweigen und
Blicken und Lachen, ins Mensch-Sein. Und Dein Glaube braucht
keinen
Begriff und lässt sich nicht fassen in Formel und Dogma. Du
lebst Deinen Glauben und Du bist frei.”
Schöner
und treffender habe ich "Laie" den protestantischen Freiheitsbegriff
samt wählbarer - oder schicksalshafter - Loslösung von Biblizismus,
Traditionalismus und Fundamentalismus nirgendwo definiert gesehen.
Allerdings(!)
sollte man sich darüber klar sein, dass dieses "Freiheitsversprechen"
mit Gottes- und Transzendenzempfindung - also Gläubigkeit - nicht
zwingend etwas zu tun hat. "Den Glauben leben" kann auch ein
überzeugter, also seinen
»Glauben« lebender Atheist, der meint, dass jede
gefühlte Kommunikation mit einem transzendenten Wesen gar nicht
stattfindet, daher Mumpitz ist.
"Gott
spricht nicht mit uns"
ist beispielsweise ein Satz, der vom Blickwinkel des diesbezüglich
erfahrungslosen Atheisten - oder auch erfolglos suchenden Agnostikers -
für ihn durchaus berechtigt zu zu sein scheint. Unter Vernachlässigung nonverbaler,
auch innerer (Kreativität, Inspiration, Empathie o.ä.)
"empfundenen" Kommunikationsformen. Ein Gott "der nicht spricht", also
nicht kommuniziert, "hört" uns ja folgerichtig auch nicht. Womit
sämtliche
Gebete a priori sinnlos wären, samt der dazugehörigen Hoffnungen.
Fazit:
Der
Preis der beständigen Standhaftigkeit ist ja oft eine gewisse Einsamkeit, der hohe Gewinn
der konsequenten Standhaftigkeit ist schlicht langfristige Glaubwürdigkeit bei Gesprächspartnern, aber auch sich
selbst gegenüber.
Allerdings
meine ich, dass der Käßmann'sche Haupt-Lebenswunsch " ... vom Urteil anderer unabhängig zu
werden ..." leicht zum Fetisch, ja sogar zum egozentrierten Götzen
werden
kann. Geweiht am Altar selbstbezogener Maßstäbe, denen eine
Gottesbezogenheit ohnedies nicht sehr nahe sein muss oder eben
nicht ist.
Die
Freiheit mein, Dein, unser Leben achtsam, lügenfrei wahrhaft und
ethisch glaubwürdig zu leben ist ein hohes Ziel.
In der vollen und bewussten
eigenen Verantwortung.
Vielleicht auch mit der
Freude glücklicherweise und/oder begnadeterweise herbeigeführter Verbesserungen um und in uns. Frei von
resignativem Frust ...
Wie
sagte der kürzlich verstorbene Steve Jobs, Mitbegründer der Firma Apple
in seiner berühmten Stanford Rede:
»Verschwende deine Zeit nicht
damit, das Leben eines anderen zu leben.
Bleibe hungrig, bleibe verrückt!«
Verrückt!
Verrückt - aus der oft grauslichen Realität, aus dem "homo hominis
lupo" Denken und Handeln - in die optimistische Gläubigkeit.
Welche
- ganz nebenbei - für uns Evangelische nichts mit einem unsichtbaren,
im Himmel schwebendem Patriarchen mit langem Bart zu tun hat.
Nicht einmal mit dem seit Luther
und Calvin eigentlich obsoleten
"... wird kommen zu richten ...".
"Fly Robin fly, up up to the Sky" (© Silver Convention)
Rudolf
Fiala