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Laienspiritualität 4: Egal was, wie und wem Sie für Ihre Spiritualität glauben - oder auch nicht -, Sie könnten es in eigener Verantwortung und Überzeugung tun.
Beim teilweisen oder ganzen "In-die-Hand-nehmen" Ihres Glaubens mögen Ihnen meine Abhandlungen und Linkangaben helfen.
http://rudolf-fiala.info Glaubenssuche und unsere Verantwortlichkeit
 
Eine Hilfestellung durch Zitate kompetenter Personen

© Rudolf Fiala, 18. 6. 2008, revidiert bis Mitte 2012     Besuchszahl: 
Nachtrag Kardinal Schönborn am 22. 6. und 6. 7. 2008
Nachtrag Präsident Weißgrab am 25.10.2009 hier anklicken
Nachtrag Papst Johannes Paul II. am 15.12.2009 hier anklicken
Nachtrag Pfingstpredigt 2012 von Pfarrerin Ines Knoll
hier anklicken
Die Zitate-Urheberrechte gehören den Autoren.

Danksagung (alphabetisch) für die freundliche Zustimmung zur Verwendung ihrer Zitate
in dieser Abhandlung an:
Die anderen Abhandlungen
Bis 2019 Österr. evang. Bischof Dr. Michael Bünker / Wien
Dr. Ines Knoll, bis 2019 amtsführende Pfarrerin der Lutherischen Stadtkirche Wien
Erzbischof Dr. Christoph Kardinal Schönborn /Wien
Gerhard Weißgrab,
Präsident der Österr. Buddhistischen Religionsgesellschaft
 
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Wo und wann in der langen christlichen Kirchengeschichte hat ein Gott uns unsere Eigenverantwortlichkeit genommen?

Wo und wann in der langen christlichen Kirchengeschichte hat ein Gott einem anderen Menschen - oder womöglich einer Menschengruppe - ausdrücklich und unwiderruflich die Verantwortung für unsere eigene Glaubensempfindung übertragen?

Wo und wann in der christlichen langen Kirchengeschichte hat ein Gott uns zu Schafen für Berufshirten degradiert? (Von denen wir "Hirtenbriefe" bekommen; aufschlussreich, nicht wahr?)

Sie wissen das nicht, ja, Sie halten es sogar für unwahrscheinlich, dass das jemals geschah?


Dann ein „Herzliches Willkommen” im eigenverantwortlichen Glaubenserlebnis!
Egal welcher Religion Sie angehören, ob Sie Agnostiker oder Freund einer östlichen Philosophie sind.
Und ich werde mich bemühen, in den folgenden Zeilen auch den Atheisten das Mitlesen schmackhaft zu machen.

Dabei halte ich es für besonders sinnvoll auf die Intuition zu vertrauen, denn sie ist schlicht unbewusstes, gefühltes Wissen und nicht irgend eine dubiose, unbekannte und bezweifelbare Gehirnfunktion! Was insbesondere bei vielen Sportarten für jedermann sofort offensichtlich ist. Oder spielen Sie Tennis mathematisch kalkuliert mit Ihrer Großhirnrinde? Oder Golf, oder fahren "mathematisch" Ski? Oder spielen mathematisch Klavier oder Violine? Etc. etc....

Freilich ist Gott das große unerkennbare Geheimnis. Aber: Nicht nur für uns "gewöhnliche" Sterbliche, sondern auch für alle Menschen, unabhängig von religiösen Quellen samt Auslegungen und Sekundärliteratur, Hierarchien und universitären selbstmotivierenden Gruppenstudien, Arbeitshypothesen, Pseudo-Offenbarungen und sonstiger Prophetien samt Beeinflussungsversuchen an den berufshirtlich geführten Schafen.

Seit Anfang des 3. Jahrtausends sind gehäuft Veröffentlichungen über die Eigenverantwortlichkeit bei der Glaubenssuche zu finden. Für jeden interessierten Menschen zu finden!
Das Besondere ist, dass es sich um eigentlich überraschende Veröffentlichungen von an die Kirchen gebundenen "Meinungsbildnern", wie kath. Priestern, evang. Pfarrern, und  hunderte Jahre früher sogar Reformatoren handelt.

Auch Dietrich Bonhoeffer, getötet 1945 im KZ wird gerne zitiert und ich schlage dem Leser, der wesentlich tiefer dringen will, den folgenden Wikipedialink vor: "Religionsloses Christentum"
Es ist für mich erstaunlich, dass Bonhoeffer (überliefert:
„Ich möchte glauben lernen!”) ausgerechnet von hochrangigen lutherischen Kirchenleuten oft zitiert wird!
Könnte hier eine gewisse Unzufriedenheit mit dem fatalistischen und im Alter radikal menschenfeindlichen (Tötungsvorschläge bestimmter Menschengruppen, auch der Eltern ungetaufter Kinder!) Luther zu Tage kommen? Dem "gerittenen" Luther?

Da es hier gerade so treffend und entlarvend passt: Die Goldenen Regeln
Auch bei Matthäus 7,12: „So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch!”
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Aus Aktualitätsgründen beginne ich mit den 14 Beispielen im Jahr 2008.
Ich werde versuchen, mich streng an das zweite und dritte (evang.) Gebot zu halten, was mir vermutlich ganz leicht fallen wird, weil ich nicht vorhabe, Gott zu interpretieren ("... kein Bildnis oder Gleichnis machen") oder Seinen Namen im Sinne eines Vertretungsanspruches („... in Gottes Namen sage ich, dass...” oder ähnlich) - wie es leider viel zu oft geschah (Moses, Paulusbriefe etc. etc.; Sündenfreisprechungsformel) und auch noch heute geschieht -, zu missbrauchen.

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Lutherischer Bischof Dr. Michael Bünker, Wien
In seinem neuen Buch "Mit weitem Herzen", Kapitel "Diagnosen-Hoffnungen -Therapien" Seite 278; ursprünglich schon veröffentlicht im Jahr 2003:
„Das 21. Jahrhundert braucht die charismatische und diakonische Kirche. Charismatisch ist die Kirche, wenn sie nicht mehr hierarchisch organisiert ist, sondern so, dass Achtung vor den Charismen jedem und jeder das unstrittige Expertentum für den eigenen Glauben und das eigene Leben einräumt......”.
Ich hoffe, dass Herr Bischof Bünker diese humane freiheitsachtende Auffassung und weitere ähnliche in seinem Buch auch in den Jahren seines Bischofstums aufrecht erhalten kann. (Nach seiner Stellungnahme zu dieser meiner Abhandlung habe ich daran keinerlei Zweifel!)

In den Kapiteln "Des Kaisers neue Kleider", "Versöhnte Verschiedenheit" und "Die ständige Herausforderung - Untertitel 'Freiheit und Mündigkeit eines Christenmenschen als Wert und Auftrag'" gibt es für mich, und hoffentlich auch für Sie, manch sehr Interessantes.

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Erzbischof Dr. Christoph Kardinal Schönborn
Gedanken zum Evangelium am 9. Sonntag im Jahreskreis; Vollinhaltliches Teilzitat daraus:

„..... So aber ist es auch mit dem Willen Gottes. Er ist ja ein "Chef", der uns nicht "niedermacht", sondern uns vertraut. Er will ja nicht unsere blinde Unterwerfung, sondern unsere freie, vernünftige Mitarbeit. Wir dürfen auch fragen, warum er das so oder so will, warum er seine Gebote so oder so bestimmt hat. Gottes Willen ist nicht willkürlich. Auch wenn wir ihn nicht immer sofort verstehen und uns manchmal schwertun, bereitwillig zu sagen: "Dein Wille geschehe.””
Zu meiner Hervorhebung "sondern unsere freie, vernünftige Mitarbeit" möchte ich unbedingt anmerken, dass der damit verbundene Freiheitsbegriff eine Freiheit mit eben Vernunft und Verantwortung meinen dürfte.
Der fatalistische Freiheitsbegriff Luthers, den man ohne weiteres als "Narrenfreiheit" bezeichnen könnte, hat damit so ziemlich überhaupt nichts zu tun!
Luthers Freiheit: Denn der „Christenmensch” habe „am Glauben genug” und ist „gewisslich von allen Geboten und Gesetzen” „entbunden”, so Luther wörtlich in seiner Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen".

Gedanken zum Evangelium am 14. Sonntag im Jahreskreis; Vollinhaltliches Teilzitat daraus:
„.... Doch ehrlich: Wer kann von sich sagen, er kenne Gott wirklich? Was wir von Gott wissen, ist Ahnung, meist ein recht unbestimmter Glauben "an eine höhere Macht". Aber so wirklich, so ganz und gar, kennt doch keiner von uns Gott.”
Sehr offenherzige und anerkennenswerte Worte des obersten österreichischen Katholiken!
Meiner Meinung nach ein Ausspruch zur Ehrenrettung des Agnostizismus, der immer wieder von Klerikalen fälschlich mit dem Atheismus gleichgesetzt wird.
Unter Teil-Verwendung von Bischof Schönborns Worten:
Aber so wirklich, so ganz und gar, sind wir doch Alle "hoffnungsvolle Agnostiker"! In letzter Konsequenz leider Unwissende!
Dazu noch im Sonntagsevangelium 3. Juni 2012: „... denn niemand hat je Gott begriffen ...”

Der glaubende Katholik tut sich in seinem Gottesverständnis leichter, denn wie Kardinal Schönborn auch schreibt (und hier bei mir lesen wollte):
"Einer kennt Gott wie kein anderer: Jesus Christus. Denn er ist Gottes Sohn. Er ist, wie kein Mensch sonst, vertraut mit Gott, nichts Fremdes ist für ihn an Gott, den er seinen Vater nennt."
Weiters: "Wir glauben [.], dass Jesus Gott den Menschen bekannt machen konnte, weil er ihn wirklich kennt."
(Vermutlich auf Jesu Behauptung in Matthäus 11-27 beruhend.)
 
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Dr. Gustav Schörghofer,
Jesuitenpater und Kirchenrektor der Jesuitenkirche-Universitätskirche Wien.
Am 1.6.2008 in "Erfüllte Zeit" im Österr. Radio. Das volle Original hier: "Vom Haus auf dem Felsen"
„.... Ein vernünftiger, kluger Mann wird das Haus auf Felsen stellen. Damit ist gesagt, dass es Jesus der Einsicht seiner Hörerinnen und Hörer überlässt, die Wahrheit seiner Worte zu erkennen und danach zu handeln. Jesus übergeht nicht die Vernunft der Menschen, ihre Urteilsfähigkeit. Er zwingt ihnen nichts auf. Ganz im Gegenteil: Er bringt die Menschen zur Vernunft. Und zwar nicht nur zur kühl kalkulierenden mathematischen Vernunft, sondern auch zu jener anderen Vernunft, die Blaise Pascal die Vernunft des Herzens genannt hat. Eine dem Menschen gegebene Fähigkeit, intuitiv Wahres von Falschem, Recht von Unrecht zu unterscheiden..... Jesus kommt nicht als Herrscher, der Untergebenen eine Lehre aufzwingt, sondern als Diener. Sein Dienst besteht darin, die Menschen zur Vernunft zu bringen. Zu einer Vernunft, die imstande ist, die Nähe Gottes zu erkennen und zu unterscheiden von allem, was nicht Nähe Gottes ist. Dazu sind die Menschen fähig. Ein jeder, eine jede ist dazu befähigt. Fragen Sie sich doch: Was ist für Sie Religion? Was ist für Sie Glaube? Ein Zwang, der Sie einengt, der Ihnen fremd und vorgegeben ist? Könnte Glaube nicht eine Kraft sein, die Sie zum Kern Ihres Lebens führt, zur Vernunft bringt. Eine Kraft, die Sie befähigt, aus Eigenem die Wahrheit zu erkennen und zu tun. Mehr als je zuvor bedarf heute jede und jeder der Fähigkeit zur Unterscheidung. Alte Welterklärungssysteme haben ihre Kraft verloren. Wo ist Orientierung zu finden? Nicht dort, wo eine Lehre vorgegeben wird, der blindlings zu folgen ist. Sondern dort, wo Menschen geholfen wird, zur Vernunft zu kommen. Wo ihnen geholfen wird, selber zu sehen und zu hören. Dort, wo die Kirche so handelt, wie Jesus gehandelt hat.”
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Dr. Ines Knoll, bis 2019 amtsführende Pfarrerin der Lutherischen Stadtkirche Wien
Im Österreichischen Radio in den "Gedanken zum Tag" am 12.4.2008:
Daraus: „.... Irgendwann wirst auch Du Dich lösen von Formen und Gesetzen, die Dich nie gemeint haben und Du wirst aufgehen in Deiner Bestimmung und wirst von Deinem Ich befreit eingehen ins absolute Sprechen und Schweigen und Blicken und Lachen, ins Mensch-Sein. Und Dein Glaube braucht keinen Begriff und lässt sich nicht fassen in Formel und Dogma. Du lebst Deinen Glauben und Du bist frei.
(In dem Satz ist mir der sprachliche Widerspruch des grauen Textteiles zum weiteren Text "Mensch-sein" nur dann klar, wenn damit "... von Deinem alten Ich befreit..." gemeint ist.)

Nachtrag 2012: Hervorrragend passt hier auch die Pfingstpredigt 2012 von Pfarrerin Ines Knoll:
"Glaube dich frei", Pfingstsonntagspredigt: hier anklicken

Daraus: „.. Glaube Dich frei! Das ruft der Geist Gottes uns zu durch alle Lande, 
und er meint Dich und er meint mich, [...] und meint jede Kirche 
und jeden Menschen [...].  Und der Heilige Geist ruft ins Leben, [...]

Im »Das Herz der höchsten Weisheit Sutra« ist Ähnliches zu lesen:
"Weit jenseits von verwirrtem Denken,
befreit von allen Träumen und Vorstellungen,
verwirklichen sie vollständige Erleuchtung."
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Befreit von 2000 Jahren Angst
Pfarrer in Pension Kurt Audétat: Buch 2008 "Befreiung aus 2000 Jahren christlicher Angst"

Vorwort des Autors: „Durch die Gottesgabe der Mündigkeit, der Autonomie und der Inspiration wird es gelingen, daß zusammen mit der vielen verstreuten Menschlichkeiten der heutigen Zeit eine Menschheit erwächst, welche einmütig und zugleich vielfältig überlebt und neu gedeiht.”
Der Inhalt dieses Buches war im Jänner 2008 für mich das zweite große Aha-Erlebnis bezüglich meiner eigenen Glaubensempfindungen und führte folgerichtig zu meiner Nachdenklichkeit und den Internetrecherchen und den sich daraus ergebenden Abhandlungen meiner "Laienspiritualitäts"-Abhandlungsgruppe. Bei der auch noch immer wieder Unfertiges im PC-Speicher der Reifung harrt.

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In der Enzyklika „Redemptoris Missio“ (= Rundschreiben >Über die fortdauernde Gültigkeit des missionarischen Auftrages< ) von Johannes Paul II. kann man 1990 lesen, dass „sich die Kirche an den Menschen im vollen Respekt vor seiner Freiheit wendet. Die Mission bezwingt die Freiheit nicht, sondern begünstigt sie. Die Kirche schlägt vor, sie drängt nichts auf. Sie respektiert die Menschen und Kulturen, sie macht halt vor dem Heiligtum des Gewissens“. Das entspricht nicht mehr der früheren Lehre und den daraus resultierenden Aktionen gegen Andersdenkende.
Allerdings geht da schon auf Bemühungen
ab ca. 1970 von Johannes XXIII. und Paul VI.  zurück.

Im übrigen gibt das Zweite Vatikanische Konzil jenen eine Antwort, denen die Erhaltung der Gewissensfreiheit ein Anliegen ist: »Die menschliche Person hat das Recht auf religiöse Freiheit. Diese Freiheit besteht darin, daß alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang, sowohl von seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so daß in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat oder öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen innerhalb der gebührenden Grenzen nach seinem Gewissen zu handeln.«

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Ulrich Schaffer, Zitat 1988.  Aus Literaturhinweise und Quellen der Zitate zum Gesprächsforum der lutherischen Stadtkirche „Evangelisch für Einsteiger“ am 3.6.2008 mit dem Thema »PROTESTANTISMUS ALS „RELIGION DER FREIHEIT“« Original hier samt weiterer Zitate.

„Du hast das Recht, Deinen eigenen Glauben zu finden.
Das ist nicht nur Dein Recht, sondern auch Deine Verantwortung.”


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Jiddu Krishnamurti 1929 aus der Auflösungsrede seines für ihn gegründeten Ordens:
Ich behaupte, dass die Wahrheit ein pfadloses Land ist und dass es keine Pfade gibt, die zu ihr hinführen – keine Religionen, keine Sekten. Das ist mein Standpunkt, den ich absolut und bedingungslos vertrete. Die Wahrheit ist grenzenlos, sie kann nicht konditioniert, sie kann nicht auf vorgegebenen Wegen erreicht und daher auch nicht organisiert werden. Deshalb sollten keine Organisationen gegründet werden, die die Menschen auf einen bestimmten Pfad führen oder nötigen. Wenn ihr das einmal verstanden habt, werdet ihr einsehen, dass es vollkommen unmöglich ist, einen Glauben zu organisieren. Der Glaube ist eine absolut individuelle Angelegenheit und man kann und darf ihn nicht in Organisationen pressen. Falls man es tut, wird er zu etwas Totem, Starrem; er wird zu Gier, zu einer Sekte, einer Religion, die anderen aufgezwungen wird.

[…] Ich möchte keiner spirituellen Organisation, ganz gleich welcher Art, angehören, und ich bitte euch, das zu verstehen. Ich betone noch einmal, dass keine Organisation einen Menschen zur Spiritualität führen kann. Wenn eine Organisation zu diesem Zweck gegründet wird, so wird sie zu einer Krücke, die euch schwächt, zu einem Gefängnis. Solche Organisationen verkrüppeln das Individuum, hindern es daran zu wachsen und seine Einzigartigkeit zu leben, die ja darin liegt, dass es ganz alleine diese absolute, uneingeschränkte Wahrheit entdeckt. Das ist ein weiterer Grund dafür, dass ich mich – da ich der Präsident des Ordens bin – entschlossen habe, den Orden aufzulösen. Niemand hat mich zu dieser Entscheidung gedrängt oder überredet. Das ist keine großartige Tat, denn ich will keine Jünger oder Anhänger; ich meine das so, wie ich es sage. In dem Moment, in dem man beginnt, jemandem zu folgen, hört man auf, der Wahrheit zu folgen.”

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Immanuel Kant: „Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir” 
Was freilich beinhaltet: Nichts mehr dazwischen, keine Institutionen, keine "Authoritäten" etc.

Kant-Nachtrag 2012:
„Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern am Mangel in der Entschließung und des Mutes liegt.”

Dazu passend Jean-Jacques Rousseau über das Gewissen:
„O du göttlicher Instinkt, ewige und himmlische Stimme,
du zuverlässiger Führer eines zwar unwissenden und beschränkten, aber intelligenten und freien Wesens,
du unfehlbarer Richter über Gut und Böse, der du dem Menschen Gottähnlichkeit verleihst!”

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Schleiermacher
, Friedrich Daniel Ernst, evangelischer Theologe und Philosoph, * Breslau 21. 11. 1768, † Berlin 12. 2. 1834
Quelle : Meyers Lexikon Online:
„Schleiermacher begreift Religion als ein grundsätzliches menschliches Vermögen, sich durch das »unmittelbare Bewusstsein des Unendlichen (des Universums) in Anschauung und Gefühl« – später von ihm »klassisch« als »Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit« definiert – jenseits von Wissen oder Pflichthandlung zum Unendlichen zu verhalten.”
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Martin Luther, Quelle Pfarrerin Dr. Ines Knoll im Radio am 12.4.2008:
Auf dem Nichts zu stehen, das müsse der Glaube lernen”
Wobei ich annehme, dass mit "dem Nichts" weder das buddhistische Nirwana noch der Absolutbegriff "Nichts" als Abwesenheit von schlicht allem Denkbaren gemeint ist und interpretiere das als "frei vom konstruierten Pseudowissen und der darin enthaltenen Regeln".
Diesen überraschenden und hellen Lutherausspruch - überraschend wenn man sich etwas mit Luther und beispielsweise mit seiner doppelten Prädestination, seiner Rechtfertigungslehre und seinen Tischgesprächen etc. beschäftigt hat - ist nichts mehr hinzuzufügen.

Übrigens geht der Satz bei Frau Dr. Knoll im schon oben angeführten Link "Gedanken zum Tag" wie folgt weiter: „und er nimmt die ganze Geschichte der Theologie vorweg.....”

Lässt für die Zukunft interessante Entwicklungen erhoffen, nicht wahr?

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Angelus Silesius, Arzt und Priesters  (1627-1677) "Mensch, werde wesentlich!".

Aus dem Cherubinischen Wandersmann von Angelus Silesius:
    Der Himmel ist in dir:
    Halt an, wo laufstu hin, der Himmel ist in dir;
    Suchstu Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.

    Gott wohnt in einem Licht, zu dem die Bahn gebricht:
    Wer es nicht selber wird, der sieht Ihn ewig nicht.

    Wie Gott im Menschen:
    Gott ist noch mehr in mir, als wann das ganze Meer
    In einem kleinen Schwamm ganz und beisammen wär.

    Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren 
    und nicht in dir: du bleibst noch ewiglich verloren.

    Beschluss:
    Freund, es ist auch genug. Im Fall du mehr willst lesen,
    So geh und werde selbst die Schrift und selbst das Wesen.
   
"So geh und werde selbst die Schrift und selbst das Wesen." Lese in Dir selbst und erhoffe nichts von Dir wesensfremden Teilen der Außenwelt. Betonung auf "wesensfremd": Anregungen verwandter Seelen abzulehnen, wäre ja hochgradig töricht.


Und Jesus selbst?
 Das Reich Gottes ist inwendig in euch" (Lukasevangelium 17, 21)
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 Johannes Calvin 1509-1564
,  DAS Originalzitat zum "Vorgang" des Glaubens:
„Das ist eine Überzeugung, die der Gründe nicht bedarf, das ist ein Wissen, das seinen Grund in sich selber trägt, ja, auf dem das Herz sicherer und beständiger ruht als auf irgendwelchen Gründen; das ist ein Empfinden, das nur aus himmlischer Offenbarung entstehen kann. Ich rede von dem, was jeder einzelne Gläubige bei sich selber erfährt – freilich reichen meine Worte bei weitem nicht hin, um die Sache recht zu beschreiben! [...] Für jetzt wollen wir uns dies merken, dass nur der Glaube der echte ist, den der Heilige Geist in unseren Herzen versiegelt.
Ende des Zitats.

Meine Ergänzung:
Gott ist "der er ist" (JHWH=Jahwe) jenseits jeder Begründung. Somit ist eine jedes Verstehen übersteigende persönliche Empfindung die Basis der Gotteserfahrung.  "Gott geschieht" eben!
Rein subjektiv, nicht verifizierbar und von keinem Außenstehenden kritisierbar oder bekämpfbar.


Denkhilfen anzunehmen ist freilich sinnvoll! Aber ideologischen menschengeschaffenen(!) Zwängen zu entsprechen und dabei noch womöglich seine eigene Nachdenklichkeit oder sogar Überzeugung auf dem Altar der Dogmatik zu opfern wäre sehr töricht.

Aus dem Buddhismus
Hier noch ein am 23.10.09 gefundener Beitrag von Herrn Gerhard Weißgrab,
Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft
' Es war der Buddha selbst, der gesagt hat: "Nicht weil ich es gelehrt habe, oder weil es in heiligen Büchern steht, sollst du es glauben – nur wenn du es durch deinen eigenen kritischen Geist selbst geprüft hast, dann beginne es anzunehmen und fasse Vertrauen". Diese Forderung nach kritischer Prüfung des Buddha Shakyamuni an seine Anhänger und Schüler könnte man auch mit der Forderung von Sir Karl Popper nach Falsifizierbarkeit von wissenschaftlichen Ergebnissen vergleichen.

In der Lehre des Buddha geht es - so wie in den Wissenschaften - um die Einsicht in die wahre Natur der Dinge. Und dann im Weiteren darum, diese Einsichten zur Grundlage seiner Handlungen zu machen. Keine Entscheidung soll dabei auf Basis eines Dogmas getroffen werden, sondern die Basis von Entscheidungen soll breites Wissen sein, das auf Grund von Einsichten gewonnen wurde.

An der Spitze der buddhistischen Einsichten steht die Notwendigkeit von ethischem Handeln. Ethisches Handeln, dass nicht aus Gesetzen und Vorschriften begründet ist, sondern aus der tiefen Einsicht von Ursache und Wirkung. Aus der Einsicht, dass jede Handlung in ihren vielgestaltigen Konsequenzen letztendlich auch auf den Handelnden selbst ihre volle Wirkung entfaltet. Dass heilsames Handeln heilsame Folgen trägt, unheilsames Handeln unheilsame Folgen, dass aus dem Samen einer Eiche niemals eine Buche wachsen wird.'

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Damit möge es genug sein. Als Nachdenkanregung und Legitimierung der Eigenverantwortlichkeit sind meiner Meinung nach alleine schon die hier zitierten Personen an sich bestens kompetent.

Joh 4,24:
"Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten."

Rene Descartes ("Cogito, ergo sum"):
"Von diesen [...] nun stellen sich mir die einen als angeboren, andere als von außen gekommen, wieder andere als von mir selbst gebildet dar. Wenn ich einsehe, was Ding, Wahrheit, Bewusstsein ist, kann ich dies wohl lediglich aus meiner eigenen Natur schöpfen."

Antoine de Saint-Exupéry
meint: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."


Er sagte aber auch etwas, das man auf das "Glaubensschiff" jedes Einzelnen
von uns auf dem "Meer der Gläubigkeit" beziehen kann:
"Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer."


Ich hoffe, dass mir bei zumindest einem meiner Leser gelungen sein könnte, diese Sehnsucht nach dem weiten Meer der Gläubigkeit zu wecken.

Rudolf Fiala
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