» Die eigenverantwortliche dogmenfreie Gläubigkeit «
logoLaienspiritualität 24: Egal was, wie und wem Sie für Ihre Spiritualität glauben, oder auch nicht,
Sie können es in eigener Verantwortung und Überzeugung tun.

Beim teilweisen oder ganzen "In-die-Hand-nehmen" Ihres Glaubens mögen Ihnen meine Abhandlungen
und Linkangaben helfen.

© Rudolf Fiala, 28. 8. 2009,  Besuchszahl:
Die anderen Abhandlungen
 Hauptseite mit Emailadresse

Gott unser Spiegelbild: Blasphemie oder Logik?

Unsere Meinung und der Glaube kann doch nur unserer Verständnisfähigkeit entsprechen.
Zu mehr sind wir einfach gar nicht fähig!

Ein scheinbar schwieriges Thema und der Verdacht der Blasphemie liegt beängstigend nahe.
Mal abgesehen davon, dass in einem gottgewollten System "Blasphemie" auch gottgewollt wäre ...
Damit muss ich mich aber gar nicht beschäftigen, da auf unserer tieferen, menschlichen Ebene schlüssige Begründungen zu finden sind, die die Frage, ob unser persönlicher Teil Gottes unser projiziertes Spiegelbild sein könnte - also quasi nur unsere "Privatempfindung" - ausreichend beantworten.

Dazu ein adaptiertes Zitat aus meiner Abhandlung über das Kommunikationstheorem:

Eine gesprochene/geschriebene Botschaft KANN nur so verstanden werden,
wie es Wissensstand, Denkweise, Tagesverfassung, Intelligenz, Gedächtnis, Lesefähigkeit,
Lesegewohnheit, Geduld, Aufgeschlossenheit, Gutem Willen und einigen anderen Eigenschaften,
wie zum Beispiel der "Kognitiven Dissonanz" (="Ich verstehe nur Bahnhof") des EMPFÄNGERS entspricht.

Es gibt freilich auch die non-verbale Kommunikation von Empathie, Körpersprache,
Spiegelneuronen, Sympathie, etc.etc. bis zur bei jedem Menschen unterschiedlichen Beziehungs- und Liebesfähigkeit. 

Die GESENDETE Botschaft ist zwar der Auslöser für geistige Zuordnungsvorgänge und
ggf. auch Verständnis, Kritik bis zur totalen Bekämpfung, aber ihr vom SENDER zugeordneter
SINN wird  nicht unbedingt erkannt. Klar, der Sender mit einem u.U. ganz anderem
Wissensstand etc. als der Empfänger ist ja selbst Teil dieses naturgesetzlichen Problems.

Manchmal ist dieses Problem besonders sehr gut zu erkennen, wozu der Volksmund
die einfache Formel hat: "Mit einem Geburtsblinden kannst Du nicht über Farben
reden!" Nicht einmal dann, wenn er hochwissenschaftlich gebildet mit dem Begriff
"Farbtemperatur" umgehen kann, es fehlt ihm einfach die optische Information "Farbe".

Insuffiziente "Querleser" und "Funktionelle Analphabeten" (Pisa-Studie: ca. 5%-15% der europäisch-
stämmigen Bevölkerung) sind noch ein weiteres, hier vollständigkeitshalber erwähntes Problem.
Auch wenn sich die Funkionellen Analphabeten noch so sehr bemühen, sie können es nicht besser.


Zitat Ende, im obigen Link ist auch etwas über Glaube auf Basis Sir Poppers und Gödels Unvollständigkeitstheorem zu finden.

Es ist freilich unbestreitbar, dass ich auch diesen Gesetzen unterliege, wobei ich hoffe, dass sich meine Leser nicht zu sehr unterfordert oder überfordert - trotz möglichster Vermeidung von Fremdworten - fühlen. Möge meine Absicht der Anregung auf fruchtbaren Boden fallen....


Zitat Nummer 2, aus Wikipedia:

Schemata beeinflussen also als Vorwissensstrukturen die Integration neuer Information. Sie erfüllen dabei folgende Funktionen:

  1. Nur die Information wird aufgenommen, die für bereits vorhandene Schemata relevant erscheint (Selektion).
  2. Es werden aufgrund von Erwartungen bestimmte Leerstellen eröffnet, die aus dem konkreten Informationsangebot aufgefüllt werden (Erwartung).
  3. Schemabezogene Information erhält mehr Aufmerksamkeit als schemairrelevante Information und wird deshalb auch besser behalten (Aufmerksamkeit).
  4. Nur die Bedeutung, nicht aber die Form einer Information wird weiter verarbeitet (Abstraktion).
  5. Information wird in Bezug auf die vorhandenen Schemata interpretiert (Interpretation).
  6. Die verarbeitete Information wird mit den Schemata zu einem neuen System verbunden oder geht in ihm ganz auf (Integration)
Auf diesen Zitaten aufbauend ist es eigentlich leicht, die Behauptung des unterschiedlichen "privaten" göttlichen Spiegelbildes bezw. Gottesempfindens in jedem einzelnen Menschen als gegeben zu betrachten.

Die Skala der Gefühle daraus reichen aber von "euphorisch" über "beachtlich" bis zu "traurig" und "hoffnungslos"!
Die Konsequenzen daraus und vor allem die ungeheuer große Streuung über die Menschheit im Ganzen aber auch innerhalb relativ kleiner Gruppen ist unter Umständen bedenklich, als Anregung seien hier nur ein paar Themen aufgeworfen :

1) Persönlich Lebensauffassung,

2) Kontaktfähigkeit zu Familie und Bekannten,

3) Allgemeines Menschenbild,

4) Verantwortung gegenüber der Umwelt (Tiere, Pflanzen, der Planet Terra an sich),

5) Einflussmöglichkeit der Philosophie auf den vorfixierten Menschen ohne Änderungsbereitschaft,

6) Die persönlichen Toleranz- oder Unduldsamkeitsgrenzen,

und nicht zu vergessen:
7) das persönliche Gottesbewusstsein - sich seines Teil Gottes bewusst sein - als Chance zur subjektiven Lebensqualitätverbesserung für sich selbst und die Umwelt. Was allerdings eine gewisse Lern- und Änderungsfähigkeit voraussetzt; leider!

Schwierig ist hier eine Beurteilung, weil es objektiv nur wenige Messwerte für "Lebensqualität" gibt. Wie auch keine objektiven Messwerte für "gut" und "böse" und die Folgen daraus.

Es ist vorstellbar und leider auch beweisbar, dass es Menschen gibt, die sich wohler fühlen, wenn sie böse sind. Die Umwelt und andere Menschen schädigen und sich von nichts, und schon gar nicht durch gläubigen Gedanken, von Schlechtigkeiten abhalten lassen. Die machtbesessenen Päpste des Mittelalters sind die dazu "bestens" passende Beispiele. Aber auch die vielen und willigen Auslöser der abstrusen Glaubenskriege durch die Jahrtausende. Siehe auch »hier, Jänner 2011«
 
Machtbesessenheit ist überhaupt der größte Antagonist für eine humane praktizierende Ethik und wenn es einen Satan gäbe, wäre das der einfachste Beweis für seine Existenz. Was allerdings nicht nur für die Ausübung der Macht im Großen mit vielen Toten, sondern auch für kleinen Machtgeplänkel im menschlichen Leben gilt, die allerdings auch zu Toten und Schwerverletzten führen können. Bei "materiellem" Überlegenheitsgefühl zu Verkehrsopfern oder Eigenschädigung dank Unverletzbarkeitssyndroms bei Sportausübung, als auch psychisch und psychosomatisch geschädigten Mitmenschen mit Depressionen und körperlichen Stressfolgen bis zum Herztod.

Nun, nochmals zum Gottesbewusstsein, quasi geboren in der eigenen Seele, jetzt optimistisch betrachtet, samt der daraus resultierenden frohen Botschaft:

Es spricht nichts gegen die Annahme, dass ein gütiger Gott gegenüber der strikten Übereinstimmung unseres erkennen-Wollens mit unserem erkennen-Können tolerant sein könnte. Letztendlich könnte Er ja die Ursache dafür sein, von Ihm hätten wir ja unsere Talente. Bei Intoleranz würde Er sich ja widersprechen; wozu eigentlich.

Woraus schlüssig folgt, dass auch unsere gottgerichtete Erkenntnisfähigkeit, oder besser Empfindungsfähigkeit nur unseren Fähigkeiten an sich entspricht. Und somit auch nur unser ganz privates Empfindungs-Resultat oder genereller die Weltsicht "nur" den Fähigkeiten entspricht.
Hier noch passend die Ergänzung, dass viele Frauen freilich Gott nicht als männlich, sondern als weiblich empfinden.

Ansatzweise bibelgetreu verwende ich absichtlich jetzt nicht den Begriff "Bildnis", welches wir uns ja nicht machen sollen.
Ist auch nicht notwendig, die Empfindung seiner Omnipräsenz ist ausreichend für die Gläubigkeit!

Das gilt freilich für jede Form der Gläubigkeit, völlig unabhängig von Religionen, auch wenn das einschränkende "Sola Scriptura" der Christen einen Ausschließungsanspruch nahezubringen versucht.
Einen zB. ethisch nachdenklichen Manitou-gläubigen Indianer, der noch nie etwas von oder aus der Bibel gehört hat als Ungläubigen zu bezeichnen, bringen tatsächlich nur christliche Fundamentalisten zusammen. Und damit gleichzeitig Gott zu unterstellen, Ihm angeblich nicht zur Ehre reichende Menschen - da Nichtchristen - erschaffen zu haben, ist doch unbestreitbar eine Form des elitären Größenwahns. Der ja nachweislich zur Ausrottung oder Ausrottungsversuchen an nichtchristlichen Völkern geführt hat. Und führt!

In diesem Zusammenhang sei die Bemerkung erlaubt, dass das, was allgemein als christliche Religion definiert wird, größtenteils als "paulinische" Religion zu bezeichnen wäre und zu deren Entwicklung und Ausprägung Jesus sehr wenig Dogmatisches - ich wiederhole: sehr wenig Dogmatisches - beigetragen hat. Und was von Paulus und anderen Meinungsbildnern/"Kirchenvätern" noch radikal verändert worden war: siehe z.B.
Wie Paulus die Lehre Jesu verfälschte, wobei weiters anzumerken wäre, dass ein Jesus nie persönlich begegneter Paulus heutzutage mit dem Begriff "Esoteriker" - also alles "von innen" - zu bezeichnen wäre.
Sollte Sie also jemand als "Esoteriker" verunglimpfen wollen, erinnern sie ihn an Paulus und seine Nachfolger durch die Jahrtausende! ZB. an Luther und seine Unterschiede zu Jesus.

Bevor es jetzt schwer psychologisch wird:
Wenn Sie mir bezüglich der "privaten" Erkenntnisfähigkeit und somit auch der völlig "privaten" Gottesempfindung, die Ihnen niemand nehmen kann, oder zu nehmen versuchen darf, zustimmen können, kommt jetzt der Umkehrschluss:

Aus den Eigenschaften, die jemand Gott zuschreibt kann vice versa auf seine eigene Persönlichkeit geschlossen werden. Quasi ein spiritueller Rorschachtest!

Jemand, der Gott als gnadenvoll, freundlich, barmherzig, tolerant und was es an ähnlichen Begriffen noch gibt definiert, wird auch als Person mit hoher Wahrscheinlichkeit ähnliche Grundzüge aufweisen.

Jemand, der Gott als streng, intolerant, rachsüchtig, verfolgend, oder fundamentalistisch etc. definiert, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein sehr intoleranter und ggf. fundamentalistischer Mensch sein.

Weitere Beispiele und vor allem "Persönlichkeiten", die dieser Theorie entsprechen brauche ich kaum anzuführen; es gibt deren genug.

Die Crux mit diesem "Vice-Versa" ist, dass beispielsweise schlimme Einzelschicksale auch zu negativ verinnerlichten Gottesansichten führen können, die dem sonstigen Erscheinungsbild dieses betroffenen und u.U. leidenden Menschen gar nicht entsprechen. Der vielleicht ein sehr zugänglicher Mensch ist und womöglich selbst mit seinem/ihrem Gottesbild sehr unzufrieden ist.
Diese Crux haben aber alle projektiven, psychologischen Methoden, die dank besonderer Randbedingungen zu Fehlergebnissen führen.
Den sich dadurch ergebenden Misserfolg schätze ich im Mittel auf etwa 20% woraus folgt, dass Sie bei ca. 80% der Menschen mit der Meinungsbildung anhand des von ihm geäußerten Gottesbildes ziemlich gut liegen dürften. Egal, welchen Beruf diese haben oder hatten.

Überraschende Erkenntnis zu dieser Spiegelbild-Hypothese:
Das gilt nicht nur für Personen, sondern auch für doktrinäre Systeme beliebiger Art wie Religionen, Wirtschaftssysteme und Staaten!

Als Beispiel jene Religion, in der es Teufel, Fegefeuer, ewige Verdammnis, unbegrenztes Leid und Ähnliches mir Widerwärtiges als Grundkonzept gibt:
Sie war eine wesentliche Ursache oder/und Handlanger für allerlei mittelalterliche Mordaktivitäten samt Völkerauslöschungen:
Kreuzzüge, Indianermission etc.,
bibeltreue(!!) Hexenverbrennungen aus  Frauenphobie, Glaubenskriege etc. etc.
Da passt ein nach Ansicht der "zuständigen" Glaubenrepräsentanten angeblich rachsüchtiger und unbedingt zu besänftigender, ablass-schachernder grauslicher Xxxx samt seiner Erfüllungsgehilfen doch bestens dazu. Dieses Machtkonstrukt anders als Xxxx zu nennen, ist mir unerträglich; mit dem mir vertrauten - und empfundenen - Gottesbegriff hat das nicht das Geringste zu tun. Im Gegenteil, es ist eine Gottes-Vergewaltigung (siehe hier) als Quasi-Alibi der Machtbesessenheit.


Ich stehe aber keinesfalls an, an Hand der modernen Glaubensbekundungen z.B. des Wiener Erzbischofs und Kardinals Dr. Christoph Schönborn -  Zitat:
„.... Doch ehrlich: Wer kann von sich sagen, er kenne Gott wirklich? Was wir von Gott wissen, ist Ahnung, meist ein recht unbestimmter Glauben "an eine höhere Macht". Aber so wirklich, so ganz und gar, kennt doch keiner von uns Gott.” - das Verb "passt" durch eine Vergangenheitsform wie "passte" zu ersetzen. Das Zitat ist hier zu finden.

- - - o o o 0 0 0 o o o - - -

Zum erheiterndem Ausklang, falls Sie manches hier traurig gemacht hat:

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der "verborgene Gott" humorlos wäre; ganz im Gegenteil denke ich. Somit sei ein Ausflug auf die projektive humorvolle Seite erlaubt:

Lachen Wenn ich von meinen mir aus unbekannten Gründen Freude machenden Abhandlungen, von der umfangreichen Schreiberei und der Hypothese des Spiegelbildes ausgehe, hat Er es wohl kaum bei der Beschriftung der mosaischen Steintafeln als einzige schriftstellerische Tätigkeit belassen....

Oder gilt hier vielleicht doch Dorothee Sölles "Gott hat nur unsere Hände"? Und folgerichtig die Hände aller spiritueller Schreiberlinge?

 - - - o o o 0 0 0 o o o - - -

Zu dieser Abhandlung weiters noch direkt passend:

12. Freude schöner Götterfunke 24.12.2008

8. Gottes "Freie, unbezahlte Mitarbeiter" ohne dogmatische Zwänge 3.10.2008


Rudolf Fiala

Die anderen Abhandlungen
 Hauptseite mit Emailadresse

nach oben