Verkürzt
und von
Unwesentlichem bereinigt am 4.9.2009
Fund,
siehe unten, zur Versuchung im Jakobus-Evangelium 5.5.2010
Keines
der beiden Evangelien von Matthäus,
datiert in die Jahre 60-80 oder 80-100, oder von Lukas,
datiert 90-100 entstand unmittelbar nach der Bergpredigt. Also nicht
vor der Kreuzigung und Auferstehung. Was wieder einmal bedeutet, dass
die Evangelien bereits unter dem Eindruck der stattgefundenen
Auferstehung niedergeschrieben wurden.
Auch die
möglicherweise Matthäus und Lukas vorangegangene "Logienquelle
Q",
die heutzutage für die Basis der Übereinstimmungen zwischen
den Beiden gehalten wird dürfte kaum vor dem Ostergeschehen
entstanden sein.
Sogar
die Briefe des Apostel
Paulus sind in den Jahren 50-60
vor diesen Evangelien niedergeschrieben worden. Mal
abgesehen von der
Paulus-Urheberproblematik.
Allerdings:
Mir geht es hier nicht um eine Anzweiflung der Worte Jesu,
die bei Matthäus
(Quelle "Bibel-Online") wie folgt lauten:
8
..... Euer Vater weiß, was ihr bedürfet,
ehe ihr ihn bittet.
9
Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel! Dein
Name werde geheiligt
10
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.
11
Unser täglich Brot gib uns heute.
12
Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben.
13 Und
führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von
dem Übel .
Denn
dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
14
Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer
himmlischer Vater auch vergeben,
15
Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer
Vater eure Fehler auch nicht vergeben.
Ich
halte das Vorwort "Euer Vater weiß, was ihr
bedürfet, ehe ihr ihn bittet."
für
sehr wichtig! Relativiert es doch die folgenden Bitten zu einem
Vorschlag,
dessen Befolgung zwar Sinn macht, aber nicht als Ultimatum oder sine
qua non aufzufassen ist.
Ja, die Bitte "Und
führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von
dem Übel.
" ist
eigentlich die Spitze einer
unnotwendige Redundanz,
die
sogar voraussetzt, dass ER 1) vorhaben könnte, den Betenden in
Versuchung zu führen und 2) auf Bitte bereit ist, davon
abzulassen; seltsam, nicht wahr?
Erinnerungsfehler?
Übersetzungsfehler? Überlieferungsfehler? Vieles
möglich, leider.
Dazu gefunden leider erst
5.5.2010 im Jakobus-Evangelium:
13Niemand
sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott
kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand.
Vers
14 und 15
halte ich wegen der Vergebung als Heils-Mittel für sehr wesentlich,
daher sind sie hier in dieser
Abhandlung noch an die
Bitten angehängt. Siehe auch Vorwort zur Vergebungspredigt!
Bei
Markus
lautet der Text wie folgt, den ich für interessanter halte, weil vor
ihm kein
"Amen" steht, es sich also
um Jesu Worte handeln kann. Er somit sogar Teil der Bergpredigt
sein könnte, die bei Markus allerdings nicht in der Form des Matthäus
erwähnt wird:
25
Und wenn ihr stehet und
betet, so vergebet, wo ihr etwas wider jemand habt, auf daß auch euer
Vater im Himmel euch vergebe eure Fehler.
26Wenn ihr aber nicht vergeben
werdet, so wird euch euer Vater, der im Himmel ist, eure Fehler nicht
vergeben
Bei
einer
Glaubensdiskussion 2008 in Wien hat die Gruppe die
meditative, selbstmotivierende bis therapeutische Wirkung der
Gebete
festgehalten. In diesem Sinne erscheinen Jesu Worte freilich
hoch
wirksam zu sein und es ist begrüssenswert, dass es sie gibt.
Doch:
Seit Beginn meiner spirituellen Abhandlungen 2008 und den notwendigen
Recherchen im Internet - ich bin ja kein "gelernter" Theologe -
erscheint mir der subjektive "Grad der Seltsamkeit" immer mehr
zuzunehmen, was jetzt zu dieser Abhandlung führt.
Nun,
über Zwischenstufen, die bis 4.9.2009 hier lesbar waren und der
spirituellen Bereinigung als nicht wesentlich zum Opfer fielen, jetzt
nur mehr das
Ergebnis:
Im üblichen «Vater Unser» statt
der
Imperative, also statt "gib", "vergib", "führe
uns nicht" und "erlöse" halte ich die Form "Du gibst",
"vergibst","führst uns nicht" und "erlöst" als (für mich) richtiger. So
einfach und philosophisch sicher vertretbar.
Außerdem
verwende ich in Übereinstimmung mit der oben angeführt
Matthäusstelle die entlatinisierte Reihenfolge "Unser Vater" und
fühle mich durch die
Predigt
des amtsführenden Pfarrers der Wiener Reformierten Stadtkirche
Johannes Langhoff und durch den Gottesdienst am 25.1.2009 in meiner
Auffassung bestätigt.
"Ecclesia semper reformanda"!
-
- - o o o - - -
Meine
Abhandlungen, siehe Kopfzeile, sollen Anregungen zur
Eigenverantwortlichkeit bereitstellen.
Diese
die ganze Gläubigkeit betreffende Kompetenz muss somit auch
für die persönlichen Gebete gelten, "frei von Formen
und
Gesetzen, die uns nicht meinen" (Pfarrerin Ines Knoll im Österr.
Radio).
14.11.08:
Habe im
Internet eine "Urchristliche
Gemeinschaft" gefunden, deren "Vater
Unser" lautet wie folgt:
Vater
unser,
der Du bist im Himmel,
geheiligt ist Dein Name!
Unser
Reich kommt,
Dein Wille geschieht
wie im Himmel, so
auf Erden.
Unser
tägliches Brot gibst Du heute
und
vergibst uns unsre Schuld,
und wir vergeben unsern Schuldigern;
Du
führst uns in
der Versuchung
und erlöst uns
von dem Bösen.
Denn
unser ist das Reich
und
die Kraft und die Herrlichkeit
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Originalfassung
mit Anmerkungen
Auch
hier wieder die Abkehr von einem versuchenden zum helfenden und
gnädigen Gott!
Wie
auch in der anglikanischen Kirche im 3. Jahrtausend, schriftlich
festgehalten, geplant war, das Ergebnis habe ich nicht
recherchiert.
Hier noch eine interessante Abhandlung
zum kirchlich
verzerrtem Vaterunser
Rudolf
Fiala