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Laienspiritualität 10:
 Egal was, wie und wem Sie für Ihre Spiritualität glauben - oder auch nicht -, Sie könnten es in eigener Verantwortung und Überzeugung tun.
Beim teilweisen oder ganzen "In-die-Hand-nehmen" Ihres Glaubens mögen Ihnen meine Abhandlungen und Linkangaben helfen.

Das "Vater Unser" Gebet unter moderner, eigenverantwortlicher Sicht
Die beiden Evangelien als Quellen entstanden weit nach der Bergpredigt!
Die anderen Abhandlungen
© Rudolf Fiala, 13.11.2008, revidiert 22.3.09     Besuchszahl: 
Verkürzt und von Unwesentlichem bereinigt am 4.9.2009
Fund, siehe unten, zur Versuchung im Jakobus-Evangelium 5.5.2010


K
eines der beiden Evangelien von Matthäus, datiert in die Jahre 60-80 oder 80-100, oder von Lukas, datiert 90-100 entstand unmittelbar nach der Bergpredigt. Also nicht vor der Kreuzigung und Auferstehung. Was wieder einmal bedeutet, dass die Evangelien bereits unter dem Eindruck der stattgefundenen Auferstehung niedergeschrieben wurden.
Auch die möglicherweise Matthäus und Lukas vorangegangene "Logienquelle Q", die heutzutage für die Basis der Übereinstimmungen zwischen den Beiden gehalten wird dürfte kaum vor dem Ostergeschehen entstanden sein.

Sogar die Briefe des Apostel Paulus sind in den Jahren
50-60 vor diesen Evangelien niedergeschrieben worden. Mal abgesehen von der Paulus-Urheberproblematik.

Allerdings: Mir geht es hier nicht um eine Anzweiflung der Worte Jesu, die bei Matthäus (Quelle "Bibel-Online") wie folgt lauten:

8   ..... Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet.  
9   Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiligt
10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. 
11 Unser täglich Brot gib uns heute.
12 Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben.
13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel .
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

14 Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben,
15 Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben.

Ich halte das Vorwort "Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet." für sehr wichtig! Relativiert es doch die folgenden Bitten zu einem Vorschlag, dessen Befolgung zwar Sinn macht, aber nicht als Ultimatum oder sine qua non aufzufassen ist.
Ja, die Bitte
"Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel." ist eigentlich die Spitze einer unnotwendige Redundanz,
die sogar voraussetzt, dass ER 1) vorhaben könnte, den Betenden in Versuchung zu führen und 2) auf Bitte bereit ist, davon abzulassen; seltsam, nicht wahr?
Erinnerungsfehler? Übersetzungsfehler? Überlieferungsfehler? Vieles möglich, leider.

Dazu gefunden leider erst 5.5.2010 im Jakobus-Evangelium:
13Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand.

Vers 14 und 15 halte ich wegen der Vergebung als Heils-Mittel für sehr wesentlich, daher sind sie hier in dieser Abhandlung noch an die Bitten angehängt. Siehe auch Vorwort zur Vergebungspredigt!

Bei Markus lautet der Text wie folgt, den ich für interessanter halte, weil vor ihm kein "Amen" steht, es sich also um Jesu Worte handeln kann. Er somit sogar Teil der Bergpredigt sein könnte, die bei Markus allerdings nicht in der Form des Matthäus erwähnt wird:

25 Und wenn ihr stehet und betet, so vergebet, wo ihr etwas wider jemand habt, auf daß auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Fehler.
26Wenn ihr aber nicht vergeben werdet, so wird euch euer Vater, der im Himmel ist, eure Fehler nicht vergeben


Bei einer Glaubensdiskussion 2008 in Wien hat die Gruppe die meditative, selbstmotivierende bis therapeutische Wirkung der Gebete festgehalten. In diesem Sinne erscheinen Jesu Worte freilich hoch wirksam zu sein und es ist begrüssenswert, dass es sie gibt.

Doch: Seit Beginn meiner spirituellen Abhandlungen 2008 und den notwendigen Recherchen im Internet - ich bin ja kein "gelernter" Theologe - erscheint mir der subjektive "Grad der Seltsamkeit" immer mehr zuzunehmen, was jetzt zu dieser Abhandlung führt.

Nun, über Zwischenstufen, die bis 4.9.2009 hier lesbar waren und der spirituellen Bereinigung als nicht wesentlich zum Opfer fielen, jetzt nur mehr das Ergebnis:

Im üblichen «Vater Unser» statt der Imperative, also statt "
gib", "vergib""führe uns nicht" und "erlöse" halte ich die Form "Du gibst", "vergibst","führst uns nicht" und "erlöst" als (für mich) richtiger. So einfach und philosophisch sicher vertretbar.

Außerdem verwende ich in Übereinstimmung mit der oben angeführt Matthäusstelle die entlatinisierte Reihenfolge "Unser Vater" und fühle mich durch die Predigt des amtsführenden Pfarrers der Wiener Reformierten Stadtkirche Johannes Langhoff und durch den Gottesdienst am 25.1.2009 in meiner Auffassung bestätigt.

"Ecclesia semper reformanda"!

- - - o o o - - -  


Meine Abhandlungen, siehe Kopfzeile, sollen Anregungen zur Eigenverantwortlichkeit bereitstellen.
Diese die ganze Gläubigkeit betreffende Kompetenz muss somit auch für die persönlichen Gebete gelten, "frei von Formen und Gesetzen, die uns nicht meinen" (Pfarrerin Ines Knoll im Österr. Radio).



14.11.08: Habe im Internet eine "Urchristliche Gemeinschaft" gefunden, deren "Vater Unser" lautet wie folgt:
 

Vater unser,
der Du bist im Himmel,
geheiligt ist Dein Name!

Unser Reich kommt,
Dein Wille geschieht
wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gibst Du heute
und vergibst uns unsre Schuld,
und wir vergeben unsern Schuldigern;

Du führst uns in der Versuchung
und erlöst uns von dem Bösen.

Denn unser ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Originalfassung mit Anmerkungen


Auch hier wieder die Abkehr von einem versuchenden zum helfenden und gnädigen Gott!
Wie auch in der anglikanischen Kirche im 3. Jahrtausend, schriftlich festgehalten, geplant war, das Ergebnis habe ich nicht recherchiert.

Hier noch eine interessante Abhandlung zum kirchlich verzerrtem Vaterunser

Rudolf Fiala

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