Vor einem
Jahr habe ich mit meinen Internetrecherchen zum kirchlichen Themenkreis
begonnen.
Optimistischer Weise
war ich der Hoffnung auf Informationen zu stoßen, die der
Gläubigkeit förderlich sein könnten.
Mein großer Irrtum!
Fast
alles (Gott sei Dank nicht alles), was im Internet irgendwie mit
professionellen Glaubensdingen - sprich
Kirchen - zu tun hat ist in letzter Konsequenz Konfrontation,
Hader, Streit,
Ungläubigkeit etc. und befindet sich im diametralen Gegenüber
einer postulierten göttlichen Barmherzigkeit und Gnade.
Das
für mich Belastende daran ist, dass ich trotz oder gerade wegen
meiner 66 Lebensjahre in den mir erinnerlichen und aktuellen
Verhaltensweisen der Priester-/Pfarrerschaft selten einen
Gegenpol
zu all dem Negativen finden konnte und kann.
Einen Gegenpol,
den ein
wirklich gläubiger Berufstheologe wie
Priester und Pfarrer beliebiger Hierarchiestufe darstellen könnte.
Nur
mit 3 derartige "Gegenpole" habe ich persönlich zu tun, ein
Bisschen wenig in meinem Alter...
Aus
den diversen TV-Diskussionen unterschiedlicher
Glaubensrepräsentanten ist freilich zu erkennen, dass es noch
einige mehr gibt.
Erkennbar
wäre diese Gegenpol-Fähigkeit, also das Vorhandensein einer
echten gnadebasierten Gläubigkeit an zwei, miteinander verbundenen
Verhaltensweisen:
1) das gewisse spirituelle Etwas,
das man in Gespräch und/oder Liturgie samt Predigt "empfinden" kann; und
2)
der bedingungslosen Zuwendung in den persönlichen Gesprächen
ohne professionelle Abgehobenheit und erkennbaren Fluchtwunsch.
Zum
für jeden erfahrenen und/oder psychologisch trainierten Menschen
"erkennbaren Fluchtwunsch":
Die
Erscheinungsformen sind vielfältig wie Kopf abwenden, Augenkontakt
vermeiden oder mit starrem Blick erwidern, quasi andauernd mit
suchendem Blick woanders hinschauen, Körper vom
Gesprächspartner wegdrehen, Unruhe in den Füßen - ein
typisches Flucht-Intentionsverhalten -, jemand anderen in
Griffnähe begrüßen, beim Handschütteln schon
jemand Anderen anschauen und/oder während der
Handbegrüßung den Begrüßten mit der Hand schon an
sich vorbeiziehen..., bis zur Kontaktverweigerung durch echte Flucht
oder begrüßungslosem Vorbeigehen
etc.
Dass
das die gleichen Verhaltensweisen wie beim Lügen sind,
unabhängig davon, ob der Lügner Angst hat, dass seine
Lüge aufgedeckt wird, ist kaum überraschend. Das Bewusstsein
der Lüge oder der Vortäuschung alleine
reicht.
Da hilft auch die im stillen
Kämmerlein fern der
"Menschen da draußen" (seinerzeit ein Politiker) entstandene
geisterfüllteste Predigt nicht, wenn das zu merken ist.
Zur
damit verbundenen "Professionellen Abgehobenheit":
Man
könnte meinen, dass sich diese in dogmatischer Kampfbereitschaft
manifestiert. Weit gefehlt!
Diese Abgehobenheit zeigt sich
vordergründig in großer Toleranz, die anfangs einen "sehr guten
Eindruck macht".
Bei
weiteren Gesprächen zeigt sich dann schnell, dass dieses Verhalten
bereits derart ritualisiert ist, dass man das Gefühl bekommt mit
einem Schaumgummiball zu spielen. Nachgebende "Elastizität" als
Ergebnis einer monopolistischen Kompromiss- und
Anerkennungs-Unwilligkeit.
Bei einem wirklich (noch)
gläubigen Kirchenvertreter werden Sie dieses Schaumgummi-Gefühl sicher
nicht bekommen!
"Bei
einem wirklich (noch) gläubigen Kirchenvertreter.....", der Kern des
Abgehobenheits-Problems:
Kann
ein ursprünglich gläubiger und trotzdem intelligenter
Mensch überhaupt gläubig bleiben, wenn er in die Mühle
der wissenschaftlichen(?) religiösen Ausbildung und später
Fortbildung
dann im kirchlichen Beruf gerät? Sind die Institutionen im
Zeitalter des Neoliberalismus auch für die Kirchen überhaupt
an der Erhaltung einer tiefen Gläubigkeit interessiert?
Kann
ein ursprünglich gläubiger und trotzdem intelligenter Mensch überhaupt
gläubig bleiben,
wenn er die heute dank Internet und Literatur gegebenen
Informationsquellen benützt oder sogar ausschöpft? Besonders
wenn es um die Unterschiede der Religionen samt deren gottfernen
Entstehung geht? Und versucht, dazu noch die anerkannten schriftliche
Quellen, die alles andere als widerspruchsfrei - trotz deren angeblich
göttlicher Inspiration - sind, in Einklang zu bringen?
Quellen,
mit denen er/sie sich ein Priesterleben lang beschäftigen
muss oder müsste, also diesem
Instrumentarium der
Dauerbeeinflussung gar nicht
ausweichen kann?
Dazu noch all das Widerspruchsvolle
und Schreckliche in zB. der Bibel und im realen Leben......
Da
soll noch Platz für wirkliche Gläubigkeit sein? Vielleicht,
aber nur sehr "vielleicht"! Aber "Gott sei Dank" doch auch!
Durch
meine Internetstudien einerseits und andererseits durch die
immer wieder erkennbaren Verhaltensweisen vieler Kirchenprofis
hat sich meine
Vermutung, dass manche Berufstheologen massive Zweifel an der
Göttlichkeit hegen, ziemlich erhöht.
Für
mich - als Amateur - bin
ich aber in der glücklichen Lage, das mit meinen positiven
glaubensfördernden Erlebnissen überwiegend in den Jahren 2007
und 2008 kompensieren zu können. Deren "Wert" viel
größer ist als der "Unwert" einer Resignation bei
letztentlich unwesentlichen Aufregerthemen.
Und habe
jetzt auch das
zweifelhafte Glück, die glaubensbehindernden Quellen zu erkennen: all
das
Negative des Internets, letztendliche Inkonsistenz der dogmatisch
fixierten Kirchen und deren "unfreier, gefesselter" Vertreter. Gott
sei Dank gibt es auch noch ein paar "Freie" siehe hier.
Und
wieder "Gott sei Dank" gibt es auch Funde, die die wahre Offenheit
spüren lassen!
Wie die Worte von Erzbischof
Dr. Christoph
Kardinal Schönborn:
„....
Doch
ehrlich: Wer
kann von sich sagen, er kenne Gott wirklich? Was wir von Gott wissen,
ist Ahnung, meist ein recht unbestimmter Glauben "an eine
höhere Macht". Aber so wirklich, so ganz und gar, kennt doch
keiner von uns Gott.”
Wenn
ich könnte, würde ich das gerne manchem Dogmatiker und
Fundamentalisten ins Stammbuch schreiben! Besonders jenen, die sich in
ihren Äusserungen für völlig verantwortungsfrei halten
und zu "machtvollen" Argumentationen an Hand irgend welchen
menschengeschaffenen Kulturgutes, samt Zitaten und aus dem Zusammenhang
gerissenen Details daraus, neigen.
Leider
entspricht manches Hirtenverhalten, geborgen im selbstbestimmten
Elfenbeinturm, auch nicht einem Paragraphen der Österr.
Evangelischen Kirchenverfassung:
".. 5) Die
Evangelische Kirche hat in ihren Ordnungen und in ihrem Handeln die
Würde jedes einzelnen Menschen zu
achten und für sie einzutreten. Sie sucht das
Gespräch mit anderen Menschen und Gruppen, die nach der Wahrheit fragen
und Wege der Gerechtigkeit, des Friedens und der Bewahrung der
Schöpfung gehen wollen."
Es gibt
PfarrerInnen, die sich tatsächlich daran halten, denke ich.
--------- o o o O O O o o
o ----------
Womit
wir wieder zur Überschrift und auch schon Ende
dieser Abhandlung kommen "Ende
der Frustration durch gezielte Auswahl und Verweigerung":
Um
meine Seelenruhe und die Freude an der Spiritualität samt der
dazupassenden Gedanken nicht weiter zu behindern oder behindern zu
lassen, werde ich in Zukunft allen jenen Veröffentlichungen in
Internet, Rundfunk und Büchern, die mit einer
gnadeerfüllten Gläubigkeit schlechthin nichts zu tun
haben, sie vielleicht sogar bekämpfen, keine Beachtung mehr
schenken, nicht darüber nachdenken und auch nicht mehr auf dieser
meiner "Spirituellen Seite"
behandeln.
Ich
mache diese Verweigerung zu meinem Selbstschutz, weil ich in den
vergangenen Wochen gemerkt habe, dass mir
die monatelange Beschäftigung mit Negativismen einerseits, und auch
noch mit
Glaubensneid Gläubigkeitsneid - habe ich auch erst
erkennen müssen, dass es das gibt
- schlicht nicht gut tut.
Diese Erkenntnis
nicht in die Planung der wenigen mir noch verbleibenden Lebensjahre
einzubauen, wäre sehr dumm und auch meiner Familie gegenüber
verantwortungslos. Wir wissen ja, dass Stress und die damit
verbundenen
Hormone die größten Kreislaufschädiger und/oder
Lebensverkürzer sind.
Das schon auch früher
vorhandene Wissen
darüber scheint allerdings in unserer leistungspervertierten Zeit sehr
eingedämmt zu sein.....
"Alles
hat seine Zeit" (Kohelet
3, 1-15) und das gilt auch für ein Teilgebiet meines Leben.
Die Zeit der Neugier,
der intensiven Forschung, und
daraus des Entsetzens
(Scrollen bis zu "Wie
wird man eine Heilige") und der Abscheu
nach dem Lesen möge ein Ende haben.
Die
Zeit der allerdings durch das neue Wissen aufgebauten
Eigenverantwortung samt der
bestätigten Notwendigkeit der Meinungsunabhängigkeit und
letzendliche Rechtfertigung im evangelischen Sinne möge
in mir weiterleben. Samt vertrauensvoller Leichtigkeit dank SEINER
Gnade. Das reicht mir auf dem spirituellen Sektor für meine paar
restlichen Lebensjahre. Hoffentlich!
Für
ein fundamentalistisches Hick-Hack über von Menschen geschaffenen
religiösen Dogmen ist darin kein Platz mehr!
Und
auch nicht für einen Sturm, der New Orleans angeblich deswegen
heimgesucht hat, weil dort 5 Abtreibungskliniken sein sollen und Gott
nach Meinung des römisch kath. Wortspendenverfassers
dort ein Zeichen setzen wollte. Oder ein Tsunami Gottes Rache gewesen
sein soll. Grausam gegen die vielen, vielen unschuldig Betroffenen UND
eine grausame
Unterstellung gegen Gott. Wie Vieles, siehe
hier.
Alle
jenen, die die Quintessenz meiner Laienspiritualitäts-Abhandlungen
bis hier zur Nummer 13 noch nicht erkannt oder anerkannt haben,
würden weitere Abhandlungen auch nicht helfen. Sofern sie dessen
überhaupt bedürfen.
Ich sehe darin einen weiteren Grund,
wesentlich weniger Zeit und Arbeit für diesen Themenkreis
aufzubringen.
Bestenfalls anlässlich besonderer Ereignisse
und/oder Beobachtungen.
Ich
wünsche allen mir freundlich gesonnenen Lesern weiter Interesse an
meiner Seite, auch wenn ich schon eine andere Abhandlung "Gott
weint" in dem hier geäußerten Sinne stark
reduziert und entschärft habe. Oder vielleicht gerade deswegen.
Derartiges
wird es in Zukunft von mir gar
nicht mehr geben.
Das
liebelose berufliche Streiten oder beruflich begründete Ablehnen
Andersmeinender
überlasse ich in Zukunft den bezahlten und konfrontationsfreudigen
Profis in ihren jeweiligen Domänen und auf ihren Denkschienen.
Befreit
schlechthin....
Dazu
passt auch Calvins Verständnis der Rolle der menschlichen
Freiheit:
In
der Institutio schreibt er, dass Gott die Christen
vom Gesetz befreit.
Nicht, damit wir als zügellose Menschen leben können, sondern damit wir
unsere Freiheit gebrauchen können, um Gott „fröhlich und
mit großer
Freudigkeit“ als Kinder Gottes nachzufolgen
(Institutiones III, 19,5).
"Fröhlich
und freudig",
selbstverantwortlich und nicht fatalistisch
von fundamentalistischen Außenmeinungen bestimmt!
"Wenn
man den Himmel und die Sterne sehen will, muss man den Blick heben..."
Rudolf
Fiala