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Phänomenbeschreibung
Ein um die vertikale Längsebene absolut symmetrisch gebautes
Motorflugzeug mit einer genau in der Flugzeuglängsachse befindlichen
Propellerachse fliegt wie bekannt leider nicht so optimal, wie es
eigentlich zu erwarten wäre. Das gilt sowohl für manntragende Flugzeuge
- trotz des an Bord befindlichen schnell regelnd eingreifenden Piloten
- als auch besonders für ferngesteuerte Flugapparate, die wesentlich
komplizierteren zeitverzögerten Regelkreisen mit menschl. und techn.
Übersteuerungstendenzen unterliegen.
Dieses Problem einmotoriger Flugzeuge, besonders ab der Verfügbarkeit
starker Motoren, wurde bald erkannt und Kompensationsmöglichkeiten
gefunden, die bis heute bei Flugmodellen verwendet werden, deren
Sinnhaftigkeit bei Standardmodellen (fast) außer Zweifel stehen,
wohlbekannt sind und in diesem Artikel nicht weiter behandelt werden.
Das sind 'Motorsturz' und 'Seitenzug' als Heilmittel einerseits
gegen unbalanzierte Widerstands- und Auftriebsmomente und andererseits
gegen das Gegendrehmoment (abstützendes Fundamentmoment des Motors)
durch den Propeller-Drehwiderstand und gegen den Drall der
propellerbeschleunigten Luftmasse.
Die in der Folge unten beschriebenen Effekte sind unabhängig von
der Art des Motors. Die eklatanten Gleichlaufunterschiede - auch des
Propeller-Wirkungsgrades - während einer einzeln Propellerumdrehung
(4-Takt-Einzylinder während 2 Umdrehungen) sind hier annähernd
unwesentlich, ebenso deren Wegfall bei Elektromotoren.Sollten Sie zu
den Vollgaspiloten gehören, hat dieser Artikel für Sie leider nur einen
lexikalischen Wert. Sollten Sie aber Anhänger eines Fun-Fly Stils mit
zumindest zeitweilig hohen Anstellwinkeln und/oder geringen
Fluggeschwindigkeiten bis zur Vorwärtsgeschwindigkeit Null beim Hovern
sein, werden Sie hier die Begründungen für das unter besonderen
Umständen reproduzierbar ungewohnte Verhalten des Modells finden. Eine
entsprechende kompensatorische Senderprogrammierung oder bewußte
Gegensteuerbewegung noch vor Ereigniseintritt findet hier ihren
Notwendigkeitsnachweis. Festzuhalten ist, daß beide nichtlinearen
Phänomene schlecht mit statischen Trimmungen kompensierbar sind, wohl
aber ETWAS mit flugstilbezogenen schaltbaren Mixeranwendungen.
Phänomen Nr.I:
Situation I: Langsamflug mit hohem Anstellwinkel;
Folge I: Auswandern des Vortriebsmittelpunktes aus der Propellerachse
nach rechts;
Auswirkung I: Ungewollte Linkskurven, ggf. sogar Abkippen nach links.
(Gee Bee!)
Effektursache:
Stellen Sie ein Modell in Fluglage mit waagrecht stehendem Propeller
auf eine testgerechte Unterlage und betrachten Sie von oben den
Unterschied der Propellerblätter bei Absenken des Flugzeughecks in die
3-Punktlage. In dieser werden Sie erkennen, dass das in Flugrichtung
gesehene rechte Blatt so einen wesentlich höheren Anstellwinkel zu
einer horizontalen Luftströmung als das linke Blatt hat. Von der
Steigung des linken Blattes ist in waagrechter Lage der
stellungsbedingte Winkel der Motorachse zur Horizontalen abzuziehen,
beim rechten Blatt dazuzuzählen. Bei 10 Grad Motorachse-Anstellwinkel
pendelt somit die Propellersteigung je nach momentaner Lage des Blattes
(durch die Motordrehung) im linken Sektor zwischen Normsteigung und
einer um 10 Grad verringerten Propellersteigung, in der rechten
Propellerkreishälfte zwischen Normsteigung und einer um 10 Grad
vergrößerten Steigung. Der Unterschied zwischen den beiden Steigungen
bei horizontaler Propeller-Momentanlage ist in diesem Beispiel somit 20
Grad. Dem entsprechend produziert das rechts befindliche Blatt einen
wesentlich größeren Vortrieb als das linke Blatt, der Angriffspunkt der
resultierenden Vortriebskraft schwankt somit zwischen Motorachsennähe
bei senkrechter Propellermomentanstellung und rechtsseitigem
Maximalwert irgendwo in Blattmittennähe bei waagrechter
Propmomentanlage zyklisch 2x pro Umdrehung (2-Blatt-Prop) einige cm hin
und zurück.
Die Auswirkungen sind
klar, auch ohne genaue Quantifizierung: Sie sind genau so, als ob man
den Motor ein paar cm rechts außerhalb der Modellmitte montiert hätte !
Beispielhafte weitere fliegerische Auswirkungen:
- Das typische nach links Drehen beim überzogenen (Kavalier)-
Start,
- nach links Drehen im Hochanstellwinkel-Langsamflug (auch
Loopingteile!) - noch verschärft beim Verwenden auftriebs- und
widerstanderhöhender Klappen - detto beim scharfen Abfangen und 'Pulle
rein' (hier kommt noch das nach links wirkende sich schlagartig
vergrößernde Fundamentmoment bei ggf. instabilem Flugzustand durch das
Beschleunigen der Propeller- und Kurbelwellenmasse dazu und auch noch
die Luftschraubenstrahl-Drallauswirkung auf das Seitenruder).
Phänomen
Nr. II:
Dieses macht sich einerseits bei extrem schnellen Veränderungen der
Fluglage und andererseits bei aerodynamisch unstabilen Flugzuständen
mangels 'normaler' aerodynamischer Stabilisierungs- und/oder
Ruderkräfte bemerkbar. Es tritt somit besonders gut - und störend! -
erkennbar beim Hovern auf. Und bei dessen aus Showgründen 'ruckartiger'
Einleitung mittels 1/4-Looping, bei der das Phänomen reproduzierbar
ganz offensichtlich auftritt und auf Flugtagen und TOC-Videos oftmalig
diagnostizierbar ist.
Es handelt sich dabei um die Auswirkung der Propeller- und
Kurbeltriebrotation, die ja ein in schneller Rotation befindliches
Kreiselsystem erheblicher Masse darstellt.
Wenn dieser Kreisel gezwungen wird, seine Drehebene zu
verändern, reagiert er mit einer großen Kraft, wobei diese nicht als
simple Gegenkraft gegen die eingebrachte Störungskraft wirkt, sondern
um 90 Grad verdreht. Details dazu finden Sie unter dem Begriff
'Präzession' in Physik(schul)-büchern, Lexika etc. Uns interessiert ja
nur die fliegerische Auswirkung, die in der Zeit der Umlaufmotoren mit
deren schweren rotierenden Motormassen plus Propeller im wahrsten
Wortsinn leider tatsächlich mörderisch gewesen ist:
Situation II: engstes Hochziehen zum Hovern (1/4-Loop mit
1/4 bis 1/2 Gas).
Folge II: Die Präzession erzeugt eine Kraft um die Hochachse(!), obwohl
die Änderungsachse die dazu rechtwinkelig stehende Querachse ist !!
Auswirkung II: Am
Ende des 90-grädigen Hochziehens steht (fliegt) das Modell nicht
senkrecht sondern mehrere Grad nach rechts hängend; gilt für die
übliche Propellerrotation im Uhrzeigersinn.
Zur praktischen Verifizierung dieser Behauptung und zum Erspüren
der überraschend großen Präzessionskräfte kann man unter Anwendung
jeder nur erdenklichen Vorsicht ein schnelllaufendes Elektrogerät
ohne
Getriebe, wie einen Motorhandschleifer verwenden. Wenn man diesen so
hält, dass bei laufender Scheibe drehrichtig die Luftschraube
repräsentiert wird und man jetzt diesen 'loopinggerecht' nach hinten
kippt, spürt man die fast unwiderstehlichen Kräfte und am Ende des
händischen 1/4-Loopings hat man den Schleiferteller und die Motorachse
nach rechts schiefstehend im Raum.
Da sich Flugzeuge ja nur an dem nachgebenden Medium Luft
'abstützen', muss das für ein Modell natürlich die gleichen
Auswirkungen haben wie für die elastische o.a. Schleiferaufhängung in
der nachgebenden Hand.
Bei starken Korrekturen während des Hoverns, die ja wieder mit
einer schnellen Veränderung der Propellerebene verbunden sind, tritt
dieser Effekt auch erkennbar auf. Und zwar nicht nur bei
Höhen-Tiefenruderausschlag - Kippen nach rechts-links -, sondern auch
bei Drehungen um die Hochachse bei Seitenruderbetätigung, wobei sich das Modell bei Linksdrehung etwas
in Richtung Rückenlage bewegt, bei Rechtsdrehung in Richtung Bauchlage.
Je kleiner, leichter und schnellreagierend der Funflyer, um so
mehr betriffts ihn. Die 20 kg Pötte lässt das ziemlich kalt.
Zwischenbemerkung: Der besondere Clou, warum uns das
Kreiselphänomen bei harmlosen Flugzuständen nicht ununterbrochen nervt,
z.B. bei einem nicht sehr engen Looping, ist u.a. darin zu finden, daß
das o.a. Phänomen I des Vortriebsmittelpunktes bei großer Anstellung
während des Loopings die Kreiselphänomene II gegenwirkend teilweise
kompensiert und keinesfalls verstärkt. Umgekehrt gilts natürlich auch.
Es wäre interessant, diese Kompensation mit verschieden
schweren/geformten Props zu erforschen. Das Dumme daran ist nur, dass
bei einer beliebigen konstanten Drehzahl und Fluggeschwindigkeit das
Propellerzugproblem NUR vom MOMENTANEN Anstellwinkel z.B.. auch während
einer schönen Schleppgaslandung abhängt, das Kreiselproblem allerdings NUR
von der MOMENTANEN Lage-ÄNDERUNGS-Geschwindigkeit der
Propellerebene, eben besonders lästig bei schnellen Bewegungen um die
Querachse, z.B.. bei ruckartigem Abfangen!
Nur der Vollständigkeit halber: Die Präzession belästigt
auch die Turbinenflieger.
Zwar highspeed-fliegerisch nur minimal, aber bei den üblichen
Drehzahlen, besonders bei Lande-Kippstößen, werden große
nichtzentrische Kräfte auf die Turbinenläufer-Lagerelemente ausgeübt.
Bei schnellen Lande-Achsrichtungsänderungen und somit schnellem Kippen
der Rotorebene kann sich schon mal ein dann quasi solitär belastetes
Lagerkügelchen bei nicht optimalem dynamischen Schmierfilm den Grenzen
seiner Belastbarkeit nähern. Beim
Show-highspeed-Hochziehen verursachen gegen den Uhrzeiger drehende
Turbinen eine Schiebekurventendenz nach links; minimal zwar, aber doch
physikgerecht erkennbar.
Soweit zur Präzession und deren Auswirkungen beim engen
Funfly-Stil.
Erstaunlich: Beide o.a. Phänomene sind aber tatsächlich der
Grund, warum ein Boomerang so fliegt, wie er eben fliegen soll.
Toll, die Aborigines!
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