21. 9. 1968, 15:45 Uhr
Ich sitze alleine im Flugzeug, festgezurrt mit den Sicherheitsgurten und am Rücken einen Fallschirm. Meine Fliegerkollegen darunter Fritz Kellner, helfen bei den Startvorbereitungen. Dann schließt sich die Kanzel und im Flugzeug ist es still. Unbeschreiblich sind die letzten Sekunden vor dem ersten Flug wenn man weiß, man ist auf sich alleine gestellt und egal was passiert, du mußt den Vogel selbst wieder heil auf den Boden bringen. So urcool, wie man heute sagt, ist das gar nicht. Volle Konzentration ist angesagt und eine gesunde Portion Selbstvertrauen sollte man dabei haben. Nun war es soweit, die Startflagge senkte sich zu Boden und der Flieger schoß steil in den Himmel. Die Nadel des Höhenmesser drehte schnell ihre Runden - nach einigen Sekunden war die Ausklinkhöhe erreicht. Weg vom Schleppseil, ausgeklinkt - und dann die Nase runter in den Gleitflug - gutmütig schwebt der Segler dahin, er reagiert auf jede kleine Bewegung die ich mit dem Steuerknüppel mache. Meine erste Platzrunde im Alleinflug! Ein Traum! Aber bei allem Glücksgefühl - die Landung ist einzuteilen! Gegenanflug - Queranflug - Endanflug, sanft sinkt der Segler dem Punkt entgegen wo vor vier Minuten alles begonnen hatte. Die Kufe berührt den Grasboden und der Flieger kommt nach kurzer Zeit zum Stillstand. Ein Tragfläche sinkt langsam zu Boden, geschafft. 15 Uhr 49 ein sprachlos Glücklicher sitzt in einem Gerät aus Holzspanten Metallrohren und viel lackiertem Leinen und freut sich wie ein Vogel, der zum ersten Mal aus dem schützenden Nest gehüpft ist. Die jenigen die das selbst erlebt haben und diese Zeilen lesen, werden mir recht geben - doch urcool, und wie!! |