FLUGBUCH

Es ist lange her, dass ich mit der Fliegerei begonnen habe. Es war der 31.8. 1968 um 12:00 Uhr, als ich in Völtendorf zum ersten Mal in ein Segelflugzeug mit der klingenden Typenbezeichnung "Doppelraab" und dem Kennzeichen OE-0252 gestiegen bin. Die Anspannung war groß, die Freude auch, dass es endlich so weit ist! Hinter mir am unbequemen Rücksitz mehr kniehend als sitzend der Fluglehrer Hr. Leodolter oder Hr. Braun - das weiß ich leider nicht mehr so genau - die Hände auf meinen Schultern und mit ruhiger Stimme kamen die erklärenden Worte, wie wir die nächsten Minuten lebend überstehen werden. Der Starthelfer hatte das Flugzeug bereits an das Schleppseil angehängt. Am anderen Ende des Seiles stand eine bärenstarke Seilwinde mit einem achtzylinder Motor, der irgenwann aus einem alten, schwarzen, amerikanischen Gangsterauto der Marke Buick ausgebaut wurde. An den Hebeln der Seilwinde werkte mein Onkel, selbst ein begeisterter Flieger und WKII-Flugzeugmechaniker von Jagdflugzeugen. Einige Sekunden später senkte der Starthelfer die Startflagge und mit einem Ruck ging es in einem sehr steilen Winkel dem Himmel entgegen. Der erste Flug meines Lebens, was für ein Gefühl! Dank meines Fluglehrers wurde daraus "Glück ab gut Land". Nach 4 Minuten Flugzeit war der Zauber um 12:04 Uhr vorbei und ich war randvoll mit Adrenalin und einem unbeschreiblichen Glücksgefühl!
Bis zum 21. 9. 1968 hatte ich 35 Starts und Landungen mit meinen Lehrern absolviert. Im Laufe der Zeit wurde ich immer selbstständiger und die Fluglehrer waren der Ansicht, dass ich den nächsten Flug alleine machen werde. Schock! Obwohl ich mich mit dem Flugzeug bereits gut zurecht fand, bewirkte der Gedanke den nächsten Start alleine zu machen ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengegend.

 

 

Raab "Doppelraab IV"
Doppelsitzer-Schul- und
Übungssegelflugzeug

Besatzung: 1 Pilot/1 Flugschüler
Abmessungen: 
Spannweite: 12,76 m 
Höhe: 1,60m
Länge: 6,90m Flügelfläche: 18 m2
Flügelstreckung: 9,04
Gewichte: Rüstgewicht: 175 kg
Flächenbelastung: 20 kg/M2
Max. Startgewicht: 355 kg
Leistungen: Gleitzahl: 20 
Windenschlepp: 85 km/h
Zul. Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h 
Flugzeugschlepp: 110 km/h
Geringstes Sinken: 0,85 m/s

 
   
   
Der erste Alleinflug

21. 9. 1968, 15:45 Uhr
Ich sitze alleine im Flugzeug, festgezurrt mit den Sicherheitsgurten und am Rücken einen Fallschirm. Meine Fliegerkollegen darunter Fritz Kellner, helfen bei den Startvorbereitungen. Dann schließt sich die Kanzel und im Flugzeug ist es still. Unbeschreiblich sind die letzten Sekunden vor dem ersten Flug wenn man weiß, man ist auf sich alleine gestellt und egal was passiert, du mußt den Vogel selbst wieder heil auf den Boden bringen. So urcool, wie man heute sagt, ist das gar nicht. Volle Konzentration ist angesagt und eine gesunde Portion Selbstvertrauen sollte man dabei haben. Nun war es soweit, die Startflagge senkte sich zu Boden und der Flieger schoß steil in den Himmel. Die Nadel des Höhenmesser drehte schnell ihre Runden - nach einigen Sekunden war die Ausklinkhöhe erreicht. Weg vom Schleppseil, ausgeklinkt - und dann die Nase runter in den Gleitflug - gutmütig schwebt der Segler dahin, er reagiert auf jede kleine Bewegung die ich mit dem Steuerknüppel mache. Meine erste Platzrunde im Alleinflug! Ein Traum! Aber bei allem Glücksgefühl - die Landung ist einzuteilen! Gegenanflug - Queranflug - Endanflug, sanft sinkt der Segler dem Punkt entgegen wo vor vier Minuten alles begonnen hatte. Die Kufe berührt den Grasboden und der Flieger kommt nach kurzer Zeit zum Stillstand. Ein Tragfläche sinkt langsam zu Boden, geschafft. 15 Uhr 49 ein sprachlos Glücklicher sitzt in einem Gerät aus Holzspanten Metallrohren und viel lackiertem Leinen und freut sich wie ein Vogel, der zum ersten Mal aus dem schützenden Nest gehüpft ist. Die jenigen die das selbst erlebt haben und diese Zeilen lesen, werden mir recht geben - doch urcool, und wie!!

   
    Die Prüfung      
   

Text folgt