Weilerfresken
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Günther Follmann - Malerei & Restaurierung
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Die Weilerfresken der Theresienkirche
in Innsbruck

Auf der Innsbrucker Hungerburg befinden sich die Pfarrkirche und das Widum zur hl. Theresia. Sie wurde 1931 erbaut nach Entwürfen von Siegfried Thurner und 1932 vom Bischof von Brixen geweiht, da Innsbruck zu jener Zeit noch kein Bischofssitz war. Die Kirche ist ein flach gedeckter Saalraum mit Apsis und ist seit jeher als Wallfahrts -und Hochzeitskirche ein Begriff. Bereits 1910 plante man den Bau dieser Kirche zur Nachfolge einer nahe liegenden Kapelle, die auch an den Fresken Weilers zu erkennen ist. Finanziert wurde der Bau durch eine Bausteinaktion, bei der rund 66000 Ziegel verkauft werden konnten. Die Wandmalereien insgesamt entstammen unterschiedlichen Stilperioden und sind von 2 Künstlern geschaffen worden wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Über dem Eingang und am Apsisende orientieren sich die Themen an der hl. Theresia und sind vor dem zweiten Weltkrieg um 1935 von Ernst Nepo geschaffen worden. Sie zeigen in erster Linie die hl. Familie, die hl. Theresia, Christus und Engel. Ausschließlich an den Langhauswänden befinden sich die 1946/47 nach dem Krieg von Max Weiler (1910-2001) geschaffenen Werke mit einer Huldigung an das Herz Jesu, Ölberg, Abendmahl und Kreuzigung. Genau diese Malereien sind es, die dieser Kirche Berühmtheit verschafften. Nach Vollendung sind sie 10 Jahre mit Tüchern verhängt worden und im Volksmund abwertend als „Fackenmalerei“ (schriftdeutsch in etwa einer „Schweinerei“ gleichzusetzen) bezeichnet worden. Mit der Verhüllung wurde auch einer Entfernung der Malereien durch den Vatikan entgegengewirkt .Im zeitgeschichtlichen Kontext gesehen, hat Weiler hier offenbar die Bevölkerung an ihren empfindlichsten Stellen getroffen. Provokativ und an Deutlichkeit unübertreffbar wird hier den Menschen ein Spiegel vor das Gesicht gehalten, dessen Anblick heute manchen erschaudern lässt

An der Westseite Lob und Herrlichkeit Gottes der das Herz Jesu in Empfang nimmt. Am Boden das Böse. Der grüne Mann als Symbol für den Inn und im bodenlangen Umhang der Stiftsherrr Domenikus Dietrich. Als Symbol für die Sternenwelt rechts von Jesus Mars und links davon Venus, die ursprünglich nackt dargestellt worden ist, aber nach wütenden Protesten mit einem Umhang versehen werden musste. Links hinten dargestellt Generalvikar Dr. Klaus Egger und rechts davon sein Bruder als Ministranten.

An der Ostwand das eigentliche Skandalbildnis von 1947 „Der Lanzenstich“, lt. Überlieferung als Symbol für die alltäglich begangenen Sünden. Am Pferd sein Bruder und als Lanzenstecher sein Neffe, der die Kreuzigung exekutiert. Der Umstand, dass alle in Tracht des Bauern- und Schützenstandes zu sehen sind, erregte selbstverständlich die Gemüter außerordentlich. Darüber hinaus sind im Vordergrund auch noch drei relativ teilnahmslos diskutierende Männer zu sehen, wobei einer davon frappierende Ähnlichkeit mit einer Person aus einem düsteren Kapitel der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts aufzuweisen scheint. Weiler ging jeglicher Diskussion aus dem Weg indem er ihn einfach den „Onkel Sepp aus Südtirol“ nannte. Darüber hinaus sind im Vordergrund Personen zu sehen, die sich mit Abscheu von dieser Szenerie abwenden, und vollkommen erschrocken ein Mädchen, das fassungslos erscheint.

Inmitten der Ostwand ist die Tiroler Frömmigkeit abgebildet. Ort der Handlung ist Gerlos im Zillertal und dargestellt sind, wie so oft in diesem Zyklus, lebende Personen jener Zeit. Sechs Diakone tragen hier das Herz Jesu in den Himmel. Den Abschluss bildet das letzte Abendmahl mit Johannes an seiner Seite und Jesus am Ölberg.

Jedem Fresko zu Eigen ist eine geradezu unglaubliche Farbbrillanz, die von den in den frischen Kalkputz gemalten Pigmenten herrührt. Es sind anorganische Metallverbindungen, die sich durch einen hohen Lichtechtheitsgrad sowie Wetter- und Alkalienbeständigkeit auszeichnen. Sie werden in Kalksinterwasser angeteigt und in den noch frischen Kalkputz (al fresco) gemalt. Die Funktion des Bindemittels übernimmt der im Putz vorhandene Kalkhydratteig. Da es nicht möglich ist größere Werke ohne Auftrocknen des Putzes herzustellen, werden die Malereien in so genannte Tagwerke unterteilt. Es ist genau die Fläche, die ein Künstler an einem Tag zu schaffen in der Lage ist. Als Abgrenzung dienen markante Linien.

Die von Max Weiler geschaffenen Bildnisse sind zwischen 35m² und 50 m² groß und bieten über die biblischen Ereignisse hinaus einen faszinierenden Einblick in die Geschehnisse der Zeit um den Zweiten Weltkrieg. Unter anderem deshalb sind sie mittlerweile ein Kulturdenkmal ersten Ranges. Die Fresken erregen heute glücklicherweise keinen Ärger mehr und auf der Hungerburg existiert sogar ein Wegweiser dorthin. Ein Besuch lohnt in jedem Fall, um vor allem die Erkenntnis zu gewinnen, dass Innsbruck wesentlich mehr zu bieten hat, als das weithin bekannte Goldene Dachl.

Seit 1983 hegen und pflegen die so genannten unbeschuhten Karmeliter aus Wien das „Theresienkirchl“, wie es heute liebevoll genannt wird. Der damalige Bischof Reinhold Stecher hat es ihnen anvertraut, weil die hl. Theresia eine Karmeliterin war und das Gebäude somit stets eine Karmeliterkirche gewesen ist.

Text und Fotos: Günther Follmann
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