Die oft erwähnte alte Hauptgasse Franztals ist heute gesäumt von eingeschossigen, bunten und billigen Geschäftsläden und bis zu 25 Stock hohen Betonburgen. Einige Gassen des alten Franztals zeigen noch den ländlichen, alten Charme: Ähnlich wie ich es aus dem Burgenland kenne, stehen die eingeschossigen Häuser Seite an Seite mit ihrer Front zur überraschend breiten Gasse. Dahinter schließt sich der lange Streifen für den damaligen Gemüse- und Obstgarten an.
Am Hefner Haus, an der Ecke Hauptgasse - Badensergasse kann man besonders gut erkennen, wie die alten Lehmmauern aufgebaut sind. Das alte Müllerhaus existiert heute nicht mehr, weil es einer Straße weichen musste. Die ähnlichen, ganz gut erhaltenen Nachbarhäuser geben aber einen guten Einblick in die damaligen Wohnverhältnisse. Rund 130 Meter schritt ich ab, so lang reichte das schmale Grundstück nach hinten.
So sehr sich mein Vater freute mir die damaligen Verhältnisse zu schildern, so wenig Freude bereiteten wir wohl den Einheimischen: Ein rund 60-Jähriger Serbe aus dem Nachbarhaus hatte uns beobachtet und verfolgte uns noch über 50 Meter, bis er uns zwar auf Serbisch aber unmissverständlich klar machte, dass er keine Fotografien durch uns duldete.
Leider musste auch das Haus meiner Großmutter -Familie Lotspeich- bereits vor Jahren einerm Neubau weichen. Doch der Spaziergang war für mich ausgesprochen interessant. Was mich überrascht hat, war die Nähe des alten Franztal zum Zentrum des sehr lebendigen Semlin: Einige Buslinien verbinden es sogar direkt mit dem Belgrader Stadtzentrum. Und auf allen westlich von Franztal gelegenen Ackerfeldern stehen heute oft riesige Wohnblocks mit deutlich über 10 Stockwerken oder es wurden inzwischen Gewerbe- und lndustrieflächen.