Gustav Servatius

Das Mediascher " Kastell", die Stadtkirchenburg

Die MargarethenkircheVon welcher Seite auch immer man sich der Stadt Mediasch nähert, immer wird das Stadtbild von den Bauten des Kastells um den geneigten Trompeterturm, dominiert. Wenn auch der größte Teil des äußeren Mauerrings, einige Türme und Basteien, bürgerlichen Neubauten weichen mußten, so ist das Kastell mit seinen konzentrischen Mauerringen, den fünf Verteidigungstürmen, der mächtigen Margarethenkirche und dem Trompeterturm die stärkste erhaltene siebenbürgisch-sächsische Stadtkirchenburg.

Es war kein Wunder, daß gerade Mediasch seine Kirche früh durch Mauern schützte. Um das Jahr 1400 besaßen die Siebenbürger Sachsen eine katholische Eigenkirche zu der auch die vielen Siedlungen der sächsischen Hörigengemeinden des Komitatsbodens gehörten. Der Schatzmeister dieser Eigenkirche war der Mediascher Kapitelsdechant, der Zehntabgaben und Steuern verwaltete. Die ersten Türkeneinfälle, die Plünderungen in den Jahren 1435 und 1438 zwangen zu neuen Schutzmaßnahmen.

In diesen Jahren wurde der dritte Kirchenbau, die heutige Margarethenkirche fertiggestellt. 1447 wird sie zum erstenmal erwähnt und 1450 wird auch ein Burghauptmann, Castellan von Mediasch genannt.

Anfang des 15. Jahrhunderts hatte der ovale Mauerring um die Kirche schon fünf, aus Feldsteinen gemauerte Türme. Noch vor 1500 baute man einen zweiten Mauerring um die Burg mit Torturm und Basteien im Norden und im Süden. Das Rathaus und das Pfarrhaus wurden zwischen diese Mauern gebaut.

In dieser schweren Zeit vollzog sich die Reformation in Siebenbürgen. Die Religionsbesprechungen fanden auch auf den Synoden 1545,1559,1560, 1561,1571,1572 in Mediasch statt. Obwohl die Reformation von Kronstadt und Hermannstadt ausging, traf man sich im geographischen Mittelpunkt des Sachsenlandes, in der Mitte zwischen Bistritz Broos und Kronstadt, in Mediasch.

Im Jahre 1572 wurde der Pfarrer von Birthälm in Mediasch zum dritten Sachsenbischof gewählt und so blieb dieses Amt fast 300 Jahre an Birthälm gebunden. Der Stadtpfarrer von Mediasch wurde Generaldechant, Bischofstellvertreter und Finanzverwalter der jungen evangelischen Landeskirche, stand also mit an der Spitze der geistlichen Universität der Sachsen.

Innenansicht der MargarethenkircheZu den kirchlichen Versammlungen kamen häufig Landtage hinzu, die der Siebenbürgische Fürst nach Mediasch in die große Margarethenkirche einberief. Nach 1477 begann die Erbauung der Stadtbefestigung, die Mediasch zur Stadt und gleichzeitig zum Sitz des Königsrichters, zum Vorort der "Zwei Stühle" machen sollte.

Die Margarethenkirche, heute evangelische Stadtpfarrkirche.

Wie archäologische Grabungen der letzten Zeit ergeben haben, ist die Stadtpfarrkirche der dritte Sakralbau an dieser Stelle. Am Ende des 13. Jahrhunderts stand hier eine frühgotische Basilika mit drei kurzen Schiffen und einem Westturm. 50 Jahre später mußte dieses Gotteshaus vergrößert werden, ein neuer Chor mit Sakristei wurden östlich angebaut.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde zwischen Turm und Sakristei ein nördliches Seitenschiff angebaut, das vom alten Saal durch Pfeiler und gotische Bogen getrennt war. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts -1488 - wurde der jetzige Chor mit Sakristei fertiggestellt, das neue südliche Seitenschiff errichtet.

Die Margarethenkirche ist in ihrer heutigen Gestalt ein spätgotischer, dreischiffiger Hallenbau mit äußerer Länge von 56 m und einer äußeren Breite von 20 m. Im Inneren ist das Gewölbe 12 m hoch.

Innenansicht der MargarethenkircheIm Jahre 1927 wurde der Westeingang, im Zuge der Konsolidierung des Trompeterturmes, eine Betonempore im westlichen Kirchenschiff sowie eine breite Eingangstreppe gebaut. 14 Stützpfeiler umgeben das Kirchengebäude. An der Südostseite des Chores verbindet ein mächtiger Stützbogen den Chor mit dem Marienturm.

Die zweiteiligen Fenster des Nordschiffes, der Sakristei und des Chores sind hochgotisch, die dreiteiligen Fenster des Südschiffes haben "flamboyantes" Maßwerk der Spätgotik.

Im Inneren der Kirche beeindrucken die gotischen Gewölbe mit Schlußsteinen mit segnender Hand und einer Weintraube. Die Rippen des Netzgewölbes im Chor tragen an ihren Schnittpunkten Schilde mit Christus, Maria mit dem Kind, Evangelisten, 12 Apostel und vier Kirchenväter sowie Inschriftenbänder aus dem 15. Jahrhundert. Das Netzgewölbe des Haupt-und südlichen Seitenschiffes hat im Treffpunkt der Rippen Schilde mit Wappen des Königs Matthias Corvinus, des Fürsten Bäthori, die Städtewappen von Hermannstadt, Mediasch u.a. Die Kircheninnenwände waren bis zur Reformation mit Fresken bedeckt, die zur Zeit der Bilderstürme und später übertüncht worden sind. In den 70-er Jahren wurden diese Fresken zum großen Teil wieder freigelegt und konserviert. Sie zieren das nördliche Seitenschiff und die Nordwand des Mittelschiffes.

Im Jahre 1680 baute die Schusterzunft eine Empore hinter der Kanzel, im südlichen Seitenschiff, die Kesslerzunft eine im Nordschiff. Zunftwappen schmücken die Brüstungen dieser Emporen.

Im Jahre 1890 entdeckte man neue Sprünge im Gemäuer. Baumeister Fabini tauschte die schweren steinernen Gewölberippen mit leichten Blechrippen aus und verschlüsselte die Seitenwände.

Nach der schicksalhaften Schlacht und dem Sieg über die Türken auf dem Brodfeld (1479), waren Dankbarkeit und Schuldgefühl, Freude und Opferbereitschaft so groß, daß die Mediascher darangingen ihrer Kirche einen neuen, prächtigeren, würdigeren Altar zu errichten. Zwischen den Jahren 1480 und 1490 wurde der spätgotische Flügelaltar, das wertvollste Schmuckstück der Inneneinrichtung der Kirche, erstellt. Er wurde 1972/73 von Gisela Richter restauriert und leuchtet wieder in alter Pracht. Dr. Otto Folberth hat mit seinem Buch "Gotik in Siebenbürgen - der Mediascher Altar" eine umfassende Beschreibung und Analyse dieses spätgotischen Kunstwerks aus Siebenbürgen geschaffen.

Taufbecken aus dem 14. JahrhundertDie acht Tafeln der beweglichen und festen Altarflügel behandeln Szenen aus der Passion Christi und sind in Anlehnung an den Wiener Schottenaltar entstanden. Auf der Tafel der Kreuzigungsszene ist im Hintergrund eine Ansicht von Wien dargestellt, die zeigt, daß der Altar von einem Meister der Wiener Schottenstiftschule geschaffen worden ist; die dargestellte Landschaft im Hintergrund sind die Kokelberge, so daß der Meister hier gearbeitet haben muß.

Die Nische der Predella war mit einem Abendmahlbild verdeckt. Dieses hängt jetzt im nördlichen Seitenschiff und in der Predella stehen vier Skulpturen der Evangelisten von Kurtfritz Handel. Am oberen Teil des Hochaltars befindet sich ein zartes, holzgearbeitetes, vergoldetes Gesprenge mit spätgotischen Zügen (von Gerhard Mederus restauriert und ergänzt). Die Baldachine führen zwei Schildchen mit dem weiß gemalten Wappen von Mediasch und dem Wappen der Könige aus dem Hause Anjou.

Zu beiden Seiten und hinter dem Altar sind acht Grabsteine aufgestellt, die einst Gräber im Chorraum der Kirche bedeckten. Der erste von links ist jener des Mediascher Stadtpfarrers und Generaldechanten Christian Schä-seus (1535 - 1585), des bedeutendsten siebenbürgisch-sächsischen humanistischen Dichters des 16. Jahrhunderts. Wegen ihrem dekorativen Schmucksind die Grabsteine des 1621 verstorbenen Stadtpfarrers Simon Kienscher und der um 1620 verstorbenen Barbara Schemmer besonders wertvoll.

Vor dem Altar steht ein bronzenes Taufbecken mit figuralen Pflanzenornamenten und Spruchbändern mit gotischen Buchstaben. Es besteht aus zwei Teilen, einem konusförmigem, geschwungenen Ständer und einem weit geöffneten Kelch. Es wurde im 13. Jahrhundert gegossen und stammt noch aus der Vorgängerkirche. Es ist das älteste Stück der Kirchenausstattung.

An einem Pfeiler des südlichen Seitenschiffes befindet sich, in der Mitte des Kirchenraumes, die gotische Steinkanzel. Sie wird von einem barocken Schalldeckel, des Mediascher Holzschnitzers Sigismund Moess im Jahre1679 gekrönt. Auf der Westempore wurde schon 1621 die alte Orgel ersetzt, diese wieder um 1732 durch eine neuere. Im Jahre 1735 wurde die heutige Orgel aufgestellt. Sie verfügt über zwei Manuale und ein Pedal, hat 24 klingende Register mit mehr als 13 00 Pfeifen. Sie ist barock verziert und hat eine besonders gefällige Klangfarbe.

Mediasch um 1900Die Mediascher Stadtpfarrkirche besitzt eine Sammlung kostbarer anatolischer Knüpfteppiche, zum Teil von vor 1600 und ist nach Kronstadt und Schäßburg die drittgrößte im Kirchenbesitz.

Der Kirchenschatz der Mediascher Stadtpfarrkirche besteht aus wertvollen vergoldeten und silbernen Kelchen, Kannen, Patenen u.a., die meisten Schenkungen aus dem 17. Jahrhundert.

Der Kirchturm der Stadtpfarrkirche - der Trompeterturm - ist das eindruckvollste Wahrzeichen der Stadt, nicht nur weil er das höchste Gebäude des Ortes ist, sondern auch Dank seiner berühmten Schieflage. Der untere Teil stammt aus dem 13. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde er auf fünf Stockwerke erhöht und war im Jahre 1488, zugleich mit der Margarethen-kirche fertiggestellt worden. In der Zeit des diplomatischen Wettstreites um die Erlangung der Stadtrechte, wurde der Turm im Jahre 1550, innerhalb von nur 2 Monaten, um drei, auf acht Stockwerke gehoben, bekam seinen spitzen, mit verglasten Ziegeln gedeckten Turmhelm sowie die vier markanten Ecktürmchen als Zeichen dafür, daß die Stadt die Hochgerichtsbarkeit besaß.

Hier oben hatte der Stadttrompeter seinen Wachposten bezogen. Die Trompete heißt sächsisch "de Tramit". Deshalb heißt der Turm im Volksmund "Tramiterturm". Unter den Ecktürmchen sind die Zifferblätter der Turmuhren aufgemalt, die langen Uhrzeiger wurden von einem großen mechanischen Uhrwerk angetrieben, das der "Stundensteller" oder Campanator instand hielt. Heute wird das Uhrwerk elektrisch betrieben.

BurgeingangAn der Südostecke des Turmes, zwischen den Uhren, steht das hölzerne "Stundenmännlein", das mit ausgestrecktem Arm das Glöckchen zog, das den folgenden Stundenschlag ankündigte, der "Turepitz". Diese stark verwitterte Holzfigur wurde Anfang des Jahrhunderts abgenommen und in das Heimatmuseum gestellt. An ihre Stelle kam die Holzfigur eines sich auf sein Schwert stützenden Rolands. Aber auch diese Figur verwitterte sehr stark unter dem Einfluß des sauren Regens und wurde 1984 wieder durch einen "Pitz" ersetzt. Kurtfritz Handel hat ihn aus Holz geschnitzt, ein Handwerksbursche, der mit der Hand wieder das Vorglöckchen des Stundenschlags zieht.

Im Jahre 1815 wurde, nach wiederholten Blitzeinschlägen, der Blitzableiter, sowie der neue vergoldete Turmknopf montiert und aufgesetzt.

Da der Druck des 68,5 m hohen Turmes auf dem Sandboden zu groß wurde, neigte er sich langsam nach Norden zu. In den Jahren 1927/30 wurde unter Leitung des Stadtingenieurs Karl Römer der Turm konsolidiert und die weitere Neigung aufgehalten. Im Jahre 1972 mußten erneut Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Neigung des Turmes ist heute bei einer Abweichung der Turmspitze um 2,32 m von der Senkrechten stabilisiert.

Der Haupteingang vom Kleinen Markt führt durch die Alte Pforte, eine Torbastei, in den Kirchhof. Im Jahre 1796 hat sie den zinnengekrönten Wehrgang, die Falltoranlage, eingebüßt. Heute beherbergt sie eine Wohnung. Sie ist ein langgezogener Steinbau mit gebogener, eingewölbter Durchfahrt mit starkem Gefalle der Stadt zu.

Über dem letzten Joch der Tordurchfahrt erhebt sich der Glockenturm, ein siebenstöckiger, massiver Torturm. Anfang des 15. Jahrhunderts aus Feldsteinen dreigeschoßig aufgebaut, mit Treppenstollen in Mauerdicke und Steingewölbe, bekam er im Jahre 1695 noch zwei Ziegelgeschoße aufgesetzt. Das oberste Geschoß trägt den offenen hölzernen Wehrgang auf vorkragenden Hängeböcken. Unter dem Pyramidendach hängen die Glocken, die älteste von 1449, die zweitgrößte wurde 1498 gegossen. Wehrgang und Dachstuhl werden nur durch Holzstifte zusammengehalten (seit 1790).

SchneiderturmIn den oberen Mauergeschoßen sind Schießschlitze und Schießscharten ausgespart.

Der Kirchhof ist eine vom Pfarrhof zum Glockenturm geneigte Fläche. Er ist mit Katzenköpfen gepflastert und verhältnismäßig klein. Ringsum ist der ovale Platz von einer Ringmauer umgeben, deren Wehrgänge und Schießscharten nicht mehr existieren. Vom Glockenturm nach Süden schließt sich nach einem Stück Feldsteinringmauer der Schneiderturm an.

Er erhebt sich vor der Südfront des Kastells als fünfstöckiger Stein- und Ziegelbau. Sein oberes Geschoß hat einen Kranz von Gußköchern, die von vorkragenden Mauerbögen umgeben sind. Am Stuhl des Pyramidendaches, das mit Mönch- und Nonnenziegeln gedeckt ist, ist das Zunftzeichen der Schneider angebracht. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen hatte hier Lehrer Hans Prainer ein kleines Kirchen- und Heimatmuseum mit alten Möbeln, Zunftgegenständen, Andenken an St.L. Roth, dem alten "Pitz" vom Turm u.a. geschaffen. Alles wurde im Jahre 1945 konfisziert und bildete den Grundstock des neuen Städtischen Museums. Heute birgt der Turm wieder eine kleine Sammlung der Kirchengemeinde.

An den Schneiderturm angebaut, erhebt sich das Alte Rathaus. In seinen Unterbau, aus dem Zwischenmauergraben aufsteigend, sind 1583 zwei Etagen tonnengewölbter Räume gebaut worden, die als Gefängnis dienten. Das Rathaus darüber wird schon 1616 erwähnt. Im Jahre 1856 wurde gegen den Kirchhof ein zweigeschoßiger Wandelgang angebaut. Das Gebäude wird heute vom Kirchenbezirksamt und von der deutschen Schule genutzt. Die dem Markt zugekehrte hohe Front ist klassizistisch einfach gegliedert. Es war seinerzeit auch innen einfach ausgestattet, die Fenster noch im Jahre 1616 mit "Schleimen" bespannt.

Im Jahre 1803 wurde an Stelle der Runden Bastei neben dem Alten Rathaus ein gedeckter Treppenaufgang, die "Gefängnistreppe", als Verbindung vom Marktplatz zum Kirchhof gebaut. Ihr Eingang am Marktplatz hat einen klassizistischen Giebelbogen. Das Stiegenhaus ist mit Segelgewölben und Gurtbogen überdeckt. Auf dem zwischenliegenden Absatz führt eine eisenbeschlagene Türe in den Korridor des einstigen Gefängnisses und gegenüberliegend in den Hof des Kindergartens im früheren Festungsgraben.

 

Marterturm (Marienturm)Nach Osten folgt nach einem Stück Ringmauer, der Marienturm oder Marterturm. Er gehört zum ältesten Teil der Befestigung, ist als Innenturm unten aus Feldsteinen gemauert, ist unterkellert und dieser Raum war als Karner genutzt. EineWestarkade verbindet ihn mit hohem Stützbogen mit dem Chor der Kirche. Das heutige hohe Erdgeschoß hat hinter eisenbeschlagener Türe ein Tonnengewölbe und ist mit wertvollen Fresken bedeckt, die leider nur zum Teil erhalten sind: Kreuzabnahme, Lamm mit Fahne u.a.Die Heiligenbilder sind mit spätgotischen Zierrahmen aus dem 16. Jahrhundert eingefaßt. Der Raum wurde in der Pestzeit wahrscheinlich zum Abhalten der Totenmessen verwendet.

Auch in seinem Obergeschoß, das als Kanzlei im angebauten Pfarrhaus dient, sind Reste von Wandmalereien vorhanden. Der Turm hat ein Pultdach mit Schräge zum Kirchhof und auf seinen oberen Mauerrändern sind Zinnen aufgesetzt worden. Im Volksmund heißt er "Folterturm", doch haben Bodenanalysen von Dr. H. Folberth keine Blutspuren ergeben. Wahrscheinlich hat der Karner mit seinen Gebeinen, oder die Nähe des Gefängnisses mit seinen düsteren Verliesen, oder das lange Zeit hier aufbewahrte Folterrad, zu dieser Benennung geführt.

Angebaut an die Ostseite des Marienturms, zwischen den Ringmauern, steht seit dem 15. Jahrhundert das Pfarrhaus. Der einfache, unterkellerte Bau wurde im 16. Jahrhundert als Stadtpfarrhaus erweitert und aufgestockt. Aus dieser Zeit stammen Fensterumfassungen mit giebelförmigem Sturz, gotische Fenster- und Türeinfassungen mit Stabwerk, ebenso ein steinerner Türstock mit der Inschrift "1515, Magister Fridericus Plebanus".

Im Pfarrhof, ebenfalls zwischen den Mauern wurden vor 1705 die Predigerwohnungen in nüchternem Barock erbaut. Die Fragmente der Fresken aus einigen Räumen sind gleichaltrig mit jenen des Marienturmes. Zwischen Pfarrhaus und Predigerwohnungen ist ein letztes Stück des Festungsgrabens mit Stützmauer erhalten.

Eine Mauer bildet den Ostabschluß des Kirchhofes bis zum Seilerturm (Speckturm). Dieser steht auf der Nordseite des Kastells als Flankierungsturm vor der inneren Mauer. Er ist mit seinen sieben Stockwerken ein eleganter, hoher Turm, dessen oberes Stockwerk unter dem Pyramidendach, von einem Kranz von Gußlöchern umgeben ist.

Der SpeckturmSeit den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts birgt der Turm die Bibliothek des Pfarramtes, damals auch die des Gymnasiums. Im unteren Stockwerk, im Erdgeschoß ist die Gas-Heizanlage der Kirche untergebracht.

An die Ostseite des Seilerturms lehnt sich seit dem 18. Jahrhundert ein kleines Häuschen an, es war die Wohnung des dritten Predigers. An seiner Kirchhofseite hat es die zweisprachige Gedenktafel, welche daran erinnert, daß hier im Jahre 1796 Stephan Ludwig Roth geboren wurde. Heute ist das Gebäude die Wohnung des Mesners.

Vom Seilerturm nach Westen folgen die Gebäude der Alten Schule. Sie wurden im Jahre 1713 über älteren Fundamenten aus dem 14. Jahrhundert, auf der nördlichen Innenmauer errichtet und umfassen in ihrer Mitte den fünften Kastellturm, den Schulturm. Er war ein vierstöckiger Flankierungsturm und bildete mit seinem Türl einen dritten Personenzugang zum Kastell. Im Jahre 1888 wurden seine oberen Stockwerke bis zur Höhe der Dächer der neu aufgestockten Schulgebäude abgetragen. Die Alte Schule hat zu beiden Seiten des Schulturms im Erdgeschoß Räume mit Tonnengewölbe und Stichkappen. Die oberen Geschosse wurden 1829 modernisiert, das Auditorium später eingebaut. Im zweiten Obergeschoß sind Wohnungen für Dienstpersonal der Schule und Materialablage.

Die südliche Außenwand der Alten Schule hat ihr barockes plastisches Aussehen bewahren können.

Im Westen schließt die Alte Schule an den Glockenturm an, und schließt so den Ring der alten Bauten um den Kirchhof. Diese Bauten lassen das Kastell als eine einmalige architektonische Einheit erscheinen.

 

 

Grundriß der Margarethenkirche

- Grundriß des Kastells mit der evangelischen Stadtpfarrkirche -
( die in schwarz herausragenden Bauten stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert )
1. Die evangelische Margarethenkirche
2. Der Glockenturm
3. Der Schneiderturm
4. Das alte Rathaus
5. Der überdeckte Stiegenaufgang
6. Der Marienturm
7. Das Pfarrhaus
8. Die Predigerwohnung
9. Der Seilerturm
10. Das Geburtshaus von Stephan Ludwig Roth
11. Die alte Schule I
12. In das Gebäude der alten Schule eingeschlossener Verteidigungsturm
13. Die alte Schule II
nach E.Greceanu