von Gustav Servatius

Aus der Geschichte der Stadt Mediasch

Vor- und frühmittelalterliche Bewohnung

Eine Vielzahl von archäologischen Funden macht es möglich, den geschichtlichen Verlauf der Ereignisse im Mediascher Umland bis weit in die Vergangenheit zurückzuverfolgen.

Die ältesten Funde (Steinwerkzeuge, Feuerstellen, Scherben, Siedlungsreste) stammen aus der Jungsteinzeit (1300 - 1700 v. Chr.). Fundorte waren die Krähenwiesen, Unter dem Hunsrück, die Weberln-Wiese, der Kuckuck, die Pretaier Ebene, das Busderbach-Tal, die Hermannstädter Straße u.a.m.

Aus der folgenden Bronzezeit (1700 - 700 v. Chr.) stammt eine 1887 gefundene Bronzesichel sowie eine kleine Axt und eine Bronzespirale. Zusätzliche Funde belegen die Existenz einer thrakischen Bevölkerung während allen vier Kulturepochen (Schneckenberg-, Wietenberg-, Noua-und Spätbronzekultur).

Funde aus der älteren Eisenzeit, der Hallstadt-Kultur (700 - 350 v. Chr.) bezeugen die Gegenwart einer skytischen Bevölkerung, die über die Ostkarpaten hier eindrang. Reste ihrer Niederlassungen mit Hütten, Feuerstellen, Abfallgruben, Werkzeugen und Gefäßen aus einer Großsiedlung auf der Burg wurden sichergestellt. Am Südfuß der "Burg" lag der Bestattungsplatz der Siedlung.

Eine ganze Reihe von Einzelsiedlungen zeugen zusätzlich von der Gegenwart der Skyten. Mit dem Eindringen der Kelten um 350 v. Chr. in den Karpatenraum begann die Latene Kulturepoche. Schon 1860 wurden im Fleischer Hamm Bestattungsurnen und Körpergräber aus dieser Zeit gefunden. Zusätzliche Funde zeigen Bronzereifen und Halsbänder, Silberketten, auf der Töpferscheibe gefertigte Gefäße, Spangen und Armringe aus Eisen sowie Beschläge für Pferdegeschirre.

Um das Jahr 100 v. Chr. waren die Kelten von der bodenständigen Bevölkerung assimiliert und es begann die dritte Phase der Eisenzeit, die dakische Kultur. Aus dieser Zeit stammen die steinerne Handmühle vom Kuckuck, der Silberschatz, der 1829 im Fleischer Hamm gefunden wurde und dakische Silbermünzen aus der Kleinen Rohrau. Hier wurde auch ein ganzer dakischer Siedlungskomplex mit Wohn- und Grabstätten freigelegt. Dakische Funde wurden noch an der Hermannstädter Straße, bei der Fliegerschule, unter dem Bechelsken und über der Weberlnwiese gemacht.

Diese Siedlungen hatten auch in der nun folgenden Römerzeit Bestand, davon zeugen die Silbermünze mit dem Bildnis des Kaisers Antonius Pius (149 n. Chr.), eine Siedlung unter dem Bechelsken bestehend aus zehn Hütten mit Straßenpflasterung (Römerstraße?), eine Schmiedewerkstatt, Werkzeuge, Scherben von römischen Gefäßen u.a.m.

Nach dem Rückzug der Römer aus Dazien, drangen die freien Daker, die Karper, ein; die Graburne eines Karpen wurde an der Mündung des Eibesdorfer Baches gefunden. Anschließend ließen sich gotische Stämme nieder. Von ihnen stammen: ein Goldring, Griff eines Hornkammes, Goldring mit Rubinen sowie Keramikfragmente und Fibeln.

Die Goten wurden von den Gepiden abgelöst, von denen Gräber an der Hermannstädter Straße und im Bechelsken Kunde geben.

Ab 567 ließen sich slawische Völker, die Awaren und später die Bulgaren hier nieder, und slawisierten die bodenständige Bevölkerung; Zeichen dafür sind slawische Namen für Berge und Flüsse. Slawische Siedlungen wurden auf der Durleser Ebene, an der Hermannstädter Straße und im Eibesdorfer Tal anhand von einem Reitergrab, Gefäßen, Schnallen, Ringen, Anhängern u.a.m. nachgewiesen.

Ab dem 9.Jahrhundert durchdringen die Walachen, Vorfahren der Rumänen das slawische Siedlungsgebiet der Karpaten.

Vom 10. Jahrhundert an beginnt das Eindringen der Magyaren in Siebenbürgen. Unter König Ladislaus dem Heiligen (1075) schoben sie ihre Grenzverhaue von Nordwesten bis an die Große Kokel vor. Als Grenzwächter wurden die Szekler eingesetzt, ein Turkvolk, das sich den Magyaren angeschlossen hatte und zum Grenzschutz eingesetzt wurde. Reste einer Szeklersiedlung wurden unter der Margarethenkirche freigelegt, ebenso am Marktplatz, im Eibesdorfer Tal, unter dem Bechelsken, Unter der Burg, auf der Durleser Ebene und im Puschendorfer Tal.

Mitte des 12. Jahrhunderts wurde das vor der Verhaulinie liegende Land bis zum Alt unter König Geysa II besetzt und zur Kolonisation durch deutsche Siedler freigegeben und der Großteil der Szekler an die neuen Grenzverhaue am Alt und in den Ostkarpaten vorgeschoben. Das Gebiet um Mediasch wurde an ungarische Adlige vergeben.

Rückblickend muß festgestellt werden, daß die Mediascher Gemarkung seit der Jungsteinzeit ohne Unterbrechung bis in das Mittelalter bewohnt war. Kontinuierliche Siedlungsgebiete waren die Terrassen der Krähenwiese, die Durleser Ebene, die Terrasse zu beiden Seiten der Hermannstädter Straße und das Eibesdorfer Tal.

In der Bronzezeit war auch die Terrasse unter dem Bechelsken sowie die Kleine Rohrau besiedelt. Nur im Altertum umfaßte das Siedlungsgebiet auch die Weberlnwiese, Burg und Greweln, das Meschner Tal und Hinter den Eichen.

Bis zur Ansiedlung das Sachsen weilten hier Thraker, Goten, Skyten, Kelten, Daker, Römer, Goten, Gepiden, Awaren, Bulgaren, Walachen, Petschenegen und Magyaren.

Der Historiker Kurt Höret geht von einer Bevölkerungsdichte während der Römerzeit von 5 Einwohnern pro Quadratkilometer aus, das bedeutet für Siebenbürgen ungefähr 300.000 Einwohner; während der Zeit der Völkerwanderung hat sich diese Zahl auf etwa 100.000 reduziert. Im Mediascher Raum haben im Mittelalter demnach nicht mehr als einige hundert Menschen gelebt.

gustav servatius

Geschichtlicher Abriß

Es fällt dem Historiker nicht leicht, den genauen zeitlichen Ablauf der Besiedlung Siebenbürgens festzuhalten. Sicher ist, daß schon vor dem Mongoleneinfall von blühenden und wohlhabenden sächsischen Siedlungen gesprochen werden kann. Der Mongoleneinfall von 1241 richtete starke Verwüstungen an, und die begonnene Aufbauarbeit der deutschen Kolonisten wurde dadurch nachhaltig zerstört.

Um Abhilfe zu schaffen, rief König Bela weitere deutsche Siedler ins Land, und durch deren Arbeit zog bald wieder Wohlstand ein; die Siedler vermehrten sich und brauchten neues Land. Solches fand sich aber nur noch im Norden des Königbodens auf dem Komitatsboden, den die Adligen in Besitz genommen hatten. Zu diesem Gebiet gehört auch Mediasch und die zukünftigen Zwei Stühle.

Die erste Nennung des Namens Mediasch fällt in das Jahr 1267, in einer Urkunde, durch die Julas Sohn Nikolaus, von König Stefan V. vier Dörfer erhält, die schon sein Großvater besessen hatte. Es sind dies Mediasch, Fägendorf, Klosdorf und Tobsdorf. Es handelt sich also um einen Adelsbesitz von Siedlungen mit wenigen hörigen Einwohnern.

In einem weiteren Dokument das Jahres 1283 bezeugt Bischof Petrus von Siebenbürgen, daß das Weissenburger Kapitel drei Teile des ihm gebührenden Kirchenzehnten für 40 Mark Silber jährlich, den Pfarrern von acht Ortschaften des Mediascher Kapitels abgetreten habe. Es gibt also schon eine eigene Kapitelsgemeinschaft Mediasch die zum Siebenbürger Bistum gehört. Auch die drei Ortspfarrer haben deutsche Namen.

Mediasch, "villa Medyes" war eine sächsische Siedlung auf Adelsboden. Ihre Siedler waren zum großen Teil von dem südlichen freien Königsboden abgewandert, einige aber auch direkt aus dem Reich gekommen, und hatten sich für ähnliche Versprechungen wie auf dem Königsboden hier angesiedelt.

Der Unterschied zwischen den Abgaben eines freien Siedlers auf dem Königsboden und den Leistungen in den damaligen Hörigendörfern war nicht groß. Trotzdem strebten die Neusiedlungen die Erlangung der Rechte und Freiheiten des Königbodens an und schon im Jahre 1315 gelingt es ihrer Delegation, von König Karl Robert das Privileg des Hermannstädter Rechts zu erwirken. Der politische Anschluß der Zwei Stühle an die Hermannstädter Provinz fand erst im 15. Jahrhundert statt, als die Sächsische Nationsuniversität gegründet wurde.

Im Jahre 1395 erfolgten die ersten Türkeneinfälle in Siebenbürgen, die sich von nun an immer häufiger wiederholten. Im Jahre 1438 wurde auch Mediasch von ihnen verwüstet.

Trotz Verarmung und daraus folgender Steuerbefreiung, wird die einfache Kirchenburg zu einer Zufluchtsburg ausgebaut. Dieses Kastell wird im Jahre 1452 zum ersten Mal erwähnt. Hier wurde im Jahre 1459 von den drei siebenbürgischen Landesständen (Adel, Szekler, Sachsen) die "Brüderliche Allianz" (unio trium nationum) zu ersten Mal erneuert.

Nachdem, im Jahre 1480, das Kastell fertig ausgebaut war, begann man die einfachen Ortsbefestigungen mit Mauern zu ersetzen. In diesem Sinne erfolgte auch eine Verfügung des Königs Matthias Corvinus. 1490 begann die intensive Arbeit am Mauerbau, sie wurde 1534 beendet, doch erst im Jahre 1552 wurde Mediasch ständiger Sitz des Königsrichters und als Stadt Vorort der Zwei Stühle. Erster Bürgermeister der jungen Stadt wurde der Kürschner Simon Pellio. Zu dieser Zeit hatte die Stadt 1400 Einwohner, etwa 300 Familien. Im Jahre 1556 wurde Siebenbürgen ein selbstständiges Fürstentum unter türkischer Oberhoheit.

Zur selben Zeit vollzog sich in Mediasch, unter Stadtpfarrer Bartholomäus Altenberger die Reformation, der Übergang zur lutherischen Lehre.

Am 17. Juli 1543 verließen die Mönche das Kloster auf dem Zekesch und 1554 tagte die erste Synode der sächsischen Geistlichkeit in der Mediascher Stadtpfarrkirche. Im Jahre 1571 wurde dann, auch auf einer Synode in Mediasch das Augsburgische Glaubensbekenntnis angenommen.

Zur Ruhe ist die junge Stadt, dank ihrer zentralen Lage und dank ihres großen Gotteshauses, nicht mehr gekommen. Nur allzuoft berief der Fürst den Landtag nach Mediasch ein. Das war jedesmal eine starke finanzielle und materielle Belastung für Stadt und Bürgerschaft, die für Kost und Quartier, für Geschenke und Wegzehrung aller Teilnehmer und ihres ganzen Gefolges sorgen mußte.

Im Jahre 1600 wurde Mediasch von den wilden Scharen des walachischen Fürsten Michael "der Tapfere" geplündert; im folgenden Jahr abermals, diesmal von den Truppen des zurückkehrenden Sigismund Bathori. 1603 fand eine abermalige Plünderung durch die Haufen des Moszes Szekely statt. Kurz darauf mußte die Stadt dem kaiserlichen General Basta 24.000 Gulden zahlen, 1604 weitere 8.000 Gulden für den Sold der kaiserlichen Wallonen. Die kaisertreue Stadt wollte den neuen Fürsten Stefan Bocskai nicht anerkennen, wurde daher von dessen Haiduken 1605 geplündert und geschändet. Der kaiserliche Hauptmann Georg Rács jagte die Haiduken aus der Stadt, hauste dann aber ebenso grausam wie diese.

Auf dem anschließend nach Mediasch einberufenen Landtag wurde Bocskai förmlich als Fürst anerkannt. Die um die Stadt lagernden Heerhaufen der Türken, der Moldauer und Walachen sowie das fürstliche Aufgebot, mußten alle von der Stadt verpflegt werden.

Kurz darauf zogen wieder die Kaiserlichen unter Sigismund Forgach in die Stadt ein. Doch seine Truppen wurden, obwohl sie sich dem angerückten neuen Fürsten Gabriel kampflos ergeben hatten, gefesselt und in türkische Sklaverei verkauft. Die Stadt mußte 12.000 Gulden zahlen, wurde dann trotzdem zur Plünderung freigegeben.

Auf dem Landtag zu Mediasch, im Jahre 1614, den der Fürst Gabriel Bethlen einberufen hatte, erschienen auch die Mörder des Fürsten Gabriel Bathori um Belohnung zu fordern. Vor dem erbitterten Kriegsvolk flüchteten sie auf den Turm der Kirche am Zekesch. Sie wurden von dort heruntergestürzt und in Stücke gehauen.

Nach der kurzen friedlichen Regierungszeit Bethlens folgte der geldgierige und habsüchtige Georg Rákoczi (1631-1648) auf den Fürstenthron Siebenbürgens. Er hatte es vor allem auf die "Geldsäcke der Sachsen" abgesehen und forderte ständig große Summen von der Stadt.

Sein Sohn, Georg Rákoczi II. stellte sich gegen die Türken, wurde deshalb abgesetzt. Auf dem Landtag in Mediasch überredete er den neuen Fürsten Franz Rhedai, der von den Türken eingesetzt worden war, zu seinen Gunsten auf den Fürstenthron zu verzichten. Neue Leiden, Sengen und Brennen, Mord und Totschlag waren die Folge. Ali Pascha setzte dann den schwachen Fürsten Michael Apafi ein. Dieser mußte mit dem siebenbürgischen Aufgebot die Türken vor Wien begleiten.

Das schutzlose Land wurde in der Zwischenzeit von den Tataren verheert, Mediasch erneut geplündert.

Für die siegreich einziehende kaiserliche Armee mußte das Land aufkommen und riesige Mengen von Lebensmitteln in alle Garnisonen des Landes transportieren. Mediasch mußte Schulden machen. Geldgeber waren ungarische Adelige die keinerlei Verpflichtungen und Abgaben zu leisten hatten. Im Jahre 1698 hatte Mediasch mit den Zwei Stühlen nur 2030 Wirte, die Hälfte davon ohne Vieh; 549 Höfe waren wüst. Die Schuldenlast betrug 160.000 Gulden.

Dazu kamen Mißernten, Hungersnot, Viehseuchen und die Pest. 2-5 Mal brach sie in einem Jahrzehnt aus. Besonders verheerend waren die Jahre 1556, 1572, 1568, 1601-1604, 1633, 1643. Im Jahre 1646 begrub man in Mediasch über 800 Menschen, 9-14 an einem Tag. Die Pest wütete noch bis 1661.

Um die großen Lücken in der Stadtbevölkerung zu schließen, und die anstehenden Steuern, Schulden und Zinsen zahlen zu können, beschloß der Stadtrat im Jahre 1664 sächsische Dorfbewohner aufzunehmen und ihnen eine dreijährige Steuerfreiheit zu gewähren.

1667 bekam Mediasch eine kaiserliche Garnison die von den Bürgern untergebracht und verpflegt werden mußte. Gegen die kaiserliche Besetzung erhob sich Franz Rákoczi II. mit seinem Bauernheer, den "Kuruzen".

Mediasch, das kaisertreu war, wurde von den Truppen der Feldhauptleute Simon Forgacs und Lörincs Pékri belagert, bombardiert, zum großen Teil zerstört, mußte sich ergeben und hohes Lösegeld bezahlen. Von dieser Belagerung rührt die Bezeichnung der "Kuruzenschanze" her, eine Boden-Vertiefung am Friedhofberg, von wo die Kuruzen mit ihren Kanonen die Stadtmauern sturmreif schossen.

Nach Niederschlagung des Aufstandes, wurde die Herrschaft Habsburgs mit aller Härte eingeführt und auch die Gegenreformation nahm ihren Lauf. Im Jahre 1721 mußte die Stadt den Franziskanern das Kloster am Zekesch übergeben, eine katholische Piaristenschule mit Kloster wurde am Marktplatz gebaut, Rumänen zur griechisch-katholischen Kirche bekehrt, die Hälfte der Magistratsbeamten mußten Katholiken sein. Die meisten kamen aus Böhmen. In der Stadt begann manch unglaubwürdige Karriere mit einem Glaubensübertritt.

Die nächsten hundert Jahre waren ein ständiger Kampf um die Erhaltung der lebensnotwendigen Freiheiten und Rechte, ein Kampf gegen die allmächtige Hofkamarilla, die heilige Bürokratie. Zum Glück konnte der Gubernator von Siebenbürgen, Samuel von Brukenthal, zeitweise das Ärgste abschwächen, doch auch er mußte zum Schluß dem katholischen Druck weichen. Gegen die Reformen Joseph II. konnte auch er nichts ausrichten.

In Mediasch war unter solchen Verhältnissen aus dem Patriziat ein bewußter Beamtenstand entstanden, dessen Vertreter volksbewußt ihr Möglichstes zur Bewahrung der Freiheiten beitrugen.

Oft wurde von oberster Stelle ihre Arbeit gewürdigt und viele in den Adels- oder Edelmannsstand erhoben, wie die Familien Conrad von Heydendorff, Hann von Hannenheim, Krauss von Ehrenfeld, von Straussenburg, Bedeus von Scharberg, von Biedersfeld, von Kiertschberg, von Sachsenheim u. a.

Als Folge der Französischen Revolution, den sich anschließenden napoleonischen Freiheitskriegen, an denen sich auch Mediascher Grüne Jäger beteiligten, wurde der Wunsch nach demokratischen Freiheiten gegen den installierten metternichschen Polizeistaat immer mächtiger.

Studenten brachten aus Westeuropa fortschrittliches Gedankengut sowie technisches Wissen mit. So kämpfte Stefan Ludwig Roth als Lehrer, Rektor, Prediger und Pfarrer in Mediasch, Nimesch und Meschen nicht nur für eine lebensnahe Schule, für Einführung von Handfertigkeit, Turnunterricht und Singen in den Schulbetrieb, er wirkte politisch für die Durchführung der Demokratie, für die Gleichberechtigung der Rumänen und ihrer Sprache, gegen die Magyarisierung; er trat in der Landwirtschaft für Fruchtwechselfolge an Stelle des Flurzwangs der Dreifelderwirtschaft, für Anbau von Futterpflanzen, für eine Bodenkommassation, für Einfuhr produktiver Viehrassen, für die Errichtung einer sächsischen Ackerbauschule, ein.Daß er von den konservativen Mediascher Patriziern nicht verstanden wurde, war die Tragik seines Schicksals. Als die Revolution von 1848 ausbrach, stand er wie fast alle Sachsen auf Seiten der Kaiserlichen, es war ja keine soziale Revolution, sondern ein nationalistischer Aufstand der Ungarn gegen die Habsburger Herrschaft. Trotzdem versuchte er soziale Gerechtigkeit, das Humanitätsprinzip durchzusetzen. Der chauvinistische Haß war so groß, daß er nach kurzem, formalem Prozess am 11. Mai 1849 auf der Festung in Klausenburg erschossen wurde.

Erst im Jahre 1867 erreichten die Ungarn die Verwirklichung ihres Wunschtraumes; Selbstständigkeit im Rahmen der kaiserlich, königlichen Doppelmonarchie und Vereinigung Siebenbürgens mit Ungarn.

Es folgte eine totale Umstellung und Neuorganisation des Landes. Der Königsboden, die Nationsuniversität wurden aufgelöst, das ganze Land von Budapest aus in Komitate eingeteilt, die ungarische Sprache in Schule und Verwaltung, im Kulturleben eingeführt, ungarische Beamte wurden eingesetzt, es wurde versucht, die Verbindungen mit Deutschland abzuschneiden durch Nichtanerkennung dort erworbener Diplome u. s. w. Von überall begann der Zuzug von Ungarn und Rumänen in die Stadt. Doch die beginnende Industrialisierung blieb in den Kinderschuhen stecken, es fehlte Kapital und der Absatzmarkt. Da wanderten viele Sachsen aus, nach Altrumänien oder in die Vereinigten Staaten.

Der erste Weltkrieg forderte große Opfer von der Mediascher sächsischen Bevölkerung, - 481 Kriegsteilnehmer, davon 22 Kriegstote - und um so niederschlagender war sein Ausgang.

Am 8. Januar 1919 versammelten sich die Delegierten des sächsischen Nationalrates in Mediasch und sprachen sich für den Anschluß an das Königreich Rumänien aus, da, laut Karlsburger Beschlüssen vom l. Dezember 1918 "jedes Volk den Unterricht, die Verwaltung und die Rechtssprechung in seiner eigenen Sprache und durch Individuen aus seiner Mitte haben wird".

Doch allzubald sollte sich zeigen, daß diese Beschlüsse nur leere Worte waren. Die einzig zugelassene Sprache in Verwaltung und Rechtssprechung wurde die rumänische, Straßen und Plätze wurden mit fremden rumänischen oder übersetzten Namen benannt, die Vornamen wurden romanisiert, ebenso die Firmenschilder. Die Agrarreform von 1921 enteignete vor allem der evangelischen Kirche Land und Wald und erschwerte dadurch die Erhaltung der konfessionellen Schulen. Eine Reihe von chauvinistischen Schikanen erschwerten die Matura, jetzt Bakkalaureat genannt, die Erteilung von Reisepässen u. a. m. Aufgrund des vor kurzem eingeführten Erdgases, siedelten sich eine Reihe von Industriebetrieben in Mediasch an, die Arbeitskräfte aus dem Umland anzogen.

Diese Zuwanderer bauten ihre Häuschen planlos in allen Vorstadtgebieten. Das entstellte nicht nur das Aussehen der Stadt, sondern erschwerte auch die Ausführung der Kanalisation.

Der Wunsch der Rumänen, eine orthodoxe Kirche mitten auf dem Marktplatz zu errichten, konnte vereitelt werden, dafür half man ihnen beim Bau ihrer Kirche auf dem Heumarkt neben der Turnschule. Als der vor der Kirche stehende Forkeschgässer Torturm durch Brandstiftung ausbrannte und abgerissen werden sollte, gelang es dies zu vereiteln. Der Turm wurde vom Staat wieder aufgebaut. Dafür mußte aber die Büste des Frauendorfers Axente Sever mitten auf dem Marktplatz aufgestellt werden.

Gefördert wurde die Eröffnung rumänischer Unternehmen, Geschäfte, Werkstätten, die von Sachsen wurde nur ausnahmsweise bewilligt. Nach dem Wiener Schiedsspruch 1940 kamen noch einige Tausend nordsiebenbürger Rumänen nach Mediasch und es verschärften sich die Beziehungen zwischen Rumänen und Ungarn.

Während des 2. Weltkrieges waren hunderte sächsischer Männer zur deutschen Wehrmacht eingezogen worden, viele von ihnen blieben als Opfer an allen Fronten Europas. Im Laufe des.Krieges wurde der Schülergarten vollkommen zerstört, in ihm wurden Luftschutzunterstände für den Bahnhof angelegt. Direkt zu leiden hatte Mediasch nur einmal unter einem deutschen Fliegerangriff, als mehrere Bomben auf die Große Kokelbrücke abgeworfen wurden, ihr Ziel aber verfehlten und mehrere umliegende Häuser zerstörten.

Nach Rumäniens Kapitulation, nach dem Durchzug der Russen, folgte im Januar 1945 die Deportation der sächsischen Frauen und Männer zwischen 18 und 45 Jahren zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Nach fünf Jahren wurde der Großteil der Überlebenden dieser Verschleppten nach Deutschland rückgeführt.

Bereits 1945 erfolgte die totale Enteignung des Bodens und landwirtschaftlichen Inventars, vor allen Dingen der Sachsen, die zu Kriegsverbrechern erklärt worden waren. Es erfolgte die Verstaatlichung der konfessionellen Schulen, die Enteignung der Werkstätten, Geschäfte, Banken und aller wirtschaftlichen Einrichtungen, ja sogar der größeren Häuser. Es folgten Einquartierungen in die Wohnungen, Ausweisungen und Zwangsaufenthalt auf dem Lande.

So wurde das "sächsische" Mediasch liquidiert. Aber auch äußerlich veränderte sich das Stadtbild. Rohrleitungen wurden gelegt, Straßen asphaltiert, der Markt in einen Park umgewandelt.

Die Fabriken wurden modernisiert, neue Werke entstanden in allen Stadtteilen und für die auf 80.000 gewachsene Einwohnerzahl wurden ganze Stadtteile von Betonsilos gebaut.

In allen Seitentälern schoben sich die Ein- und Zweifamilienhäuser weit vor. Dazu war Mediasch "Hotelstadt" für Klein Kopisch geworden, weil dort wegen der ungeheueren Luftverschmutzung zeitweise keine Wohnungen gebaut werden durften.

Durch Einwirken des Stadtarchitekten Franz Letz gelang es, den Neubau des administrativen Zentrums, dem die Bauten des ganzen Marktplatzes zum Opfer fallen sollten, durch einen Systematisierungsplan vor die Stadtmauer zu verlegen.

Hier entstanden seit den 60-iger Jahren Kulturhaus, Hotel, Rathaus, Kino, Kaufhaus, Post - und Telefonamt, der neue Bahnhof, Busbahnhof, Feuerwehr und viele neue Hochhäuser. In diesen Jahren, besonders aber nach der Revolution, erfolgte der Massenexodus der sächsischen Bevölkerung, zuerst als Familienzusammenführung, dann als Massenflucht aus einem Land, in dem das Leben nicht mehr lebenswert sein kann.

Nur noch die Altstadt und die meisten ihrer Gebäude haben ihren sächsischen Charakter bewahrt, die Bevölkerung, die auf den Straßen und in den leeren Geschäften ein und aus geht, besteht aus fremdnationalen Neubürgern, aus auffällig vielen Zigeunern, die das große Wort führen. Die wenigen noch hier verbliebenen Sachsen fühlen sich schwach und verlassen, sie sind Fremde in ihrer Stadt.